#41 - Zahlen, Daten, Fakten mit Theresa
Wir sprechen mit Theresa Hausner über die HELPER-Studie, die die Situation der Hebammen, Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie in Bayern untersucht. Darüber hinaus schauen wir in Statistiken für Deutschland, die die Ergotherapie als “Engpassberuf” definieren. Woran liegt das? Und was können wir dagegen tun?
Geschichten aus dem Alltag: Theresa freut sich über einen Artikel zur Beratung in KiTas und Sara lernt über Transfer.
Lust auf mehr Evidenz für dein Team?
COTEC Summary of the Profession 2025
Fachkräftemonitoring der Deutschen Krankenhausgesellschaft
Fachkräftemonitoring für das Bundesministerium für Arbeit und Soziales
Klein, C. & Bergmann, M. Professionell anleiten – Pädagogische Qualifizierung für Praxisanleitende. Ergopraxis 19(05).
Landesberichterstattung Gesundheitsberufe NRW
Links zu den Landeskoordinierungsstellen für die Hebammen-Versorgung gibt es hier und hier.
Wissenschaftsrat (2022). HQGplus-Studie zu Hochschulischen Qualifikationen für das Gesundheitssystem – Update. Quantitative und qualitative Erhebungen der Situation in Studium, Lehre, Forschung und Versorgung.
Die Studie in dieser Folge
Beckmann, M., Hahn, F., & Häberle, L. (2025). HELPER – Forschungsprojekt “Fachkräftemonitoring für Hebammen und Heilmittelerbringer in Bayern”. Ergebnisbericht für die Befragung der Hebammen, Ergotherapeuten, Logopäden, Physiotherapeuten, Ernährungsfachkräfte und Podologen.
[00:00–00:10] Einstieg
Sara Mohr begrüßt in „Evidenz auf die Ohren“ die Ergotherapeutin Theresa Hausner, dann steigen sie über Alltagsgeschichten ein: Transfer von Therapie in den Alltag, Verhaltensänderung und die Bedeutung der Umwelt, etwa in Kitas und Schulen, werden als klassische ergotherapeutische Themen herausgestellt. Daraus leiten sie über zu Fachkräftemangel, interprofessioneller Zusammenarbeit und der Frage, wie gut das System aktuell aufgestellt ist.
[00:10–00:19] Hintergrund der HELPER-Studie
Die HELPER-Studie ist eine prospektive Beobachtungsstudie zu Hebammen und Heilmittelerbringenden in Bayern (u.a. Ergotherapie, Physiotherapie, Logopädie). Über eine Online-Befragung wurden Daten zu Demografie, Ausbildung, Arbeitsbedingungen, Arbeitszufriedenheit, gemeinwesenorientierter Arbeit und Gesundheitskompetenz erhoben. An der Studie nahmen 2.294 Personen teil, darunter 322 Ergotherapeut*innen.
[00:–00:38] Zentrale Ergebnisse für die Ergotherapie: Fachkräftemangel, Arbeitszufriedenheit und Vergütung
Die befragten Ergos sind im Schnitt Anfang 40, überwiegend weiblich, viele mit Familien- und teilweise Pflegeverantwortung. Nur ein kleiner Anteil ist akademisiert, gleichzeitig zeigen die meisten kein Interesse an einem Studium – obwohl die Studie die Vollakademisierung klar als wichtigen Hebel für mehr Attraktivität, bessere Karriereperspektiven und qualitativ hochwertige Versorgung benennt. Auffällig ist die hohe Fortbildungsbereitschaft: Bobath, Gesprächsführung, Handtherapie, sensorische Integration und Praxisanleitung gehören zu den meist gewählten Fortbildungen und zeigen, wie viel in inhaltliche Expertise investiert wird. Aus den HELPER-Ergebnissen werden mehrere politische Handlungslinien abgeleitet: bessere Datengrundlagen zum tatsächlichen Personalbestand, strukturelle Maßnahmen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen (u.a. Vergütung, Vereinbarkeit, interprofessionelle Zusammenarbeit) sowie ein konsequenter Ausbau akademischer Qualifikationswege. Die Episode betont, dass viele Probleme – etwa Fachkräftemangel, Arbeitsbedingungen und die Notwendigkeit interprofessioneller Kooperation – nicht auf Bayern begrenzt sind, sondern bundesweite Relevanz besitzen und daher auch auf Bundesebene adressiert werden müssen.
[00:38–00:58] Berufspolitische Einordnung
Im Gespräch mit Vertreter*innen der Politik wird deutlich, dass Vollakademisierung zwar als relevant wahrgenommen wird, aber vor allem an Finanzierungsfragen hängt. Die HELPER-Studie liefert dafür Daten: Sie zeigt Versorgungsrisiken, Fachkräftemangel-Tendenzen und strukturelle Probleme, die sich nicht nur in Bayern, sondern bundesweit abzeichnen. Gleichzeitig macht sie sichtbar, dass Ergotherapeut*innen fachlich stark engagiert sind, deren Einsatz aber ohne verbesserte Rahmenbedingungen und klare Entwicklungspfade nur begrenzt in langfristige Berufszufriedenheit und Versorgungssicherheit mündet.
[00:58–01:27] Gratifikationskrise, Chancen und Eigenverantwortung
Gegen Ende betont Sara, dass die im Gespräch diskutierten Forderungen – insbesondere bessere Vergütung – im krassen Gegensatz zu aktuellen Sparplänen im Gesundheitswesen stehen. Sie greift den Begriff „Gratifikationskrise“ aus der HELPER-Studie auf: Hohe Qualifikation und steigender Arbeitsaufwand passen nicht zu Gehalt und gesellschaftlicher Anerkennung, was wesentlich zum Nachwuchsmangel in den Heilmittelberufen beiträgt. Die Zuhörer*innen werden ausdrücklich ermutigt, diese Diskrepanz in ihren Teams und Netzwerken weiter zu diskutieren. Der implizite Schluss des Podcasts: Ergotherapeutische Rollen- und Verantwortungsansprüche (z.B. Direktzugang) und die realen Ausbildungs- und Rahmenbedingungen klaffen auseinander und müssen gemeinsam gedacht und entwickelt werden, wenn der Beruf zukunftsfähig sein soll.
Diese Zusammenfassung wurde mit Unterstützung von KI generiert.
Sara Mohr: [00:00:14] Evidenz auf die Ohren, der Podcast für evidenzbasierte Ergotherapie. Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Evidenz auf die Ohren, dem Podcast für evidenzbasierte Praxis in der Ergotherapie. Mein Name ist Sara Mohr und mit mir im digitalen Podcaststudio ist Theresa Hausner. Hallo.
Theresa Hausner: [00:00:39] Hallo, danke für die Einladung. //Sara Mohr: Schön, dass du da bist.//
Sara Mohr: [00:00:45] Theresa, magst du dich einmal kurz vorstellen für die Leute, die uns da zuhören da draußen?
Theresa Hausner: [00:00:51] Ja, sehr gerne. Genau, mein Name ist Theresa Hausner, das hast du ja schon gesagt. Ich bin Ergotherapeutin seit 2010 und genau, habe eine Zeit lang in der Praxis gearbeitet, war auf jeden Fall im ambulanten Bereich mit neurologischen Klientel tätig, habe dann auch mein Studium an der Söld-Hurgeschool gemacht, habe eine Zeit lang unterrichtet an einer Berufsfachschule und bin jetzt gerade derzeit beim Thieme Verlag tätig. Genau, für den Bereich Ergotherapie.
Sara Mohr: [00:01:25] Sehr schön. Ich habe vorhin noch mal überlegt, woher wir uns eigentlich kennen. Und ich glaube, ich habe dich, du hast damals eine deiner ersten Podcastfolgen, wo du bei den Performance Skills eingeladen warst. Da hat es, ich weiß gar nicht mehr, was das Thema war. Ich weiß nur, dass ich diese Folge gehört habe und dachte, voll, voll die coole Frau, voll das coole Thema. Ich schreibe da einfach mal eine E-Mail. Ich glaube, ich habe dich so ganz blöd von der Seite angeemailt. Kann das sein? Ja. Und ich war ganz aufgeregt. Das habe ich dir, glaube ich, auch nie erzählt.
Theresa Hausner: [00:01:55] Ich mir dachte, Sarah Mohr schreibt mir. Oh Gott, was antworte ich jetzt? Also ich war da, ja, doch, ich erinnere mich.
Sara Mohr: [00:02:03] Und dann haben wir uns einfach mal auf so einen digitalen Kaffee oder so getroffen gehabt.
Theresa Hausner: [00:02:07] Genau. Das war schön.
Sara Mohr: [00:02:09] Sehr schön. So klein ist die Ergowelt.
Theresa Hausner: [00:02:12] Absolut.
Sara Mohr: [00:02:15] Theresa, bevor wir in das Thema heute starten, erzählen wir unsere Geschichten aus dem Alltag. Möchtest du anfangen oder soll ich eine Geschichte aus dem Alltag erzählen? Du darfst gerne anfangen. Ich habe eine ganz kleine Geschichte nur dabei. Ich war im April unglaublich viel unterwegs zu ganz vielen schönen Terminen und habe ein bisschen aber dann auch irgendwann meinen Schreibtisch vermisst. Und jetzt saß ich im Mai ganz viel am Schreibtisch und vermisse jetzt wieder unterwegs zu sein. Aber bei der Schreibtischarbeit durfte ich ein bisschen ein paar Deep Dives machen zu spannenden Themen wie Betätigungsanalyse und so. Und gerade bereite ich eine Fortbildung zum Thema Transfer vor. Kurzer Werbeblock, 22.06. Es sind noch Plätze frei, aber darum geht es mir gar nicht. Es geht um Transfer aus der Therapie. Wie kommen eigentlich meine Therapienhalte im Alltag bei den Leuten an?
Theresa Hausner: [00:03:09] Ich weiß, Theresa, wie oft hast du so in deiner Ergokarriere Leute schon gefragt? Und haben sie ihre Übungen gemacht? Sehr oft, vor allem noch bevor ich das Studium gemacht habe. Und wie oft warst du enttäuscht von der Antwort? Ich würde sagen zu 90 Prozent.
Sara Mohr: [00:03:24] Geht mir ganz genauso. Oder auch selbe alternative Frage ist, und wie hat es zu Hause geklappt? Auch dann. Und ich lerne gerade ganz viel darüber, wie gut oder schlecht Menschen eigentlich darin sind, so Gelerntes aus einer Situation in eine andere zu übertragen. Und das ist total spannend, weil ich habe mich bei diesem Thema Transfer am Anfang erst noch gefragt, ist das überhaupt ergo spezifisch genug? Weil ich kann mir vorstellen, dass die Physios und die Logos mit ganz ähnlichen Problemen kämpfen, dass man in der Therapie Sachen macht, die vielleicht gar nicht wirklich im Alltag von den Leuten ankommen. Und das tun die mit Sicherheit. Also mit Sicherheit haben die diese Probleme. Ich habe jetzt aber gelernt, und das ist meine kleine Geschichte aus dem Alltag, die ich mit euch teilen möchte, dass wir Ergos aber eigentlich super prädestiniert dafür sind, so Transfer mit unseren Klient*innen zu gestalten. Weil so Studien aus der Psychologie und aus der Pädagogik zeigen ziemlich deutlich, dass Transfer meistens an der Umwelt scheitert. [00:04:26] Also es klappt in der Praxis vielleicht oder in der Klinik, wo ich die Leute behandle. Aber das heißt eben nicht, dass dieselbe Fähigkeit zu Hause in einer ganz anderen Umwelt angewendet werden kann. Und das ist ja dann wieder top ergotherapeutische Expertise und Kreativität gefragt. Wie kann ich denn mein therapeutisches Setting so alltagsnah wie möglich gestalten? Und wie kann ich auch möglichst verschiedene Settings gestalten, dass die Leute eben lernen, dieselbe Fertigkeit, dieselbe Fähigkeit in unterschiedlichen Settings anzuwenden? Und das finde ich total spannend. Ja, das ist total spannend gerade, dass wir Ergos da eigentlich Handwerkszeug für haben.
Theresa Hausner: [00:05:05] Ich musste gerade daran denken, das fand ich, kennst du Florentina van Ginneken? Die hat doch jetzt ein Buch. Gelenkschutz, genau. Ja, zu Gelenkschutz, ja. Und da fand ich das super interessant, weil die auch ein bisschen auf diese psychologischen Aspekte hingegangen ist, weil es ja letztendlich eine Verhaltensänderung ist. Und da muss ich jetzt gerade dran denken, Verhaltensänderung im Alltag. Fast ein ganzes Kapitel davon geht darum, wo ich mir dachte, wow, das ist mal, wenn man Gelenkschutz denkt, denkt man ja immer so an die Zettel, die man mitgegeben hat, achsengerecht bewegen, etc. Da dachte ich mir auch, wow, das ist mal Handwerkszeug. Das ist mal, fand ich, richtig guter Inhalt, wie man es auch gestalten kann.
Sara Mohr: [00:05:51] Genau, weil im Endeffekt ist ja eine Verhaltensänderung, ist ja das Komplexeste, was du von den Menschen fordern kannst am Ende.
Theresa Hausner: [00:05:59] Ja, absolut. Ohnehalten, Routine, ne? Also so ist ja genau, aber auch unser Ding. Also genau, wenn man guckt, Moho. Voll unsere Expertise. Genau, absolut.
Sara Mohr: [00:06:12] Sehr schön, genau. Ja, das war mein kleines Learning aus dem Ergo-Alltag.
