#45 - Das WRITIC und Testgütekriterien mit Connie und Nora
Woran erkennst du eigentlich, ob ein Assessment von guter Qualität ist? Na, anhand der psychometrischen Eigenschaften! In dieser Podcastfolge dröseln wir nicht nur auf, was hinter diesem Begriff steckt, sondern lernen durch Nora Bilke und Connie Zillhardt auch das WRITIC kennen – ein betätigungsbasiertes Assessment mit dem du die Schreibbereitschaft von Vorschulkindern evaluieren kannst.
Geschichten aus dem Alltag: Connie geht ins Fitnessstudio und prüft in der Hochschule, Sara trägt Kinder durch Dinoparks und – jeder braucht eine Nora!
Lust auf mehr Evidenz für dein Team?
Instagram-Account des deutschen WRITIC
Connies und Noras Videos zur funktionalen Zweiteilung der Hand und zum richtigen Scherengriff
Fortbildungen zum WRITIC gibt es 2026 noch bei Popcorn online und bei Fokus in Präsenz.
Doku-Empfehlungen von Connie und Nora:
Die Studie in dieser Folge
Vico, R., Martín, J., & González, M. (2023). Functional Assessment of Handwriting Among Children: A Systematic Review of the Psychometric Properties. American Journal of Occupational Therapy, 77(5), 896–904.
Studien und Artikel zum Thema Handschreiben
Ashari, P., Shiraishi, M., & Ishibashi, Y. (2025). Measurement Tools in Occupational Therapy Practice Primary School Setting: A Scoping Review. Occupational therapy international, 2025, 2679849.
Ayaz, M., Parwez, S., Paracha, M. A., Jalil, S. A., Safi, U., & Amin, S. (2026). Existing interventions for the management of different types of dysgraphia or specific learning disorder in written expression: a scoping review. BMJ open, 16(7), e113327.
Bonneton-Botté, N., Miramand, L., Bailly, R., & Pons, C. (2023). Teaching and Rehabilitation of Handwriting for Children in the Digital Age: Issues and Challenges. Children (Basel, Switzerland), 10(7), 1096.
Delgado, P., Melo, F., de Vries, L., Hartingsveldt, M., & Matias, A. R. (2023). Translation, Cross-Cultural Adaptation, and Psychometric Properties of Writing Readiness Inventory Tool in Context (WRITIC). Children, 10(3), 559.
Fajariani, D., Suyama, N., Yamanishi, Y., Phadsri, S., Komariyah, D. A., & Ito, Y. (2025). Analyzing Occupational Performance of Children With Handwriting Difficulties: Parent and Teacher Experiences and Perspectives. Occupational therapy international, 2025, 8882049.
[00:00:00] Gäste und Thema
Sara Mohr spricht mit den Ergotherapeutinnen Connie Zillhardt und Nora Bilke über Handschrift, Schreibschwierigkeiten und geeignete Assessments. Connie und Nora gehören zum deutschen Team des WRITIC (Writing Readiness Inventory Tool in Context), einem Instrument zur Erfassung der Handschriftbereitschaft von Vorschulkindern.
[00:13:54] WRITIC: früh und im Alltag beobachten
Das WRITIC wird etwa ein halbes Jahr vor der Einschulung im Kindergarten eingesetzt. Es soll Hinweise darauf geben, ob ein Kind beim späteren Schreibenlernen Schwierigkeiten entwickeln könnte. Dafür werden nicht nur grafomotorische Aufgaben beobachtet, sondern auch die Motivation des Kindes sowie seine soziale und physische Umwelt. Tisch, Stuhl und Stifte bleiben so, wie das Kind sie im Kita-Alltag nutzt. Auffälligkeiten können dadurch früh erkannt und passende Unterstützung geplant werden.
[00:22:30] Warum Handschrift wichtig bleibt
Handschreiben verbindet motorische, visuelle, sensorische, sprachliche und kognitive Prozesse. Wenn es einem Kind schwerfällt, muss es viel Aufmerksamkeit auf Lesbarkeit und Tempo verwenden; diese Ressourcen fehlen dann für den Inhalt der Schulaufgabe. Wiederholte Misserfolge können Motivation und Selbstwirksamkeit beeinträchtigen. Die Gesprächspartnerinnen sehen Tippen durchaus als hilfreiche Entlastung, besonders bei anhaltenden Schwierigkeiten – nicht aber als Grund, Kindern die Erfahrung des Handschreibenlernens vorzuenthalten.
[00:37:06] Assessments gezielt auswählen
Sara stellt einen systematischen Review zu papierbasierten Handschrift-Assessments für Kinder und Jugendliche vor. Die Auswahl eines Instruments sollte sich nach den psychometrischen Eigenschaften richten: Reliabilität beschreibt die Verlässlichkeit der Ergebnisse, Validität die Passung zwischen dem, was ein Assessment messen soll, und dem, was es tatsächlich erfasst. Beim WRITIC ist zudem die prädiktive Validität bedeutsam. Voraussetzung für aussagekräftige Ergebnisse sind eine Schulung der Anwender*innen und die standardisierte Durchführung im vorgesehenen Kita-Kontext.
[01:17:42] Prävention gemeinsam gestalten
Für die ergotherapeutische Praxis empfehlen Connie und Nora, Vorläuferfähigkeiten spielerisch und an den Interessen des Kindes orientiert zu fördern – beispielsweise durch Malen an einer senkrechten Fläche oder Aufgaben zur funktionellen Zweiteilung der Hand. Ebenso wichtig sind Beratung und Coaching von Eltern und pädagogischen Fachkräften. Wer das Kind beim Schreiben und Malen in seiner tatsächlichen Umgebung beobachtet, kann nicht nur individuelle Fähigkeiten, sondern auch veränderbare Bedingungen in Kita und Schule in die Unterstützung einbeziehen.
Sara Mohr: [00:00:14] Herzlich willkommen zu einer neuen Folge Evidenz auf die Ohren, dem Podcast für evidenzbasierte Praxis in der Ergotherapie. Mein Name ist Sara Mohr und hier bei mir im digitalen Podcast-Raum sind Connie Zillhardt und Nora Bilke. Hallo. Schön, dass ihr da seid und mit mir heute, ich spoiler schon mal ein bisschen, über Schreiben und Handschrift und Assessments quatschen werdet. Bevor wir da reingehen, wollt ihr euch einmal kurz vorstellen. Connie, magst du anfangen?
Connie Zillhardt: [00:00:59] Auf jeden Fall. Ja, erstmal vielen Dank für die Einladung. Wir haben uns sehr gefreut, dass du uns eingeladen hast. Mein Name ist Connie Zillhardt, hast du ja schon gesagt. Ich bin schon lange Ergotherapeutin, ich glaube seit 2001 und bin immer im Bereich Pädiatrie unterwegs. gewesen, habe mal kurz im Ausland gearbeitet und habe dann irgendwann in den Niederlanden meinen Bachelor gemacht und dann habe ich noch einen European Master gemacht. Ich glaube, das vereint uns alle tatsächlich. //Sara Mohr: Stimmt.// Das waren ja alle drei. Mal gucken, wie viele Gemeinsamkeiten am Ende des Podcastes noch rauskommen. Dass wir alle erst die Ausbildung, dann erst den niederländischen Bachelor und dann den European Master gemacht haben. Wie witzig. Und dann habe ich angefangen, an der Seud-Horoschool zu arbeiten, wo ich den Bachelor gemacht habe und wo ich euch beide kennenlernen durfte. Das hat mir auch große Freude bereitet, als ich zwei so tolle Kolleginnen ein Stück weit mal mit begleiten durfte. Und dann arbeite ich aber auch noch in einer Praxis für Ergotherapie. Und das habe ich eigentlich auch schon mein ganzes Ergo-Leben lang gemacht, als ich in Praxen irgendwie gearbeitet habe. [00:01:59] Aber das mache ich nur noch einen Tag in der Woche. Und zwar arbeite ich in der Praxis Zeitraum in Essen-Katernberg im Essener Norden. Das betone ich so, weil das ein besonderer Sozialraum ist und wir da viel in den Grundschulen und Kindergärten im Stadtteil unterwegs sind und sehr viel in den Stadtteil hineinarbeiten. Also andere Kolleginnen machen auch andere Sachen mit Erwachsenen, aber ich für den pädiatrischen Teil bin schon auch viel eben direkt im Setting unterwegs und mache eigentlich überhaupt keine Behandlung klassisch in der Praxis. Sondern in der Praxis bin ich tatsächlich nur, wenn ich dokumentiere oder mich mit Kolleginnen austausche oder irgendwelche Dinge plane. Und ja, dann bin ich auch noch, und das ist, glaube ich, der Grund, warum ich heute hier bin, Vertreterin für das Deutsche RITIC zusammen mit Nora. Und wir sind das Deutsche WRITIC-Team und wir sind WRITIC-Instruktorin und kümmern uns um die Weiterentwicklung und Verbreitung vom RITIC. Und der WRITIC, sollen wir jetzt einmal aussprechen, bevor wir…
Sara Mohr: [00:02:58] Was ist WRITIC?
Connie Zillhardt: [00:03:01] Writing Readiness Inventory Tool in Context. Und das ist so das, was Nora und mich vereint irgendwie. Und dann übergebe ich jetzt auch den Ball direkt an Nora irgendwie. Dann kann die sich auch vorstellen.
Nora Bilke: [00:03:15] Ich bin Nora Bilke. Einige Sachen hat Connie gerade schon in den Gemeinsamkeiten festgestellt, was ich so gemacht habe. Mein Werdegang hat auch in der Ausbildung in Köln dann gestartet. Und Bachelor Master wurde alles schon erzählt. Ich arbeite seit sieben oder acht Jahren in der Praxis in Köln, rein pädiatrisch. Und ein Schwerpunkt ist dabei natürlich, Kinder zu unterstützen im Vorschulalter. Ja, school ready und auch handwriting ready in die Schule zu starten. Eben nicht nur bezogen auf Handschrift, aber eben auch. Und ich habe auch sehr, sehr viele Grundschulkinder in Behandlung, was ja die Herausforderung gerade ist, dass eben nicht rechtzeitig geguckt wird, ob die Kinder school- oder handwriting ready sind. Also schlagen sie in den Praxen in der ersten und zweiten Klasse auf. Vielleicht kommen wir auch noch dazu. Und dann ist es manchmal etwas kniffliger, die Kinder entsprechend noch zu unterstützen. Ein zweiter Fachbereich, in dem ich arbeite, sind Erwachsene mit Neurodemergenten, vor allem ADHS und Autismus Spektrum, also Kinder und Erwachsene. [00:04:22] Das ist so mein Steckenzert in der Praxis. Und ansonsten gebe ich ganz, ganz viele Weiterbildungen in Deutschland und manchmal so ein bisschen in Österreich, Schweiz, zu verschiedenen pädiatrischen Themen. Eben auch seit einigen Jahren jetzt zum WRITIC, seitdem wir Instruktorin sind. Und ja, Connie und Meinweg hat sich dann quasi getroffen zum WRITIC, als es darum ging, dass WRITIC wird übersetzt und es braucht irgendwie eine deutsche Forschungsarbeit zum WRITIC als standardisiertes Instrument. Und dann passte das ganz gut, dass ich dann zu dem Zeitpunkt meinen European Master machte und irgendwas zum Thema Handtritt machen wollte, wie auch in meinem Bachelor. Und ja, so hat sich das ergeben, dass ich dann meine Masterarbeit über das WRITIC geschrieben habe. Und jetzt Teil eben dieses deutschen WRITIC-Teams mit Connie bin ich.
Sara Mohr: [00:05:14] Sehr cool. Wir könnten an der Stelle jetzt schon voll ins WRITIC reinstürzen, aber vorher starten wir traditionell mit den Geschichten aus dem Alltag.
Connie Zillhardt: [00:05:23] Habt ihr Geschichten aus einem Alltag mitgebracht?
Sara Mohr: [00:05:26] Sport. Connie, du hast eben schon gesagt, du hast zwei. Vielleicht fängst du an, dann kommt Nora und dann darfst du nochmal.
Connie Zillhardt: [00:05:32] Ja, jetzt könnt ihr noch sagen, ob ich mit meiner Sport- oder mit meiner Hochschulgeschichte starten soll. Sport, Sport. Mit der Sportgeschichte. Das geht auch in die Chronologie. Ich war gestern noch beim Sport, obwohl hier im Ruhrgebiet sagen wir eher Sport. Wir haben da so einen, da gibt es bestimmt Menschen, die genau Bezeichnungen dieser Geräte wissen, die mir, keine Ahnung, ich mache das einfach. Aber da gibt es so einen Zirkel mit Geräten, wo alle Leute immer gleichzeitig das Gerät wechseln, weil da so eine digitale Anzeige ist, die sagt dann irgendwie, du musst anderthalb Minuten arbeiten, dann hast du eine halbe Minute, um zu wechseln und so weiter. Sodass alle Leute immer gleichzeitig das Gerät wechseln und keine Langwartezeiten entstehen. Naja, wie auch immer, ich war da eigentlich sehr mit mir selber beschäftigt und habe dann irgendwann so ein älteres Pärchen. Und älter meine ich so Mitte 70, die sich auch eher etwas langsamer fortbewegten. Und es wurde dann offensichtlich, dass sie ein Paar sind, die parallel diese Geräte wechselten und sich nach jedem Gerät gegenseitig motivierten und ein Küsschen gaben. Das war so herzig. [00:06:33] Und er immer, das war sehr anstrengend. Ich war nicht gut, ich musste wieder runter. Und sie, das macht nichts. Du machst es super. Und da habe ich gedacht, okay, wenn Leute mit über 70, also sie waren mindestens Mitte 70, so zusammen Sport machen und sich so motivieren, fand ich total, total entzückend. Da hatte ich einen sehr berührenden Moment in einer Umgebung, mit der ich nicht damit gerechnet habe.
Sara Mohr: [00:06:59] Die einen emotional eigentlich nicht so angreift, ja.
Connie Zillhardt: [00:07:01] Nee, nee, überhaupt nicht.
Sara Mohr: [00:07:05] Oh, wie schön. Das ist eine schöne Geschichte aus dem Alltag. Vielen Dank. Gerne.
Nora Bilke: [00:07:10] Sehr schön. Dann gehe ich mal als andere Ende der Lebensspanne. Ich habe vor einiger Zeit so einen viereinhalbjährigen Jungen aufgenommen und der hat es in der Kita richtig schwer gehabt und der brauchte da irgendwie mehr Pausen und mehr Rückzug. Und dann haben wir ganz viel erarbeitet, was ihm guttun könnte. Und wenn er so merkte, oh, irgendwie steigt so ein bisschen so ein Wutwühlpfad in mir auf, ich brauche eine Pause, dann hat er so seine Östressien, was er machen konnte. Und dann haben wir pausiert. Und jetzt kam er wieder zu mir und sagte bei der Begrüßung, Nora. Der Milo in der Kita, der hatte letztens ein Wutwühlkran und weißt du, was ich dem gesagt habe? Nee, weiß ich nicht. Ich habe dem gesagt, Milo, ich glaube, du brauchst auch eine Nora. Das war auch so ein emotionaler Moment, da musste ich wirklich innehalten und dachte so, toll, dass du anderen Kindern fortlegst, eine Nora zu brauchen. Es beschreibt eigentlich, er weiß, dass Ergotherapie ist, auch wenn er es ihm nicht erklärt hat. [00:08:13] Er konnte ihm sagen, da gibt es so einen Mensch, die heißt Nora und die kann dir vielleicht helfen. Vielleicht gehst du da auch mal hin. Das hat mich sehr berührt. Und ja, jetzt arbeite ich noch ein bisschen mit ihm und das ist mir sehr hängen geblieben.
