#43 - Ihr bestimmt die Themen für eine schnelle Recherche

Kommt mit auf einen wilden Ritt durch die Ergotherapieforschung! Ihr habt Themen vorgeschlagen, zu denen ihr euch einen kleinen Einblick in die aktuelle Forschung wünscht und ich habe recherchiert. Danke an alle Lieblingsergos, die zu dieser Folge mit ihren Fragen beigetragen haben!

 Geschichten aus dem Alltag: Sara fährt in Urlaub und lädt euch auf den Ergo-Retreat Relax & Reset ein.

Lust auf mehr Evidenz für dein Team?

Studien zum Thema ADHS, Gruppenprogramme, Konzentration

AWMF (2017). S3-Leitlinie ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen.

Peterson, B. S., Trampush, J., Maglione, M., Bolshakova, M., Rozelle, M., Miles, J., Pakdaman, S., Brown, M., Yagyu, S., Motala, A., & Hempel, S. (2024). Treatments for ADHD in Children and Adolescents: A Systematic Review. Pediatrics, 153(4), e2024065787.

Studie zum Thema Demenz, kognitive Interventionen

Uceda-Portillo, C., Aranda-Valero, S., & Moruno-Miralles, P. (2024). Occupational Therapy Interventions to Improve the Quality of Life of Older Adults with Dementia Living in Nursing Homes: A Systematic Review. Healthcare (Basel, Switzerland), 12(9), 896.

Studie zum Thema Handwerk, mentale Gesundheit

Bukhave, E. B., Creek, J., Linstad, A. K., & Frandsen, T. F. (2025). The effects of crafts-based interventions on mental health and well-being: A systematic review. Australian occupational therapy journal, 72(1), e70001. 

Studien zum Thema Betätigungsbasierung, Handtherapie

Sheerin, M., O’Riordan, C., Conneely, M., Carey, L., Ryan, D., Galvin, R., & Morrissey, A. M. (2024). Effectiveness of occupational therapy interventions on function and occupational performance among adults with conditions of the hand, wrist, and forearm: A systematic review and meta-analysis. Australian occupational therapy journal, 71(1), 175–189.

Visser, E., de Klerk, S., Jacobs-Nzuzi Khuabi, L. A., & Joubert, M. (2021). Occupation-based intervention in therapy for upper limb musculoskeletal conditions: A systematic review. Hand therapy, 26(4), 146–158.

Studie zum Thema DIR Floortime

Divya, K. Y., Begum, F., John, S. E., & Francis, F. (2023). DIR/Floor Time in Engaging Autism: A Systematic Review. Iranian journal of nursing and midwifery research, 28(2), 132–138. 

Artikel zur Sturzprävention

Mohr, S., Müller, C., Hildebrand, F., & Laubach, M. (2023). Sturzprävention bei älteren Menschen durch ergotherapeutische Wohnraumanalyse, -beratung und -anpassung: Eine Prozessdarstellung. Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie, 56(5), 408–414.

Studien zu Berufszufriedenheit, Betätigungszentrierung

Bolt, B., Lalor, A., Barclay, L., Brown, S., & Growse, L. (2022). Occupational therapists’ experiences of implementing occupation-based practice in neurology, and its impact on professional identity. British Journal of Occupational Therapy, 03080226211058368.

Bennetts, M., Furness, L., & Tynan, A. (2025). Implementation of occupation-centred practice by occupational therapists in acute adult physical settings: A mixed method study in a regional and rural health service. Australian Occupational Therapy Journal, 72(2), e70002.

Rayner, E., Brown, T., Hewitt, A., Lunt, A., McKeever, J., Thorpe, M., Leong, A., & Douglas, F. (2025). Exploring the professional wellbeing of Grade 2 occupational therapists employed in public health inpatient settings in Victoria, Australia: A mixed-methods study. WORK: A Journal of Prevention, Assessment & Rehabilitation, 81(1), 2399-2414.

Ashby, S., Wales, K., & Sinclair, C. (2025). An international study of the professional resilience strategies used by early career occupational therapists. Australian Occupational Therapy Journal, 72(6), e70053.

Lee, B. D., Bagatell, N., Ridlehoover, M. K., & Womack, J. (2025). Practitioner Perspectives on Occupation-Based Practice Across Varied Settings. OTJR: Occupational Therapy Journal of Research, 45(1), 140–147.

Yan, W., Ohlsen, S., & Wood, E. (2025). Factors affecting retention of occupational therapists in adult mental health service: A systematic review with narrative synthesis. British Journal of Occupational Therapy, 88(2), 70–84.

 

 

(00:00–06:40) Mitmach-Folge & Rahmenbedingungen 

Sara Mohr begrüßt zur Mitmach-Folge von „Evidenz auf die Ohren“ und erklärt, dass sie auf Basis von Praxisfragen eine „quick & dirty“-Recherche gemacht hat. Sie betont, dass die Recherchetiefe geringer ist als bei Monothemenepisoden und erinnert an die drei Komponenten evidenzbasierter Praxis: externe Evidenz, interne Evidenz und Klient*inperspektive.

(00:06:40–00:17:28) ADHS-Gruppenprogramme & Konzentration 

Aus der S3-ADHS-Leitlinie (Version 2017, derzeit in Überarbeitung) berichtet Sara, dass der Attentioner als Programm mit „geringem“ Wirksamkeitsnachweis eingestuft ist, basierend auf vier älteren Studien ohne Kontrollgruppe. Es wird betont, dass der Attentioner nicht „unwirksam“, aber nur gering abgesichert ist und dass andere Programme mit höherem Evidenzniveau existieren: THOP, Teen Triple P, PEP. Die Leitlinie listet außerdem weitere Programme mit gutem/moderatem Wirksamkeitsnachweis, deren Qualität v. a. von Anzahl und Qualität der Studien abhängt.

Sara stellt ein Review von 2024 vor, in dem 540 Studien zu unterschiedlichsten ADHS-Behandlungsformen bei Kindern und Jugendlichen zusammengefasst wurden. Die Studien werden thematisch sortiert und die Evidenz für verschiedene Interventionsgruppen zusammengefasst. Das Review zeigt insgesamt, dass wir zwar mehrere Ansätze mit guter Evidenz zur Symptomreduktion haben, aber kaum Interventionen, die funktionelle Einschränkungen im Alltag nachweislich verbessern – ein Punkt, an dem betätigungszentrierte Ergotherapie ansetzen könnte.

(00:17:32–00:23:41) Kognitive Interventionen & Lebensqualität bei Demenz 

Fokus des vorgestellten Reviews (2024) sind ergotherapeutische Interventionen für Menschen mit Demenz in Pflegeheimen (16 Studien, 2013–2023). Kernaussage: Kognitive Interventionen, die an Betätigungsbiografie und bedeutungsvolle Betätigungen anknüpfen, können die Lebensqualität von Menschen mit Demenz in Pflegeheimen verbessern.

(00:23:41–00:24:42) Interventionen bei Depression 

Zur Frage nach ergotherapeutischen Interventionen bei Depression verweist Sara auf eine frühere Folge (Nr. 26) mit zwei Leitlinien im Fokus.

