#25 - Mitmach-Folge

Ihr habt Themen eingereicht – Sara hat recherchiert! In dieser quick-and-dirty-Science-Mitmach-Folge werfen wir einen kurzen Blick auf neueste Studien zu Ergotherapie bei ADHS, ALS und Regulationsstörungen.

Geschichten aus dem Alltag: Sara war auf dem Ergo-Retreat und freut sich jetzt auf den nahen Urlaub.

Lust auf mehr Evidenz für dein Team?

Die Studien und Artikel in dieser Folge sind:

Gurlek, S., & Bumin, G. (2024). The effect of cognitive orientation to daily occupational performance in children with attention deficit hyperactivity disorder: A pilot randomized controlled study. Applied neuropsychology. Child, 1–10. Advance online publication.

De-Bernardi-Ojuel, L., Torres-Collado, L., & García-de-la-Hera, M. (2021). Occupational Therapy Interventions in Adults with Multiple Sclerosis or Amyotrophic Lateral Sclerosis: A Scoping Review. International journal of environmental research and public health, 18(4), 1432.

Philpott-Robinson, K., Haracz, K., Blackwell, D., Mallise, C., Leonard, C., Lane, A., & Wales, K. (2024). The experiences of occupational therapists supporting children with self-regulation needs: A qualitative descriptive study. Australian occupational therapy journal, 10.1111/1440-1630.12985. Advance online publication.

Intro: Evidenz auf die Ohren der Podcast für evidenzbasierte Ergotherapie.
Sara Mohr: Hallo und herzlich Willkommen zu einer neuen Folge Evidenz auf die Ohren, Eurem Podcast für evidenzbasierte Praxis in der Ergotherapie. Mein Name ist Sara Mohr und ich bin heute allein hier vor dem Mikrofon, wir machen heute ein bisschen eine außergewöhnliche Podcast folge. Ich bin nicht ganz alleine, denn ihr alle habt mitgemacht bei der Erstellung der Themen für diese Folge. Dazu erzähle ich euch gleich mehr, aber ich moderiere mich jetzt erstmal selber rein in meine Geschichte aus dem Alltag würde ich sagen.
Ich kann euch erzählen, ich sitze hier wenige Tage vorm Urlaub und ich weiß nicht wie das bei euch ist, aber die Tage vorm Urlaub, die Woche vorm Urlaub ist immer die Schlimmste. Irgendwie verdreifachen sich alle To-Do-Listen noch mal. Ich komme da halbwegs OK durch. Weil ich vor 2 Wochen zusammen mit der Amy ja den Ergo Retreat hatte. Ich weiß gar nicht, ob wir hier im Podcast schon mal davon erzählt hatten, aber Amy von Parkinson Seminare und ich haben einen Ergo Retreat angeboten, wir sind mit ein paar Ergos zusammen ins Grüne gefahren auf dem Kieselhof bei Stuttgart und haben uns ein Wochenende genommen, um zu relaxen und zu resetten. Wir haben uns mit Betätigung beschäftigt, die uns gut tun. Wir waren draußen in der Natur, wir haben meditiert, wir haben geatmet, wir waren achtsam und wir haben uns aber auch damit beschäftigt, wie kann denn unser Arbeitsalltag eigentlich entspannter werden, was können wir denn in unserem Ergo Alltag tun, um selbst entspannter zu sein, um n bisschen Verantwortung abzugeben. Um n bisschen mehr in uns zu ruhen. Und es war wirklich ne sehr schöne Veranstaltung und das hat uns so gut gefallen und den teilnehmenden Ergos hoffentlich auch, dass wir uns entschieden haben das nächstes Jahr nochmal zu machen, wir wissen noch nicht genau wann und wo, aber wenn ihr das nicht verpassen möchtet, dann findet ihr in den Shownotes zu dieser Podcast Folge einen Link für eine Vorfreudenliste, in die ihr euch eintragen könnt. Da gebt ihr einfach ganz unverbindlich eure E Mailadresse ein und sobald wir einen Termin haben, sobald die Buchung offen ist, kriegt ihr von uns Bescheid und dann könnt ihr euch entscheiden, ob ihr euch anmelden möchtet oder nicht.