Sara Mohr: [00:08:24] Wie schön. Jedes Kind sollte eine Nora haben.
Nora Bilke: [00:08:27] Ja.
Sara Mohr: [00:08:30] Sehr schön.
Connie Zillhardt: [00:08:32] Connie nimmt uns mit an die Hochschule. Okay. Ich habe den ganzen Morgen damit verbracht, Prüfungen, mündliche Prüfungen abzunehmen. Ich saß bis eins seit heute Morgen um neun in mündlichen Prüfungen zum Thema Literaturrecherche der Bachelorarbeiten und habe da zwei Gruppen geprüft. Das bedeutet, die Studierenden, die gerade ihre Bachelorarbeiten schreiben, müssen als ersten Step der Bachelorarbeit eine individuelle Literaturrecherche machen und die muss danach noch mündlich präsentiert werden, den anderen vorgestellt werden und dann gibt es eine Diskussion. Das ist schon ein aufregender Moment für die Studierenden und auch ein bisschen anstrengend manchmal, weil es der erste Teil der Bachelorarbeiten, die Bachelorarbeit ist ja so das zentrale Ding irgendwie im Studium schon. Irgendwie das will man auch gut machen und so weiter. Und die waren alle ganz gut drauf, aber auch so ein bisschen nervös. Verständlicherweise. Ja, ja, es ist ja auch eine Prüfung irgendwie. Ich versuche das dann ja immer irgendwie gut zu framen, dass wir uns eigentlich nur gegenseitig Inhalte vorstellen. Also ich nicht, ich höre nur zu, um dann gemeinsam eine gute Basis für die Bachelorarbeit zu haben und darüber in Diskussion zu kommen. [00:09:37] Und dann denke ich, dann gucken die mich immer alle so an und sagen, ja, okay, dann machen wir das mal so. Du hast gut reden, du versuchst uns gerade eine Prüfung für einen guten Moment zu verkaufen. Schon klar. Naja, gut. Und am Ende der letzten, und die haben es wirklich alle sensationell gemacht. Ich war heute so begeistert. Ich hatte so coole Prüfungen, wo ich auch selber tolle Erkenntnisse hatte, mir ganz viel Spaß gemacht. Und am Ende der letzten Prüfung sagt eine Studierende, auch schade, dass ein Shot vorbei ist. Das war gerade so interessant.
Sara Mohr: [00:10:06] Und ich so, sieh, so, so.
Connie Zillhardt: [00:10:09] So nämlich. Schön.
Sara Mohr: [00:10:12] Sehr schön.
Connie Zillhardt: [00:10:14] Cool. Ja, von daher, da hatte ich auch einen sehr coolen Moment und dachte, okay, es ist nicht nur mein positives Framing, sondern es wird auch als Ursula doch eigentlich Spaß machen.
Sara Mohr: [00:10:20] Es kann wirklich Spaß machen.
Connie Zillhardt: [00:10:22] Okay.
Sara Mohr: [00:10:24] Sehr schön. Ich habe auch noch eine ganz kleine Alltagsgeschichte dabei. Es ist eine pädiatrische, aber nicht aus dem Arbeitskontext. Ich arbeite ja nicht mit Kindern oder nur ganz, ganz, ganz seltenen Ausnahmefällen. Aber in meinem Privatleben gibt es durchaus Kinder. Und vor ein paar Wochen war ich mit meinen eigenen Schulfreundinnen von früher und deren jetzt Kindern. Die sind so zwischen drei und sieben Jahre alt. Die haben wir alle auf einen Haufen geworfen. Wir sind in die Jugendherberge gefahren am Wochenende. Alle zusammen und waren dann am Wochenende in einem Dinopark. Was schon, das war primär ein Geschenk für die Eltern und mich schon eigentlich. Die Kinder fanden es auch cool, aber wir Eltern fanden es, glaube ich, nochmal cooler. Und danach war mir noch eine kleine Runde im Wald wandern. So drei Kilometer. Das war für die Kinder. Das war für die Kinder dann, genau. Das haben die sich gewünscht, ja. Und weil das dann schon nachmittags war und verständlicherweise, also gerade die Kleinen, waren dann natürlich auch schlapp und müde irgendwann. [00:11:25] Und weil ich ja sonst privat nicht so viele Kinder um mich habe, habe ich mich echt bereit erklärt, dann gerade die Kleinen ab und zu immer ein Stück zu tragen und so. Und wenn es schwieriger wurde vom Weg. Und irgendwann war ich dann aber auch durchaus körperlich auch fertig mit dem Tragen. Das Kind aber noch nicht. Und dann kam natürlich in so einem zehn Sekunden Abstand die Frage, irgendwann trägst du mich wieder und jetzt und trägst du mich jetzt wieder. Und wie lange muss ich denn noch laufen und trägst du mich jetzt wieder? Und die Mutter des Kindes meinte nur, du hast damit angefangen, Sarah, jetzt. Und ich habe mich an meine eigene Kindheit erinnert. Wenn ich zu meinem Opa sowas gesagt habe, wie lange ist es denn noch? Oder wann trägst du mich wieder? Hat der gesagt, noch 100 Schritte. Also habe ich zu dem Kind gesagt, noch 100 Schritte alleine laufen und dann trage ich dich wieder ein Stück. Und dann hat dieses Kind angefangen zu zählen. Vier Jahre alt und es hat fehlerfrei gezählt bis 39. Und das Schöne war, man hat so gemerkt, so ab 35 wurde sie zögerlich, wie es war. [00:12:27] Dann war so 35, 36, 37, 38, 39, 30, 31, 2 und ging wieder bei 30 an. Und zählte wieder ganz selbstbewusst bis 39, zögerte kurz, 30, 31 und war in dieser Schleife gefangen. Und ich dachte mir, na, ich sage nichts, solange sie zählt und läuft. Und irgendwann, die Kinder sind ja nicht doof. Irgendwann meinte eins von den anderen Kindern, ich glaube, 30 hatten wir schon. Und ich dachte, ja, stimmt. Aber was kommt denn nach 39? Ich glaube, 90. 91. Und im Endeffekt war es dann eine sehr faire Geschichte, weil in der durchschnittlichen Zeit wären wir wahrscheinlich eh bei 100 gewesen mittlerweile.
Connie Zillhardt: [00:13:24] Und dann habe ich sie wieder getragen, aber sehr schön.
Sara Mohr: [00:13:27] Sehr schön. Glaube 30 hatten wir schon. Sehr schön. Sehr schöne Geschichte. Gut, genug mit dem Alltag. Bevor wir uns die Studie von heute anschauen, die ich mitgebracht habe, wollte ich von euch gerne einmal wissen, wie seid ihr denn zum Writig gekommen oder ist das Writig zu euch gekommen? Und was ist das Writig überhaupt?
Connie Zillhardt: [00:13:54] Das Writig ist eher zu mir gekommen, als dass ich zum Writig gekommen bin. Man muss dazu sagen, ich habe mit der einen Autorin des Writigs, mit der Lisbeth, Lisbeth de Vries, mit der habe ich zusammen den Master gemacht. Und die Lisbeth hat damals in ihrer Masterarbeit schon eine grundlegende Zuarbeit für den Writig für die Macho geschrieben. Und die Macho von Hartingsfeld hat später ihre Promotion und ihre Forschungsarbeiten haben zum Writig geführt. Von daher habe ich zu einem Zeitpunkt mal Kontakt zum Writig gehabt, als das Writig noch gar nicht da war, sozusagen. So an der Seitenlinie habe ich was mitgekriegt. Und naja, viele Jahre später haben Lisbeth und Macho mich kontaktiert, weil ich ja so ein deutsch-niederländisches Verhältnis habe. Ich weiß nicht, wie ich es Arbeitsverhältnis habe, mit deutschen Ergos in den Niederlanden. Und weil sie gerne das Writig dem deutschen Markt zur Verfügung stellen wollten, es auf Deutsch übersetzen wollten. [00:14:54] Und dann haben sie Menschen aus Deutschland, Schweiz und Österreich gesucht, die als Vertreterin der jeweiligen Länder eine Version für alle drei Länder erstellen, als Expertin. So bin ich da reingekommen und wurde dann sozusagen eine der deutschen Vertreterinnen für das Writig. Und wir haben aber von vornherein gesagt, wir brauchen eigentlich noch jemanden. Wir hätten gerne ein Zweierpaar und wir hätten gerne noch jemanden, der auch in der Praxis verwurzelt ist. Aber vielleicht auch, nein, ich wusste, dass Nora demnächst ihre Masterarbeit schreiben würde, weil wir immer so lose auch im Kontakt waren. Und Nora hat schon ihren Bachelor über Handschrift, ein Handschriftassessment geschrieben. Und so haben wir Nora ins Team geholt, die über das Writig ihre Masterarbeit geschrieben hat. Was ist das Writig? Das Writig untersucht, ob Kinder bereit sind, schreiben zu lernen. Und zwar ein halbes Jahr vor der Einschulung. Und wir untersuchen die Kinder im Kindergarten, im Kontext. Also wir untersuchen die nicht, wir beobachten die und machen eine Aufgabe mit ihnen. [00:15:57] Das hört sich ja sonst an, als wäre man beim Kinderarzt. Und sie machen eine kleine Aufgabe und das wird geratet. Aber hinterher weiß man, wie die Handschriftbereitschaft ist. Und es ist, das ist etwas Besonderes, worauf das Writig und wir alle auch sehr stolz sind. Es ist eines der ganz wenigen Instrumente und mir in der Ergotherapie auch ist mir kein anderes bekannt. Das ist ein prädiktives Assessment. Das heißt, es kann eine Prognose aussprechen, eine Voraussage. Und deswegen können wir danach präventiv handeln. Und das ist das besonders Coole am Writig.
Sara Mohr: [00:16:32] Und das meintest du, Nora, vorhin ja auch schon, dass es so frustrierend ist, wenn die Kinder in der zweiten Klasse oder so mit den Schreibproblemen, die dann schon manifestiert sind, zu uns kommen und man viel früher eingreifen kann.
Nora Bilke: [00:16:45] Genau. Ja, also das ist wirklich eine absolute Sensation, dass wir das zur Verfügung haben. Und ich glaube, das wird auch noch seine Reise ziehen, denn es braucht eben noch ein bisschen Innovationskraft und engagierte Ergotherapeutinnen und Teams, die Lust haben, eben diesen präventiven Gedanken dahinter. Prinzipiell in der Ergotherapie, aber auch in der Nutzung von Assessments und um eben vorherzusehen, bekommt ein Kind eventuell in der ersten Klasse Schwierigkeiten, wenn es mit dem Stift viel mehr agieren muss als noch in der Kita. Es ist ja natürlich toll, wenn wir das immer mehr nutzen könnten und auch unsere Arbeitsweise immer mehr in diese Richtung gehen. Das war auch ein Grund, der mich überzeugt hat, mich dann in das Writing einzulesen, weil ich kannte es vorher jetzt nicht. Connie hat es mir dann vorgestellt und dann war ich so in den Endzügen der Übersetzung noch mitbeteiligt, was auch das erste Mal war, dass ich so beteiligt war. [00:17:49] Und das war natürlich auch sehr spannend, weil wir das mit deutschsprachigen Kolleginnen aus Schweiz und Österreich gemacht haben. Und viele sehr fruchtbare Diskussionen eben auch aufkamen über bestimmte Begrifflichkeiten, die unterschiedlich sind, aber auch einfach, wie unterschiedlich die Schulsysteme sind, obwohl wir Nachbarländer sind. Auch in Bezug auf die Niederlande sehr, sehr spannend. Deswegen niederländische Assessments oder Interventionen sind, finde ich, immer sehr spannend, auch einen Blick drauf zu werfen. Darum können wir immer sehr viel lernen. Ja, und dann habe ich eben gesagt, habe ich total Lust drauf, passt total auch zu meiner Halbung als Ergotrapeutin, zu meiner Arbeitsweise. Dann passt das auch zu all meinen Hausarbeiten, die ich dann selber entscheiden durfte, zum Thema schulbasierte Ergotherapie, Handschrift und so weiter. Und genau, dann ging es eben darum, eine niederländische Normierung haben wir im Writing, ist die denn haltbar für den deutschsprachigen Kontext? Und dann wurde irgendwie klar, das ist jetzt das Erste, was wir vielleicht machen dürfen. [00:18:49] Und dann habe ich mich da fit gemacht und quasi die Normierung dann überprüft in meiner Masterarbeit und mich durch die Statistik gekämpft. Und ja, das hat mir das Writing eben sehr nahe gebracht, weil ich extrem viele Kinder mit dem Writing beobachtet habe und es quasi in- und auswendig gelernt habe.
Connie Zillhardt: [00:19:11] Ich finde, das kann man auch noch mal ein bisschen betonen, dass die Nora für eine Masterarbeit, die sie alleine geschrieben hat, die ist ja manchmal ein bisschen bescheiden, echt richtig viele Kinder sich angeguckt hat. Also das ist für eine Masterarbeit nicht nur so ein bisschen viel, sondern richtig viel.
Nora Bilke: [00:19:27] Ja, das sind 76 Kinder waren das, genau.
Sara Mohr: [00:19:31] Und man braucht ja für so eine Normierung auch eine gewisse Größe an Stichprobe. Vielleicht nochmal kurz, magst du kurz sagen, was eine Normierung ist von einem Assessment, worum es da geht?
Nora Bilke: [00:19:41] Ja, also letztlich war das Writing sozusagen an niederländischen Vorspielkindern normiert. Das heißt, in den Niederlanden haben die Kinder zwischen dem fünften und sechsten Halbsten, so sagt man das bestimmt nicht, zwischen dem fünften Lebensjahr und dem sechsten Halbsten Lebensjahr mit dem Writing sozusagen beobachtet und haben geschaut, wie haben die Kinder da abgeschnitten. Bei Writing gibt es immer so einen Wert, der heißt Writing Task Performance und der sagt aus, wie handschriftbereit ein Kind ist. In den Niederlanden waren es fast 400 Kinder, mit denen die das Writing durchgeführt haben, eben geschaut haben, in diesen drei Altersstufen, fünf bis fünf und halb, fünf und halb bis sechs, sechs bis sechsten Halb, wie haben die Kinder da entsprechend abgeschnitten und haben dann natürlich die Gruppen untereinander verglichen, wie schneiden jüngere und ältere Kinder ab, wie schneiden Jungs oder Mädchen ab und in welchen Teilen des Essens schneiden sie wie ab, um dann eben zu ermöglichen, dass wenn jetzt die Connie in den Niederlanden [00:20:48] ein Kind mit dem Writing beobachten würde, dass dieses einzelne Kind mit dieser Normstichprobe, die sie daraus entwickelt haben, also in knapp 400 Kindern vergleichen kann, um dann zu gucken, schneidet das Kind, was die Handschriftbereitschaft angeht, super gut ab, ist also handschriftbereit oder so ein Durchschnitt oder eben so, dass man sagen würde, das Kind braucht noch Unterstützung im Hinblick auf die Einschulung und die Schreibaufgaben, die dann auf das Kind zukommen, sodass wir also eine Vergleichsprobe sozusagen haben, wo wir ein Kind mit einer möglichst großen Gruppe von anderen Kindern in der gleichen Altersstufe vergleichen können.
