#17 - Wie können Ergotherapeut*innen bei der Mundhygiene unterstützen?
Lust auf mehr Evidenz für dein Team?
- Kostenlose, sehr schön gestaltete Informationsbroschüren zum Thema Autismus, die z.B. an Zahnarztpraxen verteilt werden können gibt es auf dem Blog von Neurospicy.
- Der Instagram-Beitrag von @minzgespinst zur Perspektive von erwachsenen Autist*innen findet sich hier.
Die Studie dieser Folge ist:
Como, D. H., Stein Duker, L. I., Polido, J. C., & Cermak, S. A. (2021). Oral health and autism spectrum disorders: A unique collaboration between dentistry and occupational therapy. International Journal of Environmental Research and Public Health, 18(1), 135.
Intro: Hintergrundmusik, die sich langsam steigert. Eine Stimme sagt: Evidenz auf die Ohren, der Podcast für evidenzbasierte Ergotherapie.
00:00:23 Sara Mohr: Hallo und herzlich Willkommen zu einer neuen Folge Evidenz auf die Ohren, Eurem Podcast für evidenzbasierte Praxis in der Ergotherapie. Bei mir ist zum Glück wieder die liebe Sarah Bühler.
00:00:37 Sarah Bühler: Hallo.
00:00:39 Sara Mohr: Mein Name ist Sara Mohr, Hallo. Sarah wollen wir direkt starten mit Geschichten aus dem Alltag.
00:00:47 Sarah Bühler: Ja gerne. Ich war im Urlaub und das war total schön.
00:00:55 Sara Mohr: Das ist die beste Geschichte aus dem Alltag. War es ganz raus aus dem Alltag?
00:01:04 Sarah Bühler: Ja, Skifahren, mit Familie mit Oma und Opa, die können nicht mehr Skifahren, aber die haben dann entspannt den Tag über und abends haben wir zusammen gegessen und das war echt schön auch nochmal Zeit mit Ihnen zu verbringen.
00:01:18 Sara Mohr: Ja sehr schön, so Familienurlaub ist oft eine Challenge, aber wenn es dann schön ist, dann ist das glaube ich eine gute Sache.
00:01:28 Sarah Bühler: War schön. Ja, und bei dir was gibts bei dir Neues aus dem Alltag?
00:01:37 Sara Mohr: Ich habe eine Geschichte aus dem Alltag, ich mache das eigentlich schon seit Januar, aber ich habe es noch nicht so großartig erzählt, aber ich versuche, seit Januar eine neue Routine zu etablieren. Und zwar versuche ich seit Januar zum ersten Mal in meinem Leben, regelmäßig ins Fitnessstudio zu gehen. Ja, und ich weiß du hattest ja mal so eine Fitnessstudio Phase vor Jahren?
00:01:59 Sarah Bühler: Lange ist es her. Und auch eine kurze Phase.
00:02:05 Sara Mohr: Kurz, aber intensiv das stimmt. Ich war noch nie in meinem ganzen Leben in einem Fitnessstudio überhaupt drinnen und ich hatte so Klischeebilder in meinem Kopf wie das ist in so einem Fitnessstudio, dass da überall nur aufgepumpte Typen rumlaufen und hatte da sehr viele Vorurteile, muss ich sagen und es hat sich aber schlussendlich nicht bewahrheitet. Hier ist es halt einfach schwer, weil es immer so warm ist, irgendeinen Sport draußen zu machen, und ich hätte gerne irgendeinen Ausdauersport gemacht, aber du kannst halt bei 35 Grad nicht joggen gehen. Es geht einfach nicht und es wird abends schnell dunkel und hier ist keine Strecke, wo ich mich sicher fühlen würde, im Dunkeln zu laufen alleine. Und das Fitnessstudio ist buchstäblich direkt neben der Arbeit, das heißt, ich laufe mindestens 5 mal die Woche dran vorbei.
00:03:05 Sarah Bühler: Das ist gut.
00:03:06 Sara Mohr: Und als Angestellte*r von der Uni kriegt man Rabatt und dann hatte ich irgendwann keine Argumente mehr. Und dann hatte ich eine ganz tolle Einweisung von einem sehr netten Menschen, dem ich direkt gesagt habe, ich will einfach nur für meinen Körper ein bisschen Sport machen, ich möchte nicht irgendwie krasse Muskeln aufbauen, mir geht es nicht darum abzunehmen oder irgendwas in meinem Körper zu verändern. Es geht mir lediglich aus gesundheitlichen Gründen einfach darum Sport öfter zu machen und er meinte er, ich wäre direkt beim richtigen Fitnessstudio gelandet, weil wir sind hier auf dem Campus Gelände und er meinte hier kommen eh nur die ganzen Uni Nerds hin, die alle keine Muskeln haben und ich bräuchte mich da überhaupt nicht unwohl fühlen und er hat Recht behalten. Das ist total angenehm. Ja, und das versuche ich jetzt so ein bisschen in meinen Alltag zu integrieren. Regelmäßig mehr oder weniger.
00:04:02 Sarah Bühler: Mal sehen cool und wie lange bist du jetzt schon der Routine dran? Ach, seit Januar hast du gesagt.
00:04:07 Sara Mohr: Seit Januar und mein Ziel war dreimal die Woche. Und ich weiß nicht, wie das bei dir ist, wenn du Routinen etablierst, aber ich habe große Schwankungen, also dann habe ich eine Woche, da gehe ich gar nicht und dann habe ich auf einmal wieder 3 Wochen am Stück das schaff ich das durchzuziehen mit dreimal die Woche und dann gehe ich wieder ne Woche gar nicht, weil so viel ist und dann habe ich immer das Gefühl, Mist, ich kriege es nicht hin, aber eigentlich darf es ja sein, dass es so ein bisschen Ausschläge nach oben und unten hat glaube ich.
00:04:38 Sarah Bühler: Ja, ich habe immer die Regel einmal darf man auslassen, zweite mal nicht.
00:04:46 Sara Mohr: Ja, und das ist, glaube ich ganz gut, wenn man sich so ein paar Rahmenbedingungen gibt. Ja, was mir auch hilft ist, wenn ich dann jetzt zweimal nicht gehe, dann ist auch jetzt nicht n Weltuntergang und es ist vorbei und es macht keinen Sinn, nicht wieder anzufangen weißt du?
00:05:09 Sarah Bühler: Ja, und dann hast du auch nicht das Gefühl, du musst das nächste Mal viermal gehen, um die aufzuholen.
00:05:13 Sara Mohr: Genau nee, sondern dann bin ich halt einfach mal nicht gegangen und nächste Woche gehe ich halt wieder, versuche ich.