Jetzt war meine Geschichte aus dem Alltag so ein bisschen eine Werbegeschichte.
Tja, so ist das manchmal.
Also wir gehen zusammen in den Urlaub rein. Und weil Sarah heute keine Zeit hat und ich aber unbedingt von meinem Urlaub doch eine Folge vor euch aufnehmen wollte, hab ich euch gefragt, ob ihr mir nicht helfen könnt mit den Themen für diese Folge? Ich habe bei Instagram gefragt, schickt mir doch mal Themen, zu denen ich ganz schnell Quick and Dirty einfach recherchieren kann, was es denn der aktuelle Stand der Forschung zu diesem Thema aus der Ergotherapie und es kamen super viele Anfragen rein und es kommen jetzt immer noch Anfragen rein, so eine Folge können wir glaube ich jetzt öfter machen, ich habe genug Material, ich habe miir ein bisschen was rausgepickt.
Und zwar werden wir uns ganz schnell den aktuellen Stand der Forschung angucken zum Thema wie können Kinder mit Konzentrationsstörungen eigentlich in der Ergotherapie zu mehr Selbständigkeit im Alltag kommen?
Wir werden uns fragen, wie wir eigentlich in der Ergotherapie die Lebensqualität von erwachsenen Menschen mit amyotropher Lateralsklerose verbessern können. Und zum Schluss werden wir noch einmal in die Frage reinschauen, wie wir eigentlich Kinder mit Selbstregulationsstörungen unterstützen können.
Das sind die 3 Mini Einblicke in die Forschung, die wir machen, bevor wir das machen. Direkt aber schon mal der Disclaimer. Ich habe diese Anfragen heute Vormittag bekommen, ich habe das jetzt schnell recherchiert, es ist jetzt Abend, das war wirklich Quick and Dirty und wir haben zu jedem Thema nur eine Studie. Ich stelle euch ja hier immer nur eine Studie vor, aber wenn ich die vorstelle, gucke ich mir die ganze Forschung drumherum an, ich suche mir schon so einen Überblick über die Forschungslandschaft. Weil es kann immer sein, dass eine einzige Studie in ihren Aussagen, aber zum Beispiel, weil sie schlecht gemacht ist, komplett abweicht von dem, was eigentlich gerade der Konsens ist in der Forschung. Das ist jetzt bei den Studien, die wir uns heute anschauen, nicht ausgeschlossen.
Das also als Disclaimer immer alles mit Sinn und Verstand überlegen und ich möchte diese Gelegenheit an der Stelle nutzen, wo wir schon über Evidenzen sprechen, noch mal auf die aller allererste Podcast Folge von uns hinzuweisen, wo wir auch darüber sprechen, was ist eigentlich evidenzbasierte Praxis?
Denn es tut mir herzlich leid, aber nur diesen Podcast hören ist ja keine evidenzbasierte Praxis, nur ne Studie recherchieren ist ja auch keine evidenzbasierte Praxis, sondern das setzt sich ja zusammen aus 3 Teilen. Ja, ich brauche die externe Evidenz, ich brauche Studien, ich brauche Leitlinien, ich brauche Wissenschaft, das ist aber nur ein Drittel. Ein weiteres Drittel ist meine eigene Expertise als Ergotherapeutin, als Ergotherapeut. Die Berufserfahrung, die ich habe, aber vielleicht auch Fortbildungen, die ich habe, Themen, in die ich mich reingearbeitet habe, wo ich einfach meine eigene Expertise mitbringe. Und als drittes die Expertise unserer Klient*innen. Und die ist nicht zu unterschätzen, denn je nachdem, was die für ne Erkrankung haben, bringen die da sehr sehr viel Erfahrungswissen, sehr sehr viel Expertise mit. Die bringen alle immer die Expertise für ihren eigenen Alltag mit und für die Dinge, die da vielleicht funktionieren könnten oder auch nicht funktionieren. Und die Kunst ist jetzt, alle diese 3 Sachen zusammenzubringen. Es bringt mir nichts, wenn ich nur nach meinem eigenen Bauchgefühl gehe, es bringt mir aber auch nichts, wenn ich mich stupide nach Studien ausrichte, ich muss da irgendwo eine Schnittmenge finden.