Sara Mohr: [00:21:32] Sehr schön. Ich habe gelesen, das Writing gibt es mittlerweile nicht nur auf Deutsch und Niederländisch, sondern auch Dänisch, Englisch und Portugiesisch und es laufen Übersetzungsprojekte in Slowenien, Griechenland und Bulgarien, sehr spannend.
Connie Zillhardt: [00:21:47] Und auch in den asiatischen Ländern, das ist das Allerverrückteste, in Japan zum Beispiel. Aber es ist die Schrift ja ganz anders auch, ja. Genau, und das wurde nämlich auch überlegt, ob das nicht eventuell ein großes Problem sein könnte, dass man alles ganz anders machen müsste, weil ja auch Aufgaben sind, wo Buchstaben abgezeichnet werden und ob das mit Japan noch stimmig ist, fällt sich raus, die Grundformen für japanische Schriftzeichen sind denen von unseren gar nicht so unähnlich, deswegen passt es. Spannend, das ist ja cool. Ja, fanden wir auch. Fand ich irgendwie so, okay, haben wir gar nicht mitgerechnet. Aber die bilden Haut auch aus ähnlichen, senkrechten, diagonalen, irgendwie ähnlichen Abläufen ihre Buchstaben.
Sara Mohr: [00:22:30] Das Alphabet, cool. Ja. Sehr schön. Okay, das erstmal als erster Überblick zum Writing. Es wird noch ein paar Mal aufploppen in dieser Podcast-Folge. //Connie Zillhardt: Ja.// Ich habe einen systematischen Review mitgebracht, bei dem es, oder die sich angeschaut haben, welche Assessments haben wir denn, die sich Handschrift bei Kindern oder Handschreiben bei Kindern anschauen. Und das erste Spannende, worüber ich in dieser Studie gestolpert bin, ist, dass sie sagen, 10 bis 30 Prozent der Kinder im Grundschulalter haben Probleme mit der Handschrift. Und ich bin sogar über andere Studien noch gestolpert, die noch höhere Zahlen schreiben. Da wird von, da ist teilweise von über 40 Prozent bei Jungen und 30 Prozent bei Mädchen die Rede, die in der Grundschule dann Schreibschwierigkeiten haben, die sich dann im Verlauf der Grundschulzeit natürlich auch nochmal verstärken können. Sind das auch so die Zahlen, die euch begegnen? Ich fand das krass. Warum ist das so viel? Das ist ja der Wahnsinn.
Connie Zillhardt: [00:23:26] Ein Drittel aller Kinder. Ja, das sind die, also wir haben für Deutschland nicht so ganz konkrete Zahlen, wie wir sie zum Beispiel für die Niederlande haben. Wir haben aber in Deutschland Erhebungen vom Schreibmotorik-Institut, die Lehrpersonen befragt haben und deren Einschätzung wiedergeben. Und daher, da spiegeln sich genau diese Zahlen wieder, die du genannt hast. Sehr spannend. Und das ist, also ich habe das Gefühl, wenn ich durch die ersten Klassen gehe und mir anschaue, was da so los ist, passt das genau. Also es ist auch das, was ich sehe irgendwie.
Nora Bilke: [00:23:57] Ich finde, das wird in der Studie so ein bisschen angedeutet und das passt, glaube ich, auch zu unserer praktischen Erfahrung, dass es zum einen wirklich Diagnosen gibt, die mit Schreibschwierigkeiten einhergehen oder wo Schreibschwierigkeiten eine hohe Komorbidität sind. Oder eine, sagt man das so? Ja. Also häufig zusammen vorkommen. Genau. Also wenn wir jetzt im Bereich ADHS zum Beispiel gucken, das ist eine sehr, sehr häufige Komorbidität ist die Frage…
Sara Mohr: [00:24:28] Hierzu kurz Folge 10, Feinmotorik bei ADHS. Könnt ihr reinhören.
Nora Bilke: [00:24:33] Ja, genau. Super. Dann muss ich das ja gar nicht mehr ausführen. Und dann steht aber der Studie auch nochmal deutlich, es kann natürlich auch sozusagen alleine kommen durch sozusagen eine Erfahrungsdeprivation, zu wenig Erfahrung mit, ich sage mal, Vorläufer, Schreibwerkzeugen oder eben feinmotorischen Vorläuferfähigkeiten. Also das sind, glaube ich, die beiden oder sind mögliche Ursachen sozusagen. Ja, deswegen, ich denke, das sind schon alarmierende Prozentzahlen. Und die Erhebung vom Treibmotorik-Institut ist jetzt nicht aus diesem Jahr, sondern die ist jetzt zwei, drei Jahre her, wie immer dauert es, bis so eine Erhebung erneut stattfindet. Und ich wäre zum Beispiel jetzt sehr neugierig, wenn die das nochmal wiederholen, wie es ist. Ich könnte mir vorstellen, dass es einen Trend gibt, der eher weiter alarmierend ist. Und deswegen bleibt es ein sehr, sehr relevantes Thema. Vor allem, weil wir wissen auch aus viel Literatur, dass das Volumen so rasant zunimmt, [00:25:34] inwieweit ich mit Stift und Papier agieren muss. Von dem Wechsel Kindergarten in Schule, aber auch pro Schuljahr nimmt das Volumen, wie viel ich schreiben muss, einfach so enorm zu.
Sara Mohr: [00:25:46] Und Handschreiben ist ja auch so mit, also motorisch, nicht nur motorisch betreiben, ist ja mit einer der komplexesten Betätigungen, die wir tun, motorisch, sensorisch. Ich brauche sprachliche Fähigkeiten, ich brauche kognitive Fähigkeiten.
Nora Bilke: [00:26:02] Visuelle, also wirklich auch viele visuelle. Visumotorik, ja, absolut.
Connie Zillhardt: [00:26:07] Es gibt da ganze Modelle zu, die die Entwicklung von Schreibfähigkeit erklären, wo man auf die unterschiedlichen Bereiche eingeht. Und wir kümmern uns ja in Anführungsstrichen nur um den motorischen Schreibprozess, um den Output. Aber was da auch an kognitiver Leistung noch dahinter steckt, ist Wahnsinn. Und wenn man sich dann auch anguckt, was die Verknüpfung zwischen Gehirnaktivierung beim motorischen Schreibung irgendwie, die Verknüpfung auch zwischen Lesen lernen und Schreiben lernen, Rechtschreibung und all diesen Dingen, das ist so relevant, weil man könnte ja auch sagen, naja, heutzutage ist Handschrift einfach, ist ja eigentlich mehr so wichtig, die Kinder können ja auch tippen lernen.
Sara Mohr: [00:26:46] Ja, das bin ich mal provokant. Ja, warum denn?
Connie Zillhardt: [00:26:49] Können wir, glaube ich, darauf antworten, Nora, ne? Seitdem Nora und ich uns noch intensiver als vorher mit Handschrift auseinandergesetzt haben im Rahmen der ganzen Writing-Entwicklung, haben Nora und ich das Mittippen oder Abfotografieren von Folien in Workshops oder auf Kongressen komplett aufgegeben. Wir schreiben nur noch mit der Hand und zwar auf Papier, mit Stift.
Sara Mohr: [00:27:13] Ich hätte da jetzt, die Privatsache hätte jetzt gerade Anschlussfragen, so wie sortiert ihr eure Notizen? Aber das führt jetzt zu… Aber warum? Warum schreibt jetzt nur mit der Hand?
Connie Zillhardt: [00:27:22] Das kann ich dir mal in Ruhe erklären, wie ich meine Notizen sortiere und ablege, damit ich nicht 15.000 Zettel verliere. Also im Grunde genommen wird beim Lesen und Schreiben lernen das motorische Programm zum Schreiben, also die visuelle Form der Buchstaben und das entsprechende kinesthetische Feedback aneinander gekoppelt, sodass im Gehirn so eine Art multimodales Bild von einem Buchstaben entsteht. Und es zeigen schon viele Studien, dass viele unterschiedliche Bereiche des Gehirns aktiviert werden und dass so eine Verbindung zum Beispiel von Buchstaben und Lauten oder auf Schick die Verbindung von Phonemen und Graphen geschaffen wird. Und im Grunde genommen durch diese Verknüpfung zwischen Handeln und Denken wird beim Gehirn die Bereiche, die beim Lesen relevant sind, auch aktiviert. Und deswegen hat das Schreiben lernen fürs Lesen lernen eine ganz hohe Bedeutung.
Nora Bilke: [00:28:23] Und im Vergleich zum Tippen ist eben nochmal interessant, dass wenn ich ein A tippen möchte und ein R, es ist die gleiche Tastenform, es ist das gleiche Geräusch. Also ich habe das gleiche haptische Feedback, egal welchen Buchstaben ich schreibe. So, wenn ich das jetzt aber mit meiner Hand, mit meinem Stift schreibe, spüre ich natürlich, dass die Form anders ist. Ich muss meine Finger vielleicht ein bisschen anders bewegen. Also das ist auch nochmal sehr, sehr spannend. Und ich kriege eben auch ein Feedback über Stift und Papier mit jedem Buchstaben ein bisschen anders und jedem Wort, was ich bei einer Tastatur nicht habe. Und da findet Abspeicherung und Automatisierung statt. Und dann sind so enge Gramme im Gehirn ab, die einfach abgespeichert werden, sodass man quasi im Kopf sich vorstellen kann, wie fühlt sich das an, wenn ich einen A schreibe. Weil du kannst das, du hast es verinnerlicht, wie diese Bewegung ist, ja nicht nur wie es aussieht.
Sara Mohr: [00:29:21] Das macht neurologisch total viel Sinn, ja.
Nora Bilke: [00:29:23] Und du merkst dir dadurch wirklich auch Inhalte, die du aufschreibst, deutlich besser. Weshalb ich dann die Studie hier natürlich in echt unterschreibe, also unterschreiche und mit echten Notizen, weil dann habe ich es jetzt parat. Ja, sieh, das kann ich, ja.
Sara Mohr: [00:29:39] So, sieh es aus. Weil ihr es nicht sehen könnt, Cody und Nora haben gerade beide ihre, die ausgedruckte Studie hochgehalten mit ihren handschriftlichen Notizen dran. Ich habe die Notizen am Computer geschrieben. Aber ich habe auch welche geschrieben. Ja, aber ich habe tatsächlich, ich habe vor zwei Wochen den ersten Journal Club der GGEW moderieren dürfen. Und, aber Holla, die Waldfee, glaubst du, dass ich mir da die Studie ausgedrückt habe? Und mir da schön, weil ich habe, ich habe zu meinem Partner gesagt, ich habe gesagt, ich muss das auf Papier haben. Ich muss das in der Hand haben, sonst kann ich das nicht. Ich muss das vor mir liegen haben und nicht in irgendeinem Fenster irgendwo offen. Und was ist, wenn ich das Fenster schließe? Und ich muss mir auf das Papier meine Stichpunkte draufschreiben, weil das ist so wichtig.
Connie Zillhardt: [00:30:17] Und es gibt Studien, ja, das ist Evidenz, es gibt wirklich Evidenz dafür, es wurde experimentell untersucht, Studierende, die sich während des Unterrichts Notizen per Hand gemacht haben und die Vergleichsgruppe hat getippt und danach, zwei Wochen später, wurde ein Test zu dem Thema geschrieben und die, die handschriftlich Notizen gemacht haben, haben es deutlich besser abgeschnitten, weil es besser abgespeichert war. Richtig. Und es gibt einen ganz schönen Fernsehbeitrag, ich glaube, es ist von Herrn Lesch, Leschkosmos, der sich da mit Handschrift auseinandersetzt. Und es gibt auch von WeWiWissen gibt es auch einen Beitrag und einer von beiden ist überschrieben mit Handschrift gleich Hirnschrift. Und diesen Begriff haben wir übernommen, weil Handschrift ist Hirnschrift. Wenn du mit der Hand auf Papier schreibst, das schreibst du dir ins Gehirn sozusagen.
Sara Mohr: [00:31:07] Ja, ihr kriegt die Links, ich habe es mir gerade notiert, ihr kriegt die Links zu diesen beiden Sendungen in die Shownotes.
Connie Zillhardt: [00:31:15] Und die spielen ergos sowas von in die Hände, diese beiden Beiträge irgendwie. Und dann kann man so schöne Argumente ableiten, wenn man irgendwie Sachen mal irgendwo vorstellen will bei irgendwelchen Stakeholdern, um zu argumentieren, warum Schreiben auf Papier wichtig ist.
Sara Mohr: [00:31:28] Also, weil Schreiben so gut fürs Gehirn ist und weil vor allem leserliches Schreiben in der Schule so wichtig ist, heißt das jetzt natürlich im Umkehrschluss für die Kinder, die Probleme haben beim Schreiben, beim Handschreiben, dass sie in der Schule, wo noch eine Zahl aus der Studie, 31 bis 60 Prozent des Schultages mit eben diesem Schreiben verbracht werden, dass sie unglaublich viele Ressourcen dafür aufwenden müssen, ihr Schriftbild leserlich zu halten, in der Zeit gut mitzukommen, während sie diese Ressourcen ja eigentlich für was anderes brauchen in der Schule. Also es geht ja dann eher wahrscheinlich dann so Sachen wie das Lösen der Aufgabe, fällt dann wahrscheinlich eher hinten runter. Sachen werden, wie ihr gerade gesagt habt, nicht so gut im Gedächtnis abgespeichert. Und da ist es dann an der Stelle auch nachvollziehbar, und das schreiben sie auch in der Einleitung dieser Studie, dass sich das, so anhaltende Schreibprobleme, irgendwann natürlich auch auf den Selbstwert und das Selbstwirksamkeitserleben der Kinder auswirken.
Nora Bilke: [00:32:27] Ja, das ist also sehr deutlich. Also natürlich werden gerade sehr viele Kinder auch vorgestellt, die Schwierigkeiten haben, ihre Aufmerksamkeit zu halten. Und auch da müssen wir immer dahinter blicken, woher kommt denn das eigentlich? Denn manchmal steckt da auch eine gravierende Unlust dahinter, mit dem Stift irgendwas zu machen, weil es so mühsam und schwer ist und ich eigentlich gar nicht aufs Papier bringen kann, was ich alles weiß und kann und nicht solche Sätze formulieren kann aufs Papier, die ich eigentlich möchte, weil ich weiß, es ist so mühsam für mich und ich habe das irgendwie gar nicht automatisiert. Und oft ist da ganz viel negatives Feedback, was schon stattgefunden hat, in Bezug auf zum einen natürlich die Leserlichkeit, oft in Bezug auf das Tempo und dann oft in Bezug auf die Anstrengungsbereitschaft und die fehlende Motivation. Weil die Kinder dann natürlich aufhören, längere Sätze zu schreiben und viel mehr Pausen machen, vielleicht abgelenkt da sind und einfach eine Unlust entwickeln, weil es auch so schwer ist [00:33:27] und natürlich auch zum Teil Schmerzen in der Hand. Das ist so ein ganz ungünstiger Täufenskreis und viele Kinder, die ich so in der ersten, zweiten Klasse dann erst kennenlerne, die stecken natürlich mittendrin in diesem Täufenskreis und das hätte man ihnen durchaus in vielen Teilen ersparen können, wenn sie eben handelsbreit in der Schule gestartet hätten, weil in der zweiten, vor allem in der dritten Klasse, das Schreibvolumen so auch in allen anderen Fächern so hoch ist, dass wirklich dann auch irgendwann die Kinder niedergeschlagen sind, dass ihre Noten eingeht, weil die sind super klug, die haben es dann alles drauf, wenn du die mündlich abfragst, tipptopp, aber wenn sie es aufschreiben müssen, ja, hinken sie da deutlich hinterher und das macht ganz viel mit dem Selbstwirksamkeitsgefühl.