Theresa Hausner: [00:06:16] Da schließe ich doch gleich mal an mit meiner Alltagsgeschichte, was ich gerade daran denke, als du das erzählt hast. Ich habe gerade einen ganz wundervollen Artikel zum Thema Beratung in Kitas da zur redaktionellen Überarbeitung und fand den Artikel schon wundervoll, weil der einfach ganz viele praktische Tipps hat. Und mir begegnet gerade immer wieder dieses Thema nicht nur schulbasierte Ergotherapie, das ist ja ein Wort, was man jetzt schon geläufig hört, würde ich sagen, sondern auch kindergartenbasierte Ergotherapie, also dass wir Ergotherapeuten und Ergotherapeute in den Kindergärten arbeiten. Ich fand diesen Artikel irgendwie ganz spannend, weil das so wertschätzend für die interprofessionelle Zusammenarbeit auch ist und dachte mir, wow, wenn wir da aus ergotherapeutischer Perspektive schreiben, wie wir in Kitas beraten können, wäre es ganz spannend, eine Stimme aus der Kita zu hören. und habe eine Leitung angefragt von der Kindertagesstätte hier bei uns in Bamberg [00:07:16] und hat sich bereit erklärt, ein Interview zu machen. Da habe ich heute früh ihre E-Mail bekommen und fand ihren letzten Satz ganz wundervoll, weil sie gesagt hat, sie wird am Ende gerne noch sagen, dass eine interprofessionelle Zusammenarbeit im Sozialraum Kita unglaublich viel Sinn macht, um Ressourcen zu bündeln. Und da muss ich jetzt gerade an diesen Alltagstransfer auch denken. Die Umwelt ist so ein großer Faktor und die Umwelt ist halt die Lebenswelt der Kinder, in dem Fall die Kita, das Kita-Personal, die physische Umwelt, die Räumlichkeiten etc., wie die gestaltet werden können. Ja, sehr cool.
Sara Mohr: [00:07:54] Und da so eine Zusammenarbeit kann so, wie Sie sagen, das kann so eine krasse Ressource sein, wenn das funktioniert.
Theresa Hausner: [00:08:00] Total. Sie ermutigt auch dazu, wir Ergos und Ergotherapeutinnen und Ergotherapeutinnen sollen ruhig und dürfen auf das pädagogische Personal in den Kitas zugehen, die freuen sich.
Sara Mohr: [00:08:11] Sehr schön. Wann dich schön. Da gehen wir gerade voll ein Thema rein, das ist gar nicht unser Thema heute, aber in der nächsten Ergoscience habe ich gerade einen Artikel drin lesen, da geht es nämlich um die Kooperation zwischen Ergos und Grundschullehrkräften. Also ganz genau eine Studie, die sich angeschaut hat, wie klappt eigentlich diese Zusammenarbeit unter den aktuellen Rahmenbedingungen. Wir haben alle eine Idee, wie es so unter den aktuellen Rahmenbedingungen klappt, aber die haben eben auch beide Perspektiven. Welche Perspektiven haben die Grundschullehrkräfte? Welche Perspektiven haben die Ergos auf diese Zusammenarbeit? Und beide Seiten sagen, so viel kann ich hier schon mal spoilern, super wichtige Zusammenarbeit. Also die Wichtigkeit wird total gesehen, aber die Rahmenbedingungen machen es halt schwierig. //Sara Mohr: Total.//
Theresa Hausner: [00:08:53] Ja, das finde ich ist auch immer. Jeder sagt, interprofessionelle Zusammenarbeit, das ist ja ein häufiges Ergebnis, finde ich, dass man mehr zusammenarbeiten muss, aber wie du sagst, Rahmenbedingungen. Und man lernt, finde ich persönlich, oder ich habe es in meiner Ausbildung auch einfach wenig gelernt. Dieses, wie gehe ich denn auf die andere Profession zu? Wie gestalte ich denn? Also, dass man Kompetenzen einfach auch schon in der Ausbildung erwirbt, in dieser interprofessionellen Zusammenarbeit, das finde ich noch viel zu wenig.
Sara Mohr: [00:09:23] Ja, das stimmt total. Ich habe ja meine Ausbildung an der Schule gemacht, wo auch Logos ausgebildet wurden. Und wir hatten teilweise auch Fächer gemeinsam, wenn ich mich richtig erinnere. Schön. Aber es wurde nie aktiv wirklich gelehrt, wie arbeiten wir denn später tatsächlich gemeinsam. Also, dass wir so ein ähnliches Grundlagenwissen in manchen Bereichen haben. Ich glaube, wir hatten Anatomie zusammen oder so. Okay, das ist noch komplett nachvollziehbar. Aber wie dann nachher tatsächlich die Zusammenarbeit gestaltet wird oder Austausch organisiert werden kann in dem Gesundheitssystem, wie es ist, war überhaupt nicht Thema. Also, ich glaube, da ist echt noch Luft nach oben. Und vielleicht braucht es mal eine Folge zu interdisziplinärer Zusammenarbeit oder interprofessionärer. Ich schreibe mir das mal auf. Schon wieder eine neue Folge. Sehr gut. So, vielen Dank für diese Geschichte aus dem Alltag. Kommen wir mal so langsam in Richtung des Themas dieser Folge. [00:10:25] Ich möchte heute mit dir oder wir möchten mit euch, die ihr da draußen zuhört, heute über die HELPER-Studie quatschen. Beziehungsweise über Fachkräftemonitorings. Und dieses Thema kam zu mir, weil ich mich mit Julia Schirmer unterhalten habe. Grüße an dieser Stelle. Vorstandsmitglied für Bildung und Forschung des TVE. Und die hat mir erzählt, ach, ich war ja demnetz mit der Theresa beim Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention. Und wir haben über die HELPER-Studie gesprochen. Und dann habe ich gesagt, was ist denn die HELPER-Studie? Das klingt ja spannend. Und dann war schon so, wie, du weißt nicht, was die HELPER-Studie ist. Also habe ich mich sehr schnell eingelesen, was die HELPER-Studie ist. Die HELPER-Studie ist ein Forschungsprojekt zum Fachkräftemonitoring für Hebammen und Heilmittelerbringende in Bayern. HELPER steht für Hebammen, Ergotherapeut*innen, Logopäd*innen, Physiotherapeut*innen, Ernährungsfachkräfte und Podolog*innen. [00:11:27] Und da gab es ein Forschungsprojekt. Und dieses Forschungsprojekt wurde dann beim Bayerischen Staatsministerium gebrochen. Theresa, wie bist du denn damit reingerutscht?
Theresa Hausner: [00:11:38] Das ist eine gute Frage. Das Ganze hat schon zu Corona-Zeiten eigentlich angefangen. Die Universität in Erlangen-Nürnberg ist auf uns zugekommen als Landesgruppe Bayern vom DVE und hat gemeint, dass sie eben dieses Forschungsprojekt starten wollen und ob wir sie unterstützen können. Und wir haben dann mit dem Vorstand, damals noch Bettina Kunert, gesprochen und haben da eigentlich viel diesen Fragebogen mitentwickelt, würde ich mal sagen, für die Ergotherapeutin. Also die haben uns so die Fragen geschickt und hauptsächlich Bettina, wir als Landesgruppe, auch nochmal mit unterstützend haben, dann über diesen Fragebogen nochmal geschaut und geguckt, wie man die Fragen vielleicht nochmal ein bisschen zielgruppenspezifischer gestalten kann. Das war eine wirklich schöne Zusammenarbeit. Wir haben uns auch gefreut, dass sie auf uns zugekommen sind.
Sara Mohr: [00:12:35] Sehr cool.
Theresa Hausner: [00:12:35] Und so war dann dauerhaft dieser Austausch, bis letztendlich dann der Fragebogen online ging und wir ihn auch über die DVE-Kanäle geteilt haben. Das war genau ganz spannend.
Sara Mohr: [00:12:50] Generell cool, dass es so eine Studie gibt, wo sich mal angeschaut wird, das benennen die auch so als Ziel der Studie. Wir wollen angesichts der demografischen Veränderungen auch, also wir wissen, es wächst der Bedarf an Heilmittel erbringenden Leistungen. Aber auf der anderen Seite wissen wir auch, dass sich so die Herausforderungen im Gesundheitssystem verschärfen, vor allem was eben Fachkräftemangel angeht. Wir wollen schauen, gibt es da Versorgungslücken in Bayern? Und darauf dann so ein Forschungsprojekt aufzubauen, wie du sagst, von der Uni in Erlangen-Nürnberg. Ziemlich coole Sache. Das heißt, wir reden in dieser Studie, wir reden in dieser Folge über die HELPER-Studie. Wenn ihr jetzt zuhört und sagt, ja, aber ich bin ja gar nicht aus Bayern, ist das denn noch interessant für mich? Ja, am Ende reden wir noch über Fachkräftemangel in der Ergotherapie in Deutschland. Da habe ich auch ein paar Zahlen mitgebracht, aber ich wollte jetzt einmal ein bisschen in diese HELPER-Studie reintauchen, weil ich es cool finde, dass es dazu einfach ein dezidiertes Forschungsprojekt gibt, bei dem wir ergos, wie du sagst, auch so dezidiert mit einbezogen worden sind. [00:13:53] Das ist, glaube ich, nicht selbstverständlich.
Theresa Hausner: [00:13:56] Die Ergebnisse und Handlungsempfehlungen sind ja vieles Themen, die auf Bundesebene politisch dann angesiedelt sind, die nicht nur Bayern betreffen. Das vielleicht auch für die Zuhörenden.
Sara Mohr: [00:14:06] Ja, das habe ich nämlich auch gedacht, so die Ergebnisse kannst du, die sind nicht Bayern-spezifisch. Also, und die Handlungsempfehlungen, die müssen eigentlich sogar auf Bundesebene greifen, damit sich da was tut. Genau, absolut. Also, was haben die gemacht in dieser HELPER-Studie? Ganz kurz ein bisschen Methodik. Die HELPER-Studie ist eine prospektive, einarmige Beobachtungsstudie. So, Terminologie, es geht los. Prospektiv heißt, wir schauen in die Zukunft. Also, es wird eine bestimmte Gruppe definiert, das nennt man manchmal auch Kohorte. Und die wird quasi in die Zukunft hinein beobachtet, um zu sehen, wie sie sich zum Beispiel unter bestimmten Bedingungen entwickelt. Also, ich definiere heute eine Gruppe von Menschen, mit der kann ich dann zum Beispiel eine Umfrage durchführen. Zum Beispiel, ich nehme tausend gesunde Menschen und befrage die heute und befrage die nochmal in zehn Jahren, um zu gucken, wer von denen hat denn später Lungenkrebs entwickelt. zum Beispiel, oder irgendeine andere Diagnose. Das wäre so eine klassische, prospektive Studie in die Zukunft hinein. [00:15:10] Das Gegenteil von prospektiven Studien sind retrospektive Studien. Also, rückblickend, da nehme ich bereits vorliegende Daten, also zum Beispiel Krankenkassendaten oder Krankenakten aus Kliniken. Also, Daten, die in der Vergangenheit erhoben wurden und gucke mir an, was kann ich da für Ergebnisse rausziehen. Also, zum Beispiel nehme ich mir Klinikakten der letzten fünf Jahre und gucke, hat eine bestimmte Intervention, die bei uns auf der Station sowieso zum Einsatz kam, dazu geführt, dass die Leute früher entlassen werden konnten. Retrospektive Studien sind oft schneller und günstiger durchzuführen. Ich muss ja nur in Anführungszeichen die Daten irgendwo einsammeln, die da irgendwo rumliegen, haben aber oft den Nachteil, ich muss halt dann auch mit den Informationen arbeiten, die da rumliegen. Und ich habe keinen Einfluss darauf, falls es Datenlücken gibt, dann kann ich da nichts mehr dran ändern. Bei prospektiven Studien kann ich viel genauer planen und definieren, welche Daten brauche ich denn, um wirklich da nachher auch gute Aussagen treffen zu können. [00:16:13] Dafür dauern die natürlich länger und sind komplexer zu planen und teurer. Also, die HELPER-Studie zum Beispiel hat, glaube ich, die deckt ja den Zeitraum 2017 bis 2025 statt. Begonnen hat sie 2022, der Fragebogen war 2024, wurde der quasi verteilt. Also, ihr seht, da sind Jahre an Vorlauf notwendig, bevor es dann tatsächlich losgehen kann. Und dann ist die HELPER-Studie noch einarmig. Das heißt, es gab also nur eine Gruppe oder Kohorte, die an der Studie teilgenommen hat. Ihr kennen den Begriff, vielleicht erinnert euch, in einer der letzten Folgen haben wir viel über randomisiert kontrollierte Studien gesprochen. Und RCTs sind meistens zweiarmig. Also, es gibt eine Gruppe, die eine Intervention erhält und eine Kontrollgruppe. Bei einarmigen Studien erhalten, wenn es eine Interventionsstudie ist, alle Personen dieselbe Intervention. Es gibt keine Kontrollgruppe. Bei der HELPER-Studie macht es total Sinn, dass die einarmig war, weil wir haben ja kein Medikament untersucht oder keine Intervention in seiner Wirksamkeit. [00:17:21] Sondern die Forschenden wollten ja allgemein Daten zur Versorgungssituation mit oder aus den Heilmittelberufen in Bayern sammeln. Das hast du richtig schön verständlich formuliert. //Sara Mohr: Erklärt. Ich habe mir Mühe gegeben.//
Theresa Hausner: [00:17:35] Ja, voll.
Sara Mohr: [00:17:38] Genau, es wurde also eine Online-Umfrage gemacht, wie du eben schon gesagt hattest. Und zwar wollten die möglichst viele in Bayern tätige Hebammen- und Heilmittelerbringende und zwar nicht nur die Berufstätigen, sondern auch die Studierenden und Lernenden dieser Berufsgruppen erreichen. Das fand ich ja total spannend. Hast du da, also warum wurden die Lernenden damit inkludiert?