Das heißt, wenn ich zum Beispiel eine ganz tolle Fortbildung habe in Spiegeltherapie, und ich habe eine Klientin mit einem Krankheitsbild, wo auch die Leitlinie sagt, Hey, Spiegel Therapie ist da total angezeigt, das ist total wirksam, die Klientin selber kann sich aber nicht darauf einlassen, hat vielleicht schlechte Erfahrungen damit gemacht, sagt das ist nichts für mich, ich kann diese Konzentration nicht aufbringen, das bringt mir nichts als Intervention für meine Ziele, ja dann ist es in dem Moment nicht evidenzbasiert Spiegeltherapie anzuwenden.
Umgekehrt, wenn der Klient und ich uns total einig sind, dass 15 Purzelbäume hintereinander schlagen, alle seine Probleme lösen wird. Ist jetzt ein stupides Beispiel merkt ihr. Aber wenn meine Berufserfahrung und die Expertise des Klienten übereinstimmen, ich aber wissenschaftliche Evidenz habe, die sagen, Hey, Moment, die Intervention, die ist kontraindiziert, dann ist es auch nicht evidenzbasiert, auch wenn der Klient das noch so sehr will, das anzuwenden. Im Gegenteil, das kann sogar gefährlich sein. Ich muss also alle 3 Bereiche immer vereinen und da ist manchmal n bisschen, ja, Kreativität gefragt, da ist viel Wissen gefragt, da ist Recherchekompetenz und Menschenkenntnis gefragt. Aber wer bringt das mit, wenn nicht wir Ergos, jetzt mal ganz ehrlich?
So nach diesem Vorwort Quick and Dirty einmal rein in unsere Mitmach Podcast Folge.
Wir fangen an mit dem ersten Thema. Und zwar wurde über Instagram gefragt, was ist eigentlich mit Kindern mit Konzentrationsstörungen, wie können wir denen in der Ergotherapie zu mehr Selbstständigkeit im Alltag verhelfen?
Kinder mit Konzentrationsstörungen habe ich in meiner Suche einfach mal gefasst als Kinder mit ADHS.
Und folgende Studie ist da rausgefallen: The effect of cognitive orientation to daily occupational performance in children with attention deficit and hyperactivity disorder, appiled randomized control study.
Also eine Studie zum CO-OP bei Kindern mit ADHS. Und es ist eine Pilotstudie von einem RCT, die ist von 2024. Wie gesagt, ich hab immer nach dem neuesten Studien gesucht.
Und es ist eine RCT, das heißt, es ist eine randomisiert kontrollierte Studie, aber eine Pilotstudie, eine Pilotstudie mache ich quasi, bevor ich die wirklich große Studie mache, mit einer kleineren Anzahl von Teilnehmenden, um zu gucken, funktionieren alle meine Systeme, Krieg ich schon erste Ergebnisse, die in die richtige Richtung deuten.
Und kann ich schon Lernerfahrung machen für die dann folgende große Studie? Ich fand dieses RCT sehr, sehr spannend, deshalb gucken wir es uns an, obwohl es nur in Anführungszeichen ne Pilotstudie ist. Die Ergebnisse sind nämlich schon sehr interessant und ich bin gespannt auf die große dann folgende Studie.
Es gab 2 Gruppen mit jeweils 15 Kindern, also insgesamt 30 Kinder.
In 2 Gruppen und die Kinder waren alle zwischen 7 und 12 Jahren alt und hatten alle ne gesicherte ADHS Diagnose.
Die eine Gruppe war die CO-OP Gruppe. Diese Gruppe hat 12 Einheiten CO-OP Therapie erhalten, in 6 Wochen also 2 Einheiten pro Woche, jeweils eine Stunde lang und das verlief ganz Standard nach CO-OP, das heißt es gab eine individuelle Zielsetzung, es gab eine Performance Analyse, es wurden kognitive Strategien entwickelt, um Problemstellungen im Alltag zu bewältigen und so weiter.