Connie Zillhardt: [00:34:15] Und es kann wirklich akademischen Erfolg verhindern. Also es ist wirklich dramatisch am Ende des Tages irgendwie.
Nora Bilke: [00:34:21] Und sie kommen wirklich manchmal so klein mit Gut dann wieder, weil sie haben sich bemüht, sie wollten das gut machen.
Connie Zillhardt: [00:34:29] und spricht auch dafür, dass wir im Setting arbeiten müssen, weil das auch diese ganze Erklärung des Ganzen, wenn wir die nur Kindern und Eltern überlassen, also es geht in unserem, ich weiß, das ist in vielen Bereichen nicht anders möglich, aber eigentlich spricht das unglaublich dafür, weil wir brauchen ja Multiplikatoren, wir müssen dieses Wissen an die Pädagoginnen und das pädagogische Fachpersonal weiterleiten, weil wir können ja gar nicht überall gleichzeitig sein.
Sara Mohr: [00:34:56] Nee, und die stehen ja genauso vor diesem Problem und denken, Mensch, das Kind hat jetzt so viele Probleme in so vielen Fächern, nur wegen diesem Schreiben.
Nora Bilke: [00:35:03] Ja, vielleicht darf ich an der Stelle noch eine Ergänzung machen. Wir werden manchmal so in den Kursen gefragt, also seid ihr per se gegen Tippen? Und dann sagen wir immer, nein, sind wir überhaupt nicht. Wir tippen natürlich auch in meinem Alltag, tippe ich auch viel, obwohl ich durch meinen Beruf deutlich mehr schreibe als andere Erwachsene. Und ich liebe auch Schreiben, Postkarten und so weiter, Handlettering, ich finde das alles großartig. Aber jetzt von dem Kind, von dem ich gerade eben erzählt habe, der hat jetzt vier Jahre alles gegeben, um Handschrift zu lernen. Ja, der hat jetzt zu spät eine Chance bekommen und dann ist irgendwann Tippen eine riesige Entlastung, denn jetzt kann er zeigen, er kann doch Rechtschreibung, er kann doch Schnellschreibung, er kann Satzbau, er kann Grammatik, er hat das alles drauf. Wenn man ihm quasi den motorischen Teil wegnimmt, kann er sein Potenzial zeigen und was er wirklich auch gelernt hat. und auch im Hinblick auch weiterführende Schule ist eine wichtige Kompetenz. Nur ist es total wichtig, dass Kinder einmal mit der Hand versucht haben, Schreiben zu lernen oder es gelernt haben, [00:36:03] egal wie lesbar und schnell das ist, dass sie es einmal gelernt haben. Also das ist total wichtig und später ist es natürlich eine Mischung, die wir auch im Totalbuch beworben. auch im Sinne der Nachhaltigkeitsausgleiche und so weiter. Ich tippe mal eine wunderbare Möglichkeit.
Sara Mohr: [00:36:18] Und die ja auch realistisch ist im Hinblick auf, wie unser Alltag im Schnitt aussieht. Wir schreiben alle super viel an den Computer. Wir sind aber auch alle in der Lage,
Connie Zillhardt: [00:36:26] mal einen Einkaufszettel mit der Hand zu schreiben. Und es geht auch überhaupt, wir sind nicht dagegen, in der Schule Digitalisierung einzusetzen. Du kannst Videos machen, du kannst Experimente fotografieren, du kannst so tolle Sachen machen in der Schule irgendwie, wo du digitale Devices einsetzen kannst. Aber das eine geht nicht gegen das andere oder so. Es geht miteinander.
Nora Bilke: [00:36:46] Und wir sehen es ja in den skandinavischen Ländern, die über mehrere Jahre jetzt versucht haben, Stifte und Papier aus den Schulen rauszuholen, jetzt deutlich schlechter bei Erhebungen abschneiden und auch festgestellt haben, das hat auch was damit zu tun und zu frittgehen zu Stift und Papier in der Kombi mit Digitalisierung. Und genau das ist der Weg, der Weg zu gehen.
Sara Mohr: [00:37:06] Ja, sehr schön. Ich sammle uns kurz noch mal zur Studie ein. Also die möchten jetzt untersuchen, welche Assessments stehen denn zur Verfügung, um beurteilen zu können, ob ein Kind Schreibprobleme hat, die eine Intervention brauchen. Und es soll jetzt nicht einfach nur eine Assessmentsammlung sein, sondern die AutorInnen haben gesagt, wir schauen uns die psychometrischen Eigenschaften dieser Assessments an. Wir reden also gleich ein bisschen über psychometrische Eigenschaften. Ist ein systematischer Review, das heißt, die Forschenden haben sich auf die Suche gemacht. Ich mache kurz einmal die Methodik hier durch. Die Forschenden haben sich auf die Suche gemacht nach Studien, die eben Assessments des Handschreibens mit Stift- und Papieraufgaben untersucht haben und wo es eben Angaben zu psychometrischen Eigenschaften ging. Sie haben das auf Kinder zwischen drei und 16 Jahren fokussiert und eben vor allem Assessments, die Lesbarkeit und oder Schreibtempo untersuchen. Studien, die irgendwelche elektronischen Geräte [00:38:08] als Assessments einsetzen, also dass man eben mit irgendeinem elektronischen Stift oder auf einem Tablet irgendwie schreibt, die wurden ausgeschlossen, weil es wirklich um Stift- und Papieraufgaben gehen sollte. Sie haben bei der Suche 1748 Studien gefunden und dann haben sie die alle durchkämmt. Das ist immer, ich erzähle euch das ja immer, diese Zahlen, weil das so ein Moment ist des Respekts an die Forschenden. Dann haben die alle diese Studien durchkämmt und haben schlussendlich 14 Studien, also Studien zu 14 Assessments inkludiert. Das waren insgesamt Studien mit knapp 5.000 Kindern, 4.987. Und die meisten Assessments waren auf Englisch validiert. Und das Erste, was sie dann beschreiben in der Studie, ist, von diesen 14 Assessments waren zwölf direkte Assessments, ein indirektes Assessment und ein Selbstassessment. Und ich musste kurz googeln, was ein direktes und ein indirektes Assessment ist. Direkte Assessments ist eigentlich, wie der Name sagt. [00:39:09] Direkte Assessments sind, die Person führt die Aufgabe durch und ich beobachte das direkt. Ein indirektes Assessment ist, wenn eine andere Person Auskunft darüber gibt. Also jetzt zum Beispiel mit der Handschrift, wenn zum Beispiel Lehrkräfte befragt werden, wie schreibt denn das Kind? Und ein Selbstassessment ist ein Selbstassessment. Also wenn die Person selber Auskunft gibt darüber, wie schreibe ich denn oder wo habe ich Probleme. Wie ist es denn beim Writing? Was ist das Writing denn für ein Assessment?
Nora Bilke: [00:39:36] Ja, das Writing ist eine Mischung von dem, was du gerade gesagt hast. Also das Writing startet mit einer kleinen Selbsteinschätzung zum Thema Malen bzw. Schreiben, weil das das Wort für Kinder ja schreiben dürfen, ist einzelne Buchstaben oder den eigenen Namen oder so oder Mama oder Papa. Und da werden sie eben befragt, wie oft sie das denn eigentlich so tun und wie viel Freude sie daran haben und wie gut sie denken, dass sie das können. Und das ist der Start, also Selbstassessment. Und dann hattest du eben noch die Auswahl zwischen direkten und indirekten. Danach ist es dann ein direktes Assessment, weil das Kind direkt Schreibaufgaben ausführt und dabei beobachtet der Writing Assessor, so haben wir uns darauf geeinigt, dass wir das so nennen, die durchführende Writing Person beobachtet dieses Kind, während es direkt tut in diesem Moment. Und dann gibt es auch noch einen indirekten Teil? Ach so, ja, stimmt. Danke. Ja, natürlich. Es gibt noch einen optional indirekten Teil. [00:40:37] Es gibt noch den Fragebogen, den die PädagogInnen noch ausfüllen können, wo wir noch so ein bisschen erfahren, wie macht ihr denn vielleicht vor schulische Arbeit? Aber da ist auch eine Frage zur Aufmerksamkeit dabei, weil wir eben wissen, dass die Korrelation Aufmerksamkeit, sagt, dass ihr Pfeilmotorik oder auch Handschritt recht hoch ist. Das heißt, das ist optional, dass man das noch machen kann oder denen noch mitgeben kann. Also letztlich ist alles drin. Ja, richtig.
Sara Mohr: [00:41:03] Dann waren von diesen Assessments acht Assessments, die in der Gruppe angewandt werden und vier in Einzelsituationen. Wie ist das denn beim Writing gedacht?
Connie Zillhardt: [00:41:14] Also du machst es im Einzelnen in der Gruppe? Das muss ja klären. Sehr deutlich. Nein, also was machst du? Du gehst in den Kindergarten und sitzt mit dem Kind an dem Maltisch, wo es grundlegend malt. Also du gehst nicht an einen besonderen Platz, du gehst nicht in einen Therapieraum, du packst auch den Stuhl und den Tisch nicht an, du hast auch keine Stifte dabei, sondern du nimmst das, was da ist. Das Kind nimmt die Stifte, mit denen es normalerweise malt und zeichnet und sitzt auf dem Stuhl, wo es sonst sitzt, an dem Tisch. Und da sind auch die anderen. Und die anderen Kinder machen das, was andere Kinder halt nun mal so genauen. Das, was passiert. Deswegen sage ich,
Sara Mohr: [00:41:54] das ist ein Einzelass mit in der Gruppe. Und dann den letzten, das letzte Beschreibungsteil in dieser Studie, allgemein über die Assessments, ist noch das Design. Die meisten Assessments, die Sie jetzt untersucht haben, messen die Lesbarkeit der Schrift oder der Buchstaben. Und dann messen noch vier von den Assessments das Schreibtempo. Jetzt habt ihr schon gesagt, das WRITIC misst die, wie reif ein Kind quasi für die Entwicklung von Handschrift ist. Wie sortieren wir das denn da jetzt ein?
Connie Zillhardt: [00:42:27] Eigentlich fast ein bisschen lustig, dass, also kann man kurz sagen, warum ist eigentlich unser WRITIC in dieser Studie gelandet? Ja, das WRITIC guckt ja gar nicht Schreiben an. Ja, aber sind nicht, werden gar keine, so Buchstaben werden schon abgemalt. Ja, ja, genau. Buchstaben werden abgemalt. Das ist genau die richtige Formulierung. Und wir gucken auch, kann das Kind vielleicht seinen Namen schon schreiben?
Nora Bilke: [00:42:52] Aber wir gucken nicht auf Tempo, weil Tempo üblicherweise nach dem kommt, dass ich überhaupt die Buchstaben entweder abschreiben, kopiere, nachschreiben oder selber schreiben kann. Und Tempo ist eigentlich der nächste Schritt. Ja, das nehme ich dann quasi auf, das Tempo, wenn ich es kann. Also am Anfang fahre ich im Auto auch noch super langsam und irgendwann traue ich mich schneller zu fahren. So stelle ich mir das beim Schreiben eigentlich auch vor. Und deswegen passt es insofern, als dass es eben eher darum geht, wie wird der Buchstabe geschrieben, weil wir gucken zum Beispiel, ist der Name so lesbar geschrieben, dass man den erkennen kann. Also es geht eher um die Lesbarkeit von Buchstaben, aber nicht hauptsächlich ausschließlich, weil Vorschulkinder müssen streng genommen noch nicht so viel schreiben können und schon gar nicht schwellen.
Connie Zillhardt: [00:43:39] Ja, genau. Ja, und das heißt, es ist einfach auch noch nicht in der Entwicklung vorgesehen, im Vorschulalter, dass Kinder irgendwie in einem Tempo schreiben.
Sara Mohr: [00:43:49] Das hat ja gar keinen Vergleichswert irgendwie. Das heißt eher der Fokus auf die Schreibreife. Sagt man Schreibreife?
Connie Zillhardt: [00:43:56] Ja, wir sagen, das ist ein gutes, also im Englischen heißt es Handwriting Readiness. Wir haben das mittlerweile als Handschriftbereitschaft, wir haben so viele Begriffe dafür gehabt, dass ich manchmal selber nicht mehr weiß, wir haben uns auf Handschriftbereitschaft geeinigt, weil wir keinen guten Deutschen, also wir finden den Begriff auch nicht schön, aber das ist für uns der gängigste Begriff, oder der beste, den wir finden konnten. Deswegen geht es darum, wie bereit ist ein Kind schreiben zu lernen? Sagen wir es mal in einem Satz.
Sara Mohr: [00:44:28] Okay, darauf liegt der Fokus. Und dann so ein bisschen noch auf der Lesbarkeit einzelner Buchstaben.
Nora Bilke: [00:44:33] Für mich einzelner Buchstaben, so der gesamte Name ist der prinzipiell lesbar, das wird sich angeguckt. Und ansonsten sind es eher andere Kriterien, die sich angeschaut werden, weil so Formen, die die Kinder eben schreiben, so Gelanden und Arkaden und so weiter, oder so kleine Spiralen, da wird eher geguckt, ist das flüssig, ist das dynamisch, ist das abgehackt, also das, was so Vorläufer sind, für einen lesbaren Buchstaben.
Sara Mohr: [00:45:01] Okay, sehr schön. Ja, spannend, warum das Writing da drin gelandet ist. Aber gut für das Writing, das werden wir gleich noch sehen, wenn wir uns die psychometrischen Eigenschaften, nämlich mal so ein bisschen angucken von diesen Assessments. Psychometrische Eigenschaften. Was sind psychometrische Eigenschaften? Das sind so die Qualitätsmerkmale von Assessment. Das sind objektive Messwerte, ob die Ergebnisse eines Assessments sinnvoll interpretierbar sind. Bei einem Assessment der Handschrift zum Beispiel sagen mir die psychometrischen Eigenschaften, naja, wenn ein Kind jetzt im Assessment eine geringe Lesbarkeit zeigt oder eine geringe Schreibgeschwindigkeit, wie viel hat das denn mit der tatsächlichen Lesbarkeit oder der tatsächlichen Schreibgeschwindigkeit zu tun? Entsteht das durch Zufall, durch unterschiedliche Bewertungen, durch ungeeignete Aufgaben oder spiegelt es tatsächlich die Alltagsfähigkeit oder die relevanten tatsächlichen Fähigkeiten der untersuchten Person wieder. [00:46:02] So, die psychometrische Qualität von einem Assessment ist deshalb aus mehreren Gründen ziemlich wichtig. Die schützt mich als Therapeutin oder generell als Mensch, der das Assessment nachher anschaut vor Fehlentscheidungen. Weil wenn ein Assessment eine gute psychometrische Qualität hat, dann weiß ich, ein auffälliges Ergebnis heißt auch tatsächlich, dass da jetzt was im Argen ist und eine Intervention passieren muss. Und das ist nicht entstanden, weil das Kind an dem Tag zufällig besonders müde war oder es kommt auch kein anderes Ergebnis raus, wenn eine Kollegin dasselbe Assessment mit dem Kind macht. Das heißt, ich kann mich verlassen
Connie Zillhardt: [00:46:35] auf die Ergebnisse bei Assessments, die solche Gütekriterien haben.