Theresa Hausner: [00:18:02] Weißt du das? Also ich kann dir jetzt nicht, also ich kann nur sagen, was ich schätze und ich schätze, weil sie halt auch dieser Fachkräftemangel sehr treffen wird. Also letztendlich, wenn natürlich alle in Rente gehen von den jetzig 40-Jährigen, dann haben die in 20 Jahren ja ganz andere Arbeitsbedingungen.
Sara Mohr: [00:18:20] Ja, okay. Das ist auch mit zu erfassen.
Theresa Hausner: [00:18:22] Ja, total spannend. Aber ich kann dir jetzt nicht genau sagen, den wirklichen Grund.
Sara Mohr: [00:18:27] Aber ich fand es gut, dass es so breit angelegt war tatsächlich. Und dieser Fragebogen war, die haben schon versucht, dass der zwischen den verschiedenen Berufsgruppen vergleichbar war. Aber wie du eben sagtest schon, wurde natürlich geschaut, dass für die Ergos ergotherapie spezifischere Fragen gestellt wurden. Oder auch Themen angesprochen wurden, die da spezifisch wichtig waren.
Theresa Hausner: [00:18:48] Genau.
Sara Mohr: [00:18:51] Kurze Übersicht über den Fragebogen. Was wurde alles gefragt? Nur ganz kurz die Themen. Es wurde erstmal soziodemografische Daten abgefragt. Alter, Wohnort, Arbeitsort. Der ganze Kladderadatsch. Die bisherige Ausbildung. Dann die aktuelle berufliche Situation. Bei Lernenden sind halt die berufliche Zukunft. Klinische und ambulante Tätigkeiten. Es gab einen Teil zu gemeinwesenorientierter Ergotherapie. Einen Teil zur Arbeitszufriedenheit. Einen Teil zu berufsfremden Tätigkeiten. Und einen Teil zur professionellen Gesundheitskompetenz. Und ihr merkt jetzt schon, das ist ziemlich viel Stoff. Kleiner Spoiler. Wir werden nicht in alle diese Themenbereiche en detail in dieser Podcast-Folge eingehen. Weil ich weiß nicht, wie viel seid ihr mitgebracht habt. Aber wir können hier jetzt nicht fünf Stunden reden. Die HELPER-Studie ist aber natürlich, ich mache euch einen Link in die Shownotes, öffentlich einsehbar. Ihr könnt die lesen. Die liest sich auch eigentlich gar nicht so unrund. Das liest sich eigentlich ganz schön mit vielen Grafiken dabei. [00:19:53] Lohnt sich da mal reinzuschauen. Genau. Und als der Fragebogen dann fertig war, wie du eben gesagt hast, wurde relativ großflächig. So schreiben die zumindest rekrutiert. Über Social Media, über die Berufsverbände, über Hochschulen und Berufsfachschulen, über die Hebammenliste, über die Heilmittelerbringerliste Bayerns, über Kliniken. Das hat wohl auch in fast allen Bereichen gut geklappt. Nur im Bereich Lernende der Podologie und Lernende der Ernährungstherapie gab es nicht genügend Rücklauf. Das heißt, diese Bereiche konnten nachher nicht ausgewertet werden. Da haben nicht genug Leute mitgemacht.
Theresa Hausner: [00:20:32] Das fand es auch wirklich spannend. Ich habe zu dem Zeitpunkt eben an einer Berufsfachschule mit unterrichtet. Und neben dem, dass es über den DVE geteilt wurde, dass ich es in meiner Landesgruppen-E-Mail-Adresse natürlich bekommen habe, wurde wirklich das auch in meiner Schule geteilt. Also die haben alle Schulen angeschrieben und die sollten das teilen unter den Lernenden und auch den Angestellten bei ihnen. Also es wurde schon, würde ich sagen, versucht, viele zu erreichen.
Sara Mohr: [00:20:57] Und es haben ja dann am Ende auch 2.294 Personen teilgenommen. Und jetzt, ich freue mich so, wir haben so einen Podcast, wo wir so viel über Zahlen reden. Und ich bin ja ein Mensch mit ganz wenig Gespür für Zahlen. Wir gucken, ich habe immer versucht, möglichst gute Vergleiche oder irgendwie was draus zu suchen, das die Zahlen in Relation setzt. Wir schauen mal. Also von diesen knapp 2.300 Personen waren 920 Hebammen, also der Großteil war Hebammen, fast die Hälfte, 510 Physios, 389 Logos, 322 Ergos, 388 Ernährungstherapeut*innen und 65 Podolog*innen. Also 322 Ergos. Ist das jetzt viel oder wenig? Ich weiß nicht, Theresa, habt ihr das diskutiert, ob das viel oder wenig ist?
Theresa Hausner: [00:21:50] Ich frage nicht, wie viele Ergos es in Bayern gibt.
Sara Mohr: [00:21:54] Ja, das habe ich nicht versucht rauszufinden und ich konnte es nicht beantworten.
Theresa Hausner: [00:21:58] Ja, tatsächlich, ich kann es leider auch nicht beantworten. Ich würde jetzt mal sagen, zur generellen Zahl natürlich, wie viele Ergos es gibt. Es ist ein kleiner Anteil. Wir haben über die Landesgruppe auch schon häufiger Umfragen gemacht. Da haben um die 100 Ergotherapeuten und Ergotherapeut*innen teilgenommen. Also ich finde jetzt schon, dass es auf jeden Fall eine Zahl ist, die nicht uninteressant ist. Ich finde, was man bei den Zahlen noch beachten muss, aber vielleicht sagst du das auch später, dass um die 30 Prozent der Befragten selbstständig auch sind. Das fand ich ganz interessant. Also viele Praxis-Inhabende mitgemacht haben. Das ist, finde ich, für manche Ergebnisse nicht unrelevant.
Sara Mohr: [00:22:35] Ja, total. Das gucken wir uns gleich zum Beispiel bei den Arbeitszeiten und beim Gehalt nochmal an. Da spielt das total mit rein. Ich habe mich genau das auch gefragt. Ich habe mich gefragt, wie viele Ergos gibt es denn in Bayern und ist da in Relation 322 jetzt viel oder wenig? Und ich konnte es nicht rausfinden. Deutschlandweit gehen wir von 65.000 Ergos aus. Das steht zumindest so in der Cotec Summary of the Profession. Wer da sich nochmal die Tabellen genau angucken will, link ist in den Shownotes. Wie viele von diesen 65.000 aber in den einzelnen Bundesländern arbeiten, ist unklar. Es gibt da ganz viele verschiedene Statistiken. Das sind meistens nur Abschätzungen. Es gibt die Heilmittelerbringerliste der GKV. Da sind alle Praxen eingetragen mit Kassenzulassung. Aber da kann ich ja auch nicht von ableiten, wie viele Leute arbeiten zum Beispiel in diesen Praxen. Ich habe eine Angabe gefunden. Die Quelle ist aber nicht die vertrauenswürdigste. Die sagt, dass es in Bayern 984 Praxen gibt. Das wäre damit das Bundesland mit den drittmeisten Praxen. [00:23:38] Also am meisten sind wohl in NRW, am zweitmeisten in Baden-Württemberg. Und Bayern wäre dann das mit den drittmeisten Praxen. Wenn man diese 984 Mal zugrunde legt, dann wird schnell deutlich 322 Teilnehmende an der HELPER-Studie. Bei knapp 1.000 Praxen in Bayern ist jetzt relativ wenig. Ich würde aber mal behaupten, untersuchen wir jetzt Argumente, Theresa, warum das trotzdem gut ist, dass diese Studie durchgeführt wurde.
Theresa Hausner: [00:24:07] Absolut. Ich fand es ganz spannend. Das war übrigens auch was, was der Projektbeauftragte, der Dr. Beckmann, gemeint hat, weil er die Verbände auch gefragt hat, wie könnte man denn noch Leute rekrutieren, die teilnehmen an der Studie, weil es eben nichts gibt, wo ganz klar eingetragen ist, es gibt so viele Ergotherapeuten und Ergotherapeutinnen in Bayern zum Beispiel. oder generell sind immer nur so Schätzzahlen. Ich bin gespannt, ob sich das mit dem Heilmittlerbringenden Ausweis vielleicht früher oder später jetzt verändert im Zuge der Telematikinfrastruktur dann.
Sara Mohr: [00:24:43] Das könnte so ein bisschen die Statistiken zumindest schärfen. Ja, das stimmt.
Theresa Hausner: [00:24:49] Also, dass man dann auch sagen kann, okay, das sind xy Prozent, die teilgenommen.
Sara Mohr: [00:24:53] Ja. Und immerhin, 322 Ergos haben teilgenommen. Und alles, was wir jetzt besprechen an Zahlen, Daten und Fakten, bezieht sich jetzt auch erstmal nur auf die Zahlen der Ergos. Ihr könnt natürlich in der HELPER-Studie selber die Zahlen für die Physios und die Logos und alle anderen Berufe nachlesen, wenn euch das interessiert. Die Ergos, die teilgenommen haben, waren im Durchschnitt 41 Jahre alt und 85 Prozent waren weiblich. 14 Prozent männlich, 0,3 Prozent divers. Das ist, ich habe leider nicht im Kopf, wie so der geschätzte Gesamtdurchschnitt, aber wir sind, glaube ich, eigentlich über 90 Prozent weibliche Ergos. Das heißt, da haben ein bisschen mehr Männer mitgemacht in Bayern. Die Hälfte war verheiratet. 46 Prozent haben keine Kinder, 54 Prozent haben mindestens ein Kind. Das wird gleich nochmal, warum ich hier über heiraten und Kinder rede, wird gleich nochmal relevant. 60 Prozent hatten Abitur als höchsten Schulabschluss und 38 Prozent die mittlere Reife. [00:26:00] Und 12 Prozent der teilnehmenden Ergos sind neben ihrer Berufstätigkeit auch noch pflegende Angehörige. Auch das wird später nochmal relevant. So, Ausbildung. 99 Prozent der Teilnehmenden haben ein Examen gemacht in Deutschland. Und knapp 70 Prozent davon haben das Examen tatsächlich auch in Bayern gemacht und arbeiten jetzt in Bayern. Also man sieht so, die Bewegung nach dem Examen ist relativ gering. Also die meisten Leute ziehen jetzt nicht in ein anderes Bundesland nach ihrem Examen. Ungefähr ein Drittel ist seit 10 bis 20 Jahren schon im Beruf. Und 9,6 Prozent der Teilnehmenden haben einen Bachelor. Und das war so die erste Zahl, wo ich dachte, wow, weil das liegt deutlich über dem bundesweiten Wert von 3 Prozent. Also dreimal so viel. Kann man sich überlegen, woran das liegt. Haben sich Ergos mit einem Bachelorstudium eher angesprochen gefühlt, bei so einer wissenschaftlichen Studie mitzumachen? [00:27:03] Hat man die vielleicht irgendwie eher erreicht? Sind einfach in Bayern mehr akademisierte Ergos? Man weiß es nicht.
Theresa Hausner: [00:27:11] Ich muss gerade lachen, weil wir festgestellt haben, dass zu Zeiten, als die Umfrage gelaufen ist, tatsächlich noch kein Studiengang, kein Bachelorstudiengang Ergotherapie in Bayern gab. Zwischenzeitlich haben wir zwei, aber damals keiner. Deswegen finde ich spannend.
Sara Mohr: [00:27:28] Ja, total. Also da ist irgendwas Spannendes passiert. Wir wissen nicht genau, was. Und 0,6 Prozent der Teilnehmenden haben einen Master. Dann kommt so ein erster Punkt, den ich ganz spannend finde, weil die wurden dann befragt, wie interessiert sie an einem weiterführenden Studium wären. Also entweder, wenn sie eine Ausbildung gemacht haben, wie interessiert sie an einem Bachelor wären oder wenn sie einen Bachelor haben, wie interessiert sie an einem weiterführenden Master wären. Und 77 Prozent der Befragten haben gesagt, nee, ich habe gar kein Interesse daran. Die, die schon einen Bachelor hatten, hatten ein bisschen mehr, da hatte so die Hälfte ungefähr ein Interesse daran, dann auch noch einen Master zu machen. Aber generell war so, und das war bei den anderen Berufsgruppen, die befragt wurden übrigens auch so, dass so ungefähr zwischen 70 und 80 Prozent der Heilmittelerbringenden sagen, ich habe überhaupt kein Interesse an einem Studium. Entsprechend wurde dann auch die Frage nach der Vollakademisierung der Therapieberufe beantwortet. [00:28:33] 45 Prozent sind dagegen, 26 Prozent sind dafür und knapp 28 Prozent sagen, ich bin da unsicher. Was da mit der Vollakademisierung, weiß ich nicht. Habe ich noch nicht so eine richtige Meinung zu. Und das ist mit fast einem Drittel ein relativ großer Teil der Ergos in Bayern, finde ich, die bei dieser Frage unsicher sind. Und ich wollte dann mal von dir hören, also wie wurde das diskutiert, da im Bayerischen Gesundheitsministerium? Wie war so das Thema Vollakademisierung?
Theresa Hausner: [00:29:03] Das war auf jeden Fall, war das auch ein großes Thema. Ich fand es vor allem spannend, als ich das erste Mal die Ergebnisse gesehen habe, dachte ich mir, oder bin ich fast ein bisschen erschrocken. Ich dachte mir, wow, so wenige sind gegen die Vollakademisierung oder wissen nicht genau. Ich bin fast ein bisschen erschrocken, weil wenn man es berufspolitisch betrachtet, ich persönlich die Vollakademisierung so relevant finde. Und wenn man dann hinten in die Handlungsempfehlungen von der HELPER-Studie gibt, ist das auch ganz klar die Empfehlung, die Sie mit aussprechen. Eine Vollakademisierung in den Therapieberufen würde den Beruf attraktiver machen. Und alle Herausforderungen, oder bei fast allen Herausforderungen, würde die Vollakademisierung als eine mögliche Lösung mitstehen. Das fand ich irgendwie ganz interessant. Und das wurde auf jeden Fall auch diskutiert. Ich fand es ganz interessant, es wurde auch diskutiert, dass dieses Thema ja nicht neu ist. [00:30:05] Also dass eine Vollakademisierung sinnvoll ist, um den Beruf attraktiver zu machen, um bessere Karrierechancen oder generell die Qualität natürlich auch der Patientenversorgung zu steigern. Ist ja jetzt kein neues Thema, dass da die Vollakademisierung dagegen hängen würde.