00:05:20 Sarah Bühler: Ja ja, das funktioniert bei mir nicht, weil dann mache ich es nicht mehr.
00:05:33 Sara Mohr: Ich habe 2, 3 Kolleginnen von der Arbeit, die auch in das Fitnessstudio gehen, und das ist auch gut. Dann hat man auf der Arbeit immer mal wieder jemanden, der fragt Gehst du heute Abend auch? Und selbst wenn ich dann nicht gehe, habe ich aber trotzdem immer mal wieder jemanden in meinem Alltag, der mich anspricht, das ist auch gut.
00:05:52 Sarah Bühler: Ja, ja, ich hatte damals auch extra eine Vereinbarung dann ausgemacht, dass die mich anrufen, wenn ich nicht komme.
00:06:06 Sara Mohr: Ja, ein Motivator ist das Geld, das geht ja vom Konto ab, ob ich hingehe oder nicht also es ist besser, wenn ich hingehe, ja ja, aber das ist ein indirekter Motivator, der wirkt nicht so direkt, wie wenn dich jemand anruft, oder jemand fragt ja. Das ist meine Geschichte aus dem Alltag diese Woche. Sehr schön wollen wir mit der Wissenschaft starten Sarah?
00:06:40 Sarah Bühler: Ja gerne.
00:06:42 Sara Mohr: Du hast sie heute mitgebracht, die Wissenschaft?
00:06:43 Sarah Bühler: Mhm ja, ja, ich habe einen Artikel mitgebracht, und zwar mit dem Titel Oral health and Autism spectrum disorder – a unique collaboration between dentistry and Occupational Therapy.
00:07:02 Sara Mohr: Hm, magst nochmal auf Deutsch sagen?
00:07:04 Sarah Bühler: Genau also es geht um die Mundhygiene von Menschen mit Autismus und um eine Zusammenarbeit mit zwischen Zahnärzt*innen und Ergotherapeut*innen, um den Menschen mit Autismus den Zahnarztbesuch zu erleichtern oder zu ermöglichen.
00:07:24 Sara Mohr: Das ist sehr cool, ich bin ja ein Fan von Interdisziplinärem arbeiten, aber ich muss ganz ehrlich sagen, mit Zahnärzt*innen habe ich noch nicht zusammengearbeitet.
00:07:31 Sarah Bühler: Ja, mich hat das so angesprochen, weil das für mich gerade so ein Thema ist, weil ich momentan ziemlich viele Kinder mit Autismus behandele und das ist ein riesen Thema. Also Zähne und Zahnarztbesuch ist ja schon für neurotypische Menschen schwer Ja, Kinder mit Autismus ist das noch mal eine besondere Herausforderung. Erschienen ist der Artikel 2021 in dem International Journal of Environmental Research and Public Health. Und geforscht dazu wurde in den USA in LA einmal von der Occupational Science and Occupational Therapy, aber auch von den Zahnärzt*innen dort.
00:08:35 Sara Mohr: Hm, also die haben auch dem Artikel quasi kollaborativ geschrieben, cool.
00:08:38 Sarah Bühler: Genau ja. Genau und also in diesem Artikel, der gibt einen Überblick und auch eine Erklärung oder den Zusammenhang zwischen der zunehmenden Prävalenz von Autismus. Der nennt Gründe, warum Kinder mit Autismus ein erhöhtes Risiko für eine schlechte Mundhygiene haben. Und erörtert dann die einzigartige professionelle Zusammenarbeit zwischen Zahnärzt*innen und Ergotherapeut*innen also wie die voneinander profitieren können. Das ist so das Thema.
00:09:13 Sara Mohr: Okay, dann bin ich mal gespannt zu hören, warum haben autistische Kinder ausgerechnet so viele Probleme bei der Mundhygiene?
00:09:23 Sarah Bühler: Ja, es wurden dann Faktoren ermittelt, die im Zusammenhang mit einer schlechten Mundhygiene zusammenhängen und auch erste Lösungsansätze vorgestellt und ganz allgemein haben die dann verschiedene Studien vorgestellt oder auch die Ergebnisse und das in verschiedene Kategorien aufgeteilt. Und eine Kategorie war zum Beispiel was ist denn zu Hause schwierig?
00:09:52 Sara Mohr: Okay, das heißt in der Einleitung haben Sie gesagt okay, was könnten denn die Probleme sein?
00:09:56 Sarah Bühler: Genau was sind genau was sind da Faktoren, die das erschweren?
00:09:57 Sara Mohr: Für autistische Kinder.
00:10:03 Sarah Bühler: Und dann zum einen können das sensorische Verarbeitungsunterschiede sein. Die das eben erschweren, zum anderen unkooperative Verhaltensweisen einfach, weil das so unangenehm ist, das Zähneputzen, aber auch Schwierigkeiten in der Kommunikation. Zu verstehen was passiert da gerade oder wie lange dauert das auch? Und auch der Zugang zu professioneller Zahnpflege also tatsächlich einen Zahnarzt/ eine Zahnärztin zu finden, die eine Behandlung macht, weil das ja schon manchmal auch mit größerem Aufwand verbunden ist und dazu haben die dann auch ein paar Zahlen und zwar haben die auch Eltern befragt zur Mundpflege oder Mundhygiene und da wurde in einer Studie dann auch berichtet, dass 50% der Kinder mit Autismus ihre Zähne zweimal pro Tag putzen das heißt die Hälfte nicht, wie es empfohlen ist und das ist natürlich schon ein Faktor, der zu schlechter Mundhygiene natürlich beiträgt. 61% der befragten Eltern berichten, dass das Zähneputzen total schwierig sei. Und dass das zurückgeführt wird, eben dass 90% der Kinder mit Autismus Unterschiede in der sensorischen Verarbeitung haben.
00:11:34 Sara Mohr: Ja, wenn man sich mal überlegt, was Zähne putzen für ein massiver Sensorischer Input ist ne also das riecht, das fühlst du, das macht Geräusche allein die Geräusche können ja unangenehm sein. Dann, je nachdem, was das für eine Zahnbürste ist, fühlt sich das an den Händen komisch an, das vielleicht im Mund an und der Mund ist ja jetzt mal also neurologisch, ne, da sind ja so viele Nervenenden der Mund ist so ein sensibler Bereich sowieso schon. Ja, und dann gibt es ja auch Zahnpasten, die scharf sind, die süß sind, die fester sind, die weicher sind, die mit Körnchen sind, die ohne Körnchen sind, da ist ganz schön was los.