(00:23:41–00:29:03) Handwerkliche Tätigkeiten & psychische Gesundheit 

Frage: Verbessert handwerkliches Arbeiten (z. B. Filzen, Nähen) die psychische Gesundheit von Klient*innen mit Schizophrenie? Es wird ein systematisches Review von 2025 vorgestellt, das handwerkliche Techniken und mentale Gesundheit/Lebensqualität betrachtet. Ergebnisse & Qualität: Meist unmittelbare Nachbefragung nach der handwerklichen Aktivität, kaum Langzeitdaten. Kleine Stichproben (<50 TN) und überwiegend geringe Studienqualität. Ein Teil der Studien berichtet verbesserte mentale Gesundheit, andere nicht; insgesamt keine belastbare, generalisierbare Evidenz. Die Autor*innen sehen zwei Hauptprobleme: Hohe Heterogenität der Interventionen und Zielgruppen – kaum sinnvoll zusammenzufassen. Fehlende theoretische Modelle, die Wirkmechanismen (z. B. warum Glasmalerei vs. Töpfern, bei welcher Zielgruppe) erklären. Schlussfolgerung: Es gibt Hinweise, dass Menschen sich nach verschiedenen bedeutungsvollen Aktivitäten „besser“ fühlen, aber keine belastbare Evidenz für spezifische handwerkliche Techniken oder Diagnosen. Für Ergotherapie ist entscheidend die bedeutungsvolle Betätigung, nicht das Handwerk an sich.

(00:29:03–00:35:21) Betätigungsbasierte vs. funktionsbasierte Handtherapie 

Frage: Erreicht betätigungsbasierte Handtherapie Ziele schneller als funktionsbasierte Handtherapie? Sara erläutert zwei systematische Reviews, die sich dem Thema nähern.

Systematisches Review mit Meta-Analyse zu Ergotherapie bei Erwachsenen mit Erkrankungen von Hand, Handgelenk und Unterarm: 12 Studien, insgesamt 1429 Teilnehmende. Interventionen: Mix aus betätigungsbasierten Methoden, Hilfsmittelversorgung, Edukation und funktionellen Übungsprogrammen (kein klarer Vergleich betätigungsbasiert vs. rein funktionsorientiert). Ergebnisse: Ergotherapeutische Intervention führt zu Funktionsverbesserung, besserer Betätigungsperformance, höherer Zufriedenheit der Klient*innen mit ihrer Performance und Schmerzreduktion. Die „Mischung“ aus Ansätzen ist wirksam, ohne explizite Aussage zur Überlegenheit eines einzelnen Ansatzes.

Systematisches Review zu betätigungsbasierten Interventionen bei muskuloskelettalen Erkrankungen der oberen Extremität. In den eingeschlossenen Studien wurde betätigungsbasierte Praxis uneinheitlich umgesetzt: Teilweise Erhebung bedeutungsvoller Betätigungen mit COPM, Betätigungsprofil oder DASH und Nutzung dieser Betätigungen als Therapiemedium. Teilweise Umstieg auf Betätigungsfokus erst, wenn funktionelle Methoden „an Grenzen“ kommen. Ergebnisse: Insgesamt inkonklusive Evidenz zur Überlegenheit betätigungsbasierter gegenüber funktionsorientierter Therapie. Betätigungsbasierte Ansätze scheinen funktionellen Ansätzen nicht unterlegen zu sein. Kombinierte Ansätze (Betätigungsfokus + biomechanische Grundlagen) zeigen „promising results“. Forderung der Autor*innen: vermehrte Nutzung von Assessments, die funktionelle Outcomes UND Zufriedenheit/bedeutungsvolle Betätigung erfassen (z. B. COPM).

(00:35:21–00:37:24) DIR Floortime & soziale Interaktion 

Frage: Verbessert DIR Floortime die soziale Interaktion bei autistischen/entwicklungsverzögerten Kindern? Sara berichtet ein systematisches Review von 2023: 12 Studien zu DIR Floortime bei autistischen Kindern. Ansatz: Development (individuelle soziale/emotionale Entwicklung), Individual (individuelle Bedürfnisse), Relationship (Beziehungsarbeit mit Eltern/Therapeut*innen), auf Augenhöhe mit dem Kind; Eltern können den Ansatz nach Schulung im Alltag umsetzen. Ergebnisse: Die meisten Studien zeigen signifikante Verbesserungen sozialer und emotionaler Fähigkeiten. Kinder kommen leichter in soziale Interaktion und können Gefühle besser ausdrücken. Effekte sind besonders ausgeprägt in Studien mit intensiver Elternbeteiligung und häuslicher Umsetzung des Ansatzes.

(00:37:24–00:39:34) Sturzprävention in der Ergotherapie 

Zur Frage nach Sturzprophylaxe in der Ergotherapie verweist Sara auf Podcast-Folge 8 (Sturzprävention in der Ergotherapie), ein Online-Modul zu evidenzbasierter Sturzprävention (Einzel- und Gruppensetting), einen Open-Access-Artikel in der „Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie“, der Kooperation zwischen Ergotherapeut*innen und Orthopäd*innen zur Sturzprävention und Wohnraumberatung beschreibt.

(00:39:34–00:42:59) Betätigungszentrierung & Berufsidentität/Arbeitszufriedenheit von Ergotherapeut*innen

Frage: Welchen Einfluss hat betätigungszentriertes Arbeiten auf die Zufriedenheit im beruflichen Tun von Ergotherapeut*innen? Sara beschreibt zunächst eine qualitative Studie von 2022. Setting: neurologisches Ergo-Team, Implementierung betätigungsbasierter Praxis. Zentrale Erkenntnis: theoretisches Modellwissen ist etwas anderes als praktische Umsetzung im Alltag. Implementierung verändert Berufsidentität und Selbstverständnis deutlich. Ergos, die betätigungsbasiert arbeiten, können ihren Beruf leichter erklären, treten selbstbewusster in interdisziplinären Teams auf, haben ein klareres Bild davon, wo sie im Leben der Klient*innen wirksam werden.

Neuere Studien (seit 2022) aus verschiedenen Settings und Ländern bestätigen: Betätigungszentriertes Arbeiten trägt zu positiver Berufsidentität und höherer Jobzufriedenheit bei. Settings, die betätigungszentrierte Praxis nicht unterstützen, sind häufiger mit Wechselabsicht (Stelle, Fachbereich oder Beruf) von Ergotherapeut*innen assoziiert. Im Kontext von Fachkräftemangel wird betont, dass betätigungszentrierte Praxis und die Möglichkeit, eine positive Berufsidentität zu entwickeln und zu leben, für Resilienz und langfristige Berufsverbleib entscheidend sind.

(00:42:59–00:44:04) Abschluss der Folge 

Sara beendet die Folge mit dem Wunsch, dass die Zuhörenden einen Sommer voller bedeutungsvoller Betätigung erleben, und verabschiedet sich „aus der kasachischen Steppe“.

Diese Zusammenfassung wurde mit Unterstützung von KI generiert.

Sara Mohr [00:00:14] Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Evidenz auf die Ohren, eurem Podcast für evidenzbasierte Praxis in der Ergotherapie. Mein Name ist Sarah Mohr und ich bin heute alleine im digitalen Podcast-Studio. Nicht ganz alleine, denn ich habe euch alle im Geiste bei mir. Wir treffen uns nämlich heute zu einer Mitmach-Folge. Ihr habt mir jede Menge Fragen aus der ergotherapeutischen Praxis, Recherchethemen geschickt, zu denen ihr euch eine Antwort aus der Forschung gewünscht habt. Und ich habe die gesammelt und versucht in einer quick und dirty Recherche möglichst viele dieser Fragen zu beantworten. Wir reden gleich über Gruppenprogramme bei ADHS, über DIR Floortime, über kognitive Interventionen bei Demenz, über betätigungsbasierte Handtherapie und noch viel, viel mehr.