Sara Mohr: [00:30:31] Es wurde auch sehr lautstark diskutiert.
Theresa Hausner: [00:30:33] Ich fand es ganz interessant, weil ein Vertreter vom Ministerium, der hat daraufhin gesagt, dass eine Kollegin aus einem anderen Berufsverband meinte, dass sie das Gefühl hat, dass dieses Thema Vollakademisierung auch einfach nicht relevant ist im Ministerium. Der meinte, dass das nicht stimmt. Also es liegt in keiner Schublade, die Vollakademisierung, um es einzuordnen. Es waren Vertreter aus einem Ministerium in Bayern. Vollakademisierung ist ja natürlich…
Sara Mohr: [00:31:03] Muss auf Bundesebene.
Theresa Hausner: [00:31:07] Aber er meinte, das ist schon relevant. Es ist weiterhin einfach immer die Frage, wie wird es finanziert? Wie werden die Studiengänge finanziert? Wie werden die Studierenden finanziert? Was jetzt einfach nicht dieses große Thema ist, solange wir diese Berufsfachschulausbildung haben. Also es ist eine reine Frage der Finanzierung. halb laut ihm noch nicht umgesetzt wurde. Das fand ich mal wieder interessant zu hören, weil man ja schon das Gefühl hat, Vollakademisierung wird immer besprochen, aber wird dann irgendwie in die Schublade gelegt.
Sara Mohr: [00:31:42] Wird nicht gehört oder so auch. //Theresa Hausner: Genau.// Aber gut zu wissen, dass es zumindest gehört wird. Und das stimmt absolut, das ist kein neues Thema. Also Vollakademisierung diskutieren wir jetzt nicht erst seit gestern. Absolut.
Theresa Hausner: [00:31:52] Absolut. Ich fand es total interessant, wir hatten das in der Landesgruppe, dieses Thema Akademisierung und dieses Interesse an dem Bachelorstudiengang und Vollakademisierung diskutiert und hatten eben diese verschiedenen Punkte dann gefunden, wie okay, 30 Prozent der Befragten sind selbstständige Ergotherapeuten und Ergotherapeutinnen. Da stellt sich, was selbst mal selbstständig hat in der Praxis, stellt sich ja erst mal die Frage, wann mache ich das? Ja. In welcher Zeit? Was bringt mir dann letztendlich, dass ich das Studium habe? Ich habe es ganz klar aus Wissensdurst gemacht, aber es bringt mir für meine Abrechnung ja letztendlich gar nichts. Ich arbeite vielleicht qualitativ anders oder kann Studien mit in meine Arbeit einbeziehen, aber deswegen bekomme ich ja nicht mehr Geld von den Krankenkassen oder habe eine andere Vergütungsperspektive, würde ich mal sagen.
Sara Mohr: [00:32:43] Ja, genau. Auch dieser Punkt der beruflichen Perspektive ändert sich ja nicht zwangsläufig.
Theresa Hausner: [00:32:51] Absolut, absolut. Und eben, du hast es so schön gesagt, fand ich, man sieht, dass die Leute nicht umgezogen sind für ihre Ausbildung. Wir hatten zu dem Zeitpunkt der Befragung keinen Bachelorstudiengang in Bayern, keinen einzigen. Dann ist es natürlich schon eine ganz andere Hürde, um zu studieren. Ziehe ich um, mache ich es am Wochenende, muss ich meine Zeit dann noch mit opfern, dafür, dass ich danach keine andere Vergütungsperspektive sehe. Das finde ich mal schon interessant.
Sara Mohr: [00:33:24] Ja, total. Das kommt und begegnet uns am Ende auch nochmal dieses Thema, wenn wir über Vergütung sprechen. Genau. Ja, also, ah ja, gut. Aber gut zu wissen, dass es zumindest beim Ministerium im Bewusstsein ist. Wie viel Veränderung wir da dann erwarten können, schauen wir mal. Ist das andere, genau. Das andere.
Theresa Hausner: [00:33:48] Aber es wurde mit Nachdruck auch nochmal ans Herz gelegt. Auch von Dr. Beckmann eben, vom Leiter da, das Projekt ist. Sehr schön.
Sara Mohr: [00:33:58] Dann kommen wir zur nächsten großen Überschrift, nämlich die berufliche Situation. Als Basisinfo nochmal, die meisten Teilnehmenden von dieser Befragung hatten zwischen 5 und 15 Jahren Berufserfahrung. Das ist wichtig, weil dann kann ich auch leichter einordnen, dass fast alle, also weit über 90 Prozent, haben schon mal mindestens eine Fortbildung absolviert. Und jetzt gab es eine gute, also ich möchte, ihr dürft da draußen jetzt mal raten, was ist die häufigste Fortbildung, die Ergos in Bayern gemacht haben? Zu welchem Thema lassen sich die meisten Ergos weiterbilden? Ich fand es ja richtig gut, dass das tatsächlich auch so konkret abgefragt wurde. Nicht nur macht ihr eine Weiterbildung, sondern welche Weiterbildung habt ihr denn gemacht? Ihr dürft da draußen raten und dann sage ich es euch gleich. Auf Platz 1, dicht gefolgt von Platz 2, die sind nicht weit auseinander, aber auf Platz 1 mit 27 Prozent. Also über ein Viertel der Ergos in Bayern haben eine Bobat-Fortbildung gemacht.
Theresa Hausner: [00:35:02] Ich zähle übrigens dazu. Du zählst es nicht.
Sara Mohr: [00:35:06] Lang ist sehr, aber ich habe auch mal meine Bobat-Charampottin gemacht. Das ist auch nicht so schlecht. Also ich wollte das ganz lange auch. Ich dachte wirklich, als ich angefangen habe zu arbeiten, ich habe ja auch 2010, bin ich auch fertig geworden, war das wirklich auch noch so, dass Bobat war das Non-Plus-Ultra. Also wenn du Bobat nicht hast, dann brauchst du in Neuro gar nicht dran denken, wenn du keine Bobat. Und ich wollte das ganz lange haben und ich fand die damals, aber als Berufsempfänger war das natürlich viel zu teuer für mich. Und dann habe ich es ganz, ganz lange vor mir hergeschoben und irgendwann habe ich es dann beschlossen, in diesem Leben werde ich keine Bobat-Therapeutin mehr. Und das ist jetzt gar keine Wertung von Bobat-Therapie. Aber ich fand es krass, dass 27 Prozent Bobat dicht gefolgt von Weiterbildung zu Thema Gesprächsführung. Da fällt natürlich dann ganz viel drunter, unter diese Überschrift. 21 Prozent haben Weiterbildung in der Hand-Therapie, 21 Prozent in der sensorischen Integrationstherapie und 14 Prozent in der Praxisanleitung. [00:36:07] Das waren so die Top-Five-Weiterbildungen in Bayern. Das würde mich ja auch mal deutschlandweit interessieren. Oder für die einzelnen Bundesländer, ob wir so Schwerpunkte irgendwo haben. Absolut.
Theresa Hausner: [00:36:19] Total spannend. Ich fand es total interessant, als die Ergebnisse rauskamen, war eine erste Ergebnispräsentation mit den Verbänden. Also da waren nur die Verbände mit eingeladen. und da hat der Leiter des Projektes wirklich auch ein bisschen schmunzeln müssen und gesagt, er weiß nicht, was bei den Ergos los ist. Die haben total Lust, sich fort- und weiterzubilden. Obwohl, wenn man ihr anguckt, wann machen sie es in der Freizeit? Wer bezahlt es in der Regel selbst? Dass ja die Bedingungen nicht so gut sind. Aber im Vergleich auch zu den anderen Heilmittelabriegenden und Hebammen bilden wir uns wohl viel lieber fort.
Sara Mohr: [00:36:55] Ich finde es cool, das in Zahlen zu sehen, weil das tatsächlich, mein Gefühl war das auch schon immer, dass wir sehr fortbildungswütig sind. Und in dem Fall hat es gestimmt, das Gefühl. Ja, wir machen das unglaublich gern. Und Günder, es gibt auch, ihr könnt dann in die HELPER-Studie nochmal reinschauen, es gibt auch noch Zahlen, wie viel davon wird tatsächlich von Arbeitgebenden gefördert, wie viel zahlen die Leute selber, wie viel wird man freigestellt, wie viel muss man es in der eigenen Freizeit machen. Da haben die wirklich ganz detailliert abgefragt.
Theresa Hausner: [00:37:25] Ich finde, wenn man mal guckt, Gesprächsführung oder auch Praxisanleitung in der Ergotherapie, das zeigt ja auch ein bisschen, wo Bedarf ist. Also vielleicht, wo man in der Ausbildung, Gesprächsführung ist das A und O, wird gesagt, in unserem Beruf. Und trotzdem fühlen sich scheinbar mehr als 30 Prozent, oder ein bisschen weniger als 30 Prozent, Entschuldigung, nicht so sicher in Gesprächsführung, dass sie sich anschließend weiterbilden. Also müsste das in der Ausbildung noch viel, viel mehr verankert werden, Gesprächsführung und das Thema Kommunikation, genauso wie Praxisanleitung.
Sara Mohr: [00:38:02] Bei der Praxisanleitung dachte ich mir auch so, 14 Prozent haben eine Weiterbildung zum Thema Praxisanleitung, aber mehr als die Hälfte der Teilnehmenden in Ergos geben an, dass sie in der Praxis anleiten tatsächlich. Also da ist eine ganz große und das ist ja was, also das ist ja bundeslandübergreifend Thema aktuell auch. Also ich habe auch als Praxisanleiterin gearbeitet und wenn wir alle mal an unsere Ausbildungszeit und unsere Praktika zurückdenken, wir hatten Anleitende, die waren dafür mehr und wir hatten Anleitende, die waren dafür ein bisschen weniger qualifiziert. Absolut. Und damals, also als ich meine Praktika gemacht habe, da gab es, soweit ich weiß, gab es da keine konkrete Möglichkeit überhaupt, sich dafür irgendwie zu qualifizieren und sich dafür weiterzubilden. Wie bringe ich Auszubildenden eigentlich was bei? Weil das ist ja nicht einfach nur in Anführungszeichen mein Fachwissen weitergeben, sondern wie gebe ich das denn auch weiter? Also da brauche ich ja didaktische Skills, da brauche ich ja pädagogische Skills irgendwie. Das ist nochmal ein komplettes Thema für sich eigentlich, aber dass da nur in Anführungszeichen 14 Prozent diese Weiterbildung haben [00:39:06] und ich bin mir sicher, dass 14 Prozent im Vergleich mit anderen Bundesländern noch eine relativ hohe Zahl ist, weil ich muss ja keine Weiterbildung machen, um Praxisanleiterin zu sein. Und ich zahle ja dann Geld für eine Weiterbildung in Praxisanleitung, verdiene ja aber im Endeffekt nicht mehr, weil ich Ergos ausbilde.
Theresa Hausner: [00:39:25] Im Gegenteil ja oft. Oft hat man ja eher das Problem, dass man noch Zeit investiert, wenn man es richtig gut machen möchte und reflektiert gemeinsam. Man schaut an, man bespricht vorher, man geht in den Therapieprozess ein und so weiter. Also man vermittelt ja auch super viel noch mit. Und das Thema ist nicht unrelevant, finde ich, wenn man Hessen anschaut, die jetzt ja angefangen haben, das doch verpflichtend einzuführen, was immer mehr gerade auch in anderen Bundesländern diskutiert wird.
Sara Mohr: [00:39:55] Genau, es ist ja, ich unterrichte ja an der Berufsfachschule in Hessen. Grüße an die Fokus nach Kölbe, die da wirklich eine Weiterbildung für die Praxisanleitenden aus dem Boden stampfen mussten im Endeffekt, weil dieses Gesetz recht spontan eingeführt wurde.
Theresa Hausner: [00:40:12] Und die haben was Wundervolles gemacht. Ich habe den Artikel gelesen dazu, fand ich ganz spannend.
Sara Mohr: [00:40:17] Da war jetzt in der ET und Reha ein Artikel, wer es nachlesen möchte, ach, ich mache euch einen Link in die Shownotes, mache ich euch einen Link zu dem Artikel in der ET und Reha. Und der Grundgedanke, dass die Praxisanleitenden eine Qualifikation für ihre Tätigkeit haben, ist super, super gut. Ob man es so spontan machen muss, weiß ich nicht.
Theresa Hausner: [00:40:41] Dafür hat es die Fokus sehr gut hinbekommen.
Sara Mohr: [00:40:45] Aber ja, also das ist schon, glaube ich, ein Ziel, das ähnlich wie auch in der Pflege ist es ja auch so. Da ist es ja tatsächlich eine Zusatzqualifikation, die ich habe. Ich habe entsprechend dann auch Zeiten im Monat, die mir nur dafür vergütet werden, dass ich Auszubildende anleite. Ich verdiene entsprechend mehr, wenn ich diese Weiterbildung habe. Das sind ja alles Dinge, da können wir nur von träumen in der Ergotherapie.
Theresa Hausner: [00:41:09] Aber das wäre so ein Ziel. Ich weiß auch noch, als ich Praxisanleitung war und das erste Mal, man muss jetzt bewerten. Also klar, man darf ja nicht benoten, aber bewerten in dem Bewertungsbogen. Was bedeutet denn 15 Punkte? Also was ist denn da der Maßstab? Woher soll man es wissen? Das ist ja dann eher was Subjektives.