00:12:15 Sarah Bühler: Genau auch viel, was man ausprobieren kann oder adaptieren kann.
00:12:20 Sara Mohr: Reden wir nachher noch darüber?
00:12:21 Sarah Bühler: Können wir nachher drüber reden, ja. Die haben sogar eine Zahl, wie viele Anpassungen es statistisch braucht im Durchschnitt, damit ein Zahnarztbesuch gelingen kann. Also ich war von den Zahlen einfach, fand das ganz interessant, sich damit auseinanderzusetzen. Zu Hause sind aber auch Schwierigkeiten eben, wie du gerade schon gesagt hast, Geschmack oder Textur von der Zahnpasta das Gefühl, von den Borsten im Mund also Zähneputzen ist schon ja bei neurotypischen Kindern oft Thema, wie oft ich Kinder in der Therapie habe, wo das auch ein Thema ist und dann noch eben bei Kindern mit Autismus ist das oft ein Drama. Ja, genau das waren jetzt Faktoren, die, die so festgehalten haben, was zu Hause erschwert und dann haben wir natürlich auch noch mit Zahnarztpraxen auseinandergesetzt und das ist noch mal eine ganz andere Ebene.
00:13:16 Sara Mohr: Das hilft die andere Perspektive von der anderen Seite.
00:13:18 Sarah Bühler: Genau und aber ich finde zu Hause kann man ja noch recht viel adaptieren. Häufig hat man ja Zeit, oder? Mhm genau ja, wenn ich schon an den Zahnarzt denke, habe ich einen bestimmten Geruch in der Nase. Ich weiß nicht, ob es dir auch so geht?
00:13:35 Sara Mohr: Ja, aber ich finde den tatsächlich nicht unangenehmen Geruch.
00:13:38 Sarah Bühler: Ich auch nicht nee, aber es riecht einfach.
00:13:40 Sara Mohr: Ob es weltweit in allen Zahnarztpraxen auf der Welt gleich riecht?
00:13:44 Sarah Bühler: Würde ich vermuten. Also auch da ähnliche Probleme wie zu Hause, Geschmack oder Geruch von den Prophylaxepaste oder den Fluoriden oder so. Es ist immer ein Thema, dann der Zahnarzt fasst ins Gesicht. Ist ja auch was, was einfach nicht angenehm ist helle Lichter, die blenden. Die Geräusche beim Zahnarzt sind ja auch Geräusche, die im Alltag wenig vorkommen und ja, auch nicht unbedingt… ich verknüpfe die nicht mit angenehmen Dingen. Genau und eben häufig kommt es dann in Zahnarztpraxen oder auch bei neurotypischen Kindern zu unkooperativen Verhaltensweisen, weil man nicht genau weiß was passiert. Und dann auch zum oppositionellen Verhalten. Und die Verweigerung führt dann dazu, dass bei Kindern mit Autismus wirklich häufig Vollnarkosen zum Einsatz kommen, die Weigerung ganz zum Zahnarzt zu gehen und keine Behandlung stattfinden kann oder die Behandlung nur unter Zwang stattfindet.
00:15:05 Sara Mohr: Ja, das sind ja alles total blöde Alternativen, ja.
00:15:09 Sarah Bühler: Ja, ja, vor allem wenn du Zahnweh hast und nicht behandelt werden kannst, das ist doch…. Das zermürbt.
00:15:17 Sara Mohr: Gerade Autist*innen sind dann vielleicht hypersensibel in der Mund Region und dann sind die Schmerzen so schlimm, aber wenn die Behandlung für mich noch angsteinflößender, schmerzhafter anfühlt als die Schmerzen, da kannst du wählen zwischen… Okay, wir stehen in einer Sackgasse.
00:15:45 Sarah Bühler: Die haben dann auch eine Studie gefunden, wo Zahnärzt*innen befragt wurden und da ging es nochmal darum, dass für die Zahnärzt*innen natürlich auch ein großes Hindernis darstellt, die Klient*innen zu behandeln, gerade wenn noch stereotype Verhaltensweisen dazu kommen wie ein Schaukeln oder sowas in die Richtung, dann ist es für die auch total schwierig, eine Behandlung durchzuführen, und das führt auch dazu tatsächlich, dass die nicht bereit sind, die Klient*innen aufzunehmen.
00:16:17 Sara Mohr: Wie ist das denn bei Zahnärzt*innen? Das weiß ich gar nicht, lernen die in irgendeiner Weise, was über solche Krankheitsbilder in der Ausbildung?
00:16:24 Sarah Bühler: Kommt jetzt, genau also dann haben die natürlich geschaut OK, woran liegt denn das, dass die Zahnärzt*innen die Kinder nicht behandeln und genau dadurch, dass die Zahnärzt*innen wenig über die Krankheitsbilder wissen, weil sie während der Ausbildung damit kaum in Berührung kommen, führt das dazu, dass sie Klient*innen tatsächlich ablehnen. Und es gab dann eine Umfrage auch unter Allgemeinmediziner*innen und da gab eben die Mehrheit an, dass sie in ihrer zahnärztlichen Ausbildung sich nicht gut auf die Arbeit mit Bevölkerungsgruppen, die nicht neurotypisch sind, vorbereitet fühlen, also und gar nichts von diesen Bedürfnissen wissen.
00:17:15 Sara Mohr: Mhm, das ist echt spannend, weil ich habe das Gefühl sorry, wenn ich unterbreche, also in den letzten Jahren war ich bei verschiedenen Zahnärzten. Ich hatte zunehmend das Gefühl, dass zumindest was so Angststörungen angeht, dass da sehr sensibel vorgegangen wird, also dass man oft vorher schon am Telefon gefragt wird ne sind sie Angstpatientin oder Angstpatient, sollen wir auf irgendwas achten, ich hatte eigentlich bisher immer nur Zahnärzt*innen, die mir sehr ausführlich erklärt haben, was sie machen, was passieren wird, dass ich Bescheid sagen soll, wenn es unangenehm wird. Die also sehr auf diesen Bereich eingegangen sind. Aber was das dann so andere Erkrankungen angeht, da wird scheinbar nicht so vermittelt in der Ausbildung.
00:18:00 Sarah Bühler: Ja, dann haben die auch noch von einer Studie auf internationaler Ebene berichtet da wurden Zahnärzt*innen in Saudi Arabien befragt, da haben die gesagt, dass die Zahnärzt*innen, die sich gut vorbereitet fühlen oder dass in der Ausbildung Thema war, auch bereit waren, Patient*innen in ihrer Praxis aufzunehmen und auf die Bedürfnisse einzugehen.