[00:01:15] Es wird ein ziemlich bunter Blumenstrauß heute. Und nicht nur, weil es eine Mitmach-Folge ist, ist es heute eine besondere Folge, sondern auch, weil ich diese Folge zum allerersten Mal in der Geschichte dieses Podcasts voraufzeichne, damit ihr sie dann online gestellt bekommt, wenn ich eigentlich gar nicht da bin. Und damit nehme ich euch jetzt kurz einmal mit in meine kleine Geschichte aus dem Alltag. Diese Folge hier wird aufgezeichnet im Juli und kommt, wenn technisch alles klapt, online im August. Wenn ich gerade durch das kasachische Gebirge wandere, ich habe nämlich zwei Wochen Urlaub vor mir, ohne Internet, ohne Social Media, ohne Erreichbarkeit, so ganz offline. Und dieser Gedanke hat mir erst mal so ein bisschen Angst gemacht. Was mache ich denn, wenn irgendwas ist? Verpasse ich vielleicht irgendwas? Was mache ich, wenn da eine wichtige E-Mail kommt, auf die ich dann gar nicht reagieren kann?

[00:02:18] Wie sieht mein Mail-Postfach aus nach zwei Wochen? Ich will gar nicht drüber nachdenken. Und vielleicht kennt ihr diese Gedanken auch, dass man so beim Gedanken an Entspannung plötzlich gar nicht mehr so entspannt ist. Und das ist für mich ein kleines Alarmsignal gewesen. Ich dachte so, Moment, Sarah, freust du dich gerade nicht auf deinen Urlaub, nur weil du dann kurzzeitig mal raus bist aus allem? Und wie gesagt, kleines Alarmsignal. Also wenn ihr diese Gedanken kennt, das ist jetzt für uns alle das Signal, dass wir erst recht mal kurz aussteigen müssen aus diesem Hamsterrad. Und dieses Aussteigen fällt ja auch so schwer, weil ich die ganzen Dinge, also alles, was mit Ergotherapie zu tun hat, sei das die Arbeit in der Praxis, die Arbeit beim Verlag, bei Ergo unterwegs, die Fortbildung, der Podcast, meine Promotion. Das mache ich ja alles unheimlich gerne. Ich bin so gerne in dieser Ergowelt unterwegs. Aber vielleicht ist es gerade deshalb manchmal gut, durchzuatmen und so einen großen Schritt zurückzutreten und sich die ganze Schose mal von außen anzuschauen.

[00:03:25] Also, ich bin zwei Wochen raus. Ich lasse euch alleine mit dieser Podcast-Folge und komme frisch erholt mit neuen Ideen wieder zurück. Und das ist auch so eine kleine Überleitung, denn wenn ihr euch jetzt in diesen Gedankengängen so ein bisschen wiedergefunden habt, dann habe ich noch eine Einladung vor euch mitgebracht. Ich lade euch nicht zu meinem Urlaub ein. Nein, sorry, den mache ich allein, aber ich möchte euch gerne zum Ergo-Retreat einladen. Wie jedes Jahr fahren Amy, Oriana und ich auch nächstes Jahr im Januar wieder auf den wunderbaren Ergo-Retreat Relax & Reset. Relax & Reset heißt, es gibt Relax-Anteile. Also, ich bin ja auch Yoga-Lehrerin, das machen wir gemeinsam. Es gibt Meditationen, die Amy anleitet. Wir machen Spaziergänge, wir sind mitten im Grünen, wir werden rund um die Uhr bekocht, einfach um so ein bisschen runterzufahren und so ein bisschen bei uns selber anzukommen und so ein bisschen in der Ruhe auch zu sein. Das sind alles Angebote.

 

[00:04:27] Das heißt, wenn du schon weißt, na, Meditation ist eh nichts für mich, dann machst du in der Zeit was anderes Entspanntes. Und neben den Relax-Anteilen gibt es auch Reset-Teile. Das sind Momente bei dem Retreat, in denen wir uns ganz bewusst mit unserer Berufsidentität auseinandersetzen, mit unserer eigenen Betätigungsbalance, mit unserem Ergo-Sein, mit den Betätigungen, die mir im Ergo-Alter gut tun. Und weil das zeitlich so schön liegt, Anfang 2027, direkt im Januar, möchten wir mit euch auch gemeinsam schauen, was darf denn 2027 in meinem Ergo-Leben alles Neues wachsen und was da vielleicht auch einfach in 2026 bleiben. Dazu seid ihr herzlich eingeladen und weil Amy und ich die Location immer schon sehr früh buchen müssen, jetzt hier einmal ganz viel Realness, uns helfen frühe Anmeldungen, damit wir gut planen können. Die Zimmerpreise für Vollpension, komplettes Retreat-Programm, alle Übernachtungen, All-Inclusive-Paket fangen bei 650 Euro an.

[00:05:34] Und da möchte ich direkt so die nächste Einladung hinten dran hängen. Wenn ihr Unterstützung bei der Finanzierung braucht, sei es, dass wir euch Argumente liefern, warum eure Vorgesetzten den Retreat finanzieren sollten, das hat schon mehrfach geklappt, oder wenn ihr individuelle Unterstützung braucht, oder wenn ihr nochmal Vereinbarungen extra mit uns braucht, oder auch wenn ihr euch mit mehreren Personen anmelden wollt, wir hatten schon ganze Praxisteams, die geschlossen am Retreat teilgenommen haben, das macht unglaublich viel Spaß, Dann schreibt mir einfach eine E-Mail, info at ergo-unterwegs.de und wir gucken gemeinsam ganz unkompliziert nach einer Lösung. So, jetzt genug Alltag, jetzt kommt die Forschung. Kleiner Disclaimer immer am Anfang einer Mitmachfolge. Die Recherchen, die ich für eine Mitmachfolge mache, sind wesentlich oberflächlicher, als ich die sonst für Folgen mache, die sich nur mit einem Thema beschäftigen. Die sind quick und dirty. Die Recherchen sind schnell gemacht und teilweise sicherlich oberflächlich, da fehlt manchmal Tiefe, da können manchmal nicht alle Fragen beantwortet werden.

[00:06:43] Ist aber vielleicht auch eine ganz gute Übung, um sich nochmal so ein bisschen mit den drei Komponenten von evidenzbasierter Praxis auseinanderzusetzen. Wir wissen alle, die diesen Podcast hören, evidenzbasierte Praxis setzt sich zusammen aus der externen Evidenz, also Studien, Leitlinien, alles was mit Wissenschaft zu tun hat, der internen Evidenz, also eurem Fachwissen, eurer Berufserfahrung, eurer Lebenserfahrung, den Fortbildungen, die ihr gemacht habt, alles was ihr mitbringt und der KlientInnenperspektive, also alles was eure KlientInnen mitbringen, an Wissen, an Erfahrung, mit der eigenen Lebenssituation, mit der eigenen Erkrankung, mit Therapien. Und diese drei Dinge haben wir als TherapeutInnen die schöne Aufgabe zusammenzubringen. Das heißt, nur eine Studie lesen oder nur den Podcast hören, reicht leider nicht. Das ist nur ein Drittel von der evidenzbasierten Praxis. Ihr dürft eure interne Evidenz und ihr müsst die KlientInnenperspektive ergänzen, damit ein Schuh draus wird.

[00:07:47] Okay, das ist der Disclaimer. Wir starten direkt rein. Imke hat gefragt, verbessert die Teilhabe am Attention-Up Gruppenprogramm die Aufmerksamkeit von Kindern, Schrägstrich Jugendlichen? Und dann direkt hintendrin die nächste Frage, gibt es überhaupt ein aktuelles Gruppenprogramm zur Förderung von Konzentration und Aufmerksamkeit, das wirksam ist? So, wir starten also direkt. Ihr kennt das Spiel, die Neuro-Ergo redet jetzt über Pädiatrie. Nein, ich habe ja nicht meine interne Evidenz dabei, ich habe nach externer Evidenz gesucht. Aber das Erste, was mir natürlich eingefallen ist, ist die Leitlinie zu ADHS, die Imke, so wie ich sie einschätze, vorwärts, rückwärts und seitwärts auswendig kann. Aber wir gucken trotzdem noch mal kurz rein. Die Krux an dieser Leitlinie ist, es ist eine S3-Leitlinie, das ist super, aber sie befindet sich aktuell in Überarbeitung. Sie ist nämlich von 2017, das heißt, sie ist seit 2022 abgelaufen.