Sara Mohr: [00:41:31] Total. Also ich möchte mich an dieser Stelle an alle meine ehemaligen Auszubildenden entschuldigen, die ich in der Praxis angeleitet habe. Ich hatte keine Ahnung, was ich tat. Das schließe ich nicht an. Ich hoffe, es war trotzdem nicht so schlimm, aber gerade diese Bewertungssachen, das war immer Bauchgefühl.
Theresa Hausner: [00:41:50] Ja, absolut. Ich habe in der Berufsfachschule versucht, sowas zu entwickeln, wo man es dann echt an Kriterien auch mit festmacht, damit man es den Anleitenden auch einfach ein bisschen erleichtert. Aber ich finde, das ist ja auch eine ganz schöne Verantwortung, die man einfach abgibt dann von der Berufsfachschule an. Total. Mach mal.
Sara Mohr: [00:42:07] Und eigentlich ist es ja Verantwortungsbereich der Berufsfachschulen, das dann auch zu koordinieren. Und da habe ich unterschiedlichste, also ich habe für unterschiedliche Schulen quasi praktische Anleitungen gemacht. Und da gab es ein weites Spektrum, wie viel Guidance man da auch bekommt von der Berufsfachschule, also von sehr viel und sehr enge Begleitung bis hin zu gar nichts. Also da kommt jemand für drei Monate und irgendwann kommt jemand für eine Sichtstunde und that’s it. Also spannend. Oh Gott, nochmal eine Podcast-Folge. Zurück zur Kurve zurück, zur HELPER-Studie. Das waren die Weiterbildungen. 53 Prozent der Befragten sind ambulant tätig und 20 Prozent in der Klinik. Und bei 8 Prozent mischt sich beides. Und ich weiß jetzt gerade nicht, warum diese Zahlen zusammen nicht 100 Prozent ergeben. Aber gut, also der Großteil der Befragten ist ambulant tätig. Es gab noch einen kleineren Prozentsatz, der in anderen Settings arbeitet, [00:43:08] also zum Beispiel an Berufsfachschulen oder eine Leitungstätigkeit zum Beispiel ausübt. Aber insgesamt haben nur knapp zwei Prozent gesagt, dass sie gar nicht mehr mit Klient*innen in direktem Kontakt arbeiten. Also 98 Prozent arbeiten im direkten Klient*innen-Kontakt.
Theresa Hausner: [00:43:27] Finde ich jetzt, möchte ich nur ganz kurz einwerfen. Das wird ja oft auch diskutiert, wenn viele Studierende der Ergotherapie, die arbeiten dann gar nicht mehr mit Klientel. Man hat überlegt, dass zehn Prozent einen Bachelor haben oder knapp zehn Prozent, fast zehn Prozent, und nur davon zwei Prozent nicht mit Klient*innen arbeiten. Das ist auch super interessant.
Sara Mohr: [00:43:48] Ja, total. Also das sehen wir überhaupt nicht, diese Entwicklung, dass dann Leute, die ein Studium gemacht hätten, dann nur noch, weiß ich nicht, Leitungstätigkeiten oder Verwaltungstätigkeiten oder so machen würden. Überhaupt nicht. Wir gucken uns jetzt mal die Klinik-Ergos an. Von denen arbeitet ungefähr ein Viertel im psychiatrischen Bereich, ein Viertel im neurologischen Bereich, und dann kommen so die anderen Bereiche danach. Also das sind die Hauptbereiche Psychiatrie und Neurologie. 18 Prozent in der Geriatrie und 11 Prozent in der Ortho. Bei den ambulanten Ergos ist es ein bisschen anders verteilt, die Fachbereiche. Da ist der größte Anteil 55 Prozent Neurologie, gefolgt von 50 Prozent Orthopädie, 50 Prozent Pädiatrie, 46 Prozent Geriatrie und 15 Prozent Onkologie. Und da ergeben die Prozentzahlen jetzt nicht zusammen 100 Prozent, weil da konnte man natürlich mehrfach Antworten angeben. Und wir kennen das alle aus der Praxis. Man hat diesen bunten Blumenstrauß an Klientel. Und natürlich entwickelt man einen Schwerpunkt, aber man hat verschiedene Gewichtungen der Fachbereiche dann eher. [00:44:54] Wohingegen, wenn man in der Klinik, in der neurologischen Klinik arbeitet, hat man ausschließlich neurologische Klientel in den meisten Fällen. Bei den ambulanten Ergos finden 51 Prozent der Therapien als Hausbesuche statt. Das fand ich auch noch mal ganz spannend, dass tatsächlich, also Hälfte wird Hausbesuche gefahren. Wir reden gleich noch mal über Wartezeiten. Da werden diese 51 Prozent auch noch mal relevant. Und jetzt kommen wir mal zur Arbeitszeit. Und da bin ich noch mal kurz vorm Stuhl gefallen, weil da steht zuerst mal, die durchschnittliche, durchschnittliche Wochenarbeitszeit liegt bei 40 Stunden. Der Durchschnitt. So, und dann habe ich gesagt, Moment, was passiert hier in Bayern? Was macht ihr alle da draußen? Ihr arbeitet zu viel. Ihr arbeitet zu viel. Und das liegt daran, was du vorhin auch schon gesagt hast, 34 Prozent der Befragten sind selbstständig. [00:45:54] Und wenn man die getrennt berechnet, quasi, die haben eine deutlich höhere Wochenstundenzahl von durchschnittlich 45 Stunden angegeben als Selbstständige. Und wenn man nur die angestellten Ergos anschaut, die haben eine durchschnittliche Wochenstundenzahl von 35 Stunden. Immer noch relativ viel, weil die meisten Ergos ja in Teilzeit arbeiten. Also, wenn da unser Bundeskanzler mal nicht stolz ist. Das wollte ich auch mit einwerfen. Darf man nicht vergessen. Wir reden nachher auch noch über Work-Life-Balance. Dieses Lifestyle-Teilzeit. Diese Lifestyle-Teilzeit. Fürchterlich. Und dann arbeiten die nur 35 Stunden in der Woche. Gut. Zynismus ausgeschaltet. Im Durchschnitt werden in diesen 35 Stunden 20 Therapieeinheiten pro Woche durchgeführt. [00:46:57] Das mag für manche wenig klingen. Aber bedenkt, es sind hauptsächlich Teilzeitkräfte. Und die meisten Ergos arbeiten übrigens in Teilzeit. Da kommt das von ganz am Anfang, als ich gesagt habe, wie viele Leute Kinder haben. Die meisten geben für den Grund an, warum sie in Teilzeit arbeiten, dass sie familiäre Verpflichtungen haben. Dass sie sich um Kinder zu Hause kümmern müssen. 12 Prozent sind pflegende Angehörige. Dass sie Care-Arbeit leisten. Neben ihrem Teilzeitjob.
Theresa Hausner: [00:47:27] Es ist auch so schön, dass das abgefragt wurde. Also, was sind die Gründe? Genau.
Sara Mohr: [00:47:33] Pro Tag. Ich finde so, wie viele Leute werden so pro Tag behandelt, finde ich immer total schön, um mein eigenes Arbeitspensum auch einzuschätzen. Pro Tag werden im Klinik-Setting durchschnittlich zwölf Menschen behandelt. Und im Ambulanten neun Personen. Finde ich auch. Wollen wir über Gehalt reden, Theresa?
Theresa Hausner: [00:47:57] Unbedingt.
Sara Mohr: [00:47:58] Das ist nämlich, ja, misstrauig gemacht.
Theresa Hausner: [00:48:02] Ich wollte gerade sagen, wobei es nicht so das schöne Thema eigentlich ist, wenn man da die Zahlen mal anschaut.
Sara Mohr: [00:48:07] Die meisten, also 32 Prozent, wir reden von jährlichem Nettolohn jetzt bei allem, was wir hier besprechen, so für den Rahmen. Die 32 Prozent der Teilnehmenden Ergos verdienen jährlich netto zwischen 20.000 und 30.000 Euro. Ein weiteres ungefähr Drittel, 29 Prozent, verdienen zwischen 30.000 und 40.000 Euro. Und das sind wieder so Zahlen, die mir persönlich relativ wenig sagen, um Gefühl dafür zu bekommen. Wir sprechen da von einem durchschnittlichen Stundenlohn von 22,70 Euro. Wenn man sich das nur für die Angestellten anschaut, also diese 35 Prozent selbstständig wieder rausgerechnet, dann sind wir bei einem Stundenlohn von 19,60 Euro. Und damit sind wir deutschlandweit und über alle Branchen betrachtet unter dem Durchschnitt an Stundenlohn. Für Bayern ist der Durchschnitt an Stundenlohn übrigens bei 25 Euro. Und auch verglichen mit den anderen Berufsgruppen in der HELPER-Studie [00:49:07] ist die Ergotherapie die Berufsgruppe mit dem niedrigsten Netto-Stundenlohn.
Theresa Hausner: [00:49:13] Ich finde es ganz interessant. Ich habe mit meinen Lernenden damals auch geguckt, wie denn der Gap noch ist bei uns im Bereich Bezahlung zwischen Männern und Frauen. Und auch da besteht in der Ergotherapie noch ein Gap. Ich kann dir nicht mehr genau die Prozente sagen. Aber dafür, dass wir fast mehr Männer in der Studie mit dabei haben, die teilgenommen haben, finde ich, muss man das trotzdem noch mal mit beachten, dass sie gegebenenfalls mehr verdient haben als die Frauen.
Sara Mohr: [00:49:38] Dass also der tatsächliche Netto-Stundenlohn wahrscheinlich sogar noch unter diesen 19,60 Euro liegt. War denn so dieses Vergütungsthema, wie wurde da im Gesundheitsministerium drüber gesprochen? Das ist ja auch wieder Bundesthema eigentlich.
Theresa Hausner: [00:49:58] Ja, absolut. Es waren auch zwei Vertreterinnen der AOK da für die Krankenkassen. Es wurde jetzt nicht richtig groß diskutiert, würde ich sagen. Nur zum Einstufen auch oder zum Einordnen. Und das war auch, bevor jetzt die 66 Sparmaßnahmen von Nina Wagen vorgelegt wurden. Also das war da noch gar kein Thema, weil es noch nicht überhaupt relevant war. Genau. Es war auf einem anderen Level, glaube ich, wird es diskutiert. Also wir haben viel darüber gesprochen, wie, was bräuchte es, um den Beruf attraktiver zu machen, um Fachkräfte zu gewinnen. Und da natürlich mehr bessere Finanzierung, höhere Gehälter, weil eben die Gehälter nicht so hoch sind im Vergleich, was dann ja wieder in so einer Spirale ist. Also da wurde es immer wieder mit aufgegriffen. Ein Punkt war letztendlich natürlich immer wieder auch die Vollakademisierung, mehr Verantwortung, dadurch dann natürlich auch bessere Löhne, bessere Vergütungsperspektiven, mehr Karrierechancen oder Ähnliches, [00:51:01] um zu schauen auch, welche Verantwortung können Ergotherapeuten und Ergotherapeutinnen übernehmen. Dort wird es natürlich auf alle Heilmittlerbrehenden diskutiert, damit man auch höhere Vergütung vielleicht mitbekommt. Also könnte man, wenn man jetzt von einem Direktzugang spricht und man führt eine andere Diagnostik nochmal durch, als es derzeit durchgeführt wird, hat eine andere Selbstbestimmung und hat mehr Verantwortung. Das, was jetzt derzeit ja noch beim Arzt liegt, bekommt man dann vielleicht auch eine andere Vergütung. Oder wie wäre das dann geregelt? Und welche Verantwortungen könnten Ergotherapeuten und Ergotherapeuten denn übernehmen, die vielleicht gerade noch bei Mediziner und Medizinerinnen liegen? Das wurde schon auch diskutiert. Und wenn man guckt, dass natürlich auch die Mediziner und Medizinerinnen oder die Hausärzte und Hausärztinnen immer mehr vom Fachkräftemangel betroffen sind. Was könnte man da vielleicht auch schaffen?
Sara Mohr: [00:51:58] Okay, ja, sehr spannend. Und es ist tatsächlich, wie du sagst, ich habe die HELPER-Studie angefangen vorzubereiten für diesen Podcast. Bevor die Forderungen von Nina Wacken und zu den ganzen Einsparungen im Gesundheitssystem kamen. Und als ich es jetzt heute Morgen nochmal durchgelesen habe, habe ich gedacht, oh Gott, eigentlich muss man es nochmal komplett neu diskutieren. Ja. Aber ihr da draußen, die hier zuhört, dürft es auch separat von diesem Podcast. Bitte diskutiert es. Weil die Forderungen, die jetzt hier basierend auf zum Beispiel diesen Daten zum Gehalt gestellt werden, gehen natürlich total konträr zu den geplanten Einsparmaßnahmen im Gesundheitsbereich. Also das passt überhaupt nicht zu der Datenlage, die wir hier sehen. Die HELPER-Studie selber spricht für die Hebammen und die Heilmittelberufe von einer Gratifikationskrise. Und die sagen, die hohe berufliche Qualifikation und der steigende Arbeitsaufwand passt überhaupt nicht zu dem Gehalt und zur Anerkennung, die die Personen erhalten. [00:53:02] Und das ist mit einer der größten Gründe für die Nachwuchsprobleme, die wir beobachten in diesem Berufsgruppen. Das fand ich sehr schön, dass das nachher in den Ergebnissen auch nochmal ganz klar genau so gesagt wurde. Genau. Und jetzt hast du eben den Direktzugang schon angesprochen. Und der ist auch das nächste Thema. Und da habe ich ja jetzt gleich eine Meinung zu. Aber erst mal die Daten. Knapp 80 Prozent der teilnehmenden Ergos befürworten die Möglichkeit des Direktzuganges für die Ergo-Therapie. Und zwar mit folgender Begründung. Die sagen, naja, wenn es einen Direktzugang gäbe, dann wäre ich freier in meiner Therapiegestaltung, was Dauer angeht, was Frequenz angeht, was Wahl des Heilmittels angeht. Es gäbe eine schnellere therapeutische Versorgung. Also die Leute kämen ja direkt quasi zu mir und würden dann therapeutisch versorgt werden. Die Klient*innen wären auch höher motiviert, weil dann kommen halt auch die, die wirklich dann gezielt Ergotherapie haben möchten. Und es würde eine finanzielle Entlastung für das Gesundheitssystem darstellen. [00:54:05] Bevor ich jetzt meine persönliche Meinung zum Direktzugang zeige. Möchtest du deine persönliche Meinung teilen, Theresa?