Die Kontrollgruppe war auch 15 Kinder groß, hat keine Intervention erhalten.
Mit den Kindern wurden, bevor die Intervention losging und am Ende des Interventionszeitraums Assessments gemacht, nämlich das COPM, es gab das Goal Attainment Scaling und es gab verschiedene Skalen, um die Exekutivfunktionen zu testen und die Betätigungsroutinen im Alltag darzustellen. Und da zeigte sich jetzt schon in der Pilotstudie sehr deutlich, dass sich die signifikant stärker, vor allem in den Bereichen der Betätigungsperformanz, also dem Ausführen von Betätigung und auch bei der Zufriedenheit mit diesen Betätigungen und mit den Alltagsroutinen gezeigt hat. Die CO-OP Gruppe hat außerdem bessere Exekutivfunktionen bei täglichen Routinen gezeigt.
Das heißt auf die Frage, Was können wir in der Ergotherapie machen, wenn wir Kindern mit in Konzentrationsstörungen mehr Selbständigkeit im Alltag ermöglichen möchten, dann wäre CO-OP, zumindest was diese eine Studie sagt, auf jeden Fall ne Option, die man sich mal überlegen könnte.
Nächste Frage, die kam. Es gab 2 Fragen von 2 unterschiedlichen Leuten zum Thema ALS Amyotrophe Lateralsklerose und ich wollte eigentlich zuerst die andere Frage nehmen. Da wurde nämlich gefragt, wie ist es eigentlich ist bei ALS sind da Koordinations- und Bewegungsübungen sinnvoll in der Ergotherapie und das fand ich eine total spannende Frage, weil ALS ja a eine degenerative Erkrankung ist. Die Symptome also immer weiter fortschreiten und jetzt mal ganz platt gefragt, hilft es da überhaupt was dagegen anzuarbeiten? Mit Bewegungsübungen fand ich total spannend, habe ich zuerst gesucht und habe erschreckend wenig dazu gefunden, man ist sich da scheinbar auch wirklich noch sehr uneinig, es gibt keine allgemeingültigen Empfehlungen für Bewegungsübungen, für physikalische, motorische Rehabilitation bei ALS. Ich hab einzelne Case Studies, also so Einzelfallstudien gefunden, aber wirklich nichts Großes. Vielleicht hab ich nicht richtig geschaut, wenn ihr da n Überblick habt und mir was schicken wollt, nehme ich das total gerne. Ich find die Frage nämlich irgendwie immer noch spannend, konnte die jetzt aber aus der Forschung heraus nicht beantworten, deshalb habe ich die andere Frage zur ALS genommen.
Da wurde gefragt, was denn in der Ergotherapie gemacht werden kann, um die Lebensqualität für Erwachsene mit ALS zu erhöhen.
Schön, und da hab ich ne schöne Studie gefunden, nämlich ein scoping Review, also eine Literaturarbeit. Das heißt, es wurden bestimmte Kriterien festgelegt, nach denen in ganz vielen Datenbanken Studien gesucht wurden und die wurden dann zusammengefasst.
Es wurden Studien gesucht zu Ergotherapie, zu erwachsenen Menschen mit Multipler Sklerose oder Amyotropher Lateralsklerose. Die haben also nach beiden Krankheitsbildern gesucht und es wird gleich auch deutlich, warum das Sinn gemacht hat.
Die haben 32 Studien gefunden, die sich damit beschäftigen, wie Ergotherapie bei MS oder ALS stattfinden kann.
Nur 16 von diesen 32 Studien wurden ausschließlich von Ergos ausgeführt. Die meisten waren von interdisziplinären Teams, was ja aber jetzt bei diesen Krankheitsbildern auch wirklich Sinn macht eigentlich. Die meisten Studienteilnehmenden, die da untersucht wurden in den Studien, hatten MS und eher weniger hatten ALS. Und die Studien lassen sich in 4 Gruppen zusammenfassen, und zwar einmal eine Gruppe von Studien, die sich vor allem Intervention angeschaut haben, die auf Fatigue ausgerichtet sind, also auf diese, ja, unnatürliche, starke körperliche und geistige Müdigkeit. 12 Studien, und in diesem Studien kam vor allem Fatigue Management Programme zum Einsatz. Da ging es also um eine gesunde Balance zwischen Ruhe und Aktivität, es ging aber auch um gesunde Kommunikation mit anderen. Betätigungsbalance war ein Stichwort, das ganz häufig gefallen ist in diesen Studien.
