#39 - Aktiv zusammenarbeiten mit Stephanie
Heute berichtet uns Stephanie Knagge, wie sie die Eltern aktiv in die Therapie miteinbezieht. Eine aktuelle Studie liefert uns Perspektiven von Kindern, Eltern und Ergotherapeut*innen auf die gemeinsame therapeutische Beziehung.
Geschichten aus dem Alltag: Stephanie findet Entspannung im chaotischen Alltag, Sara kreiert ihr Chaos selbst.
Lust auf mehr Evidenz für dein Team?
Alle Infos von und mit Stephanie Knagge gibt es auf ihrer Praxis-Homepage.
Die Mindmap von Stephanie zu Elternarbeit in Leitlinien, könnt ihr hier herunterladen.
Die Studien in dieser Folge
Barfoot, J., Meredith, P., Whittingham, K., & Kerley, L. (2024). Including a relationship-focus in paediatric occupational therapy interventions: Introducing the PAIR Model. Journal of Occupational Therapy, Schools, & Early Intervention, 17(2), 331–347.
Bin Zuair, H. M., Baird, J. M., & Caldwell, A. R. (2025). Parent-Mediated Occupational Therapy Interventions for Children with Developmental Disabilities: A Scoping Review. Physical & Occupational Therapy In Pediatrics, 45(1), 5–21.
D’Arrigo, R., Copley, J. A., Poulsen, A. A., & Ziviani, J. (2020). Parent engagement and disengagement in paediatric settings: An occupational therapy perspective. Disability and Rehabilitation, 42(20), 2882–2893.
Gagné-Trudel, S., Therriault, P.-Y., & Cantin, N. (2024). Exploring Therapeutic Relationships in Pediatric Occupational Therapy: A Meta-Ethnography. Canadian Journal of Occupational Therapy. Revue Canadienne D’Ergotherapie, 91(1), 78–87.
Kennedy, J. N., Moll, S., Missiuna, C., Yost, J., Terreberry, S., & Campbell, W. N. (2022). The Dance of Family Engagement in School-Based Occupational Therapy: An Interpretive Description. Journal of Occupational Therapy, Schools, & Early Intervention, 15(2), 181–204.
Lage, C. R., Wright, S., Monteiro, R. G. de S., Aragão, L., & Boshoff, K. (2024a). Collaborative practice with parents in occupational therapy for children: A scoping review. Australian Occupational Therapy Journal, 71(5), 833–850.
Lage, C. R., Wright, S., Monteiro, R. G. de S., Aragão, L., & Boshoff, K. (2024b). Foundational concepts of collaborative practice with parents in occupational therapy for children. Australian Occupational Therapy Journal, 71(5), 851–867.
McGrath, M., Honey, A., Codd, Y., Rider, J. V., Morrison, R., Abizeid, C. M., Zein, H., Tan, H. L., Sim, S. S., Wan Yunus, F., Romli, M. H., & Pituch, E. (2025). Every parent matters: The value of a parent-centric approach to supporting parenting occupations and roles. British Journal of Occupational Therapy, 88(1), 3–4.
Seruya, F. M., Feit, E., Tirado, A., Ottomanelli, D., & Celio, M. (2022). Caregiver Coaching in Early Intervention: A Scoping Review. The American Journal of Occupational Therapy, 76(4), 7604205070.
Vesterinen, A., Karhula, M., Kippola-Pääkkönen, A., Fröjd, S., & Kataja, K. (2026). Parental agency in the rehabilitation of children with intellectual disabilities. Disability and Rehabilitation, 0(0), 1–20.
00:00–08:10 Geschichten aus dem Alltag
In dieser Folge von „Evidenz auf die Ohren“ begrüßt Sara Mohr Ergotherapeutin und CO‑OP‑Instruktorin Stephanie Knagge. Beide steigen mit Alltagsgeschichten ein: Stephanie berichtet von stressigen Wochen und davon, wie Übungen aus der Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) ihr Wohlbefinden merklich verbessert haben, während Sara eine chaotische Reise nach Berlin ohne Laptop‑Ladekabel schildert und beschreibt, wie sie schließlich „oldschool“ mit Stift im Archiv gearbeitet hat.
08:10–12:30 Leitlinien: Elternarbeit ist Pflicht, nicht Kür
Stephanie zeigt anhand mehrerer medizinischer Leitlinien (u. a. ADHS, Autismus-Spektrum, umschriebene motorische Entwicklungsstörung/UEMF, Intelligenzminderung sowie psychische Störungen im Säuglings‑, Kleinkind- und Vorschulalter), dass Elternarbeit dort ausdrücklich empfohlen wird – teils mit deutlich besserer Evidenz als für isolierte Kind-Therapie. Sara verweist auf Stephanies Mindmap zur Elternarbeit in Leitlinien, die die klaren Formulierungen zusammenfasst, wonach Therapien bei jüngeren Kindern nur erfolgreich sind, wenn Eltern bzw. Bezugspersonen eng einbezogen werden.