00:18:28 Sara Mohr: Wenn es vorher mal thematisiert wurde und da Kompetenzen vermittelt wurden, ja.
00:18:29 Sarah Bühler: Genau und da ziehen die dann natürlich auch in der Bewertung später den Rückschluss sagen Hey, das muss halt in die Ausbildung integriert werden. Genau was die Zahnärzt*innen aber natürlich auch formuliert haben, ist, dass für sie der zusätzliche Aufwand problematisch sei, weil sie eben nur Dinge abrechnen können, wenn sie auch was tun. Das heißt, wenn wir Prüfungen im Mund oder irgendwas aber einen zusätzlichen Aufwand von ich brauche mehr Zeit, ich brauche mehr Personal.
00:19:11 Sara Mohr: Oder vielleicht kommt der Klient an dem Tag einfach nur mal um zu gucken und sich das mal anzuschauen und geht dann wieder und dann kann ich nicht abrechnen.
00:19:21 Sarah Bühler: Genau also das ist nochmal sowas, was in auf der Makroebene schwierig ist, genau nochmal auf den zusätzlichen Aufwand zurückkommen. Da hat eine Umfrage unter den Mitgliedern der Special Care Dentistry Association ergeben, dass die Zahnärzt*innen im Durchschnitt etwa 6 Anpassungen vornehmen müssen, um den Zahnarztbesuch dann zu erleichtern.
00:19:44 Sara Mohr: Was sind so Anpassungen?
00:19:47 Sarah Bühler: Zum Beispiel in Form von Kommunikation, Routine zu schaffen innerhalb der sozialen Interaktion. Genau, aber auch vom Umfeld her. Also eventuell das Licht anders einstellen.
00:20:03 Sara Mohr: Okay, ja.
00:20:06 Sarah Bühler: Genau, und das ist etwas, was ich wiederum wichtig finde zu kommunizieren, um auf beiden Seiten auch Erwartungsdruck zu senken. Sowohl bei den Eltern als auch bei den Zahnärzt*innen.
00:20:18 Sara Mohr: Dass man nicht so denkt ja, jetzt habe ich ja diese eine Sache angepasst, jetzt muss es ja aber klappen, sondern nee, wenn wir das Problem gelöst haben kann durchaus sein, dass dann noch andere Dinge notwendig sind, bis es funktioniert. Ja schon. Ich finde wegen dem Licht ne, ich weiß nicht, darf ich darf ich kurz einen Exkurs machen zu meinen Zahnarzterfahrungen? Ich war hier in Australien, zweimal bei Zahnärzten und ich bin Brillenträgerin und ich kriege dann quasi eine Brille über meine Brille, damit ich meine Brille nicht ausziehen muss, was ich ganz angenehm finde, weil ich dann trotzdem noch was sehe, und damit nix drauf spritzt auf meine Brille dann halt von dem von dem, wenn die da irgendwie was ausspülen oder so. Und bisher war es ja auch allen Praxen so, dass wenn man auf diesem Stuhl liegt, hängt an der Decke einen TV Monitor und es läuft ein Fernsehprogramm und in dieser Brille, die man dann aufkriegt, sind Lautsprecher drin, so dass ich das sogar hören kann. Also dann läuft da oben Fernsehen und also lief das letzte Mal lief Brooklyn 99 und dann habe ich die Kopfhörer auf und dann könnte ich mich komplett auf Fernsehen konzentrieren und sogar diese Sendung verfolgen und zuhören, während ich da beim Zahnarzt behandelt werde. Das ist für manche Leute sicher eine super Sache, weil du dich komplett ablenken kannst. Diese Brillen sind ein bisschen getönt, das heißt, das Licht ist dann auch nicht mehr so stark. Ich fand es maximal unangenehm, weil der Zahnarzt natürlich hin und wieder mit mir gesprochen hat und weil es nicht in meiner Muttersprache ist, und dann habe ich noch andere Geräusche auf dem Ohr und dann hatte ich so Probleme, ihn zu verstehen und adäquat zu antworten, irgendwann habe ich diese Brille abgenommen und gesagt, ich muss mich konzentrieren, weil ich keine Muttersprachlerin und ich kann mich einfach besser konzentrieren, wenn sie reden ohne dass ich diese Hintergrundgeräusche habe und dann sagte der Zahnarzt ist kein Problem, dann rede ich einfach nicht, lassen sie die Brille auf. (lacht)
00:22:30 Sarah Bühler: (lacht)
00:22:35 Sara Mohr: Das war nicht die Lösung, die ich angestrebt habe, aber ja also, da gibt es echt spannende Sachen mit diesen Brillen und so aber jetzt hab ich vorgegriffen sorry.
00:22:46 Sarah Bühler: Macht gar nix. Genau also zusammengefasst nochmal sagen Zahnarztbesuch für Kinder mit Autismus ist einfach häufig keinen Spaß. Einmal haben wir häufig eine sensorische Verarbeitungsstörung, die das generell erschwert. Dann haben wir Zahnärzt*innen die einfach während der Ausbildung wenig Informationen darüber erhalten haben und eine Zahnarztpraxis ist einfach auch ein Umfeld, das es total erschwert, da entspannt zu sein. Genau nichtsdestotrotz muss ja irgendwie eine Lösung dafür gefunden werden, oder Lösungsansätze. Ja, und wir kamen ja auch schon drauf. Eine Lösung, die die sich wünschen, ist eben, dass es Fortbildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten für schon ausgebildete Zahnärzt*innen gibt. Aber auch, dass das in die Ausbildung mehr integriert wird. Und da gibt es in den USA ein bestimmtes Projekt, und die empfehlen eben auch eine interprofessionelle Zusammenarbeit als Arbeitsgrundlage und als Stärkung von den Zahnärzt*innen. Ja, die sagen auch, es ist wichtig, in einem patientenzentrierten Versorgungssystem zu arbeiten. Und dass eben die Gesundheitsfachkräfte alle auf das gleiche Ziel hinarbeiten. Nämlich eine gute Patientenversorgung von auch neurodiversen Personen. Genau da stellen Sie sich vor, eine Zusammenarbeit in den Fachbereichen der Ergotherapie, Verhaltenstherapie, Psychologie, Sonderpädagogik. Aber auch der Computerwissenschaften und der Informatik. Genau weil es zum Beispiel schon Aufklärungsvideos gibt oder Videos, die eben zeigen, wie ein Kind fröhlich zum Zahnarzt geht, zeigen, was da passiert und das dazu beiträgt, die Angst zu nehmen und zu verstehen, was da passiert.