[00:08:48] Im Mai diesen Jahres war die Konsultationsfassung online. Das heißt, es wird bald eine neue Version geben, so wie ich mein Glück einschätze, noch bevor diese Folge dann automatisch veröffentlicht wird. Ich verspreche euch, wir werden das im Podcast erwähnen, wenn die neue ADHS-Leitlinie draußen ist. Ich habe also jetzt für diesen Podcast noch mal in die alte Leitlinie reingeschaut, weil die ist halt so lange gültig, bis es eine neue gibt. In dieser Leitlinie steht der Attentioner drin. Da gibt es so eine ganze Liste von Programmen, die angewendet werden können bei Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen mit ADHS. Und in dieser Liste sind verschiedene Programme aufgezählt und die sind dann immer bewertet, abhängig davon, wie viel Wirksamkeitsnachweise es für diese Programme gibt. Und der Attentioner hat den Wirksamkeitsnachweis gering. Das liegt daran, dass es nur vier Studien dazu gibt und die sind alle ohne Kontrollgruppe und die sind auch alle schon etwas älter.

[00:09:54] Ich glaube, die neueste war von 2011. Das heißt, es ist nicht so, dass der Attentioner absoluter Quatsch ist. Er hat eine Wirksamkeit, die ist geringfügig nachgewiesen. Zum Glück gibt es aber in der Leitlinie in dieser Liste auch noch andere Programme und auch Gruppenprogramme, die einen sehr guten Wirksamkeitsnachweis haben. Und die habe ich euch mal kurz rausgesucht. Mit Wirksamkeit sehr gut bewertet ist in der S3-Leitlinie ADHS das Therapieprogramm für Kinder mit hyperkinetischem und oppositionellem Problemverhalten, abgekürzt das TOP. Und zum TOP gibt es ein Gruppenprogramm und auch ein Elternprogramm. Wirksamkeitsnachweis, sehr gut. Dann gibt es das Teen Triple P Gruppenprogramm. Das hat auch einen sehr guten Wirksamkeitsnachweis. Und dann gibt es, das habe ich hier in Klammern stehen, weil das ist nicht für Kinder oder Jugendlichen Gruppen, sondern das ist für die Elterngruppen, gibt es ein Präventionsprogramm für expansives Problemverhalten, das PEP.

[00:11:00] Und das hat auch einen sehr guten Wirksamkeitsnachweis. Es lohnt sich, in diese Liste mal reinzuschauen. Es gibt auch noch Programme mit gutem oder moderatem Wirksamkeitsnachweis, was ja nicht heißt, dass die schlecht sind, sondern vielleicht nur, dass es noch nicht ausreichende Studien gibt. Einfach mal reinschauen. Ich verlinke euch die Leitlinie in den Shownotes und dann könnt ihr selber mal durchscrollen. Und ansonsten warten wir gespannt auf das Update der Leitlinie. Ihr merkt jetzt aber schon selber, Imke hat ja speziell nach Gruppenprogrammen zur Förderung der Konzentration gefragt. Und die Gruppenprogramme, die ich bis jetzt genannt habe, die haben das teilweise auch zum Thema, aber eben nicht nur. Deshalb habe ich nochmal dezidiert geschaut, was gibt es denn für Gruppenprogramme bei ADHS, die vielleicht stärker auf die Konzentration fokussieren. Ich habe noch ein Review mitgebracht. Alle Studien in den Shownotes nach Themen geordnet, könnt ihr gerne reinschauen. Das Review ist von 2024, also deutlich aktueller als die Leitlinie. Und da wurden ganze 540 Studien zusammengefasst.

[00:12:02] Man kann sich das gar nicht vorstellen. Und zwar Studien zur Behandlung von ADHS bei Kindern und Jugendlichen. Das heißt, die haben in diesem Review alle möglichen und unmöglichen Behandlungsmethoden und Formen für ADHS zusammengesucht. Und haben die dann unterteilt natürlich in verschiedene Gruppen, weil du kannst jetzt ja nicht Studien zu Medikamenten und Studien zu schulischen Interventionen gemeinsam auswerten. Sondern die haben die natürlich thematisch sortiert und haben dann die Evidenz für diese verschiedenen Behandlungsmethoden zusammengefasst. Und ich erzähle euch jetzt kurz einmal die Behandlungsmethoden, die hier aufgelistet und zusammengefasst wurden. Erster Punkt natürlich Medikamente. Bei Medikamentenstudien zur ADHS sehen wir, dass spezifische ADHS-Medikamente die Symptomatik verbessern. Das sollen sie ja auch. Sie verbessern auch die schulischen Leistungen und verringern disruptives Verhalten.

[00:13:03] Da zitiere ich jetzt die Studie, so nennen die das. Aber Medikamente verändern nichts oder nur sehr wenig an den funktionellen Einschränkungen im Alltag. Das heißt, nur weil die Symptome verändert sind, heißt es nicht automatisch, dass sich der Alltag verändert. Nächste Behandlungsmethode sind psychosoziale Behandlungsverfahren für Kinder und Jugendliche. Also da würden dann zum Beispiel die Gruppenprogramme drunter fallen. Da ist nachgewiesen, dass die zum Großteil die ADHS-Symptomatik verbessern. Aber die machen wenig bis gar nichts an disruptiven Verhaltensmustern und haben auch wenig bis keine Auswirkungen auf die schulischen Leistungen über alle diese Programme hinweg betrachtet. Dann haben sie eine Menge Studien gefunden zum Elternsupport, also Interventionen, die sich spezifisch an die Eltern von Kindern und Jugendlichen mit ADHS richten. Und diese Interventionen verbessern auch die ADHS-Symptomatik. Das finde ich eigentlich ein sehr schönes Outcome, dass es schon ganz viel bringt zu schauen, dass die Eltern Edukation bekommen, Support bekommen, aufgezeigt bekommen, wie sie sich im Alltag mit ihren Kindern verhalten können.

[00:14:14] Und das verbessert die ADHS-Symptomatik der Kinder. Es verbessert auch disruptive Verhaltensmuster. Aber auch da sehen wir, dass die funktionellen Einschränkungen im Alltag, sofern sie in den Studien untersucht wurden, sich eher nicht verändern. Dann gibt es noch schulische Interventionen. Das fand ich ein bisschen ernüchternd. Bei Studien zu schulischen Interventionen bei ADHS zeigen, dass sich die Symptomatik nicht verändert und vermutlich nicht mal die schulischen Leistungen. Da müsste man jetzt noch mal genau reinschauen, welche schulischen Interventionen das genau waren, die da so fürchterlich schlecht abgeschnitten haben. Kognitives Training, also spezifisch auf die Kognition bezogen, sowohl im Einzel- als auch in der Gruppe, kann die ADHS-Symptomatik verbessern, aber hat keine Auswirkung auf disruptive Verhaltensweisen und auch wieder keine Auswirkung auf die funktionellen Einschränkungen im Alltag der Kinder. Einige Studien haben dann noch Neurofeedback untersucht bei ADHS. Neurofeedback kann die Symptomatik verbessern, ändert aber nichts am disruptiven Verhalten und auch nicht an den funktionellen Einschränkungen im Alltag.