Theresa Hausner: [00:54:12] Meine persönliche Meinung. Das ist spannend. Ich weiß noch, wir hatten an der Hochschule damals, sollten wir ein Positionspapier schreiben und uns entweder für oder dagegen aussprechen. und haben dann gegenseitig das von der anderen Person, also ich hatte für den Direktzugang geschrieben, jemand anderes gegen und dann mussten wir kritisch das andere betrachten und unsere Meinung vielleicht auch nochmal ändern. Das fand ich eine super Aufgabe, das war ganz interessant. Ich persönlich bin, kann nur für mich sprechen, ich fände einen Direktzugang bei mir super. Also ich traue mir auch zu, ich fühle mich kompetent. Allerdings, und das habe ich letztens auch einem Kollegen gesagt, weil ich mich zu 100 Prozent sicher im Therapieprozess fühle. Ich weiß genau, wann tue ich was. Ich weiß meinen Ablauf. Ich weiß, wie umfangreich meine Evaluationsphase ist, um dann auch einzuschätzen, ist der Bedarf da, wie hoch ist der Bedarf, wie frequenziert kommt ein Klient oder eine Klientin zu mir. [00:55:16] Ich muss ehrlich sagen, vor dem Studium hätte ich mir das, glaube ich, nicht zugetraut. Da hätte ich es aus anderen Gründen sicher gut gefunden, aber hätte mich jetzt nicht so kompetent gefühlt und ohne Probleme. Wenn es heißen würde, traust du dir zu, morgen Direktzugang zu machen, würde ich sagen, ja. Also hätte ich jetzt kein Problem mit. Was ich sehr schwierig sehe, ist noch, dass die Mehrheit der Gesellschaft nicht wirklich weiß, was Ergotherapie ist. Ich glaube, da muss noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden, damit sie dann auch wissen, hey, ich habe das und das Anliegen, damit gehe ich zur Ergotherapie. Das finde ich ist ja auch noch was. Also wir hätten dann einen Direktzugang, aber wer kommt denn letztendlich dann zu uns? Wer weiß denn, dass er Ergotherapie benötigen würde? Das ist in der Physiotherapie, glaube ich, noch ein bisschen einfacher, weil da mehr noch eine Vorstellung davon hat.
Sara Mohr: [00:56:18] Ja, das ist eine spannende Frage. Würde der Direktzugang denn tatsächlich so genutzt werden, wie wir uns das vorstellen, wenn es ihn gäbe?
Theresa Hausner: [00:56:24] Absolut, absolut.
Sara Mohr: [00:56:27] Ja, das ist spannend. Wir können deine Studiumsarbeit wiederholen, weil ich habe ein bisschen einen anderen Punkt. Also ich gebe bei ganz vielen Punkten bei dir mit. Aber ich fand es jetzt hier bezogen auf die Studie so spannend, dass also 80 Prozent sagen, ja, ich bin absolut in der Lage, ich habe alle Kompetenzen, die ich für einen Direktzugang brauche. Gleichzeitig sagen aber über drei Viertel der Ergotherapie ist ein Studium, brauche ich nicht. Ja, absolut. Leute, ist euch bewusst, welche Verantwortung mit dem Direktzugang verbunden ist? Da kommen Leute in Anführungszeichen von der Straße, da kommt Lieschen Müller von der Straße zu uns in die Praxis. Wir haben keinerlei Vorinformationen, außer denen die Lieschen Müller uns in der Lage ist mitzuteilen oder auch nicht. Und dann muss ich auch auf einer medizinischen Ebene in der Lage sein, Red Flags zu erkennen, Yellow Flags zu erkennen, Blue Flags zu erkennen, Black Flags zu erkennen, zu beurteilen und darauf adäquat zu reagieren [00:57:30] und dann eben auch die komplette Verantwortung zu tragen, kann diese Person ergotherapeutisch behandelt werden oder muss ich die weiterverweisen? Das ist komplett meine Verantwortung, diese Evaluation auf einem Niveau durchzuführen, dass ich Chronifizierungsrisiken erkenne, dass ich Symptome beurteilen kann, ob die vielleicht noch auf etwas anderes hindeuten, dass medizinisch abgeklärt werden muss. Ich weiß nicht, wo ihr eure großartige scheinbar Ausbildung gemacht habt, aber ich habe das in der Ausbildung nicht gelernt.
Theresa Hausner: [00:58:03] Wenn ich voll, wie ich gesagt habe, also hätte ich mir damals nicht zugetraut.
Sara Mohr: [00:58:08] Ja, durch das Studium auf jeden Fall ein bisschen besser geworden. und ich, ne, also ich bin seit 15 Jahren Ergotherapeutin und ich glaube, ich mache das ganz okay, meinen Job so, aber ich würde mir nicht zutrauen, das mal eben so zu beurteilen. Und übrigens, die Länder, in denen es den Direktzugang gibt, da sind die Therapeut*innen auch ganz spezifisch genau dafür geschult worden. Da gab es dann, entweder ist es Teil der Curricula im Studium oder es gab entsprechende Nachqualifizierungen. Aber genau dieses Studium oder diese Nachqualifizierung lehnen wir ja ab. Da kriege ich ja Emotionen. Deshalb, ja, fand ich das sehr spannend, dass wir da so enthusiastisch Ja rufen. Und es heißt nicht, dass ich gegen den Direktzugang bin. Ich kann mir das als eine Perspektive sehr gut vorstellen. Und die Blanco-Verordnung ist ja ein Schritt in diese Richtung. Da bin ich auf Evaluationen gespannt. [00:59:09] Ich kann mir, finde das, fände das gut, wenn es irgendwann einen Direktzugang in der Ergotherapie gibt. Aber ich glaube, da müssen wir nochmal ein bisschen hart an unseren Kompetenzen arbeiten vorher.
Theresa Hausner: [00:59:18] Und vor allem, wie du es ja jetzt auch so schön gesagt hast und wie es in den Handlungsempfehlungen kommt, es geht, das werden wir nur erreichen mit einer Vollakademisierung. Das muss man, glaube ich, eben ganz klar auch noch mitzeigen. Ich glaube, es stand auch direkt in den Handlungsempfehlungen dort, dass, ich lese gerade mal noch kurz nach, genau, eine stärkere Professionalisierung und eine Akademisierung dieser Berufe eine Voraussetzung dafür ist.
Sara Mohr: [00:59:46] Ja, sonst kann man uns diese Verantwortung nicht guten Gewissens übertragen. Und ich könnte sie auch nicht guten Gewissens selber tragen.
Theresa Hausner: [00:59:52] Ich glaube auch, die Mehrheit nicht. Also ich glaube, wenn man so blanko verordnungstechnisch schaut, da sieht man ja schon, oder da habe ich bei vielen, da habe ich jetzt keine Studie zu, aber ich habe unter den Therapeuten und Therapeutinnen, die praktizieren, auch wirklich mitbekommen, dass sie da erstmal Sorge hatten in der Umsetzung und erstmal Respekt davor hatten, das jetzt selbst zu bestimmen oder auch Stimmen, die gesagt haben, ich will das nicht selbst bestimmen, weil ich es nicht kann. Also ich finde, da sind wir halt wieder bei, wir können nicht alles haben. Man muss dafür auch in gewisser Weise vielleicht dann zumindest einen Hochschulabschluss machen. Ja, absolut.
Sara Mohr: [01:00:33] Kommen wir zu einem Thema, das mindestens genauso emotional ist. Wartelisten oder generell Wartezeiten. Auch da war ich ein bisschen verwundert. Also die längsten Wartezeiten auf Termine werden bei Hausbesuchen verzeichnet in Bayern. Da waren sieben oder mehr Monate Wartezeit üblich. Aber es hat mich sehr verwundert, dass bei fast allen anderen Therapieformen ohne Hausbesuch eine Wartezeit von maximal drei Monaten angegeben war. Und das entspricht so gar nicht meiner persönlichen Erfahrung. Und jetzt mache ich was Gefährliches. Jetzt gucke ich mir eine Studie an, an der hier hunderte Menschen teilgenommen haben und sage, meine persönliche Erfahrung ist aber eine andere. Leute, das ist keine gute wissenschaftliche Praxis. Das ist natürlich nur meine individuelle Erfahrung ist. Aber die entspricht dem so gar nicht. Also wir haben in der Praxis aktuell über alle Fachbereiche hinweg eine Wartezeit von mindestens zehn Monaten. Es kann mal sein, dass jemand früher irgendwo reinrutscht, weil es dann gut passt [01:01:34] oder weil es ein akuter Bedarf ist, den wir dann irgendwie vorziehen. Das evaluieren wir vorher auch alles telefonisch mit den Leuten, wie dringend es quasi auch ist, um da auch irgendwie ethisch halbwegs gute Entscheidungen treffen zu können. Und ich höre von vielen, vielen Praxen. Jetzt bin ich natürlich aber auch im Ballungsraum München, die schon gar keine Wartelisten mehr führen. Also sie sagen, warum soll ich hier eine Warteliste mit 800 Leuten drauf führen? Wem bringt es was? Außer, dass ich das verwalten muss. Aber das ist vielleicht verzerrt eben meine persönliche Erfahrung durch diesen Ballungsraum jetzt hier. Wie ist denn das bei dir? Was kriegst du damit mit Wartezeit?
Theresa Hausner: [01:02:15] Ich war vorher als Leitung von mehreren ergotherapeutischen Praxen tätig und da waren zwei davon beziehungsweise drei in einer Kleinstadt in Coburg und eine eher im ländlichen Bereich. Und ich muss sagen, in Coburg, aber da lag es daran, dass wir relativ schnell viele aufgemacht haben, viele Praxen. Das ging, da würde ich mit den drei Monaten mitgehen, weil wir aber relativ zügig, wenn wir gemerkt haben, wird voll eine neue Praxis noch mit aufgemacht haben. Mit dem Problem, dass man dann vielleicht auch keine Therapeuten oder Therapeutinnen irgendwann mehr findet, weil die Praxis die eine Sache, das andere die Therapeuten und Therapeutinnen, die praktizieren. Bei den Hausbesuchen gehe ich total mit. In der Praxis im ländlichen Raum ganz klar deutlich längere Warteliste. Also muss ich echt sagen, da war Praxis, die hatte ich damals eigenständig noch aufgemacht, die war relativ schnell voll nach meiner Empfindung [01:03:17] und dann auch kontinuierlich eigentlich immer wieder voll.
Sara Mohr: [01:03:22] Ja, das ist schon. Auch dazu gibt es übrigens in der letzten Ergo Science,
Theresa Hausner: [01:03:32] wo ich kenne nicht meine eigene Zeitschrift,
Sara Mohr: [01:03:34] gab es einen Artikel zu, wie gehe ich denn mit Wartelisten um in der Ergotherapie? Was gibt es denn für Strategien eigentlich zum Wartelistenmanagement?
Theresa Hausner: [01:03:42] Wie du sagst, auch ethisches Dilemmata einfach. Wen nehme ich dann, wen nicht, etc.
Sara Mohr: [01:03:46] Ich muss ja quasi telefonisch triagieren. Also das ist ja absurd.
Theresa Hausner: [01:03:53] Und dann auch noch gucken, wer kann vielleicht auch zu jeder Zeit, das sind wir wieder 50 Prozent der Befragten, waren Mütter oder Eltern, da sind die Arbeitszeiten sicherlich nochmal anders möglich als jetzt bei Menschen ohne Kinder. Und dann ist vielleicht jemand, der zu Hause ist, schneller in Behandlung als jemand, der arbeitet oder vormittags nach einer anderen Kehrbeschäftigung.
Sara Mohr: [01:04:21] Schulkinder, die nur nachmittags können. Das ist total. Also großes Thema Wartezeiten. Und dann gab es noch einen ganz kleinen Teil der Befragung. Der war klein, weil nur 30 Ergos den ausgefüllt haben, wo es um gemeinwesenorientierte Ergotherapie ging. Der wurde nur von 30 Leuten ausgefüllt, weil der nur von denen ausgefüllt wurde, die tatsächlich in der gemeinwesenorientierten Ergo dann auch tätig sind. Und davon waren 63 Prozent bei einem öffentlichen Träger angestellt. Und die waren vor allem in Kitas und in Schulen tätig. Das passt zu dem, was wir ganz am Anfang gesagt hatten. Und 12 Prozent aber auch mit Kontakten zu Senioren und Pflegeheimen.
Theresa Hausner: [01:05:02] Schön. Auch ganz spannend, genau.
Sara Mohr: [01:05:06] Den schrappen wir jetzt nur so den Bereich, wenn ihr euch da tiefer reinlesen wollt, könnt ihr in die HELPER-Studie gucken, weil ich will jetzt dringend mit dir, Theresa, über Arbeitszufriedenheit sprechen.
Theresa Hausner: [01:05:14] Unbedingt.