00:25:03 Sara Mohr: Quasi kindgerecht vermittelt wird.
00:25:05 Sarah Bühler: Genau ja, oder auch Schritt für Schritt Anleitungen.
00:25:12 Sara Mohr: Digital quasi.
00:25:15 Sarah Bühler: Genau und ein ganz großes Potential sehen die Forschenden eben in der Zusammenarbeit mit den Ergotherapeut*innen, weil in den USA das eine Personengruppe ist, die sehr viel mit Kindern mit Autismus zu tun hat und sich die Ergotherapeut*innen ja mit den ADLs befassen und daher auch der Zahnarztbesuch dazu gehört und es eben auch möglich ist, dass der Ergotherapeut*innen begleitet zu Zahnärzt*innen.
00:25:46 Sara Mohr: Das finde ich schön.
00:25:48 Sarah Bühler: Genau ja, wobei die auch natürlich eine Desensibilisierung vorschlagen. Wenn das möglich ist, das muss man immer gucken, inwieweit das sinnvoll ist.
00:25:59 Sara Mohr: Ja, aber das geht ja nicht bei Autist*innen. Also das ist ja nicht wie bei einem mit einer Entwicklungsverzögerung, da mach ich ein bisschen Sensorik-Training und dann wird das besser. Bei Autist*innen den unangenehmen Reiz vermehrt abzugeben, also das ist ja…nee.
00:26:05 Sarah Bühler: Das wird sich nicht verändern genau. Macht keinen Sinn genau nichtsdestotrotz nennen die das als eine Maßnahme, ich halte es auch nicht für sinnvoll. Mhm ja, okay genau die beschreiben aber auch, dass es eben wichtig ist, sinnesfreundliche Umgebungen zu schaffen, in denen eben die sensorischen Erfahrungen für die Kinder erleichtert werden. Zum Beispiel nennen sie Beispiele wie schwere Decken. Aber auch beruhigende Musik oder Lichtspiele. Laute Geräusche vermeiden. Genau und eben Stress und Angst zu reduzieren dadurch. Ja, andere Strategien können auch sein visuelle Hilfen einbeziehen. Die verbessern ja häufig die Zusammenarbeit oder auch die Teilnahme zum Beispiel in Form von Zeitplänen oder auch visuellen Zeitplänen darstellen von einer Aufgabe und dann auch. Aufgaben, die in Schritt für Schritt Anweisungen aufgeschlüsselt sind, also das Sequenzieren letztendlich des Zahnarztbesuchs.
00:27:30 Sara Mohr: OK. Und das einfach zu visualisieren quasi die meisten Zahnärzt*innen sagen ja eigentlich an, was sie machen, aber das vielleicht einfach nochmal zusätzlich zu visualisieren.
00:27:40 Sarah Bühler: Genau und da gibt es schon Videotutorials. Zum Beispiel für Zahnputztechnik, den speziell für Kinder mit Autismus.
00:27:51 Sara Mohr: Gibt es die? Kann man die finden anhand des Artikels?
00:27:57 Sarah Bühler: Es ist eine Quelle dabei also ich gehe davon aus, dass man sie finden kann, ich habe sie mir nicht angeschaut.
00:28:02 Sara Mohr: Hmm, wir gucken uns die an und wenn die cool sind findet ihr die Links in den Shownotes.
00:28:07 Sarah Bühler: In diesen Videos wird wohl auch das Zielverhalten nochmal virtuell modelliert, also was ist so das Ziel dann genau?
00:28:15 Sara Mohr: Okay, ja, das Ziel ist wir kommen da alle ohne größeren Nervenzusammenbruch durch?
00:28:18 Sarah Bühler: Da gehts jetzt rein ums Zähneputzen also, um die Technik vom Zähneputzen. Das Ziel ist, dass die Zähne sauber sind.
00:28:26 Sara Mohr: OK, das ist erreichbarer.
00:28:28 Sarah Bühler: Genau, aber wie wird das dargestellt? Das müsste ja dann auch vermutlich mehr Schritt für Schritt machen, also oben, dann unten dann dreh ich so die Zahnbürste ja. Genau dann gibt es natürlich auch die Strategie, was du jetzt auch gerade ja schon erwähnt hast, Ablenk-Manöver sozusagen einzubauen in Form von einem Video an der Decke, um eben Angst oder auch unkooperatives Verhalten zu verändern. Ob das die einzelne Person dann mag, muss man ausprobieren. Deshalb die 6 Anpassung ne die ist mindestens so brauchen.
00:29:05 Sara Mohr: Eine davon kann das vielleicht sein, ja.
00:29:06 Sarah Bühler: Ja, und auch gibt es wohl Videos, die eben zeigen, wie ein Kind einen Zahnarztbesuch, fröhlich absolviert und das soll auch schon helfen, ja. Dass da halt nichts passiert.
00:29:25 Sara Mohr: Das ist ja allgemein auch was negativ besetzt ist. Wer geht denn gerne und freudestrahlend zur Zahnärztin oder Zahnarzt? Das ist ja für viele erwachsene Menschen schon Angst besetzt, das kriegen die Kinder natürlich auch unterschwellig mit, wenn Mama und Papa schon nicht gerne zur Zahnärztin oder zum Zahnarzt gehen ja. Wieviel Spaß kann es dann sein?
00:29:48 Sarah Bühler: Ja, genau und was auch noch mal eine Strategie sein kann, sind eben personalisierte Informationen und Kommunikationstechnologien, bedeutet zum Beispiel, dass du Schritt für Schritt Anweisungen hast, mit denen auch passenden Bildern vom Zahnarzt von der Arzthelferin, dass man genau weiß wer kommt zu welchem Zeitpunkt?
00:30:11 Sara Mohr: Hier, das ist ein Foto von meiner Zahnärztin, und die sieht so aus.
00:30:16 Sarah Bühler: Genau und die macht jetzt gleich das also die benutzt die Werkzeuge.
00:30:26 Sara Mohr: OK.
00:30:27 Sarah Bühler: Genau also das sind so die Strategien, die die sich vorstellen. Und dann muss man jetzt natürlich gucken wie lässt sich in der Praxis umsetzen? Da sind die dran, aber es ist immer sehr individuell, weil es natürlich von Kind zu Kind abhängt.
00:30:44 Sara Mohr: Ja klar. Ja, du kannst jetzt nicht sagen so vor alle autistischen Kinder brauchen diese 6 Anpassungen, zack, bums.
00:30:51 Sarah Bühler: Genau sondern ist immer individuell und da sagen die halt häufig kennen die Ergotherapeut*innen die Kinder schon und auch die Strategien, die nutzen und dann geht es darum, die in ein anderes Setting zu übertragen.