[00:15:23] Wir haben ja auch mal eine Folge gemacht zu Neurofeedback. Wer da tiefer einsteigen möchte, das ist Folge 28. Da geht es ganz um Neurofeedback. Dann gab es Studien, die sich mit Ernährung und Nahrungsergänzungsmitteln als Intervention bei ADHS beschäftigt haben. Und das war noch ein ganz spannender Teil dieses Reviews, denn man sieht, wenn man die alle zusammenfasst, diese ganzen Studien zu Ernährung und Nahrungsergänzungsmitteln bei ADHS, dann sieht man, dass die die Symptomatik verbessern können und auch das disruptive Verhalten reduzieren können. Die Forschenden selber haben in dem Artikel hier jetzt aber ganz laut Achtung gerufen. Das waren 39 Studien und diese 39 Studien hatten alle unterschiedliche Diäten, Nahrungsergänzungsmittel, Ernährungsrestriktionen und so weiter. Also man kann unmöglich ablesen, was genau hier so wirksam sein soll. Deshalb sagen die Forschenden, also wir können jetzt nicht einfach sagen, oh wow, diese Ernährungsumstellung und dann ist ADHS weg.

[00:16:28] Da rufen sie noch mal zur Vorsicht auf, gerade bei diesem Ergebnis. Und dann gab es noch die Rubrik für alternative Ansätze. Da war so alles zusammengefasst, was da so ein bisschen schwurblich daherkommt, Homöopathie, aber auch so Sachen wie Akupunktur, Reittherapie. Die haben alle keine Wirksamkeit in irgendeinem Bereich der ADHS gezeigt. Die Forschenden fassen zusammen, es gibt ziemlich viele verschiedene Behandlungsansätze, von denen einige eine richtig gute Evidenz aufweisen. Vor allem natürlich die medikamentöse Behandlung, klar. Aber sie sagen, man kann jetzt nicht sagen, der eine Ansatz ist dem anderen total überlegen, sondern es ist wichtig, aus dieser Vielzahl das individuell Passende auszuwählen und auch miteinander zu kombinieren natürlich ansprechend. Ansonsten habe ich in der englischsprachigen Literatur keine Studien gefunden, die jetzt speziell Gruppenprogramme zur Förderung von Konzentration vergleichen.

[00:17:28] Und wir können uns jetzt mal gemeinsam fragen, warum das so ist. Ich weiß es auch nicht, wenn ihr Ideen habt, schreibt mir eine E-Mail. Ich habe mich gefragt, ob diese Gruppenprogramme zur Konzentrationsförderung, ob das so ein deutsches Phänomen vielleicht auch einfach ist. Und vielleicht ist es ja auch ein sehr funktioneller Ansatz. Weil das Spannende ist ja, wir sehen in diesem systematischen Review von gerade, dass wir einige, wir haben Methoden, die zuverlässig die Symptome reduzieren. Die haben wir. Was fehlt, sind Interventionen, die dabei unterstützen, die funktionellen Einschränkungen im Alltag zu reduzieren. Denn da haben wir jetzt ganz oft gehört, dass wir da noch keine Wirksamkeit nachreisen konnten. Und es klingt doch fast so, als wenn Ergotherapie mit individuellen Vorgehensweisen dann eine gute Idee sein könnte. Nur so eine Idee von mir. Wir gehen weiter zum nächsten Thema. Rebecca hat gefragt, verbessern kognitive Interventionen die Lebensqualität bei Menschen mit beginnender Demenz?

[00:18:32] Das fand ich eine sehr schöne Frage. Und die Suche hat auch ungefähr 0,3 Sekunden gedauert. Ich habe ein Review gefunden von 2024, in dem die Forschenden nämlich ganz gezielt darauf geschaut haben, welche Ergointerventionen verbessern denn eigentlich die Lebensqualität von Menschen mit Demenz? Die haben sich speziell Menschen mit Demenz in Pflegeheimen angeschaut. Ich hoffe, dass das für deine Frage ausreichend ist, Rebecca. In diesem Review sind 16 Studien eingeschlossen aus den Jahren 2013 bis 2023. Und die Forschenden sagen, wir können das so in vier Gruppen von Interventionen einteilen, die in der Ergotherapie zur Anwendung kommen bei Menschen mit Demenz, die im Pflegeheim leben. Und zwar gibt es die Gruppe der Interventionen, die auf bedeutungsvolle Betätigungen aufbaut. Da haben sie Studien drunter gefasst, in denen es darum geht, eben den betroffenen Personen bedeutungsvolle Betätigungen zu ermöglichen, die mit ihrer Betätigungsbiografie verknüpft sind.

[00:19:32] Also zum Beispiel Hobbys, denen sie früher nachgegangen sind. Aber auch Betätigungen, die mit ihren Rollen verknüpft waren. Einkaufen, kochen, je nachdem, was die Person eben früher in ihren bedeutungsvollen Rollen getan hat. Und diese Interventionen wirken sich nicht nur positiv auf die Lebensqualität aus, sondern man kann in den Studien, die hier runterfallen, auch sehen, dass sie Ängste reduzieren, Depressionen reduzieren können oder depressive Symptome reduzieren können und Sozialkontakte fördern. Dann haben sie zusammengefasst, Interventionen, die sich auf physische, kognitive und wahrnehmungsbezogene Funktionen richten. Und da fällt ja so ein bisschen das drunter, was du gefragt hast, Rebecca, nämlich kognitive Interventionen. Das haben sie dann nochmal ein bisschen eingeteilt. Sie haben gesagt, na, wir haben Studien gefunden, die sich speziell auf physische Aktivität konzentriert haben. Also Programme, die den Personen mehr Bewegung im Alltag ermöglichen.

[00:20:32] Tanzgruppen, Spaziergänge, Sitzgymnastik, whatever. Leider wurden in den Studien, da hat man gesehen, es verbessert sich die physische Funktionsfähigkeit der Menschen. Die sind dann mehr in Bewegung. Die zeigen vielleicht auch ein bisschen weniger Unruhe. Aber da wurde leider häufig in diesen Studien die Auswirkung auf die Lebensqualität der Menschen nicht erhoben. Beantwortet also jetzt leider nicht die Frage, die wir hatten. Und dann gab es Interventionen, die sich eher auf kognitive Funktionen und aber auch auf Wahrnehmung gerichtet haben. Darunter haben die jetzt sowas gefasst wie Snoozeln, Aromatherapie, Musiktherapie. Aber auch, und das fand ich ganz spannend, den Einsatz von sensorischen Materialien bei der Biografiearbeit. Also, dass es zum Beispiel Gegenstände, die es früher im Haushalt gab, zum Anfassen gab. Oder dass Gerichte aus der Kindheit gekocht wurden. Oder die Musik aus der Jugend gehört wurde. Und bei all diesen Studien wurde diese kognitive Komponente, also das kognitive Training in Anführungszeichen,

[00:21:37] über das Abrufen von Erinnerungen aus der Kindheit, der Jugend und dem Erwachsenenalter implementiert. Die zeigten alle eine Verbesserung der Lebensqualität und teilweise auch der kognitiven Funktion darüber. Und die letzte Gruppe, nee, gar nicht wahr, die vorletzte Gruppe, waren Interventionen, die sich auf spezifische Performancebereiche fokussiert haben. So haben die das hier genannt. Also, da wurden Studien zusammengefasst, die die Lebensqualität in verschiedenen Performancebereichen mit kognitiven Training kombinierten. Also zum Beispiel ein Kochkurs, bei dem sowohl auf Performancefertigkeiten wie Gemüseschneiden geachtet wurde, aber auch auf kognitive Fähigkeiten wie Rezepterinnern. Und auch hier sehen wir Verbesserungen der Lebensqualität. Das heißt, das kognitive Training wurde mit bedeutungsvollen Betätigungen kombiniert. Und das finde ich einen ganz vielversprechenden Ansatz, der auch sehr gut zu deiner Frage passt, Rebecca. Und jetzt kommt die letzte Interventionsgruppe.