Sara Mohr: [00:46:39] Und dann sind so psychometrische Eigenschaften auch nochmal ein ganz guter Indikator. Untersucht das Assessment tatsächlich das, was ich auch wissen will? Wir gehen gleich nochmal auf die Einzelnen ein, aber ich kann eben da auch ablesen. Also zum Beispiel eine langsame Schreibleistung kann ja 17 Millionen Gründe haben. Das kann ein Handschriftproblem sein, das kann aber auch ein Aufmerksamkeitsproblem sein. Das kann, da kann, hatten wir eben schon gesagt, irgendeine andere Diagnose noch darunter liegen. Also es kann ganz viele Ursachen haben. Oder es kann mit der Testaufgabe selber zusammenhängen. Und ein gutes Assessment macht eben transparent, was untersuchen wir denn hier? Was gucken wir uns denn hier an? Gucken wir uns wirklich das Schreibtempo an oder gucken wir uns die Aufmerksamkeitsleistung des Kindes an?
Connie Zillhardt: [00:47:24] Ich könnte nochmal ganz kurz einen Ausflug zum WRITIC machen. Bitte mach einen Ausflug. Weil wir gucken uns beim WRITIC eigentlich drei Konstrukte an. Wir gucken uns die Person, die Umwelt und die Betätigung an. Das ist etwas, was ich auch sehr an diesem Ding schätze. Weil wir gucken auch, ist das Kind motiviert? Hat es da überhaupt noch drauf? Weil intrinsische Motivation ist ein nicht zu unterschätzender Anteil bei diesen Sachen. Gerade beim Schreiben und bei Mal- und Schreibaufgaben haben die Kinder Interesse da dran. Weil wenn wir da feststellen, dass wir da ein Problem haben, dann sieht unsere Intervention komplett anders aus, als wenn wir feststellen, oh shit, der Tisch ist zu hoch. Denn wir gucken uns auch die Umwelt an und gucken, was ist mit Tisch- und Stuhlhöhe? Stimmen die? Wie sitzt denn das Kind da überhaupt? Oder rutscht das Blatt? Oder ist beim Kind vielleicht irgendwas bei der Aufgabe? Hat das Kind noch nicht gelernt, irgendwie das Papier ausreichend zu stabilisieren, um dann den Stift darüber gleiten zu lassen? Und das heißt, wir gucken uns die Betätigung an, wir gucken uns kindbezogene Faktoren [00:48:25] und umweltbezogene Faktoren.
Sara Mohr: [00:48:26] Das ist, diesen Umweltfaktor, den speist die Studie jetzt hier so am Ende in der Diskussion irgendwo in einem Absatz ab. Ich habe es mir hier aber nochmal gelb angestrichen, dass wir da auf jeden Fall nachher auch nochmal drüber sprechen, weil ich den auch tatsächlich sehr spannend finde. Hier schauen die jetzt erstmal bei den ganzen Assessments, die sie da eingeschlossen und untersucht haben, nach der internen Konsistenz, der internal Consistency. da geht es jetzt erstmal, wie das Wort intern schon sagt, erstmal darum, ob das Assessment für sich, in sich logisch aufgebaut ist. Also ob die einzelnen Aufgaben oder die einzelnen Items, die die getestete Person durchführt, gut zueinander passen, ob die alle dasselbe Konstrukt erfassen. Also beispielsweise bewerten alle Items das Konstrukt Lesbarkeit. Man möchte bei der internen Konsistenz, dass die schon alle gemeinsam in dieselbe Richtung ziehen, alle dasselbe Konstrukt untersuchen. Die dürfen sich natürlich aber ein bisschen voneinander unterscheiden. [00:49:27] Dann hat man vielleicht ein Item für die Abstände der Wörter, eins für die Zeilenführung, eins für die Lesbarkeit von einzelnen Buchstaben, was weiß ich. Das ist wichtig für die interne Konsistenz. Die interne Konsistenz allein sagt nichts über die Gesamtqualität des Assessments aus, ist aber erstmal so, hat das in sich einen logischen Aufbau, eine gute Struktur. Beim Writing habe ich gesehen, das hat eine mittlere interne Konsistenz. Das ist solide. Es geht gar nicht darum, da den Oscar zu verdienen, sondern es ist eine solide interne Konsistenz von, das wird dann mit dem statistischen Wert Kronbachs Alpha ausgedrückt, 0,72 bis 0,82. Und ich habe mich kurz gefragt, warum denn von bis? Also da muss doch eine Zahl rauskommen. Ist doch komisch, dass da von bis ist. und das liegt daran, dass die interne Konsistenz bei Übersetzungen ein bisschen niedriger ist als bei der Originalsprache. Das ist nicht schlimm, das liegt dann daran, was wir eben auch schon hatten, wenn ich so ein Assessment übersetze, [00:50:29] verändert sich immer, egal wie gut und toll ich die Übersetzung mache, ein bisschen die Bedeutung. Es variiert ein bisschen, Wörter meinen im Deutschen, sagt derselbe Begriff, meint was viel Breiteres, als in der anderen Sprache ist, ist viel enger gefasst. Es kann sein, dass die Stichprobe ein bisschen anders war. Und dann sind ja auch noch so Spannende, gerade bei Assessments, wo es um Schreiben, um Buchstaben oder vielleicht auch Wörter geht, wenn man sich da Sprachen anguckt, hat zum Beispiel das Deutsche viel, viel längere Wörter als das Englische. An sich im Schnitt sind Wörter im Englischen viel, viel kürzer. Das heißt, wenn es darum geht, dass Kinder bestimmte Wörter schreiben, haben die im Englischen weniger Arbeit als im Deutschen. und das kann alles ein bisschen Einfluss haben auf so eine interne Konsistenz.
Nora Bilke: [00:51:15] Nur ein Beispiel zu dem, was du eben gesagt hast, was so Wörter angeht. Wir waren ja in der Übersetzung sehr beteiligt und weil es beim Writing immer schnell vorangeht, gab es dann eine erste übersetzte Manualversion und dann stand da irgendwie mal Bleistift, mal Buntstift. Dann habe ich brav immer gewechselt, die Kinder Buntstift mit Bleistift benutzen lassen, habe mich gefragt, warum? Die haben in der Kinder auch gar keinen Bleistift, warum muss ich das jetzt ständig wechseln? Da habe ich die Autoren gefragt. Da haben wir festgestellt, dass in mir natürlich Buntstift und Bleistift ein völlig anderes ist. Im Niederländischen ist es aber das gleiche Wort. Und dann wurde es mal so, mal so übersetzt und ich dachte so, ja, hat es vielleicht erstmal einen Grund, hatte aber gar keinen wirklichen Übersetzungsfehler. Also eigentlich ist es egal welcher Stift, hat es da einer, der da in der Kita halt zur Verfügung ist. und ja, das sind dann so spannende Erfahrungen auch in so Übersetzungsprozessen, wo es wirklich um Sprache geht, weil in den Niederlanden es ein Wort steht für zwei Wörter, die wir im Deutschen haben.
Sara Mohr: [00:52:16] Spannend. Das ist wirklich total spannend. Ich durfte, auch kurzer Ausflug, ich durfte, während der Pandemie durfte ich zusammen mit einer Kollegin aus der Schweiz ein Cotec-Guide übersetzen, aus dem Englischen ins Deutsche. Und das war ursprünglich geschrieben von einer australischen Ergotherapeute und mit der waren wir dann auch in Kontakt. Und wir haben super viel gestruggelt bei dem Wort, wie wir Community übersetzen. Es ging so viel drum, so wenn man unterwegs ist in seiner Community und wir waren so, naja, Gemeinde, ja, aber Gemeinde, das war in der Schweiz, war das nicht so gebräuchlich als Begriff. Und dann haben wir, naja, Community, Gemeinschaft hat, hat im Deutschen, finde ich, so oft so eine religiöse Konnotation dann wieder so ein bisschen. Also wir haben keine schönen Übersetzungen gefunden für Community. Ich weiß gar nicht mehr, wie wir es am Ende gelöst hatten. Ich glaube, wir haben Gemeinde genommen, weil es um das Lokal, also wenn ich in meiner Gemeinde unterwegs bin, //Connie Zillhardt: bei mir im Viertel.// Ja, genau, aber Viertel funktioniert wieder nur eine Stadt.
Connie Zillhardt: [00:53:14] Das ist auch echt, das finde ich auch ein ganz blödes Wort, wo man Gemeinde würde hier auch, also wir haben die Evangelische Kirchengemeinde auch noch dabei und dann aber gibt es die Rudergemeinschaft oder solche.
Sara Mohr: [00:53:28] ich hätte es am liebsten im Englischen gelassen tatsächlich, weil ich dachte, komm, Community weiß doch jetzt auch hier, aber nee, ist dann schon übersetzen. Naja, genau, also das zur internen Konsistenz von Assessments. Dann kam eine ganz große, eine ganz große, wichtige psychometrische Eigenschaft, die Sie sich in dieser Studie angeschaut haben, nämlich die Reliabilität, die Verlässlichkeit von Assessments. Bei der Reliabilität geht es darum, ob zwei BewerterInnen, die so ein Assessment durchführen, zwei unterschiedliche Personen bei derselben Schreibprobe in dem Fall zu ähnlichen Ergebnissen kommen. Im Idealfall ist das so. Also zwei Ergos gucken sich dieselbe Textprobe an und bewerten die Lesbarkeit und das gibt dann eine Aussage über die Inter-Rater-Reliabilität, also zwischen zwei Ratern, zwischen zwei Bewertenden sollten zu ähnlichen Ergebnissen kommen. Dann haben wir aber auch oft, [00:54:29] das kennen wir auch alle aus der Praxis, die Situation, dass wir ein Assessment machen, machen das ein halbes Jahr später oder so nochmal, um zu schauen, hat sich was verändert, hat meine Intervention gewirkt und auch dann sollte das Ergebnis ja reliabel, zuverlässig sein. Also wenn ich den Test unter vergleichbaren Bedingungen wiederhole und das Kind hat sich nicht verändert, das Kind hat seine Fähigkeit nicht verändert, dann sollte sich auch das Testergebnis nicht verändern. Das ist die sogenannte Test-Retest-Reliabilität und dann haben wir noch eine dritte Version. Gleich sind alle durcheinander. Wenn dieselbe Person, also dieselbe Testperson, dieselbe Leistung zu verschiedenen Zeitpunkten bewertet. Also eine Ergotherapeutin guckt sich dieselbe Schriftprobe heute an und guckt dieselbe Schriftprobe in zwei Wochen nochmal an, ohne zu wissen, wie habe ich denn vor zwei Wochen bewertet. Und auch dann sollte natürlich das Ergebnis möglichst ähnlich sein. Das ist die Intra-Rater-Reliabilität, [00:55:29] also selbe Testperson mit einem zeitlichen Unterschied dazwischen. Und so eine Reliabilität ist unwahrscheinlich wichtig bei Assessments, damit ich ein Assessment gut interpretieren kann. Weil nur, wenn das reliable ist, kann ich zuverlässig sehen, ob sich zum Beispiel die Handschrift des Kindes bei einer Wiederholung der Testung tatsächlich verbessert hat oder ob das eben Zufall war. Eine gute Reliabilität heißt, dass die beobachteten Unterschiede bei den Messwerten auf tatsächliche Unterschiede in dem gemessenen Konstrukt hinweisen. Wenn ich jetzt gerade so Lesbarkeit beurteile und bei der Testwiederholung sehe ich eine Verbesserung von den Werten, was ja schön ist, dann ist sowas, kann man jetzt gerade, wir Praktikerinnen wissen das, dann weiß man bei so einem Assessment, das ist zu ganz kleinen Teilen, aber das ist natürlich auch abhängig von der Tagesform des Kindes. Vielleicht war die Umwelt ein bisschen anders an dem Tag, gerade im Kindergarten kann ich mir gut vorstellen, dass ich da die Umwelt radikal verändern kann [00:56:30] von dem Tag auf den anderen, je nachdem, welche Kinder da sind oder vielleicht ist man zu einer anderen Uhrzeit da oder so. Oder auch, weil ich als Testerin an dem Tag besser drauf war oder schlechter drauf war, kann ja sein. Und das sind die sogenannten Messfehler, die hat jedes Assessment, weil wir machen alle Assessments mit echten Menschen, Menschen sind von Tag zu Tag anders, jedes Assessment hat Messfehler, die sollten aber möglichst gering sein. Der Großteil der Unterschiede, wenn ich Unterschiede sehe, sollte immer darauf zurückzuführen sein, dass ein Kind tatsächlich zum Beispiel die Lesbarkeit der Schrift verbessert hat. Und das messen eben Assessments mit einer guten Reliabilität. Und weil gute Reliabilität so wichtig ist, möchte ich jetzt mit euch so ein bisschen drüber quatschen, worauf oder was wir Ergos tun können, damit diese Reliabilität auch gewahrt bleibt. kurzer Spoiler, das Ritec hatte in diesem Systematic Review im Vergleich mit allen anderen Assessments die beste Reliabilität, ne?
Connie Zillhardt: [00:57:26] da sind wir ein bisschen stolz drauf, dass das Ritec so eine gute Reliabilität hat. Das ist ziemlich geil, weil es nämlich unabhängig davon ist, wann und wer.
Sara Mohr: [00:57:35] Sehr gut. Genau. Also, kleine, kleine Goldmedaille für das Ritec an dieser Stelle.
Connie Zillhardt: [00:57:40] Juhu! Darf ich noch eins sagen? Bitte, du darfst auch zwei Sachen machen. Unabhängig davon, wer es macht, aber es muss eine geschulte Person sein. Ja.
Nora Bilke: [00:57:51] Richtig. Und ich glaube, das geht auch, das ist was Sarah mit ihrer Frage, glaube ich, meint. Weshalb es auch den Autoren, Maru van Hartingstedt und Liesbitte Fried, so wahnsinnig wichtig ist, dass wir jetzt als Ritec-Instrukturen für Deutschland und die anderen Kollegen für die anderen Länder wirklich die Menschen, die ergo, die Lust haben, das Ritec zu lernen, auch zu schulen. Deswegen gibt es einen einzigigen Kurs und innerhalb dieses Kurs bekommst du das Manual. Damit gewährleistet werden kann, dass danach, wenn man das Ritec dann noch mit ein paar Kindern übt, in der Anwendung übt, in der Auswertung, in der Interpretation übt, dass sich dann auch wirklich ja zuverlässig das Ritec einsetzen kann, um zu schauen, welches Kind brauchen Interpretationen und welches nicht. Also, das ist den Autorinnen total wichtig. Deswegen gibt es sozusagen dieses Prozedere, wie andere standardisierte Assessments, die wir kennen, [00:58:51] dass man sich die einfach kaufen kann und anwenden kann. Dann ist natürlich auch gewünscht, dass man sich das manual durchsiegt und übt und so weiter. Aber beim Ritec ist es quasi durch diesen Kurs zur Pflicht gemacht, dass wir auch gemeinsam im Kurs mit Videos und intensiver gemeinsamer Arbeit alle so auf einen ähnlichen Stand kommen und dann erst es eben praktisch erproben, erst mal üben und dann eben mit Kindern, die man im Kindergarten besucht, dann auch durchführt. Damit wird eben diese Verlässlichkeit sozusagen auch gewährleistet. Wir sprechen auch über die ganzen Gütekriterien im Kurs. Einfach, dass man sich auch informiert fühlt, dass man hier ein Instrument gewählt hat, was diese Gütekriterien einhält. Und ist ja auch nochmal, also deswegen auch die Folge jetzt super wichtig, für die Wahl anderer Assessments. Wir haben ja eine Vielzahl zur Verfügung, dass man da auch eine informierte Entscheidung treffen kann, welche anderen Assessments möchte ich da noch einsetzen können. [00:59:53] Das finde ich auch immer total wichtig.