00:31:03 Sara Mohr: Braucht man das Rad nicht neu erfinden eigentlich eine ziemlich coole Sache ja.
00:31:07 Sarah Bühler: Ja, genau also zusammenfassend sagen die jetzt die Prävalenz von Autismus nimmt zu. Das bedeutet letztendlich, dass die Zahnärzt*innen auf mehr Menschen mit Autismus treffen. Wir haben häufig Probleme der sensorischen Empfindlichkeit und das die Mundhygiene generell schlechter ist und deshalb ist es umso wichtiger, dass die Zahnärzt*innen geschult werden und dass individualisierte Strategien gefunden werden, um den Zahnarztbesuch für Menschen mit Autismus zu erleichtern. Genau und da können eben Ergotherapeut*innen unterstützen.
00:31:51 Sara Mohr: Was ich mir gerade überlege, es ist ja wie du sagst, uns begegnet in der Praxis häufiger, dass Kinder kommen, bei denen einfach Zahnpflege zu Hause ein Problem ist. Tatsächlich habe ich dann als Therapeutin noch nie die Folgefrage gestellt, ist dann denn auch der Zahnarztbesuch ein Problem? Und das wäre eigentlich eine sinnvolle Folgefrage weil selbst wenn vielleicht Zähneputzen zu Hause mit Anpassung und alles funktioniert ist ja Arztbesuch schon nochmal next Level. Das wäre eigentlich, was man auf dem Schirm haben könnte, selbst wenn es vielleicht die Eltern oder auch die Kinder gar nicht von sich aus ansprechen, weil es halt im Idealfall nur einmal im Jahr notwendig ist, was aber dann einmal im Jahr echt ein Riesending sein kann und für die Kinder halt auch fürchterlich unangenehm, das vielleicht im Hinterkopf zu haben und einfach mal anzusprechen.
00:32:40 Sarah Bühler: Ja und das auch schon frühzeitig zu üben oder zu trainieren. Arztbesuche sind ja total wichtig, dass ein Arztbesuch funktioniert. Ne, gerade wenn Schmerzen da sind man die aber nicht richtig äußern kann. Das ist etwas, was ich bei Kindern mit Autismus tatsächlich immer mitabfrage. Im Tagesplan ja, weil das früher oder später kommt, immer mal zu Zahnproblemen, so meine Erfahrung oder auch zu impfen, oder egal was also.
00:33:12 Sara Mohr: Früher oder später muss man mal in eine Arztpraxis.
00:33:12 Sarah Bühler: Ja und das schon frühzeitig auch über Rollenspiele oder so Sachen zu üben.
00:33:21 Sara Mohr: Ich erinnere mich, dass meine Mutter uns früher, als wir Kinder waren, einfach, weil sie niemanden hatte, der aufpasst, mitgenommen hat, wenn sie zum Zahnarzt oder Zahnärztin gegangen ist und dass wir dann einfach dabeigesessen haben. Und das ist vielleicht eine Möglichkeit, man ist mit dabei, aber man wird selber natürlich nicht behandelt, aber man kann sich angucken, was da alles passiert.
00:33:40 Sarah Bühler: Ja, das sind Strategien, die ich nutze bei Kindern oder mit einem Kind erarbeitet habe, das Angst hat, zum Zahnarzt zu gehen. Genau der muss jetzt bei allen Verwandten erst mal mitgehen.
00:33:57 Sara Mohr:Nimmst du da Kontakt dann mit den Zahnärzt*innen auf?
00:34:03 Sarah Bühler: Nee, das machen die Eltern in der Regel und kommunizieren, dass es eben schwierig ist und dass in der Ergotherapie Strategien, aber für den Zahnarztbesuch erarbeitet wurden, weil die waren ja häufig schon dort ne und die Zahnärzt*innen sind ja dann auch frustriert und sagen jetzt macht er wieder den Mund nicht auf so. Kommt gar nicht rein, ja können wir nichts machen, müssen sie halt wieder kommen in einem Vierteljahr. Genau und dann kommunizieren die Eltern, dass das Kind jetzt dann bei den anderen Behandlungen dabei ist, und das funktioniert teilweise ganz gut, wobei da auch gerade bei Angst Kindern immer Psycholog*innen oder Verhaltenstherapeut*innen mit im Boot sind. Die auch nochmal Strategien besprechen, ja.
00:34:46 Sara Mohr: Ja, ja, sehr spannend.
00:34:47 Sarah Bühler: Genau und hier also im Umkreis Karlsruhe ist die Erfahrung, dass Kinder mit Autismus keinen Zahnarzt haben. Gibt niemand, der die nimmt.
00:34:59 Sara Mohr: Und das führt ja früher oder später zu Problemen. Ich wusste ja nur so grob das Thema vorher und ich bin aber vor ein paar Wochen über einen -. Jetzt hast du eine Studie rausgehauen und ich komme mit einem Social Media Beitrag aber ich bin auf einen Instagram Beitrag gestoßen von @minzgespinst, heißen die und das ist, glaube ich, ein Kollektiv die diesen Account betreiben, ich weiß es gerade nicht genau, und eine Person davon ist autistisch. Und diese Person berichtet, wie das als erwachsene Person ist Probleme mit der Mundhygiene zu haben und erzählt, dass es natürlich also wenn du dann erwachsen bist und rein rational weißt, dass es wichtig ist, dass du die Zähne putzt. Da wird beschrieben, dass es ja auch zu einem Schamgefühl kommen kann, weil zum Beispiel andere Menschen das eklig finden, wenn man sich nicht so oft die Zähne putzt oder sich dafür schämt, warum krieg ich das nicht hin. Warum kann ich das nicht aushalten? Andere Leute machen dreimal am Tag. Ich verlinke den Beitrag in den Show Notes. In den Kommentaren darunter tauschen sich autistische Menschen unter sich aus, was sie für Adaptionen gefunden haben, für sich, dass es eben klappt, dass es sensorisch nicht so überfordernd ist. Und die sagen so was wir auch schon hatten, es gibt Zahnpasta in verschiedenen Geschmacksrichtungen, da einfach mal ausprobieren, es gibt wohl auch welche ganz ohne Geschmack also wirklich ganz neutral schmecken, die nicht scharf sind und nix. Oder es gibt natürlich Zahnbürsten in tausenderlei Farben und Formen und aus Holz und…
00:37:01 Sarah Bühler: Ja, da kann man auch keine Empfehlungen machen, sondern es ist tatsächlich ein Ausprobieren. Teilweise elektrisch, teilweise harte Borsten, teilweise weiche Borsten also es ist, da gibt es kein Rezept, ja.