[00:22:38] Da haben sie alle Interventionen drunter gefasst, die auf die physische Umwelt und die soziale Umwelt einwirken. Also Wohnraumberatung, Wohnraumanpassung, edukative Programme für Angehörige und für Pflegekräfte. Und in diesen Interventionen sieht man nur geringe Verbesserungen der Lebensqualität der betroffenen Personen. Meiner Meinung nach wäre es hier ja auch spannender gewesen zu fragen, wie verändert sich denn die Lebensqualität der Angehörigen, wenn die so eine Intervention erhalten. Das wäre meiner Meinung nach ein interessanterer Faktor gewesen. Wir sehen also kognitive Interventionen, die auf die Betätigungsbiografie der Person ausgerichtet sind oder an bedeutungsvollen Betätigungen ausgerichtet sind, an den individuellen Alltag anknüpfen. Die können die Lebensqualität verbessern. Wer da Lust hat, nochmal tiefer einzusteigen, wir haben ja eine Folge zu Hirnleistungstraining. Das ist die Folge Nummer 18. Außerdem lohnt es sich, in Folge 7 reinzuhören. Da geht es um Ergotherapie bei Demenz.

[00:23:41] Und wir machen direkt weiter mit den Folgeempfehlungen. Ich habe nämlich noch eine Folgeempfehlung für Renate. Die fragt nach Interventionen bei Depressionen in der Ergotherapie. Und liebe Renate, du darfst reinhören in Folge Nummer 26. Da haben wir uns mit Depressionen und mit zwei spannenden Leitlinien zum Thema beschäftigt. Emma fragt, verbessert handwerkliches Arbeiten, zum Beispiel Filzen oder Nähen, die psychische Gesundheit von KlientInnen mit Schizophrenie? Und ich habe kurz ein bisschen gezuckt, Emma. Ich habe kurz ein bisschen gezuckt bei dem Triggerwort Handwerk. Aber habe mich nicht provozieren lassen. Nein, ich habe tatsächlich mich ganz objektiv auf die Suche gemacht. Was gibt es denn da als Evidenz? Und ich kann dir versprechen, ich habe etwas Spannendes gefunden. Ich habe nichts speziell für Schizophrenie gefunden, leider.

[00:24:42] Aber ich habe ein Systematrix-Review von letztem Jahr, von 2025 gefunden, das im amerikanischen Ergo-Journal erschienen ist. Und es hat sich angeschaut, ob handwerkliche Techniken, die haben wir jetzt leider nicht speziell Filzen oder Nähen, aber insgesamt handwerkliches Arbeiten, die mentale Gesundheit verbessert. Und ich dachte, da sind ja vielleicht Ergebnisse drin, die sich auch dann übertragen lassen. Das Spannende an diesem Review ist, die haben das sehr groß angelegt und haben da wirklich gesagt, okay, lass uns jetzt einfach mal gucken, wie wir die Auswirkungen von handwerklichen Techniken auf die mentale Gesundheit und die Lebensqualität bei Menschen zusammenfassen können und welche Verbindungen wir zwischen diesen beiden Sachen auch herstellen können. Weil Handwerk ja auch aus der Geschichte der Ergotherapie herauskommt, so ein grundlegendes Thema ist. Übrigens Deep Dive Handwerk, da haben wir zwei Folgen dazu. Einmal Folge 22, da geht es um neue Konzepte für den Handwerksunterricht in Anführungszeichen in der Ausbildung.

[00:25:52] Und Folge 24, da gibt es den Deep Dive Handwerk. Und wieso, warum, weshalb wir in der Ergotherapie so viel über Handwerk sprechen, ob sich das verändern darf. Es ist also ein systematischer Review, das heißt, die haben jede Menge Studien zusammengefasst. In dem Fall hier haben sie nach der ersten Suche 14.000 Studien gefunden, die sie dann mehr oder weniger intensiv gescreent haben. Und am Ende sind noch 19 Studien übrig geblieben, bei denen sie sagen, okay, das passt zu unserer Fragestellung. Diese 19 Studien haben sich die unterschiedlichsten handwerklichen Techniken angeschaut. Also die haben sich die Auswirkungen auf die mentale Gesundheit und die Lebensqualität von Menschen angeschaut, die getöpfert haben, gestrickt, Perlen aufgefädelt, gestickt, Collagen gebastelt, Bücher gebunden, Fotos gemacht, Glasmalerei, Scrapbooking, Marbling, Keramik bemalen und viele, viele, viele mehr.

[00:27:00] Und genauso variabel wie die Handwerkstechniken waren die Teilnehmenden in diesen Studien. Das waren Menschen mit Alzheimer, da waren Eltern von frühgeborenen Kindern, Frauen mit PTSD, ältere Menschen insgesamt, Menschen mit Suchterkrankungen, allgemein Menschen mit psychischen Diagnosen, Menschen mit Fluchterfahrung, Menschen nach Schlaganfall, mit Epilepsie, Frauen mit Arthrose, Depression, Parkinson. Also sehr, sehr bunt in alle Richtungen, diese 19 Studien. Was die Studien gemeinsam hatten, in fast allen Studien wurden die Teilnehmenden direkt nach der handwerklichen Technik gefragt, wie es ihnen geht und dann wurden die entsprechenden Assessments durchgeführt. Es gab kaum eigentlich keine Studien, die Langzeiteffekte wirklich erfasst haben. Außerdem hatte die Mehrzahl dieser Studien weniger als 50 Teilnehmende und die meisten waren auch nur von sehr geringer Qualität. Das heißt, die Forschenden müssen am Ende leider selber sagen, also die Aussagen dieses Reviews sind leider nicht belastbar.

[00:28:03] Manche Studien berichten von verbesserter mentaler Gesundheit, manche aber auch nicht. Und was man aber, trotz dass das Ergebnis jetzt vielleicht ein bisschen underwhelming ist, sehen kann, sowohl die Art der Intervention, also ob ich jetzt Keramik bemale oder Scrapbooking betreibe, als auch die Zielgruppe sind so unterschiedlich, dass ich hier nichts sinnvoll zusammenfassen und ablesen kann. Und das liegt vermutlich daran, und das sagen die AutorInnen dieser Studie auch selbst, dass es keine Theorie gibt, wie genau das Ganze denn wirken soll. Also wieso genau soll denn jetzt Glasmalerei bei Frauen mit Arthrose die Lebensqualität verbessern, aber bei Eltern von frühgeborenen Kindern eher nicht? Oder warum sollen Menschen mit Schizophrenie mehr von Töpfern profitieren als von Perlen auffädeln? Also es gibt keine Ansätze, wie hier genau ein Wirkmechanismus aussehen soll, der diese spezifischen Konsequenzen dann haben kann.

[00:29:03] Und deshalb müssen wir bei dieser Fragestellung so ein bisschen größer schauen. Also was können wir denn sehen? Wir sehen unterschiedliche Menschen, die unterschiedliche Aktivitäten durchführen und die fühlen sich nach diesem aktiven Handeln tendenziell besser. Cool. Das wäre doch eine krasse Idee, wenn man daraus eine Profession machen könnte, oder? Wie nennen wir die? Vielleicht Ergotherapie? Und der große Trick ist dann nur noch, dass wir endlich, ihr merkt, ich werde da so ein bisschen emotional, aber dass wir dann endlich lernen, individuell zu schauen, welche Betätigung ist denn für diese Person hier vor mir bedeutsam? Was macht denn deinen Tag ein kleines bisschen besser? Welche Handlungen geben denn deinem Leben Sinn? Was ist dir so wichtig, dass du die wertvolle Therapiezeit dafür nutzen willst, dass das wieder in deinem Alltag stattfindet? Und dann kann das Töpfern sein. Das kann aber auch sein, mit dem Hund spazieren zu gehen oder dem Kind das Schulbrot zu machen

[00:30:08] oder ein entspanntes Schaumbad zu nehmen oder mit der Partnerin zu tanzen. Dann ist nämlich das, was wirkt, die bedeutungsvolle Betätigung. Und es muss nicht irgendein spezifisches Handwerk sein, sondern einfach das, was im Leben dieser Person so wichtig ist, dass sie sagt, ja, das möchte ich unbedingt können oder unbedingt wieder können. Und davon möchte ich, dass das Teil meines Alltags ist. Jetzt habe ich ein bisschen an Emmas Frage vor Bayerik geredet, aber ich glaube, ich hoffe, ihr konntet mir emotional folgen. Zurück zur harten Faktenlage der Studien. Stefanie fragt, erreicht betätigungsbasierte Handtherapie die Ziele der KlientInnen schneller als funktionsbasierte Handtherapie? Und das war eine spannende Frage, aber leider, liebe Stefanie, für die aktuelle Forschung noch etwas zu spezifisch. Ich habe zwei Reviews mitgebracht und die denken wir jetzt so ein bisschen zusammen, weil genau zu deiner Frage hat es nichts gegeben.