Sara Mohr: [00:59:56] Ja, genau. Und das ist genau, du hast gerade schon einen ganz wichtigen Punkt gesagt. Also natürlich kann ich, wenn ich, also die beste Reliabilität im besten Assessment der Welt bringt mir nichts, wenn ich mich nicht an die Vorgaben halte, wenn ich es durchführe. Dann habe ich nämlich, die Reliabilität ist dann zum Fenster raus oder sitzt unterm Tisch und weint. also, ne, so je besser trainiert quasi die Beurteilenden ist, desto besser ist auch die Reliabilität und da sind so Schulungen super wertvoll. Und da ist, das ist auch der Punkt, wo diese ganzen Standardisierungen wichtig sind. Ich weiß noch, als ich damals angefangen habe, vor 300 Jahren, als ich sonst noch mit Kindern gearbeitet habe, gab es für den, da haben wir oft den, den MABC gemacht und den FEW2 war das, glaube ich, damals noch. Und da gibt es ja auch genau Vorgaben, wie man auch erklärt, wie die Aufgaben zu machen sind. Da gibt es ja wirklich Wort für Wort, was sollst du dem Kind sagen? Und ich dachte mir, das ist doch, das Kind fühlt sich doch veräppelt, wenn ich hier so einen Satz ablese. Aber das ist erst mal, ist es auch ein Skill, diese Anweisungen so zu sagen, [01:00:56] dass die trotzdem natürlich wirken und das Kind sich wohl fühlt dabei. Auf jeden Fall. Und dann ist es total wichtig, dass man eben sich an diese Sachen hält, sowas wie gleiche Aufgabenstellungen, Zeitvorgaben, Materialien, Sitzpositionen, keine Ahnung, je nachdem, was das Assessment für Vorgaben hat, diese ganzen Standardisierungen, damit ich mir die Reliabilität nicht selber zerschieße am Ende.
Connie Zillhardt: [01:01:18] Sonst ist im Grunde genommen all die Mühe umsonsten, dann kann man es eigentlich auch lassen. Weil dann ist das irgendwie eine Beobachtung, die man gemacht hat. Aber das war es dann auch. Und deswegen sind halt auch, dass man Abstände misst oder sowas. Beim MABC 2 und beim ET6 bis 6, glaube ich, diesen Entwicklungstestungen gerade da, da musst du ja auch irgendwie auf dem Boden Punkte haben, wo legst du welche Matte hin, wo steht das Kind, wenn es den Ball zu dir oder uns all diesen Kram, das kommt einem so ein bisschen erbsenzählerisch vor. Aber wie du gerade schon gesagt hast, weil sonst kann man es auch, also sonst ist wirklich die, kann man sich die Mühe sparen. einfach mal wofür.
Sara Mohr: [01:01:55] Genau. Also Schulung, Standardisierung und das Dritte, was noch wichtig ist für die Reliabilität, für die, die es anwenden. Immer darauf achten, habe ich die passende Zielgruppe für dieses Assessment. Also zu schauen, bei wem hat die Person, die ich hier gerade untersuchen möchte, ist es passende Altersspanne. Sprachfähigkeiten sind oft was, was vorgegeben ist, damit die Person verstehen kann, was ich für Anweisungen gebe und auch eine Diagnose, falls das relevant sein sollte. Also zu schauen, habe ich jetzt hier die richtige Person für das richtige Assessment sitzen?
Nora Bilke: [01:02:24] Und habe ich den richtigen Kontext gewählt für das Assessment, was ich gewählt habe? Denn wir haben Assessments letztlich, wie das Fotointerview, aber auch das WRITIC, was eigentlich, Fotointerview im Grundschul-Kontext, WRITIC im Kita-Kontext, eigentlich im Kontext, in einem bestimmten Kontext standardisiert ist, sagen wir es mal so. Und deswegen eigentlich nur standardisiert ist, wenn ich es auch dort anwende. Und alles, was dann daraus gemacht wird, passiert. Aber das ist eigentlich die Standardisierung.
Connie Zillhardt: [01:02:55] Beim WRITIC ist halt auch, häufig kommt die Frage von Teilnehmenden, ob sie es nicht doch in der Praxis machen könnten. Und es funktioniert nicht. Also da hast du kein valides Ergebnis am Ende. Okay, ja. //Sara Mohr: Kann es nicht,// weil das gehört in den Kontext. Und das ist so konstruiert, dass es im Kontext mit all den Störfaktoren, die da drumherum sind, zu bewerten ist. Oder auch, was gerne gefragt wird, ich weiß nicht, bist du Amps-kalibriert?
Sara Mohr: [01:03:23] Nee, bin ich leider nicht. Ich habe keinen Amps-Kurs gemacht und jetzt gibt es ja aktuell keine mehr. //Sara Mohr: Ja, ich weiß,//
Connie Zillhardt: [01:03:28] das ist total ärgerlich. Irgendwie hätte ich gedacht, du wärst es. Irgendwie hätte ich dich für angeguckt. Ich wäre es gern. Ich wäre es sehr gerne. Ja, ich kann es auch echt nur empfehlen. Ja, danke. Ja, ich weiß, es ist gerade echt, aber ein großes Problem fällt nicht unser Thema hier. Ich bin School-Amps-kalibriert irgendwie und bin da einmal durch den School-Amps, habe ich mich eine Woche durchgekämpft und drei Monate danach zehn Fälle eingereicht. Das ist eine sehr umfangreiche Kalibrierung. Und da wird nämlich auch gerne die Frage oder der Versuch gemacht, stellt sich dabei, ob man nicht ein Video machen könnte, das man sich hinterher anschaut. Und das funktioniert nicht. Beim Amps und School-Amps, alle Leute, die versucht haben, per Videoanalyse ihre Ergebnisse zu bekommen, sind durchgefallen. Ach, spannend. Das geht, es funktioniert nicht. Du musst live dabei sein. Du musst live scoren. Du musst live scoren. Und genau so ist es beim Ritek auch, weil wenn du dir die Videos, dann wirst du zu genau, weil dann fängst du an zu stoppen, [01:04:29] dann spielst du nur mal zurück und guckst hin und her und so ist es nicht konstruiert. Du siehst auch manche Dinge nicht, weil wir im Kurs natürlich Videos scoren, weil live scoren geht nun mal nicht. //Sara Mohr: Da sind keine Kinder dabei.// Da sind ein Kindergarten dabei. Genau, wir gehen mit dem ganzen Kurs in den Kindergarten. Das ist auch für die Kinder immer ganz schön. Super. Nein, natürlich musst du für einen Kurs musst du Videos scoren und dann aber für ein ernsthaftes Ergebnis und ich muss auch sagen, es ist viel komfortabler, weil Videos scoren dauert auch viel länger.
Sara Mohr: [01:05:05] Ja, gut, weil du kannst dich lange mit beschäftigen mit so einem Video. Ja. Und die Real-Life-Situation
Connie Zillhardt: [01:05:11] ist halt vorbei, wenn sie vorbei ist. Und du siehst manche Sachen auf dem Video nicht. Du siehst manchmal nicht, was das Kind mit dem Fuß unten am Boden macht. Du siehst nicht irgendwie, ob im Hintergrund noch 15 Erwachsene oder 13 Kinder eine Polonaise machen oder was weiß ich. Von daher, das ist dieser Real-Kontext dabei und ich finde, das ist aber auch das Besondere von WRITIC. Irgendwie, ich finde das gar, es wird dem manchmal als Nachteil ausgelegt, weil es halt schwer zu organisieren ist, in den Kontext zu kommen. Aber ey, ich finde, das ist so cool. Leute, geht in Kindergärten, geht in Schule und macht eure Beobachtungen da.
Sara Mohr: [01:05:45] Das ist ja eigentlich auch der Goldstandard, den wir anstreben in der Ergotherapie, dass ich die Leute in ihrem echten Umfeld bei ihren bedeutungsvollen Betätigungen anschaue. Ja. Nächste psychometrische Eigenschaft. Oh ja. Die haben die hier in der… Ach so, stimmt, wir waren im Podcast. Die habe ich hier reingemogelt. In der Studie jetzt haben sie sich die Validität nicht im Detail angeschaut, weil es nur für drei der Assessments Daten dazu gab. Das ist schade, weil Validität ist ziemlich wichtig, deshalb reden wir jetzt trotzdem drüber. Gerne. Validität beschreibt, ob ein Assessment tatsächlich das misst, was es zu messen vorgibt. Also, wenn ein Assessment von sich sagt, hier mit mir kannst du die Handwriting Readiness von Kindern herausfinden, stimmt das denn? Das entscheidet die Validität. Es reicht also nicht, dass bei so einem Assessment [01:06:45] irgendeine Zahl am Ende ausfällt. Es muss eben auch belegt sein, dass dieser Wert tatsächlich was über, in dem Fall jetzt die Handschrift aussagt und eben nicht über irgendwelche anderen Konstrukte wie Sprache oder Aufmerksamkeit oder Motivation oder so. und es gibt ganz viele verschiedene Aspekte von Validität und die alle durchzugehen, sprengt jetzt hier wirklich den Rahmen. Na gut, ich habe mir drei rausgepickt. Connie, du kannst mir gleich widersprechen,
Connie Zillhardt: [01:07:12] wenn du noch andere haben willst. Es gibt nur eine, über die ich unbedingt sprechen möchte, aber fang mal an.
Sara Mohr: [01:07:17] Ja, du möchtest über die, warte, über was möchtest du sprechen? Über die konvergente Validität möchtest du sprechen, oder? Nee. Ich möchte über die prädiktive Validität sprechen. Aber die habe ich nicht drin, das machen wir dann nachher.
Connie Zillhardt: [01:07:29] Gut.
Sara Mohr: [01:07:33] Das ist aber echt ein Nerd-Gespräch, Sarah, oder? Ja, schon. Ich weiß jetzt gar nicht, wie tief wir hier reingehen. Also die Nerds dürfen bleiben, alle anderen Spulen ziehen. Also es gibt Inhaltsvalidität. Die Inhaltsvalidität sagt aus, sind die Inhalte, die Items, die Bewertungskriterien, also wirklich das Gesamtpaket dieses Assessments, vollständig, relevant und verständlich. So was wie, sind jetzt die Aufgaben, die da drin sind, für die Altersgruppe und für den Kontext, in dem es stattfinden soll, angemessen zum Beispiel. Dann gibt es die, dann meldet sich,
Connie Zillhardt: [01:08:11] Connie, ja, bitte. Ich kann anmerken, dass die Inhaltsvalidität in drei Delphi-Runden mit zehn Expertinnen vom Ritek überprüft wurde und eine Übereinstimmung von Push und Explosion im Hintergrund, nicht Explosion, Feuerwerk, nicht
Sara Mohr: [01:08:33] Ja, krass. Also Inhaltsvalidität, Ritek, Check. Check, ja. Dann gibt es die Konstruktvalidität. Also verhalten sich die Ergebnisse so, wie es theoretisch zu erwarten wäre. Das heißt also, wenn ich ein Kind teste mit einem bekannten Problem bei der Handschrift, dann erzielt das auch in dem Assessment niedrigere Werte als Kinder ohne solche Probleme. Über die konvergente Validität. So, na klingt jetzt wirklich sehr nördlich, liebe Leute, aber das sagt einfach nur, hängt das Ergebnis dieses Assessments ausreichend mit ähnlichen Konstrukten zusammen. Weil wir haben ja so eine Vielzahl an Assessments mittlerweile, dass die natürlich auch teilweise Konstrukte untersuchen, die sich überschneiden oder dass es eben schon etablierte Assessments gibt, die so als Goldstandard gelten und man will natürlich, dass das eigene Assessment da mindestens rankommt und man quasi sagen kann, [01:09:34] Assessment A misst diese und diese Konstrukte genauso gut wie Assessment B oder das lässt sich miteinander verbinden. Beim WRITIC wurde die konvergente Validität untersucht mit, den kannte ich nicht, mit einem Entwicklungstest zur visomotorischen Integration, den Beery-Buktenica.
Connie Zillhardt: [01:09:53] Ja, das struggele ich auch an den Buch.
Sara Mohr: [01:09:54] Wir sagen Beery-VMI. Beery-VMI, genau. Also ein Entwicklungstest zur visomotorischen Integration und mit dem Nine-Hole-Peg-Test. Genau. So, der die Feinmotorik und die Fingergeschicklichkeit untersucht. Und da hat man gesehen, eine moderate, konvergente Validität zu diesen beiden anderen Assessments. Das heißt, man kann das WRITIC sehr gut einsetzen als so ein betätigungsbasiertes Assessment. wie habt ihr gesagt, Handschriftbereitschaft? Ja. Ja, gut. Oder Handwriting Readiness. Handwriting Readiness. Und wenn es da Probleme gibt im WRITIC, also wenn da auffällige Werte sind, dann kann ich zum Beispiel im zweiten Schritt sehr gut nochmal auf die Körperfunktion draufschauen, indem ich den Beery-VMI mache und mir die visomotorische Integration nochmal anschaue oder nochmal auf die Fingergeschicklichkeit gucke mit dem Nine-Hole-Peg-Test.
Nora Bilke: [01:10:45] Genau, das ist so ein bisschen dieses Bottom-Up-Vorgehen, wenn man dann so will, dass man im nächsten Schritt dann funktionale Tests auswählen kann. Und wer diesen Beery-VMI jetzt nicht kennt, noch nie davon gehört hat, in den meisten Praxen gibt es jetzt den FPW-3, ist natürlich nicht exakt der gleiche Test, aber der wäre dann ja, vielleicht der geeignete Funktionstest und die visomotorische Integration, die diese Wahrnehmungsfähigkeiten dann sozusagen noch auf funktioneller Ebene abzutesten. Genau.
Sara Mohr: [01:11:18] Connie, du wolltest gerade noch ergänzen.