Sara Mohr: [01:05:17] Fangen wir mit dem Schönen an. Also 21 Prozent haben gesagt, ich bin vollständig zufrieden mit meinen Arbeitszeiten. 33 Prozent haben noch so gesagt, ich bin noch so eher zufrieden mit meinen Arbeitszeiten. Und nur 12 Prozent waren gar nicht zufrieden. Das ist also noch gut. Auch die Urlaubstage. Knapp 60 Prozent sagen, sie sind eigentlich zufrieden mit der Anzahl ihrer Urlaubstage und wie sie sich Urlaub nehmen können.
Theresa Hausner: [01:05:38] Zu den Urlaubstagen vielleicht. Ich weiß nicht, wie es in anderen Bundesländern ist. Ich habe bisher immer in Bayern eigentlich gearbeitet. Ich hatte bisher auch immer 30 Urlaubstage. Also ich glaube, das ist so was, was…
Sara Mohr: [01:05:49] Ist das so ein Bayern-Ding?
Theresa Hausner: [01:05:51] Ich weiß nicht, wie es in anderen Bundesländern ist.
Sara Mohr: [01:05:54] Ich hatte das Unterschied. Also ich habe ja in Rheinland-Pfalz gearbeitet. Ich habe in NRW gearbeitet. In Hessen gearbeitet. Zwar gemischt. Ich hatte aber auch schon eine Stelle in Rheinland-Pfalz, wo ich 30 Urlaubstage hatte.
Theresa Hausner: [01:06:07] Sonst weniger?
Sara Mohr: [01:06:09] Sonst weniger, ja. Ich habe auch schon an einer Stelle gearbeitet, wo ich die, was ist das, Minimum 25 Tage? //Theresa Hausner: 24? Hätte ich auch schon. 24, 25, okay.// Hatte ich auch schon. Macht nicht so viel Spaß.
Theresa Hausner: [01:06:21] Das vielleicht nämlich eben zur Eingruppierung, weshalb man vielleicht zufrieden ist. Also ich glaube schon, also ich hatte es bisher, das ist jetzt wieder eine reine Erfahrung, aber ich hatte bisher auch einfach immer das Angebot gleich mit 30 Urlaubstagen. Ich musste das wenig handeln im Vergleich jetzt zum Gehalt.
Sara Mohr: [01:06:36] Ja. Und jetzt muss man natürlich auch noch bedenken, Bayern ist auch noch das Land mit den meisten Feiertagen.
Theresa Hausner: [01:06:39] Feiertagen.
Sara Mohr: [01:06:40] Das trägt vielleicht zur Zufriedenheit bei. Dass man es ein bisschen einschätzen kann, woher das kommt. Genau. Diese Zufriedenheit findet sich nicht wieder in der Work-Life-Balance. Da sagen jetzt nämlich nur noch 12 Prozent, sie sind völlig zufrieden. 34 Prozent sagen so neutral, meine Work-Life-Balance, 34 Prozent. Und 24 Prozent sind unzufrieden mit ihrer Work-Life-Balance. Und das könnte unter anderem damit zusammenhängen, dass sich die Arbeitszeiten, seit 2017 bei einem Drittel der Befragten gesteigert haben. Und die sagen, diese Arbeitszeiten haben sich gesteigert aufgrund der erhöhten Nachfrage nach Therapieplätzen. Und weil es zunehmend schwieriger ist, Personal zu finden, Vertretung für Urlaub zu finden, Vertretung bei Krankheit zu finden. Und fast die Hälfte gab an, ich arbeite mehr, als ich eigentlich möchte, Herr Merz. die subjektive Arbeitsbelastung, [01:07:40] das sind jetzt alles so Zahlen, wie viele Stunden arbeite ich tatsächlich und so, aber die subjektive Arbeitsbelastung, also wie belastet fühle ich mich durch Arbeit, ist bei 70 Prozent in den letzten fünf Jahren gestiegen. Aufgrund der erhöhten Herausforderungen, Gesundheitssystem, Personalmangel, es kann nicht mehr so gut ausgeglichen werden. Ich muss mich, wenn ich krank bin, muss ich fünfmal überlegen, bleibe ich jetzt wirklich daheim oder gehe ich nicht doch hin, weil es kann niemand Vertretung machen. Und da ist es eigentlich spannend, wenn man sich diese Unzufriedenheit anguckt, dass knapp 70 Prozent noch nie überlegt haben, ihren Beruf aufzugeben.
Theresa Hausner: [01:08:21] Wahnsinn, ne?
Sara Mohr: [01:08:23] Was ist denn mit euch los? Schön ist das, dass wir es dann doch irgendwie, das ist halt, das ist ja gleichzeitig unser Fluch und unser Segen, dass man es halt so aus dem Herzen raus macht.
Theresa Hausner: [01:08:40] Wobei man auch andersrum betrachtet, 30 Prozent haben trotzdem drüber nachgedacht, davon nicht vergessen, ist ja auch letztendlich jeder Dritte, der oder die dann mal drüber nachgedacht hat, vielleicht zu wechseln in den anderen Beruf. Auch wenn natürlich, wenn man die Arbeitsbelastung anschaut, das eine relativ kleine Zahl ist. Wenn man guckt, dass man so ein bisschen einordnen kann, die Befragung war ja, fünf Jahre zuvor waren die Corona-Jahre. Das ist vielleicht nochmal relativ wichtig. Ich finde, da hat sich auch die Anforderungen natürlich geändert an unserem Beruf oder da waren die Anforderungen höher durch die ganzen Hygienemaßnahmen auch. Und dieses flexible Wechseln, was man immer wieder hatte, heute zählt das, morgen zählt das, übermorgen das. Man hat plötzlich neue Krankheitsbilder vielleicht auch gehabt. Mit Long-Covid, wo erst mal, oh, was mache ich? Was ist mein Auftrag? Wie gehe ich damit um? Das finde ich noch relativ wichtig zur Eingruppierung. Berufsgruppierung. [01:09:40] Und ich habe das Gefühl, und da sind wir jetzt wieder bei der Vollakademisierung, ich habe schon das Gefühl, dass diese Anforderungen an uns als Berufsgruppe, also was leisten wir? Jeder fordert, wir müssen evidenzbasiert arbeiten. Das ist, glaube ich, schon auch was, was man in der Praxis merkt. Klar, man will es ein Bestmögliches geben. Jetzt gibt es immer mehr Evidenzen zu verschiedenen Dingen. da muss ich aber auch Studien lesen können oder den tollen Podcast von dir zum Beispiel hören, damit ich ein bisschen Wissen mitbekomme. Aber das ist ja schon auch was, was eine Arbeitsbelastung, finde ich, oder was auf die Arbeitsbelastung gehen kann, wenn ich mich kompetent vielleicht auch fühle.
Sara Mohr: [01:10:22] Ja, ja, total. Und wie gesagt, das ist spannend, dass nur 70, also dass 70 Prozent das noch nie überlegt haben. Allerdings 40 Prozent sagen, die Arbeitsstelle würde ich gern wechseln oder eben, ich würde gern mein Angebot reduzieren oder weniger arbeiten, 40 Prozent. Und die sagen, ich möchte das gerne, also ich will einen Stellenwechsel, weil die Arbeitsbelastung zu hoch ist, wie du sagst. Und da reden wir über die Corona-Jahre auch mit und oder weil mein Einkommen zu gering ist und oder weil der Personalmangel an meiner aktuellen Stelle das so belastend macht. Weil das ist natürlich klar, das ist nicht nur ein Problem für die Arbeitgebenden, wenn ich einen Personalmangel habe, sondern das ganze Team muss das dann ja mittragen, die Mehrarbeit, für die eigentlich jemand eingestellt werden wollte.
Theresa Hausner: [01:11:11] Absolut.
Sara Mohr: [01:11:13] Das zur, also gemischte Tüte, würde ich sagen, was die Arbeitszufriedenheit angeht.
Theresa Hausner: [01:11:20] Und ich finde es auch nochmal spannend, wenn man überlegt, jeder Dritte oder jede Dritte überlegt oder hat schon mal über einen Berufswechsel nachgedacht. Jetzt reden wir davon, die Studie wurde oder das Projekt wurde entwickelt, um ein Fachkräftemonitoring, also auch zu schauen, wie sind wir gerade aufgestellt, um dann, wenn die Generation, die Babyboomer-Generation in Rente geht, sind wir dem dann gewachsen. Das war ja ein Grund auch nicht. Wenn man jetzt bedenkt, dass vielleicht neben denen, die ausscheiden, weil sie in Rente gehen, auch noch Leute ausscheiden, weil die Arbeitsbelastung doch sichtbar zunehmend höher wird oder wie man es in der Studie ja jetzt auch an Zahlen hat, höher wird, dann vielleicht auch noch ein paar ausscheiden, stärkt es natürlich diesen Fachkräftemangel enorm. Dann sind wir wieder in der Spirale.
Sara Mohr: [01:12:06] Ganz genau, ganz genau. Und da sehen wir, also da reden wir noch nicht über konkrete mittelfristige Lösungen, einfach auch, die es da geben kann. Das ist schon ein bisschen gruselig auch. Also zusammenfassend, in der HELPER-Studie stehen noch ganz, ganz viele andere spannende Zahlen drin. Guckt da gerne rein, Link in den Show Notes. Theresa, was sind denn so deine drei größten Takeaways aus der HELPER-Studie? Musst du nicht mit Zahlen belegen, aber was nimmst du dir für dich so mit aus dieser Studie?
Theresa Hausner: [01:12:41] Ich bin ja immer so, dass ich, meine Perspektive ist immer sehr, dass ich bei allem sehr lösungsfokussiert unterwegs bin, würde ich mal sagen. Und ein Thema, das hatten wir jetzt gar nicht besprochen, aber das kann man ja nachlesen, ich habe zufällig die Zahlen gerade da, nur 10,3 Prozent der Befragten führen, Teletherapie durch. Das ist zum Beispiel was, wo ich sagen muss, das habe ich ganz klar rausgenommen, wow, wir müssen Teletherapie noch mehr implementieren in die praktische Arbeit. Wir haben, brauchen wir nicht drüber reden, den Fachkräftemangel, wir haben das Problem, Hausbesuche, weiß ich, sechs bis neun Monate, hattest du gesagt, glaube ich,
Sara Mohr: [01:13:18] dass man mehr als sieben Monate
Theresa Hausner: [01:13:21] wartet man, wenn ich jetzt einen Schlaganfall habe, ich möchte nicht sieben Monate warten, bis mich jemand behandelt. muss ich ganz klar sagen, das ist was, wo ich noch rausgenommen habe, das müssen wir nutzen. Das andere ist jetzt nichts Neues und wir haben es ein paar Mal erwähnt, wir brauchen eine Vollakademisierung und wir müssen irgendwie noch transparenter machen, vielleicht auch vom Verband aus, warum es so wichtig ist, warum brauchen wir die Vollakademisierung.
Sara Mohr: [01:13:51] Und dass nichts Bedrohliches ist, //Sara Mohr: nichts Schlimmes.//
Theresa Hausner: [01:13:53] Genau, es ist nichts Schlimmes, wenn man die 239 Seiten, glaube ich, ungefähr durchliest von der HELPER-Studie, hat man das auch natürlich ganz klar. Ich glaube, da kann man nichts anderes sehen, als danach, wow, okay, braucht man, um diesen wachsenden Herausforderungen dann auch entgegenzustehen. Und das ist so ein bisschen, was mich persönlich auch, weil ich einfach selbst auch Mama bin, dieses, wir brauchen andere Arbeitszeitenmodelle, beziehungsweise Kita-Betreuungsplätze. Man braucht da noch irgendwie eine Lösung, wie man Eltern, und wir sind einfach in einem Frauenberuf, Mütter noch mehr unterstützen kann. Mein Mann und ich, wir teilen es zwar gleich auf, also ich arbeite Vollzeit und er, wir kriegen das gut hin, würde ich in der Praxis so nicht schaffen, weil man ganz andere Arbeitszeiten hat. Ich kann nicht früh um sechs in der Praxis anfangen, wie ich es jetzt mache. Es braucht einfach andere Modelle. [01:14:53] Man muss mal frei überlegen, welche Möglichkeiten gibt es denn, was kann man umsetzen und nicht immer bei diesem, so ist es bisher, so machen wir es weiter. Welche Arbeitszeitmodelle kann ich denn vielleicht auch anbieten?
Sara Mohr: [01:15:06] Wenn ich genau, wenn ich diese Patientenversorgung sicherstellen will, einfach im Endeffekt. Wenn ich mit den Leuten weiter in Kliniken, in Praxen arbeiten, dann muss ich denen Modelle anbieten können, bei denen ich trotzdem noch meine Familie sehe, gelegentlich. und eben auch die Care-Arbeit machen kann, die ich gerne machen möchte.
Theresa Hausner: [01:15:26] Und da kann, glaube ich, also da hatte ich alle Zuhörenden, aber auch wirklich alle Praxisinhabenden mal einzuüberlegen, welche Möglichkeiten habe ich auch für meine Mitarbeitenden. Genau.
Sara Mohr: [01:15:36] Ja, sehr schön. Ich habe, weil das Thema Vollakademisierung so in dieser Folge so präsent ist, ich habe, das habe ich vor ein paar Folgen schon mal gesagt, aber für mich war so ein Highlight-Moment, wo ich ganz viele Dinge verstanden habe zum Thema Akademisierung oder Vollakademisierung in den Therapieberufen, die, und jetzt kommt Werbung für einen anderen Podcast, die Folge 24 von den Performance Skills, wo sie mit Robert Richter sprechen.
Theresa Hausner: [01:16:01] Oh ja.