Leider war von diesen 12 Studien keine einzige speziell mit Menschen mit ALS.
Da also leider wenig Aussagekraft in dem Bereich. Die zweite Gruppe von Studien hat sich Interventionen angeschaut, die auf die Förderung kognitiver Funktionen ausgerichtet sind, das waren insgesamt 6 Studien und da ging es unter anderem um den Einsatz von Hilfsmitteln, zum Beispiel in Smart Homes, die zum Beispiel dann also bestimmte Funktionen im Haus automatisieren, über Sprachsteuerung oder anderweitig zugänglich machen. Das waren auch die Studien, die sehr positive Ergebnisse gezeigt haben, also Hilfsmittel Studien. Dann gab es aber auch Studien zu Gedächtnis und Aufmerksamkeitstrainings, und die haben eher gemischte Ergebnisse gezeigt, was so die Selbständigkeit im Alltag angeht, das heißt Gedächtnis- und Aufmerksamkeitstrainings haben da eher weniger dazu geführt, dass die Leute tatsächlich selbständig am Alltag sind. Hier gabs Studien sowohl mit Menschen mit MS als auch mit ALS.
Die dritte Gruppe Studien hat sich Intervention angeschaut, die auf die Förderung von motorischen Funktionen ausgerichtet sind. Das waren 10 Studien, ging um Sturzprävention, physikalische Rehabilitation, motorische Reha der oberen Extremität. Und wir können es uns schon denken, wenn wir diese Themen hören. Die meisten Studien waren unter der Leitung von anderen Disziplinen als der Ergotherapie vermutlich eher aus der Physiotherapie. Ergos waren beteiligt an diesen Studien, hatten aber nicht die Studienleitung. Therapieinhalte waren Krafttraining, aber auch Virtual Reality Programme, Sturzpräventionsprogramme, die dann auch ne unterschiedlich gute Wirkung gezeigt haben.
In der letzten Gruppe, und das find ich eigentlich so, die spannendste Gruppe der Studien, die sich hier angeschaut wurde, das war so die das so sonstige alle Interventionen, die nicht in die ersten 3 Gruppen reingepasst haben, da haben sie ne extra Gruppe draus gemacht, da sind auch nur 4 Studien drin, die sind aber echt spannend. Es gab 2 Studien, die sich mit den Auswirkungen von Klientenzentrierung auf Selbstständigkeit und Partizipation beschäftigt haben. Die Ergebnisse von den 2 Spielen waren leider nicht aufschlussreich. Hätte ich aber mal spannend gefunden.
Die anderen beiden Studien fokussierten sich auf Gesundheitsförderung und Empowerment. Und diese Studie zeigte sehr gute Ergebnisse und auf das Spielen von Instrumenten, um den eigenen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Und auch diese Studie zeigte positive Ergebnisse und beide Studien mit vor allem im Bereich der Lebensqualität, also Gesundheitsförderung, Empowerment und scheinbar Instrumente, spielen zur Förderung der Lebensqualität.
Zusammenfassend sagen die Forschenden, es gibt zu wenig Daten, um jetzt mit ausreichender Sicherheit sagen zu können, welche Intervention speziell für Menschen mit ALS sinnvoll sind. Es gibt Anzeichen, dass Fatigue Management Programme hilfreich sind, Hilfsmittelberatung und Strategien dahingehend, Sturzprävention, aber auch Empowerment mit einbezogen werden sollten.
Und dann gehen wir noch mal ein bisschen in die Pädiatrie. Aber diesmal schauen wir nach Kindern mit Problemen der Emotionsregulation und wie man deren Partizipation verbessern kann.