Connie Zillhardt: [01:11:21] Weil der Nine-Hole-Pack und der Beery-VMI, das sind halt die Konstrukte von Teilen dieses Tests, darauf basierend wurde der WRITIC entwickelt. Aha, in der Richtung wurde der auch entwickelt. Okay, ja. Weil das ist etwas, was man vielleicht für Assessment-Entwicklung, das ist sowieso etwas, was wir glaube ich gerne sagen wollen, Assessments entwickelt man ja nicht mal so eben aus der hohlen Hand. Das heißt, man braucht viel Hintergrund, viel Zahlen, Studien, Vorstudien dafür irgendwie, das ist nichts, was man mal eben in der Bachelor-Master-Arbeit macht. Hinter dem WRITIC steht, habe ich glaube ich auch schon mal gesagt, irgendwie das Promotionsprojekt von Macho von Hartingsfeld und davor stehen schon andere Studien. Und diese Korrelationswerte zwischen dem WRITIC und dem Beery-VMI und dem Nine-Hole-Pack-Test, die wurden anhand von 119 Kindern überprüft irgendwie. und die sind, wie du gesagt hast, mäßig, die Werte, aber machen es vergleichbar mit anderen Korrelationen [01:12:21] in anderen Studien zu Schreibfähigkeiten und die unterstützen eben das Konstrukt des WRITIC-Assessments. Das kann man auf jeden Fall sagen. Und wir waren aber, ich wollte eigentlich zurückkommen, ich sage mal, genau, ich sage noch mal ganz kurz was zur diskriminativen Validität, die bestimmt, ob ein Test, beziehungsweise in dem Fall WRITIC unterscheiden kann zwischen Kindern mit guter und schwacher Ausführung. Und das will ich ja eigentlich, dass ein Assessment genau das tut. Ja, absolut. Und das kann er. Das ist auf jeden Fall etwas, wo man auch deutliche Unterschiede feststellen kann. Das kann man jetzt noch differenzierter betrachten, aber wir wollen jetzt hier auch keinen fortgeschrittenen Kurs in Validität machen. Aber erst mal ist die gute Nachricht, das kann er. Und das, was mir so am Herzen liegt oder was wir vorhin schon betont haben, was wir so toll finden, ist die prädiktive Validität, nämlich, dass der WRITIC eine Prognose ausstellen kann, dieses Kind wird Probleme [01:13:22] in der ersten Klasse bekommen beim Schreiben oder dieses Kind wird keine Probleme haben. Ja, und das ist das Besondere und das ist richtig cool. Und das kann er tun. Davor würden auch noch mal 120 Kinder im Vorschulalter mit normaler Entwicklung im mittel- und ostniederländischen Raum untersucht irgendwie und die Pädagoginnen haben dann eben ausgewählt, welche Kinder gute und schlechte Ergebnisse haben und dann wurden Vergleichsstudien da mitgemacht und von daher, da steckt ziemlich viel dahinter. Man kann sich hier diese ganzen Zahlen, die ich jetzt nicht alle völlig wahnsinnig machen will, aber ich mache gleich den Rückwärtsbewegungen zurück zur Studie. Auf jeden Fall wurde hinterher mit dem SOS, das ist die systematische Erkennung von Schreibproblemen, der wurde ein halbes Jahr nach Einschulung eben //Sara Mohr: durchgeführt.//
Sara Mohr: [01:14:16] Und da kann man dann sehen, wie prädiktiv ist der ganze Spaß hier denn.
Nora Bilke: [01:14:21] Und das ist extra ein anderes Instrument, weil das WRITIC eben für Vorschulkinder ist, um Handwriting Readiness abzubilden und das ist eben kein Instrument, was per se für Retestungen eingesetzt wird.
Connie Zillhardt: [01:14:34] Genau.
Nora Bilke: [01:14:35] Sodass dann natürlich ein Instrument gewählt werden musste, was für die Population Vorschulkinder im Setting Grundschule, wo es dann um Lesbarkeit und Tempo geht, nämlich das, was wir auch in der Studie haben, einsetzbar ist. Deswegen ist es eben nicht das Gleiche.
Sara Mohr: [01:14:50] Ja. Ja, das macht Sinn.
Nora Bilke: [01:14:53] Aber Sarah, vielleicht, ich finde einmal noch mal den Schwenk ganz interessant, du hast eben von Konstruktvalidität gesprochen, dass ich wissen muss, welches Konstrukt misst das Assessment oder der standardisierte Test, ist es ja dann oft, den ich da jetzt so zur Verfügung habe in meiner Arbeit, finde ich schon auch mal noch mal unabhängig vom WRITIC total wichtig, dass ich auch weiß, was misst denn jetzt der FEW3, der MABC3 oder eben die klassischen standardisierten Testerfahren, die wir zur Verfügung haben und die wir natürlich immer nur einsetzen, wenn nötig, aber dass ich dann auch weiß, ich messe nicht Grafomotorik mit einem FEW3, sondern der Mitten anderes Konstrukt, dass ich mir da einfach auch drüber bewusst bin und das im Manual noch mal genau nachgucke, um auch wirklich eine informierte Entscheidung zu treffen in meinem Professional Reasoning, warum setze ich jetzt dieses Testinstrument ein? Ja,
Sara Mohr: [01:15:49] um da auch eine informierte, also genau wie du sagst, eine informierte Assessment-Auswahl am Endeffekt treffen zu können. Genau. Ich fasse zusammen, Validität ist wichtig. Ja,
Connie Zillhardt: [01:16:01] auf jeden Fall und Valiabilität auch. Auch. Check.
Sara Mohr: [01:16:08] Im Idealfall ist ein Assessment reliabel und valide und dann gibt es zum Schluss noch, letztes Mal, wenn wir nur ganz, ganz kurz schrappen, wir nur lang, es gibt noch Responsivität, nur falls euch der Begriff mal begegnet. Den haben die sich hier im Systematic Review gar nicht angeschaut. Der Vollständigkeitshalber, weil das auch eines der großen psychometrischen Eigenschaften ist, wollte ich es hier drin haben, beschreibt quasi, wie feinfühlig ein Assessment auf Veränderung reagiert. Das ist ein schöner Satz. Vielleicht wird das der Podcast folgenden Titel Feinfühlige Assessments. Nein.
Connie Zillhardt: [01:16:45] Also ob das ist… Pass aber gut zu dem, was Nora gerade gesagt hat. Ja.
Nora Bilke: [01:16:50] Feinfühlige Wahl der Assessment. Genau.
Sara Mohr: [01:16:52] Genau. Also ob das Assessment tatsächlich auch in Werten zeigt, wenn sich zum Beispiel die Schreibreife verbessert hat. Das ist ja total wichtig für uns in der Praxis auch, um zum Beispiel zu erkennen, ob jetzt eine Intervention hilfreich war und das Kind sich dadurch in einem Assessment verbessert. Das nochmal zur Vollständigkeit. So. Jetzt haben die, jetzt kommen wir an diese Stelle in der Studie, wo die in so einem Nebensatz sagen, ja, das Writing Writing ist außerdem das einzige Assessment, das zusätzlich noch physische und soziale Umwelt erfasst. Und die Ergotherapeutin mir sagt, was? Das ist ja krass. steht da nur ein halber Satz dazu. Wie macht das Writing das? Und warum sind diese Umwelten wichtig für Handschrift? Können wir das nicht, reicht es nicht, wenn ich mir das Blatt Papier angucke?
Nora Bilke: [01:17:42] Ja, also was das Writing macht in der sozialen Umwelt, schaut es, wie das Klima, so wird es im Writing genannt, der Kindergartengruppe. Also ist das eine sehr strukturierte, ruhige, so ruhig, wie so eine Kindergruppe eben ist, oder ist es irgendwie total chaotisch ohne jeglichen Strukturen oder irgendwas dazwischen, weil wir natürlich wissen, dass das absoluten Einfluss haben kann auf nicht nur die Handschriftbereitschaft, also auch natürlich auf die Aufmerksamkeit, das kann Einfluss haben, auch wie ist das eigentlich das Angebot in der Kita, das heißt, das Writing, da kann ich bewerben, wie ist das Klima in der Kita-Gruppe und wenn ich merke, das Klima erscheint mir als ein Faktor, dass hier die Handschriftbereitschaft vielleicht eingeschränkt ist, ist es ein super wichtiger Beratungsinhalt oder Coaching-Inhalt für die Pädagogen in der Kita [01:18:44] und der zweite Teil, der sich angeschaut wird, ist die physische Umwelt, deswegen geht es auch nicht anders, als das bei der Kita durchzuführen, weil wir setzen uns ja an die Möbel, die da stehen, also an diese kleinen Kinderspüle, Hocker, an diese kleinen Tische mit dazu, wo die eben auch ansonsten sich auf ihre Art und Weise auf den Stuhl schmeißen, setzen wir uns daneben und die legen los. Das heißt, wir schieben da keinen Trip-Trap dran, kein Höckerchen unter die Füße, die geben nicht einen dicken Wachsmachstift noch in die Hand und so weiter, sondern die nehmen dann eben auch die Stifte und das Material, die Möbel, die da zur Verfügung stehen und das bewerten wir eben im Ritec dann auf eine bestimmte Art und Weise, ob das adäquat ist oder nicht, also Stuhlhöhe, Sitzhöhe, Tischhöhe, aber auch Sitztiefe, weil wir natürlich mit unserer ergotrapeutschen Brille in anderen Kontexten automatisch adaptieren, sodass das vielleicht optimal ist, nur ist das eben nicht relaxed, weshalb es so wichtig ist, [01:19:45] dass wir in die Kika gehen und das vor Ort durchführen, sonst können wir Teile des Ritec einfach gar nicht beurteilen und damit verliert es automatisch seine Standardisierung und diese ganzen Gütekriterien werden nicht mehr so eingehalten, letztlich, oder ja.
Sara Mohr: [01:20:02] Ja, und es gehen mir ja auch ganz banal ganz viele Informationen ab. Absolut.
Nora Bilke: [01:20:05] Und damit ist natürlich auch meine Intervention, zu der ja auf jeden Fall auch Beratung, Elternhaus, Kita und so weiter gehört, zählen wir Informationen, die ich dann zusätzlich erfragen muss und eben nicht hab sehen können und alles, was ich mit live beobachte, kann ich natürlich auch besser nutzen für die Intervention.
Sara Mohr: [01:20:24] Sehr schön.
Nora Bilke: [01:20:25] Genau.
Sara Mohr: [01:20:26] Cool. Sehr cool. Die Studie, das Systematic Review endet damit, also die machen, was die nicht gemacht haben, die haben jetzt nicht irgendwie so ein Ranking gemacht, welches Assessment ist das Beste und welches nicht oder so, es ging denen primär darum aufzuzeigen, es gibt eine Vielzahl von Assessments, die meisten haben eine moderate bis sogar sehr gute Qualität da mitgebracht, also da war jetzt glaube ich, soweit ich das erinnere, keins dabei, wo man sagt, um Himmels Willen das nicht benutzen, sondern natürlich informiert, individuell schauen, untersucht ist das, was ich haben möchte, wie sind Validität und Reliabilität. dann sticht das Writing eben schon dadurch raus, was wir eben hatten, dadurch, dass es Prognosen stellen kann und dadurch, dass ich eben schon vor Schulbeginn einsetze im Kindergarten, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist mit seiner Handschrift. In der Vorbereitung für diese Podcast-Folge ist mir noch ein Thema gekommen, was ich ganz wichtig finde und was ihr im Vorgespräch auch schon angesprochen hatte, da haben wir in dieselbe Richtung gedacht, [01:21:27] weil es uns ganz wichtig ist, nochmal deutlich zu machen, wie viel krasse Arbeit es ist, so ein Assessment zu entwickeln. Connie hat eben schon gesagt, das schüttelt man nicht so aus der hohlen Hand. Um ein Assessment wirklich zu entwickeln und auf den Markt zu bringen und zu sagen, hier, das ist jetzt ein reliables, valides Assessment, das könnt ihr benutzen für diese und diese Zielgruppe, braucht es nicht nur eine, sondern mehrere gut gemachte Untersuchungen, weil oft sieben hat das Writing
Connie Zillhardt: [01:21:58] Sieben Studien mit über 251 Kindern.
Sara Mohr: [01:22:02] Ja, weil viele Qualitätsmerkmale, Inhaltsvalidität, Reliabilität und so weiter, brauchen ein anderes Studiendesign oder ein eigenes Studiendesign. Ich kann das nicht in einer Studie machen. Das beginnt oft damit, dass, ihr hattet es eben von der Delphi-Studie, dass Fachpersonen, AnwenderInnen, aber auch Personen aus der Zielgruppe in qualitativen Interviews befragt werden, dass Prätests gemacht werden, dass die Struktur des Assessments verändert sich häufig am Anfang noch mal ganz viel, um zu schauen, wie müssen wir die Items nacheinander, in welcher Reihenfolge, welche Items, welche Konstrukte wollen wir abbilden. Dann brauche ich Studien mit möglichst großen, möglichst geeigneten Stichproben, finde die mal, da geht es ja schon los, die der späteren Zielgruppe des Assessments entspricht. ich brauche aber auch Studien, das hatte Nora ja eben erzählt, mit Kindern, die für die Normierung dann auch geeignet sind. Auch da, je mehr, desto besser eigentlich, um zu sehen, ob meine Skalen funktionieren, ob die Messwerte passen. ist unglaublich viel Arbeit [01:23:03] und das erklärt vielleicht teilweise auch die hohen Preise, die so ein Assessment einfach mit sich bringt. Wenn man da so viel Blutschweiß und Tränen reingesteckt hat, dann ist es, glaube ich, auch nachvollziehbar, dass das eben mehr kostet, als das Papier, auf dem es nachher steht. Das nochmal dazu. Jetzt enden die AutorInnen dieser Studie mit so ein paar Empfehlungen für die Praxis. Die gehen wir kurz durch und dann hätte ich aber von euch gerne auch noch ein paar Praxisempfehlungen. Ihr seid hier die Expertin.
Connie Zillhardt: [01:23:32] Also,
Sara Mohr: [01:23:32] die sagen erstmal generell nochmal abschließend, wir haben gute Assessments mit guten psychometrischen Eigenschaften für die Untersuchung der Handschrift im lateinischen Alphabet. Jetzt haben wir eben von Connie gehört, in Japan geht es auch. Bei Kindern und Jungen. Wir sind dran. Aber das lateinische Alphabet wissen wir es bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 3 bis 16 Jahren. Also, da gibt es echt eine Breite an guten Assessments. Was wir sehen, das hat man bei den anderen Assessments auch gesehen, dass nur indirekte Untersuchungen und nur Selbstbewertungen alleine sind nicht ausreichend, um irgendeine Aussage treffen zu können über die Handschrift. Die haben auch oft keine guten psychometrischen Eigenschaften. Also, es braucht das direkte Assessment. Ich muss da live dabei sein. Ich muss mir das angucken. Und dann nochmal der Punkt, und das ist für das Writing ja auch ganz interessant, dass, die hatten ja gesagt in der Studie, wir schauen uns vor allem Assessments an, wo es um Lesbarkeit geht, aber auch um Schreibtempo. Und die sagen genau das, [01:24:33] was ihr auch am Anfang gesagt habt, Lesbarkeit kann ich schon im Vorschulalter messen. Schreibtempo frühestens ab dem sechsten Lebensjahr. Eher später, eher Schulalter. Einfach weil das Schreibtempo erst später kommt und es macht überhaupt keinen Sinn, bei einem fünfjährigen Schreibtempo in irgendeiner Weise evaluieren zu wollen. Da liegt der Fokus auf Lesbarkeit, wenn ich da also Assessments auswähle. Was sind denn eure Do’s und Don’ts? Wenn ich jetzt da so ein Kind morgen kommt in die Praxis, ein Kind, fünf Jahre alt, im Idealfall. Wir machen mal einmal für einen Fünfjährigen und einmal für einen Neunjährigen. Und was sind die Do’s und Don’ts? Wie gehe ich damit um, wenn es um das Thema Handschrift geht? Was mache ich?
Connie Zillhardt: [01:25:21] Vorbereitend für die Schule. Wenn ich jetzt da so einen vier-, fünfjährigen habe oder meinetwegen auch, der ist fünf und kommt nächstes Jahr in die Schule und ich stelle mit dem, gehe mit dem WRITIC in den Kindergarten und stelle fest, dieses Kind ist at risk. Ganz konkret gibt es Sachen, die man gut in den Alltag integrieren kann, um mit diesen Kindern, diese Kinder gut zu fördern. Ein Ding, das ich gerne allen Kindergärten verordnen würde, ist eine Tafel im Flur, wo man im Stehen malt. Eine Maltafel. Ein Bord. Whatever. Weil alles, was wir an der Senkrechten machen, führt dazu, muss man es gut beschreiben können.