Sara Mohr: [01:16:02] Das sind, glaube ich, sogar zwei Folgen. Ich glaube, es ist eine Doppelfolge. Und wirklich aufdröseln, was würde das denn heißen, eine Vollakademisierung? Wie würde so ein Prozess auch ablaufen hin zur Vollakademisierung? Da kommt ja keiner aus dem Busch gesprungen und sagt so, ab jetzt Vollakademisierung und jeder, der keinen Studienabschluss hat, darf nicht mehr. Also das ist ja totaler Quatsch. Wie hat es auch in anderen Ländern funktioniert und gut funktioniert? Hört da mal rein. Ich mache euch dazu auch mal einen Link in die Show.
Theresa Hausner: [01:16:30] Das hat für mich damals noch ganz, ganz viele Fragen beantwortet.
Sara Mohr: [01:16:32] Die Folge ist schon ein bisschen älter. Genau. Vielen Dank für diese drei Takeaways. Jetzt habe ich noch, hatte ich ja versprochen, ich habe noch ein bisschen Zahlen für die Leute, die nicht in Bayern wohnen. Wenn ihr nicht in Bayern wohnt, aber stattdessen im schönen Nordrhein-Westfalen, dann gibt es da seit mehr als 20 Jahren sogar die Landesberichterstattung Gesundheitsberufe NRW. Und die monitoren so die Ausbildungs- und Fachkräftesituationen in den Pflege, aber auch in den Gesundheitsfachberufen. Da kann man mal reingucken. Link ist in den Shownotes. Für Deutschland gibt es, also für alle, alle, die hier jetzt gerade zuhören, gibt es eine, von der Deutschen Krankenhausgesellschaft ein Fachkräftemonitoring, sogar ein relativ aktuelles. Da gibt es schon die Zahlen von 2026. Das ist natürlich nur für die Ergos, die in Kliniken arbeiten. Da ist ganz spannend, die Tendenz der Ergos, die in Kliniken arbeiten, ist eher steigend. [01:17:33] Also, die vergleichen da 2018, wie viele Ergos haben in Kliniken, arbeitet mit 2024. Und da haben wir eine Steigerung von 28 Prozent. Also, mehr Ergos arbeiten in Kliniken als noch 2018. Und außerhalb der Kliniken, also umfassend für unsere Berufsgrippe, gibt es ein Fachkräftemonitoring vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Da wird die Ergotherapie leider nicht so dezidiert auseinandergedröselt, wie man sich das wünschen würde. Aber natürlich, die monitoren halt alle Berufe in Deutschland. Und das sind ziemlich viele. Was wir da aber aus dem Fachkräftemonitoring-Link in den Shownotes gut rausnehmen können, ist, dass für das Jahr 2022 haben die sich 510 verschiedene Berufe angeguckt. Und davon waren 200 Engpassberufe. Und zu diesen Engpassberufen gehören vor allem Pflegeberufe, Berufe des Handwerks und aus dem Baubereich, [01:18:35] aber eben auch Gesundheitsberufe. Und Zitat aus diesem Fachkräftemonitoring, im Gesundheits- und auch im IT-Bereich ist nicht mit einer Lockerung dieser Engpass-Situation zu rechnen. Also das war 2022, aber da sind die schon nicht von ausgegangen, dass das jetzt nächstes Jahr besser wird. Diese Engpass-Analyse wird einmal im Jahr gemacht. Und man muss da so ein bisschen, wenn ihr euch die Homepage anguckt, die ist ein bisschen hakelig. Ist ja auch nur ein Bundesministerium. Mein Gott. Man findet da unter Ergotherapie nicht so viele Daten, aber man kann Arbeits- und Beschäftigungstherapie suchen. Erschreckenderweise findet man unter Arbeits- und Beschäftigungstherapiedaten. Und da wird Ergotherapie eben seit Jahren als ein Engpassberuf geführt. und mögliche Gründe für diesen Engpass, für diesen Fachkräftemangel sind einerseits, ja, das hören wir immer wieder, demografischer Wandel, hast du ja eben auch schon gesagt. [01:19:37] Es geht immer mehr Therapeut in Rente, als neu ausgebildet werden. Und natürlich führt der demografische Wandel dazu, dass wir mehr Menschen mit ergotherapeutischem Bedarf haben, weil die Gesellschaft älter wird. Außerdem, zweiter Grund, sagen sie, für den Fachkräftemangel. Es ist für Fachkräfte aus dem Ausland super, super schwierig bis unmöglich, in Deutschland als Ergos tätig zu werden, weil die Anerkennung bundeslandspezifisch geregelt ist und sich auch innerhalb der einzelnen Bundesländer teilweise nach Bezirken unterscheidet. Und das verstehe ich als deutsche Ergo ja schon nicht. Wie soll das jemand verstehen? Also, heute kriege ich wieder Emotionen.
Theresa Hausner: [01:20:27] Das war etwas, was so viel diskutiert wurde. Also, es war immer wieder eine Handlungsempfehlung. Wir müssen mehr Leute aus dem Ausland anwerben, ausländische Fachkräfte. Aber, ich kann es für Bayern tatsächlich sagen, weil ich da ein bisschen involviert bin, man muss eine Fachsprachenprüfung ablegen. Die kostet um die 350 Euro, die man schon mal bezahlen muss. Wenn man sie natürlich wiederholen muss, kostet das fast den Deutschkurs. und dann hat man ein Studium vielleicht oder kommt mit einem Studium aus, ich sage jetzt einfach mal Kanada und muss sich nachqualifizieren, weil man einfach kein Handwerk in der Ausbildung hat. Der besteht bei uns im Ausbildungs- und Prüfungsverordnung.
Sara Mohr: [01:21:07] Traurig. Traurig. Das heißt, die kommen, und das ist ja, Deutschland ist eines der letzten drei Länder auf der Welt, in denen es noch einen Ausbildungsberuf gibt. Das heißt, die meisten, die hierher kommen, kommen mit einem Studiumsabschluss, der hier nicht anerkannt wird und der eine Nachqualifizierung, und für diese Nachqualifizierung gibt es, da gibt es keine Regularien. Du musst jetzt das und das machen. Man muss sich quasi, also in Hessen weiß ich, ist es so, du musst dir quasi privat in Anführungszeichen eine Berufsfachschule suchen, die einfach so freundlich ist, dich zu begleiten.
Theresa Hausner: [01:21:36] Und das ist gar nicht so. Ohne, wir haben bei uns in der Landesgruppe mehrere Schulleitungen. Der Unterricht an den Berufsfachschulen ist ja so ausgerichtet, dass du auf drei Jahre das hast. Jetzt sagen wir, bei denen fehlt das Handwerk. Müssten sie ja in den zweiten oder in den ersten Ausbildungsberufs, Ausbildungsjahr reingehen. Also die müssten einen ganz gesonderten Plan bekommen, was ein superhoher Aufwand ist. Den bezahlt den Schulen ja auch niemand. Auch die Schulen haben Fachkräftemangel und haben wirklich bei weitem anderes zu tun, als da extra Pläne für jeden individuell nochmal auszuarbeiten.
Sara Mohr: [01:22:09] Also das ist Grund zwei für den Fachkräftemangel. Grund drei ist so ein bisschen, der wurde da angegeben als Arbeitsverhalten. wir arbeiten einfach, wir sind ein Frauenberuf, wir arbeiten mit vielen Teilzeitstellen, weil wir nebenbei noch Care-Arbeit machen. Was insgesamt natürlich, das ist nichts Schlechtes, nichts Schlimmes, aber es sorgt für einen höheren Bedarf an Personal in absoluten Zahlen, als wenn wir jetzt alle Vollzeit arbeiten würden. Das ist kein Hauptgrund für den Fachkräftemangel, aber es ist ein Faktor, der dazu beiträgt, dass der sich ein bisschen verschärft. Und man hört eben dann immer wieder, auch jetzt ja aus der HELPER-Studie, klingt es ja an, dass einige Therapeut*innen den Beruf dann doch wechseln oder zumindest in eine andere Branche wechseln oder weg aus der Patient*innenversorgung wechseln, wegen der schlechten Bezahlung, wegen der fehlenden Autonomie, wegen der steigenden Bürokratie im Gesundheitswesen und dann natürlich da auch nicht mehr zur Verfügung stehen, um Leute zu versorgen. [01:23:11] Das zu den Zahlen für Deutschland. Alle Links in den Shownotes. So, jetzt müssen wir irgendwie diesen Podcast aber jetzt noch auf einer positiven Note beenden.
Theresa Hausner: [01:23:23] Ich habe noch ein, was du jetzt nachgedacht, als du gefragt hast, was so für mich die Takeaways waren, //Sara Mohr: die drei.// Was auch diskutiert wurde, war Primärversorgungssysteme, das ist jetzt, ich habe ja schon gesagt, da wäre noch eine Folge bestimmt mal spannend, oder eben Koordinierungsstellen, die es schon bei den Hebammen gibt, für alle, die es vielleicht interessiert. Ich kann dir die Links geben, dann kannst du es in die Shownotes mit reinpacken. Es gibt schon in Bayern über das Bayerische Landesamt für Pflege Landeskoordinierungsstellen für die Hebammenversorgung und aus daraus bilden, würde ich jetzt mal sagen, oder finden sich auf kommunaler Ebene, dann bilden sich da Koordinierungsstellen, wie zum Beispiel bei mir im Landkreis Erlangen-Erlangen-Höchststadt in der Nähe, die eine Homepage haben, die haben ein Konstrukt für sich, [01:24:24] da arbeiten Hebammen und die koordinieren die Anfragen. Also da kann man zum Beispiel als Eltern oder als werdende Eltern seine Anfrage hinschicken, hey, ich brauche eine Hebamme, ich wohne da und da, habe da und da meinen Bindungstermin oder habe schon ein Kind, die und die Leistung bräuchte ich und dann melden die sich bei den Personen, die angefragt haben, mit der jeweiligen Leistung. Das ist sowas, was auch diskutiert wird, weil das für die Therapieberufe sinnvoll ist, gibt für und wie das, also es ist ein zu großes Thema, um es aufzumachen, fand ich nur ganz interessant, mir war nicht bewusst, dass es das bei den Hebammen gibt zum Beispiel, dass das gerade entwickelt wird und da hat der Außenministerium, das fand ich irgendwie ein Satz, der ist bei mir hängen geblieben, weil mich das auch wieder so ein bisschen, also ich bin ganz motiviert rausgegangen, okay, wir können jetzt da was entwickeln und wir schaffen da irgendwas für uns Ergotherapeut*innen oder Therapieberufe, die Physiös mitgedacht, der meinte ganz klar, sowas wie bei den Hebammen, [01:25:24] die Idee kam aus der Berufsgruppe selbst, es sitzt niemand im Ministerium, er will uns da nicht den Gedanken nehmen, aber es sitzt niemand im Ministerium, der den ganzen Tag darüber nachdenkt, was können wir denn Gutes für die Ergotherapeuten und Ergotherapeutinnen machen, damit die eine bessere Versorgung leisten können. Die Idee muss ganz klar von uns kommen und dass wir Projekte, dass wir mal ausprobieren, dass wir Lust haben oder mal brainstormen, welche Veränderungsmöglichkeiten sehen wir denn, um denen zu begegnen, dann vielleicht ein Projekt entwickeln und daraus sich vielleicht sowas wie, wie gesagt, muss keine Koordinierung stellen, aber das wurde auch aus so einem Projekt, aus so einer Eigeninitiative letztendlich heraus entwickelt. Das finde ich einen sehr guten Aufwand.
Sara Mohr: [01:26:07] Ja, sehr gut.
Theresa Hausner: [01:26:08] Ich möchte alle motivieren. Ich habe Lust. Ins Handeln kommen.
Sara Mohr: [01:26:13] Ja, //Theresa Hausner: absolut.// Ich glaube, das ist ein ganz, ganz wichtiger Punkt, wie du das sagst, weil es muss von uns kommen, weil sonst kommt es von niemandem und wir dürfen das. Ihr dürft, ihr dürft, wenn ihr eine coole Idee habt, ihr dürft Sachen ausprobieren. Ihr dürft Sachen anders machen. Ihr dürft loslegen und im Idealfall entsteht ein Best-Practice-Beispiel, mit dem man dann nämlich genau sowas argumentieren kann und sagen kann, guck mal, aber die haben es doch gemacht und da hat es funktioniert.
Theresa Hausner: [01:26:41] Absolut. Und sucht euch Verbündete, die auch Lust haben oder den Verband, der dann nochmal auf einer anderen Ebene wir unterstützen kann. Also kann ich echt nur sagen, macht.
Sara Mohr: [01:26:51] Genau. Und das sind, glaube ich, Sachen, die gehen nur gemeinsam. Die kann ich mir nicht allein meinem stillen Kämmerlein überlegen. Da brauche ich Mitstreiter. Gründet Banden und legt los mit den Lösungen, weil die sind bestimmt irgendwo da draußen und wir dürfen uns neue Sachen denken, weil so weitermachen, wie wir es bisher machen, ist einfach nicht zukunftsfähig und es wird niemand mit der Lösung von extern um die Ecke kommen. Wir dürfen die selber finden.
Theresa Hausner: [01:27:20] Ich bin auch immer offen für sowas. Also wenn jemand Lust hat, brainstorme gerne mit.
Sara Mohr: [01:27:24] Meldet euch bei Theresa für die Revolution der Ergotherapie-Versorgung. Genau. Das ist gut. Sehr schön. Liebe Theresa, vielen lieben Dank, dass du dabei warst beim Podcast. Hat mich sehr gefreut.
Theresa Hausner: [01:27:37] Danke dir für die Einladung. Es war echt super angenehm. War richtig schön, bei dir zu sein. Sehr schön. Und dann hören wir uns
Sara Mohr: [01:27:45] beim nächsten Mal wieder. Bis dahin.
Dieses Transkript wurde mit Unterstützung von KI generiert.
Die Studie in Bildern

Leave a comment
Sign in to post your comment or sign-up if you don't have any account.