[00:31:11] Aber wir kratzen jetzt da so ein bisschen an den Rändern dieser Frage herum. Das Erste, was ich dabei habe, ist ein systematischer Review mit Meta-Analyse. Das ist immer besonders sexy für die Methoden-Nerds unter euch. Meta-Analyse heißt, dass die statistischen Ergebnisse der Studien, die hier in diesem Review zusammengefasst werden, diese statistischen Ergebnisse wurden zusammengerechnet. Das heißt, ich habe eine Studie mit 100 Teilnehmenden und noch eine Studie mit 500 Teilnehmenden und dann kann ich deren Ergebnisse, wenn die Studien gleich gut gemacht sind und ähnliche statistische Methoden benutzt haben, das ist längst nicht immer der Fall, aber wenn das der Fall ist, dann habe ich die Chance, diese beiden Studien zusammenzurechnen. und dann habe ich Ergebnisse von 600 Personen statt nur von 100 oder 500. Und das macht die Ergebnisse belastbarer. Also ein systematischer Review mit Meta-Analyse und die haben sich angeschaut, wie wirkt denn Ergotherapie auf die Funktion und auf die Betätigungsperformance bei Erwachsenen mit Erkrankungen der Hand,

[00:32:16] des Handgelenks und des Unterarms. Ja, auch wieder sehr groß, I know. Die haben zwölf Studien zusammengefasst mit insgesamt dann 1429 Teilnehmenden. Was die leider nicht gemacht haben, ist, sie haben bei den Interventionen nicht in betätigungsbasierte und funktionsorientierte Interventionen unterschieden. Um deine Frage, Stefanie, zu beantworten, wäre das schön gewesen. Die Autorin schreiben, dass die Interventionen aus verschiedenen Komponenten bestanden haben, also es gab betätigungsbasierte Interventionen, es ging teilweise um die Herstellung von Hilfsmitteln, um Edukation, um funktionelle Übungsprogramme. Und die Studien zeigen in der Meta-Analyse, und das ist ein sehr schönes Ergebnis für die Ergotherapie, in der Handtherapie, dass die ergotherapeutische Intervention eine Funktionsverbesserung, eine Verbesserung der Betätigungsperformance und eine erhöhte Zufriedenheit der KlientInnen mit dieser Performance erreichen. Und außerdem können sie Schmerzen reduzieren.

[00:33:18] Also für die Ergotherapie ziemlich gutes Ergebnis. Wir wissen immer noch nicht, was jetzt besser ist. Dieses Review sagt, die Mischung wirkt. Liefert uns leider noch nicht den Vergleich. Dafür habe ich noch eine Studie mitgebracht. Ein anderes systematisches Review, diesmal ohne Meta-Analyse, das sich angeschaut hat, welche betätigungsbasierten Interventionen haben wir denn für muskuloskeletale Erkrankungen der oberen Extremität. Spannend war hier, die haben ja versucht, also wirklich nur Interventionen, die betätigungsbasiert sind, zusammenzufassen, dass in den inkludierten Studien gar nicht durchgängig betätigungsbasiert gearbeitet wurde, sondern die sind sehr unterschiedlich vorgegangen. Also es gab Studien, die haben gemeinsam mit den KlientInnen anhand vom COPM oder von einem Betätigungsprofil oder teilweise auch mit dem DASH bedeutungsvolle Betätigung ermittelt. Und die haben sie dann als Therapiemedium genutzt.

[00:34:20] Es gab aber auch Studien, die haben erst im Verlauf betätigungsbasiert gearbeitet. Das heißt, die TherapeutInnen, die in der Studie mitgemacht haben, haben gesagt, naja, ich arbeite erst betätigungsbasiert, wenn ich merke, dass meine funktionellen Methoden an ihre Grenzen kommen. Und dann schalte ich um in der Therapie. Fand ich einen spannenden Punkt. Die Ergebnisse dieses Reviews sind leider inkonklusiv. Also die Forschenden können nicht genau sagen, ob betätigungsbasiertes Arbeiten in seiner Wirkung der funktionellen Therapie überlegen ist. Es scheint aber auf jeden Fall nicht unterlegen zu sein. Das ist ja auch schon mal gut zu wissen. Im O-Ton sagen die Forschenden, dass die Kombination aus Betätigungsbasierung mit biomechanischen Ansätzen, weil natürlich muss ich mich mit den funktionellen Grundlagen auskennen, hallo, logisch, dass diese Kombination Promising Results zeigen. Sie weisen abschließend darauf hin, und das finde ich auch nochmal einen spannenden Punkt,

[00:35:21] dass wir in Studien vermehrt Assessments benutzen sollten, die neben den funktionellen Outcomes, wie hat sich jetzt der Range of Motion verändert, die natürlich auch wichtig sind, aber neben diesen Outcomes auch die Zufriedenheit der Klientel und die bedeutungsvollen Betätigungen stärker abfragen sollten. Zum Beispiel mit dem CPM. Wir springen zum nächsten Thema. Nancy fragt, gibt es neben meinen eigenen Erfahrungen Studien zur Wirksamkeit von DIR Floortime im Sinne einer verbesserten sozialen Interaktion bei autistischen oder entwicklungsverzögerten Kindern? Und ich finde es erstmal sehr schön an der Frage von Nancy, dass sie sagt, naja, also ich habe da ganz positive Erfahrungen mitgemacht, aber ich hätte zusätzlich gerne noch externe Evidenz. Perfekte Kombination von interner mit externer Evidenz hier in dieser Fragestellung schon. Und auch hier hat die Recherche ungefähr 0,3 Sekunden gedauert. Ich habe ein Systematic Review gefunden von 2023 zur DIR Floortime bei autistischen Kindern.

[00:36:23] Das hat zwölf Studien eingeschlossen. Aber kurz mal Stopp. Wollen wir kurz mal klären, was DIR Floortime ist. Das DIR steht für Development, also Entwicklung. Es wird also auf die individuelle, soziale und emotionale Entwicklung des Kindes eingegangen. Das I steht für individuell. Es wird individuell auf dieses Kind geschaut und was es braucht. Und Relationship, also Beziehung, die Beziehung zu den Eltern. Und Therapeutin wird so als Motor des Lernens genutzt. Das hat mir jetzt das Internet verraten. Der Ansatz fokussiert ganz stark darauf, auf Augenhöhe mit dem Kind zu arbeiten. Das, was ich hier jetzt dazu sage, ist jetzt nur sehr oberflächlich. Ich fand den Ansatz aber total spannend, wenn da draußen jemand ist, der sagt, ich bin DIR Floortime-Expertin. Meldet euch bei mir. Ich glaube, ich würde da gerne mal eine Folge zu machen. Fand das sehr gut. Was zeigt jetzt das Review? Nancy hat ja speziell nach den sozialen Interaktionsfähigkeiten gefragt.