Sara Mohr: [01:26:09] Alle, die zuhören, nehmen jetzt mal einen Stift in der Hand und tun so, als würden sie an die Wand schreien
Connie Zillhardt: [01:26:13] mit dem Stift. Und das macht automatisch, ist die Stifthaltung dadurch leichter einzunehmen. Eine physiologische Stifthaltung. Es ist ganz deutlich, dass das Arbeiten von Kindern im Vorschulalter oder überhaupt von kleinen Kindern, die an Malwänden arbeiten, dass das einen guten Effekt hat. Und was wir langfristig wollen, ist, dass das Kind eine sogenannte Zweiteilung der Hand entwickelt. Weil wir kommen auf die Welt und haben ja erst, machen solche Sachen hier.
Sara Mohr: [01:26:45] oder wir haben eine Faust,
Connie Zillhardt: [01:26:50] wir machen die Faust auf und zu. Aber fürs Schreiben ist es wichtig eigentlich, dass die Finger sich differenziert bewegen können. Dafür muss die Hand sich zweiteilen in der funktionellen Entwicklung. Und dafür wäre es gut, wenn Ringfinger und Kleinerfinger nicht mitmachen und Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger sich differenziert bewegen. Ich sage nicht, dass der Dreipunktgriff das goldene, der goldene Hand die einzige reife Stifthaltung ist. Nein, wir haben fünf. Aber bitte verlange nicht von mir, dass ich in Worten diese fünf Stifthaltungen würde mich überfordern. Da gibt es sehr gute Abbildungen in den gängigen Lehrbüchern. Das ist auch kein neues Wissen. Das wissen wir seit Mitte der 90er, dass es fünf reife Stifthaltungen gibt. Nichtsdestotrotz versuchen wir präventiv in der Entwicklung anzubahnen, dass sich eine Zweiteilung in der Hand entwickelt und die Kinder den Stift mit drei Fingern greifen. Und die Zweiteilung der Hand [01:27:51] kann man unter anderem, Nura, darf ich das sagen, mein Lieblings-Thema kurz oder möchtest du was anderes zwischendurch, kann man zum Beispiel durch den korrekten Scherengriff anbahnen. Ich habe es mir zu meinem Lebensziel gesetzt, dass alle Menschen wissen, wie man die Schere richtig hält, weil das ist nämlich nicht diskutabel übrigens. Connie,
Sara Mohr: [01:28:12] traust du dir jetzt zu, in diesem Podcast zu erklären, wie man eine Schere richtig hält? Ja. Oder, Connie,
Nora Bilke: [01:28:16] möchtest du auf dein sehr gutes Video hinweisen, wo du es erklärst und zeigst?
Sara Mohr: [01:28:22] Das möchte ich bitte auch. Das verlinken wir in den Shownotes.
Nora Bilke: [01:28:24] Ja, also auf unserem Writing-Account hat nämlich Connie ein Video aufgenommen, wo sie den Scherengriff, den sie jetzt versuchen wollte, zu beschreiben, aufgenommen hat und gleichzeitig die Wichtigkeit beschrieben hat, wie sie da die Zweiteilung der Hand anbahnt. Vielleicht ist das leichter, über den Writing-Instagram-Account anzugucken.
Sara Mohr: [01:28:45] Ich mache euch die Links dazu in die Shownotes.
Nora Bilke: [01:28:48] Und da ist auch ein relativ neuer Post zur funktionalen Zweiteilung der Hand, die Connie gerade beschrieben hat, als eine feinmotorische Vorläuferfähigkeit für das Handschreiben, wo da auch so ein paar Ideen abgefilmt sind, wie man das machen kann, damit das auch Spaß macht und das hat nicht direkt dann was mit dem Stift zu tun, weil ich glaube, das wäre ja auch was, Connie, was uns wichtig ist, nochmal so als Praxistipp. Mach es möglichst interessant. Gucke, was das Kind motiviert. Sind das gerade Dinosaurier? Sarah sagte, //Connie Zillhardt: sie war im Dinosaurierpark.// Dann können wir fast alle Sachen, die wir in der Therapie planen wollen, mit Dinosauriern machen. Und dann sind die Kinder bei ihrem Interesse abgeholt, sind motivierter, haben auch Lust, sich länger mit Sachen zu beschäftigen, weil funktionale Zweiteilung der Hand klingt ja schon mal furchtbar langweilig. Aber wenn das dann ein, Ja, genau. Wenn das dann aber das Dino-Fütterspiel ist und es genau das fördert, ist großartig. [01:29:48] Und dann bleiben sie super lange dabei und diese Automatisierung, die wir ja wollen, findet statt. Also das ist, glaube ich, für Connie und mich einfach ein Thema, dass wir genau fragen und rausfinden, was interessiert dieses Kind. Und es entsprechend so zu adaptieren, das wissen wir auch aus der Literatur, dass ja viele Jungs als Vorschulkinder doch erstmal auch gleich in den anderen Vorläufer-Assessments für Handschrift abschneiden. Die holen das später wieder auf. Aber eine Ursache dafür ist, dass das Angebot für einige Kinder eben nicht so interessant ist im Kindergarten-Kontext, dass sie Lust haben, zum Tisch zu gehen, da lang genug zu sitzen und Erfahrungen zu machen. Sodass es dann eigentlich ein Erfahrungsdefizit gibt und ein Motivationsdefizit. aber liegt daran, dass es nicht so richtig was super Interessantes angeboten wurde. Und das ist uns, glaube ich, so auch total wichtig für die Praxis.
Connie Zillhardt: [01:30:44] Und diese intrinsische Motivation der Kinder zu stärken, dass sie das auch nicht machen, weil sie eine Belohnung bekommen oder so, sondern weil sie eben selber Spaß und Freude daran haben. Und dann tun sie es nämlich auch mehr und üben es automatisch. Und wenn wir dann nochmal zu unserer, zum Beispiel zu der Wand oder Tafel im Kindergarten kommen, wenn man da zum Beispiel, kann man ja Themenbilder machen, wo alle Kinder sich daran beteiligen. Das ist auch nicht so ein exklusives Bild. Du kannst ja eine große Wasserwelt aufmachen oder eine wilde Autobahn oder was weiß ich nicht. Bei irgendwas, was alle interessiert und wo alle gemeinsam daran arbeiten können. Und dann gibt es in der nächsten Woche wieder eine andere Welt, die da aufgemacht wird irgendwie. Und das lässt sich relativ einfach mit einer Papierrolle gestalten.
Nora Bilke: [01:31:27] Und das macht eigentlich nochmal deutlich, weil du ja eben fragst, Sarah, was machen wir jetzt bei einem Vorschulkind und auch bei einem Kind zweiter, dritter Klasse, wir coachen und beraten total viel. Wir gehen in die Kitas, wir gehen in die Schulen, wir gucken, wie agiert das Kind da? Wie sieht diese Kita-Gruppe, diese Klasse eigentlich aus? Was ist da eigentlich zur Verfügung? Was wird dem Kind angeboten? Und wo können wir mit unserem ergotherapeutischen Know-how, und wir wissen ja auch, Beratung, Coaching hat einfach in vielen Inventionen auch die beste Evidenz, dass wir genau das auch einfach nutzen, weil wir doch immer wieder die Erfahrung machen, dass manche Aspekte, wie es gibt nur eine reife Stifthaltung, was völlig überholt ist, in manchen Köpfen noch präsent ist, und dass wir da eben auch entsprechend beraten, welche Alternativen Stifthaltung es zum Beispiel noch gibt, oder wie ist das mit Dispositionen von Kindern, warum ist das so wichtig, wie können wir da in der Schule Anpassungen [01:32:29] schaffen, oder kann ein Erstklässlerkind, ich habe jetzt einige, die sind in die erste Klasse gekommen, die sind noch nicht schreibbereit aus Gründen und das eben noch nicht sofort mit dem Schreiben begonnen wird, denn das ist auch für uns so ein ganz wichtiger Faktor, fange nicht mit dem Schreiben an, wenn das Kind nicht schreibbereit ist, ja, das ist leider bei vielen Kindern so passiert, aber da, wo wir die Kinder dafür schützen können, ist es wunderbar, wenn wir darauf achten können, dass auch in der ersten Klasse noch Vorläufer gemacht werden, bevor Schreiben gestartet wird, ja, um all diese negativen letztlich Konsequenzen, die wir ganz am Anfang vom Podcast gesprochen haben, vielleicht verhindert werden können, das ist uns ein ganz wichtiges Anliegen.
Sara Mohr: [01:33:11] Ja, ja, und ich glaube, da dürfen wir viel mehr an so Edukation und das Einbeziehen der sozialen Umwelt denken, weil im Endeffekt, wenn wir das nicht machen, wenn wir in unserem klassischen Therapiesetting, ich hole das Kind zum Reparieren in den Therapieraum rein und dann fällt mir da vielleicht auf, ja, wenn es auf einem niedrigen Stuhl sitzt, kann es das nicht so gut. Ich kann von einem Achtjährigen nicht erwarten, dass der jetzt in der Schulklasse dafür sorgt, dass er eine bessere Sitzposition hat. Das geht einfach nicht.
Nora Bilke: [01:33:36] Ich bin im klassischen Praxiskontext ja unterwegs. Ich besuche alle Kinder in Kita und Schule. Das darf ich einmal machen und ab da darf ich mich engagieren, so viel wie möglich mit Videos und Bildern und E-Mails und Telefonaten genau diesen Transfer möglich zu machen. Auch, es ist möglich mit Engagement, auch aus dem Praxiskontext, wenn es auch nicht der optimale Arbeitsort vielleicht sein kann, aber es ist eben, wo wir auch viele von uns sind und es ist möglich, aber man muss eben seine Wege finden, dass die Kinder unterstützt werden.
Sara Mohr: [01:34:11] Genau. Ich habe so den Eindruck, wir brauchen noch eine zweite Folge, wo wir über Interventionen reden, glaube ich. Oh ja. Wir suchen uns mal einen Termin. Sehr schön. Gibt es noch was zum Thema Handschrift, zum Thema Handwriting Readiness, zum Thema Writig, dass ihr gerne loswerden möchtet, an dieser Stelle?
Connie Zillhardt: [01:34:35] Ich glaube, Nora und ich können da noch zwei Jahre drüber sprechen, das will aber niemand hören, aber was ich, was ich, glaube ich, wichtig finde, ist, der Write-Hick hört sich ja, wenn man aus dem Praxiskontext kommt, erst mal vielleicht ein bisschen schwierig an in der Organisation, den im Kindergarten durchzuführen und ich möchte aber alle ermutigen, das zu tun. Erstens macht es wirklich irre viel Spaß, jetzt mal so ganz eigennützig, dann ist es häufig ein Türöffner für Kooperationen mit umliegenden Kindertagesstätten und was man dann machen kann, wenn man sagt, ja, ich habe aber gar nicht so viel Zeit, vielleicht gerade diese Vormittage, wo man vielleicht irgendwie nicht so viele Kinder unterbringt, da kann man auch gut mal im Vorschulbereich den Write-Hick durchführen, man macht das ja eh nur ein halbes Jahr vor Einschulung und dann nicht mehr, das muss man ja nicht ständig machen und da kann man gucken, ob man ein cooles Projekt mit einer Kita beginnt und sagt, wir kümmern uns hier um diesen Vorschulbereich und das kann einfach auch ein Einstieg in so eine schulbasierte und mit schulbasiert meine ich auch immer Kinder-Kita-basiert, das ist eher so ein Sprachding, dass man nicht immer Kita-Schulbasierte [01:35:36] Ergotherapie sagt, wie das anfangen kann und das kann auch ein Anfang sein, dass du erst mal ein Multiplikator für Wissen bist, wie Nora gerade schon gesagt hat, dass wir coachen oder dass wir dann einfach mal starten und machen mal anderthalb Stunden Workshop für alle das Fachpersonal der Kita zum Thema Abentwicklung, weil wenn klar ist, warum muss ich denn an der Vertikalen arbeiten, warum muss ich mit diesem dicken Workspace, ich muss da ja nicht ständig dabei sein, das ist ja auch kein //Connie Zillhardt: Genau,//
Sara Mohr: [01:36:03] das ist ja viel effizienter auch und effektiver wahrscheinlich, wenn ich da das Personal einfach schule.
Nora Bilke: [01:36:08] Und das nimmt einfach auch diese Belastung aus den Trakteneinrichtungen mit diesen extrem langen Wartelisten, denen wir alle nicht gerecht werden können und letztlich auch Kinder nicht rechtzeitig unterstützen können, weil sie so lange auf der Warteliste sind und wenn wir das natürlich mit so einem präventiveren Gedanken im Tieterkontext mit Gruppen von Kindern, die Pädagogen, Schulen, die Kinder anders zu unterstützen, brauchen wir natürlich auch viel weniger, sehen wir viel weniger Kinder in der Einzeltherapie, wo es da eine Notwendigkeit gibt und das ist natürlich auch wirklich ein sehr, sehr wichtiger Aspekt für uns und ein wichtiger Aspekt für mich wirklich auch nochmal ist sich genau anzuschauen und wenn ich nicht in die Kita-Schule gehen kann, dann lasst mir Videos mitbringen, lasst mir Fotos mitbringen und lasst mir genau beschreiben im Sinne der Performance-Betätigungs-Analysen nennt es, wie ihr es wollt, schaut es euch an, denn dann können wir wirklich auch viel gezielter unterstützen.
Sara Mohr: [01:37:08] Sehr schön. Wenn ich jetzt nach diesem Podcast total Lust habe, einen Writing-Kurs zu machen, wie mache ich das denn?
Nora Bilke: [01:37:15] Du hast mehrere Möglichkeiten, also die einfachste Möglichkeit, folge uns auf Instagram, da wird immer genau gepostet, wann welche Kurse stattfinden, auch wo die stattfinden, aber der nächste Kurs, liebe Connie, ist am…
Connie Zillhardt: [01:37:28] im Oktober, am 26.10. Und das ist ein Online-Kurs. Die Zugänglichkeit ist relativ leicht und ihr findet den sonst auch beim Popcorn, dem Weiterbildungsinstitut, auf der Website. Oder, wie gesagt, entweder kommt ihr bei Insta dahin oder eben über die Website von Popcorn und das erklärt sich dann der Rest von selbst. Aber es ist am 26.10. von 9 bis 17 Uhr. Ich mache euch Links
Sara Mohr: [01:37:56] in die Shownotes für die nächsten Kurse. Toll. Wir freuen uns.
Connie Zillhardt: [01:38:00] Dann könnt ihr da kippen.
Sara Mohr: [01:38:04] sehr schön. Ihr Lieben, dieser Podcast hätte noch viel, viel länger gehen können, glaube ich, weil es so schön ist. Nein, das ist so schön, weil ihr so mit Herz und Seele dabei seid bei diesem Thema. Vielen lieben Dank, dass ihr da wart und mit mir ein bisschen über Studien und Handschreiben gequatscht habt. Und Folge Nummer 2 zur Intervention nehmen wir auf jeden Fall in Angriff. Ja, gerne.
Nora Bilke: [01:38:27] Großartig.
Sara Mohr: [01:38:28] Und dann hören wir uns in der nächsten Folge. Ja, na toll. Und vielen Dank.
Nora Bilke: [01:38:34] für die Einladung.
Sara Mohr: [01:38:36] Tschüss.
Nora Bilke: [01:38:37] Ciao.
(Dieses Transkript wurde mit Unterstützung von KI generiert)
Die Studie in Bildern

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