Ich habe eine sehr spannende Studie mitgebracht aus Australien, die heißt Experiences of Occupational Therapists Supporting Children, with Self-Regulation Needs und ihr hört es schon im Titel. Es geht nicht nur um die Kinder, es geht auch um die Ergos, das heißt, es ist eine qualitative Studie, die mit den Ergotherapeut*innen gemacht wurde, die diese Kinder behandeln. An irgendeiner Stelle musste jetzt hier ne qualitative Studie reinkommen oder ihr kennt mich doch.
Wie ist die Studie abgelaufen?
Es wurden in Australien Ergos gesucht, die mindestens ein Jahr Erfahrung in der Arbeit mit Kindern mit Selbstregulationsproblemen haben. Und sie haben dann tatsächlich 13 Personen gefunden, die alle zwischen 4 und 12 Jahren Erfahrung mit dieser Klientengruppe hatten. Und dann lief das Ganze durch mehrere Stadien, die haben zuerst eine online Umfragen mitgemacht, bei der so die grundlegenden Daten abgefragt wurden, Alter, Berufserfahrung, diese ganzen Sachen und dann gab es 2 Fokusgruppen, das heißt es gab Gruppeninterviews, in denen die ganze Gruppe gemeinsam bestimmte Fragen diskutiert hat und sich ausgetauscht hat.
Und diese Ergebnisse von diesen 2 Fokusgruppen wurden danach dann noch mal mit einzelnen Teilnehmenden, die das wollten, nachbesprochen. Das heißt, die Fokusgruppeninterviews wurden ausgewertet und dann hat man die diese vorläufigen Ergebnisse noch mal einzeln nachgesprochen mit einzelnen Teilnehmenden aus den Fokusgruppen, um das noch mal zu vertiefen, um zu schauen, stimmt es so, wie wir das bis hierhin ausgewertet haben, ist es wirklich das, was ihr gesagt habt? Und diese Interviews wurden dann wieder mit reingenommen in die Auswertung und dann kamen sie quasi so zu 3 großen Themenkomplexen zum Thema Therapie von Kindern mit Selbstregulationsstörungen und diese 3 großen Themenkomplexe gucken wir uns einmal an.
Der erste Themenkomplex heißt: Selbstregulation ist ein komplexes Thema.
Finde ich sehr sympathisch und die Ergotherapeut*innen haben bei dem Thema gesagt, es ist ganz wichtig, sich nicht nur mit der Selbstregulation des Kindes auszukennen. Sondern auch, sich mit Co-Regulation auszukennen. Und weil Kinder über Co-Regulation lernen, sich selbst zu regulieren. Und es ist wichtig zu wissen, was die Konsequenzen von der fehlenden Selbstregulation für die Kinder bedeuten. Für den Alltag der Kinder bedeuten und was es auch für die Angehörigen bedeutet, mit diesen Kindern den Alltag zu teilen. Also erst mal wirklich so n Verständnis zu entwickeln. Wie sieht denn der Alltag dieses Kindes aus, wo überall treten denn da gerade Probleme auf?
Der zweite Themenkomplex, da ging es um Interventionen, die auf das Kind und immer auch auf die Umwelt abzielen. Das find ich persönlich den spannendsten Bereich, da ging es darum, dass die Ergotherapeut*innen sagen, dass der Einbezug von den Eltern oder den anderen Bezugspersonen, das ist quasi die Grundlage für die Therapie. Wenn ich die nicht mit einbeziehe in die Therapie, dann kann ich gar nicht erwarten, dass das Kind diese Selbstregulationsstrategien, die es vielleicht mit mir in der Therapie lernt auf den Alltag transferiert. Das heißt, ich brauche Elternarbeit, damit der Transfer gelingt und die Kinder sich tatsächlich auch in ihrem Alltag lernen, selbst zu regulieren. Als Interventionsstrategien wurde hier ganz viel n edukatives Vorgehen genannt, aber auch Coaching. Und die Ergotherapeut*innen haben gesagt, es geht da drum so n Teamgefühl zu entwickeln. So wir sind ein Team. Die Angehörigen und die Therapeut*innen und wir schauen gemeinsam, wie wir für das Kind gute Lösungen finden können. Fand ich einen sehr schönen Themenblock, muss ich sagen.
Und als dritten Themenkomplex haben wir die Ergotherapeutische Expertise im Selbstregulations Puzzle.