00:37:16 Sara Mohr: Kleiner Kopf, großer Kopf ja, genau diese auch bei Mundspülungen das gleiche Spiel wie mit der Zahnpasta. Einige haben da drunter geschrieben, dass es für sie tatsächlich eine Mundspülung erstmal ranführen an die Mundhygiene für sich selber erstmal ein guter erster Schritt ist, wenn man eine findet, die nicht so scharf ist, weil das einfach nur im Mund n paar Mal hin und her gurgeln ausspucken. Genau und dann war halt das fand ich ganz schön generell. Die Empfehlung halt auch den Druck zu nehmen, wie du ja auch gesagt hast, dass sich bewusst machen speziell für den Zahnarztbesuch braucht es 6 Adaptionen im Schnitt, das heißt auch mehr ist normal, den Druck rausnehmen. Es muss nicht ab morgen dreimal am Tag Zähne geputzt werden 3 Minuten, sondern das darf dauern.
00:38:00 Sarah Bühler: Ich habe teilweise Eltern, die so verzweifelt sind, es geht nicht, ja, wir zwingen jetzt und das macht einfach überhaupt keinen Sinn, ne denn es geht trotzdem nicht.
00:38:15 Sara Mohr: Ich verstehe die Sorge der Eltern dahinter, dass man natürlich nicht möchte, dass das eigene Kind Zahnschmerzen kriegt und so…
00:38:22 Sarah Bühler: Vor allem, wenn man weiß, dass man dann keine Versorgung hat.
00:38:26 Sara Mohr: Ja, aber der Zwang ist ja für alle Seiten fürchterlich unangenehm und es wird ja auch nicht langfristig, … also das traumatisiert am Ende ja nur.
00:38:35 Sarah Bühler: Ja genau und worauf wir noch gar nicht eingegangen sind. Viele haben hier bei Autismus auch immer ein Bild von sprechenden Personen, aber es gibt ja durchaus auch Autist*innen, die eben nicht über Sprache kommunizieren, oder nonverbal sind ne und da ist es halt auch noch mal eine Herausforderung. Auch da zu sagen, wann ist es denn genug, wie kommuniziere ich denn, dass es jetzt reicht?
00:38:50 Sara Mohr: So Stoppsignale?
00:39:07 Sarah Bühler: Stopp genau, aber es gibt ja auch Menschen, die eben nicht sagen können, wo genau es wehtut ja, und das ist ja auch noch mal einfach total schwierig dann.
00:39:18 Sara Mohr: Ja, und haben Sie da auch Hinweise oder Tipps, was es da für Möglichkeiten geben könnte?
00:39:36 Sarah Bühler: Nee. Muss man wieder individuell schauen. Wobei dann natürlich wieder die Frage ist in dem Moment, wenn die Person so große Angst hat, wie ist dann der Zugriff auf das Stoppsignal. Ja, also ich habe auch einige Kinder in Therapie, da ist das Stopp zu kommunizieren noch nicht möglich.
00:39:54 Sara Mohr: Das heißt, dann muss man wirklich einfach im sozialen Umfeld gucken, dass die Leute langsam vorgehen. Von sich aus Schritt für Schritt, auch wenn das Kind vielleicht nicht sagt oder nicht Anzeichen macht das jetzt gerade schlimm ist, vielleicht trotzdem einfach mal aus Prinzip 2 Schritte langsamer gehen? Ja, das erfordert ganz viel Awareness von allen Beteiligten, aber das ist auch, wo wir als Ergos wieder…
00:40:17 Sarah Bühler: …Aktiv werden können und das war auch in dem Artikel, dass wir durchaus schulen können. Ne darauf aufmerksam machen können also auch was für Strategien es gibt. Damit wie du sagst, diese Awareness entsteht.
00:40:36 Sara Mohr: Ja, wie cool es wäre, wenn man jetzt sagen würde okay, wir bieten mit unserer Praxis jetzt mal einen Infoabend, eine Stunde meinetwegen online für Zahnärzt*innen bei uns in der Gemeinde und Umgebung zu dem Thema. Kooperation mit uns aber halt auch was können Adaptionen sein, um den Zahnarztbesuch für verschiedenste Menschen barrierefrei zu gestalten, das ist toll. Hätte ich sofort Lust zu!
00:41:06 Sarah Bühler: Bist engagiert Sara.
00:41:10 Sara Mohr: Dafür bin ich nicht genug im Thema drin! Ich würde hingehen. Das wäre ja auch wieder auch eine Gelegenheit zu kooperieren mit Menschen, die tatsächlich Expertise in eigener Sache haben, also wenn man zum Beispiel Erwachsene Autist*innen hat, die das auch kommunizieren möchten gerne wie sie sich den Arztbesuch vorstellen, welche Adaptionen da Sinn machen, wie sie sich das vorstellen, das wäre doch das was. Hm, Leute. Wenn ihr das machen wollt mit uns, wir stellen das auf die Beine. Wenn ihr es schon macht, wir kommen! Sagt Bescheid. Weil man kann natürlich auch jetzt nicht den Zahnärzt*innen vorwerfen, ihr habt ja keine Ahnung von wenn es halt nicht Teil der Ausbildung ist. Irgendwo muss das Wissen herkommen. Sehr cooler Artikel und das heißt in dem Artikel von der Methodik die haben halt einfach die Evidenz dann zusammengefasst und einmal vorgestellt wie könnte so eine Kooperation dann eben gewinnbringend funktionieren? Ja cool. Finde ich gut, dass sowas mal einfach dargestellt wird. Auf einer wissenschaftlichen Basis.
00:42:20 Sarah Bühler: Ja, also ich fand es auch spannend.
00:42:21 Sara Mohr: Ein Thema, zu dem ich so noch nichts gelesen habe jetzt in Ergotherapie-Fachzeitschriften oder so? Weißt du, was wir machen können, wenn wir diese Folge veröffentlichen und ihr hört die jetzt liebe Ergos, liebe alle anderen Menschen da draußen, wenn ihr uns zuhört und jetzt denkt mir fällt noch ne coole Adaption ein, die vielleicht helfen könnte. Wenn ihr auf unserer Homepage auf die Podcast Seite geht, da kann man unten drunter kommentieren, lasst uns doch mal sammeln, wir machen eine Sammlung aller möglichen und unmöglichen Adaptionen, die Autist*innen den Zahnarztbesuch vielleicht ermöglichen können. Dann hat man was zum Nachschauen zum Ideen kriegen manchmal hat man auch einfach keine Idee mehr an einem gewissen Punkt. Lasst uns sammeln unter dem Podcast auf ergo-unterwegs.de. Da gibts bestimmt Sachen, die wir jetzt noch nicht haben. Ja, supi Sarah, wollen wir noch Die 3 Do‘s für die Praxis machen, wenn jetzt morgen eine Familie zur Behandlung kommt und sagt schönen guten Tag, ich habe ein autistisches Kind und Zähneputzen geht nicht. Was machen wir dann?