[00:37:24] Und die meisten eingeschlossenen Studien zeigen auch signifikante Verbesserungen der sozialen und emotionalen Fähigkeiten. Und zwar in dem Sinne, dass die Kinder leichter in soziale Interaktionen kamen, dass sie ihre Gefühle besser ausdrücken konnten. Und das sieht man spannenderweise vor allem bei den Studien, in denen die Eltern intensiv in die Therapie involviert waren. Das liegt wohl auch daran, wenn ich es richtig verstanden habe, dass Eltern den Ansatz auch eigenständig zu Hause umsetzen können, wenn sie da vorher drin geschult wurden. Und dann können die Kinder natürlich viel mehr profitieren von diesem Ansatz. Also positives Ergebnis für soziale Interaktion bei autistischen Kindern mit DIR Floortime. Ida fragt, wie sieht es denn aus mit Sturzprophylaxe in der Ergotherapie? Ich kann dir sagen, Ida, Folge 8 Sturzprävention in der Ergotherapie. Außerdem gibt es bei uns ein ganzes Online-Modul zur evidenzbasierten Umsetzung von Sturzprävention, sowohl im Einzel- als auch im Gruppensetting.

[00:38:29] Einfach auf ergo-unterwegs.de. Und ich habe da, ich promote ungern meine eigenen Artikel, aber auf den bin ich ja ein bisschen stolz. Ich habe da selbst mal einen Artikel geschrieben mit drei Ärzten zusammen. Und es war ein bisschen ein Krampf, den zu publizieren. Ich weiß gar nicht, ob ich das schon mal erzählt habe. Viele Journals haben den erstmal abgelehnt, weil wir wollten den andersrum. Also, in dem Artikel geht es darum, wie ErgotherapeutInnen und OrthopädInnen gut miteinander kooperieren können, damit Menschen, die sturzgefährdet sind, Ergotherapie erhalten und Wohnraumberatung erhalten und eine gute Sturzprävention erhalten. Und das, dachten wir, sind so Infos, die ja eigentlich ganz gut zu wissen sind, vor allem für ÄrztInnen. Weil wir Ergos, wir wissen, dass wir Wohnraumberatung machen können und wir wissen, dass wir Sturzprävention machen können. Aber ich habe das Gefühl, die ÄrztInnen wissen das oft nicht. Und deshalb haben wir uns entschieden, die Autoren und ich gemeinsam, dass wir das publizieren möchten in einer ärztlichen Fachzeitschrift, in einer medizinischen Fachzeitschrift.

[00:39:34] Und die haben uns erstmal, so die ersten zwei, glaube ich, haben uns abgelehnt mit dem Argument, dass ich ja Erstautorin sei. Und weil ich Ergotherapeutin bin, sollen wir doch bitte in einem ergotherapeutischen Journal veröffentlichen und nicht in einem medizinischen. Ja. Aha. Genau. Es ist jetzt publiziert in einem medizinischen Journal, nämlich in der Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie. Und ihr könnt den Open Access lesen. Link ist in den Shownotes. Wir haben das durchgedrückt. Renate hat eine sehr schöne Frage gestellt, nämlich, welchen Einfluss hat denn eigentlich betätigungszentriertes Arbeiten auf die Zufriedenheit im beruflichen Tun von ErgotherapeutInnen? Renate, bei dieser Frage ist mir, da musste ich ja gar nicht recherchieren, weißt du? Da ist mir direkt eine meiner Lieblingsstudien eingefallen. Die ist schon von 2022. Es kommt gleich noch ein Update. Aber ich erzähle euch jetzt erstmal von einer meiner Lieblingsstudien.

[00:40:36] Die hat sich angeschaut, wie sich die Implementierung von betätigungsbasiertem Arbeiten auf ein Ergo-Team im neurologischen Setting und auf deren Berufsidentität ausgewirkt hat. Das ist eine qualitative Studie und die zeigt sehr deutlich, okay, es ist das eine, wenn ich mich in der Theorie mit Modellen auskenne und mich theoretisch mit Betätigung und so beschäftigt habe, aber es ist was ganz anderes, das Ganze in die Praxis umzusetzen. Und das rührt mich so, wirklich, weil das ja genau dieser Weg ist, für den es Ergo unterwegs gibt. Also mein Ziel ist es ja, euch dabei zu begleiten, wie modellgeleitetes Arbeiten, betätigungszentriertes Arbeiten, evidenzbasiertes Arbeiten in eurem Ergo-Alltag ankommen kann. Das ist ja das, was ich mit meinen Fortbildungen machen möchte, damit ihr all die Benefits bekommt, die nachweislich damit einhergehen, wenn ich betätigungszentriert arbeite. Und es gibt einige Studien, die sich genau das anschauen, nämlich, welche Benefits bringt mir denn der ganze Quatsch?

[00:41:38] Also was bringt es mir denn, wenn ich betätigungszentriert in der Ergo-Therapie vorgehe? Die Studie hier, meine Lieblingsstudie, zeigt, dass Ergos, die betätigungsbasiert arbeiten, denen fällt es viel leichter, ihren Beruf zu erklären und für ihre Profession einzustehen, auch im interdisziplinären Team. Und die sind sich auch deutlicher bewusst, welchen Benefit sie bringen können, also wo genau im Leben ihrer KlientInnen sie wirksam werden können. Und das ist was unheimlich Schönes, wenn man das für sich klar hat. Seit 2022 sind weitere Studien zu diesem Thema dazugekommen und die zeigen alle in ganz verschiedenen Settings übrigens und für ganz verschiedene Länder auch, dass betätigungszentriertes Arbeiten zu einer positiven Berufsidentität beiträgt. Ich verlinke euch die alle in den Shownotes. Was für mich bei diesem Thema ganz besonders spannend ist zu beobachten, in den letzten Jahren gerade, so habe ich das Gefühl, so die letzten vier, fünf Jahre, zeigen Studien vermehrt auf, dass Settings, in denen betätigungszentriertes Arbeiten nicht unterstützt wird, vermehrt dazu führen, dass Ergos darüber nachdenken, die Stelle zu wechseln, den Fachbereich zu wechseln oder sogar ganz den Beruf zu wechseln.

[00:42:59] Deshalb ist das Thema auch auf so einer ganz wirtschaftlichen und politischen Ebene interessant, gerade im Kontext von Fachkräftemangel. Wir wollen unsere Leute halten und wir sehen, dass Ergos, die betätigungszentriert arbeiten können, zufriedener im Beruf sind und auch länger im Beruf verbleiben. Die Möglichkeit, meine berufliche Identität zu finden, die positiv zu besetzen und die dann auch ausleben zu können, das ist ein ganz wichtiger Faktor für Resilienz. Wenn wir also wollen, dass möglichst viele Ergos möglichst lange in ihrem Beruf glücklich sind, und das wollen wir alle, dann führt eigentlich kein Weg vorbei an einer Berufsidentität, die in Betätigung verankert und zentriert ist. Ja, und damit würde ich sagen, das war das Wort zum Sonntag, sind wir schon am Ende dieser rasanten Reise durch die Evidenz. Ich hoffe, es war euch nicht zu schnell. Das ist immer der Knackpunkt, wenn ich alleine Podcast aufnehme, rede ich so viel schneller. Ihr könnt bei vielen Podcatchern die Geschwindigkeit einstellen.

[00:44:04] Ich hoffe, dass ihr einen ganz wunderbaren Sommer voller, bedeutungsvoller Betätigung verbringen könnt. Und ich grüße euch aus der kasachischen Steppe und wir hören uns bei der nächsten Folge wieder. Tschüss!

Dieses Transkript wurde mit Unterstützung von KI generiert.

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