Das heißt, da haben die Ergotherapeut*innen nochmal Wert drauf gelegt, dass sie gesagt haben, OK, dieses Selbstregulationsthema ist so groß und so weit wir Ergos müssen aufpassen, dass wir unsere Ergotherapeutische Expertise einbringen und unsere ergotherapeutische Brille aufhalten. Das heißt, dass wir im ganzen Prozess immer klientenzentriert bleiben, dass wir das große Ganze sehen, dass wir das Kind in seiner Umwelt sehen, dass wir das Kind mit seinen Betätigungen sehen. Und dann eben den Fokus auf die Betätigung behalten, damit wir wirklich auch Ergotherapie machen.
Genau das waren die Ergebnisse dieser qualitativen Studie.
Weil jetzt hier noch so viele Anfragen rumliegen, möchte ich zu wenigstens noch ein paar ganz kurz was sagen.
Worüber ich mich am meisten gewundert habe, die ich hier jetzt aber nicht ausführlich aufgenommen habe: Ich habe eine Anfrage bekommen zum Thema Affolter in der Neurologie und ich persönlich finde Affolter einen sehr spannenden Therapieansatz und habe mich gefreut über die Anfrage und wollte das gerne recherchieren und habe aber jetzt wirklich nur mit dem Suchbegriff Affolter gesucht. Ich habe bewusst ganz weit gefasst. Ich habe nicht occupational Therapy dazu gesucht, ich habe nicht Neurologie als Suchbegriff mit dazu genommen.
Also nur Affolter und das Neueste was ich gefunden habe war von 1993.
Und das ist ja schon n bisschen her, also auch da, wenn ihr neuere Studien zum Thema kennt, gerne her damit fände ich total spannend oder interessiert sich einfach seit 1993 die Forschungswelt nicht mehr für Affolter?
Außerdem hab ich eine andere Anfrage, die ich bekommen hab, die ich auch sehr spannend fand. Die war zu Nature based therapie, also naturbasierter Therapie.
Und ich muss sagen, ich weiß sehr wenig bis gar nichts über naturbasierte Therapien habe mich erstmal gefragt, gehört das denn irgendwie zur Ergotherapie dazu? Und ich muss sagen, dazu habe ich sehr viel gefunden. Sehr, sehr viel. So viel, dass ich dachte, Na, das Krieg ich jetzt in so einer Quick and Dirty Folge, aber nicht unter, aber es scheint, das scheint so n Buzzword momentan zu sein in der Forschung. Dass wir uns vielleicht mal einer der nächsten Folgen genauer anschauen.
Gut, dann würde ich sagen, das war es mit unserer Quick und Dirty Mitmach Science Podcast Folge.
Ich bin meinem Urlaub ein Schrittchen näher und dann schauen wir, womit wir uns in der nächsten Folge befassen. Wenn ihr Themen vorschlagen möchtet. Wenn ihr Fragen habt, wenn ihr mir Studien schicken wollt, die ich jetzt in meiner schnellen Recherche nicht gefunden habe, die ihr aber spannend findet, dann tut das bitte entweder Per E-Mail an info@ergo-unterwegs.de oder zum Beispiel über Instagram. Da heißen wir ErgoUnterwegs. Das wird in einem Wort zusammengeschrieben. Ihr könnt auch total gerne kommentieren auf unserer Homepage direkt unter der Podcast Folge, wenn ihr uns zum Beispiel was mitteilen möchtet, dass für alle anderen auch interessant wäre. Manchmal kriegen wir richtig spannende E-Mails.
Dann kommentiert doch gerne unter der Podcast Folge. Dann können alle anderen das auch lesen. Auf unserer Homepage ergounterwegs.de gibt es immer alle Folgen mit Shownotes, das heißt wir sind alle Links mit drin, da könnt ihr alles noch mal nachlesen, was ich hier mir so zusammen erzähle. Es gibt n Transkript und ihr könnt die Kommentare von allen anderen lesen und dann würd ich sagen machen wir n Deckel drauf und hören uns in der nächsten Folge wieder.
Bis dahin.





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