00:43:38 Sarah Bühler: Langsam angehen?
00:43:41 Sara Mohr: Druck rausnehmen, ja. Ja sehr gut, ich habe jetzt heute gelernt, dass es eine Idee sein kann nachzufragen, wenn Zähneputzen nicht geht ist dann auch Zahnarztbesuch ein Thema? Direkt schon mal größer weiter denken, dass das nicht unter den Tisch fällt, ja.
00:44:00 Sarah Bühler: Oder generelle Arztbesuche? Das mit abzufragen. Und drittens, auch wieder kleinschrittig vorzugehen, also vielleicht erstmal das Gurgeln üben oder das Zahnbürste in den Mund nehmen, aber noch gar nicht das Putzen. Genau es gibt auch ich weiß gar nicht, wie die heißen, so Kau-Sachen, wo man drauf beißen kann, um die Zähne zu putzen sowas in die Richtung gibt es auch. Häufig für ganz kleine Kinder, aber man kriegt es auch für größere Kinder, sieht bisschen aus wie so ein Bügel, den man so reinschiebt. So, das können die Kinder vorne halten und dann kauen die da so ein bisschen drauf rum.
00:44:46 Sara Mohr: OK, weil Stimulation am Mund kann ja auch eine Form von Stimming sein durchaus für Autist*innen, muss man wieder bei jeder Person gucken, aber vielleicht sind ja bestimmte Berührungen am Mund sogar angenehm, vielleicht ist ja kauen was angenehmes sein.
00:45:07 Sarah Bühler: Genau also, da auch zu gucken was gibts da und vielleicht erstmal sogar weg von der Zahnbürste zu gehen. Und ein positives Umfeld zu schaffen und eine Routine zu etablieren.
00:45:21 Sara Mohr: Sehr schön. Ja super, dann vielen Dank für das Vorbereiten dieses Artikels. Sehr spannendes Thema. Wir freuen uns auf eure Rückmeldungen, eure Kommentare dazu. Ihr könnt uns diese Rückmeldung geben über Instagram, über Facebook, auf unserer Homepage, überall heißen wir Ergo Unterwegs. Die Homepage ist Ergo-unterwegs.de, ihr könnt E Mail schreiben oder über das Kontaktformular oder unter diesen Beitrag kommentieren. Ich wollte noch ein Wort zu Feedback sagen Sarah. Erinnerst du dich?
00:46:01 Sarah Bühler: Das habe ich schon wieder vergessen.
00:46:07 Sara Mohr: Wir kriegen von euch sehr oft sehr, sehr, sehr, eigentlich immer sehr nettes Feedback, das freut uns total und ihr könnt uns auch immer Themenvorschläge schicken. Das hilft uns ein bisschen in der Vorbereitung, wenn ihr ein Thema aus der Praxis habt und wir freuen uns fast über jede Art von Feedback. Wir hatten diesen Monat zum ersten Mal in der Geschichte des Podcasts ein negatives Feedback. Das stimmt nicht ganz, wir hatten schon mal 1 und wir haben herausgefunden für uns, dass es 2 Arten von Feedback gibt und die eine Art von Feedback ist, wenn man uns schreibt Hey, inhaltlich könnt ihr da mal gucken schaut mal, das hat mir nicht so gut erklärt oder die Definition war nicht ganz richtig, oder? Ich hab aber eine Studie hier, da steht das anders drin und da freuen wir uns sehr drüber.
00:46:50 Sarah Bühler: Kurz zusammengefasst fachliches Feedback nehmen wir ja sehr gerne.
00:46:58 Sara Mohr: Da lernen wir noch was. Wenn ihr jetzt mit einer Studie kommt, die sagt, also Ergotherapie und Zahnärzt*innen, das geht gar nicht. Und ihr habt eine Studie dazu, lernen wir da gerne noch was dazu. Was wir nicht nachvollziehen können und worauf wir auch nicht reagieren werden ist, wenn das Feedback persönlich wird, dann ist es auch irgendwie kein Feedback mehr. Also das heißt, wenn ihr unsere Stimmen nicht mögt oder nicht mögt, wie wir Sachen erzählen oder wie wir einfach miteinander sprechen, wenn ihr den Podcast an sich nicht mögt, dann ist die Lösung: ihr braucht den gar nicht hören. Also wenn euch der Podcast nicht gefällt, müsst ihr denn gar nicht hören, dass ist das Schöne an Podcasts, es gibt so viele ihr findet bestimmt einen, der euch gefällt. Aber wenn ihr diesen Podcast auf ganz persönlicher Ebene nicht mögt, dann braucht ihr uns gar keine E-Mail schreiben, ist voll okay, wenn ihr den einfach so nicht hört. Das war mir wichtig zu sagen, weil wir zum ersten Mal Feedback und hoffentlich zum letzten Mal auf dieser Ebene bekommen haben. Auf alles andere gehen wir sehr gerne ein, genau, wir freuen uns von euch zu hören. Ich freue mich, wenn wir uns das nächste Mal hören. Tschüss.
Das Outro wird abgespielt.
00:48:24 Sarah Bühler: Hallo ihr lieben Ergos! Ich wollte gerne noch einmal Werbung in eigener Sache machen, und zwar bin ich auf der Suche nach Ergotherapeut*innen, die Lust haben, in der Praxis zu arbeiten. Die betätigungsorientiert, klientenzentriert und evidenzbasiert arbeiten wollen und eben die modernen Inhalte der Ergotherapie tatsächlich im Praxisalltag umsetzen wollen. Wenn ihr darauf Lust habt, bewerbt euch doch gerne! Ihr könnt mir einfach eine E-Mail schreiben an info@ergotherapiebruchsal.de oder anrufen das ist die 0172515056013 genau ich freue mich über jede Bewerbung. Praktika oder Hospitationen sind auch jederzeit möglich.
2 Comments
Andrea
10. Februar 2026
Ich glaube, das Transkript ist nicht das der Folge oben?
Ergo-Unterwegs
11. Februar 2026
Danke für den Hinweis! Jetzt ist das richtige Transkript da 🙂