12:30–18:50 Begriffe klären: Elternarbeit, ‑training, ‑coaching und „Collaborative Practice“
Sara stellt eine aktuelle australische Studie vor, die den Begriff „Collaborative Practice with Parents“ definiert, um Ordnung in die Vielzahl von Begriffen wie Elternarbeit, Elterncoaching, Elternberatung und familienzentrierte Therapie zu bringen. In dieser Definition steht eine solide Partnerschaft zwischen Eltern und Therapeut*innen im Zentrum; Ziel ist es, elterliche Fähigkeiten und Selbstwirksamkeit so zu stärken, dass die Alltagskompetenz der Kinder verbessert wird, statt nur direkt am Kind zu arbeiten.
18:50–24:45 Elternberatung vs. Elterntraining – warum „Zettel geben“ nicht reicht
Stephanie grenzt Elternberatung (primär Informationsweitergabe, z. B. in Form von Infozetteln) vom Elterntraining ab, bei dem an konkreten Betätigungsanliegen praktisch geübt, gerollenspielt und transferorientiert gearbeitet wird. Beide betonen, dass Elternberatung zwar ein Element sein kann, aber ohne aktives Training und Coaching kaum wirksam ist, weil viele Eltern das nötige Wissen nicht allein aus schriftlichem Material in ihren Alltag übertragen können.
24:45–32:20 Therapeutische Beziehung: drei Perspektiven (Kind, Eltern, Ergotherapeut*innen)
Sara stellt eine Metaethnographie aus 14 qualitativen Studien vor, die die therapeutische Beziehung in der Pädiatrie aus Sicht von Kindern, Eltern und Ergotherapeut*innen untersucht. Kinder bewerten eine gute Beziehung vor allem daran, dass ihnen zugehört wird, sie respektiert werden und Entscheidungen mittragen dürfen, während Eltern betonen, dass Vertrauen sich über Zeit entwickelt und sie erleben möchten, dass Therapeut*innen auch ihnen als Eltern Vertrauen entgegenbringen.
32:20–38:40 Professionalität, Grenzen und „negative Themen“
Aus Sicht der Ergotherapeut*innen kann die therapeutische Beziehung zu den Eltern ein Balanceakt zwischen Nähe und professioneller Distanz sein, insbesondere wenn es um schwierige Inhalte wie ungünstige Prognosen oder problematische Haltungen im Erziehungsverhalten geht. Stephanie beschreibt, wie sie elterliche Werte und Überzeugungen respektiert, diese aber behutsam hinterfragt, wenn sie dem Behandlungserfolg entgegenstehen, und Sara ergänzt, dass es Aufgabe der Therapeut*innen ist, negative Inhalte anzusprechen, ohne die Beziehung zu gefährden – nicht, sie aus Angst vor Beziehungsabbruch zu vermeiden.
38:40–46:00 Machtgefälle und elterliche Autonomie
Im zweiten großen Thema der Metaethnographie geht es um „Verhandlungen im Machtgefälle“ zwischen Fachperson und Eltern. Eltern wünschen sich, dass ihre Autonomie und Expertise für ihr Kind und ihren Alltag anerkannt wird; sie erleben es als belastend, wenn Hausaufgaben oder Ziele über ihre Köpfe hinweg festgelegt werden, ohne Zeitressourcen, Materialien und Alltagssituation zu klären.
46:00–53:20 Alltag konkret planen: Hausaufgaben, Ressourcen und Heilmittelvertrag
Stephanie berichtet aus ihrer Masterarbeit zu Elternarbeit im CO‑OP, dass Eltern sich schlecht fühlten, wenn sie verordnete Hausaufgaben nicht umsetzen konnten, weil zuvor nicht gemeinsam geklärt worden war, ob und wann dies realistisch ist. Sie schildert, wie sie heute standardmäßig mit Eltern sehr konkret plant und damit Peinlichkeit sowie Misserfolgserleben reduziert – passend zu den Heilmittel- und Rahmenverträgen, die häusliche Übungen fordern, aber auch eine aktive Unterstützung durch Therapeut*innen beim Umsetzen verlangen.
53:20–01:01:00 Betätigungsfokus, CO‑OP und Repetition „im echten Leben“
Beide diskutieren kritisch funktionsorientierte Zielsetzungen bei überwiegend genetisch bedingten Störungsbildern wie ADHS, Autismus und UEMF und plädieren dafür, Funktionen immer im Dienst betätigungszentrierter Ziele zu denken. Sara illustriert dies mit einem CO‑OP-Beispiel zum Winterjackenreißverschluss, bei dem einem Kind enorm viele, motiviert durchgeführte Wiederholungen gelangen – weit mehr, als ein reines Funktionsüben je ermöglicht hätte.
01:01:00–01:08:10 Kommunikation, Sofa-Ecken und kulturelle Diversität
Im zweiten Unterthema („einvernehmliche, klare Kommunikation“) wird deutlich, wie zentral wechselseitige Kommunikation ist: Eltern liefern unersetzliche Informationen zu Alltag, Familiendynamik und Beziehungsmustern, die Therapeut*innen im Setting allein nie erfassen könnten. Stephanie beschreibt, wie gemütliche Sofa‑Ecken in der Praxis Gespräche lockern, Offenheit fördern und Beobachtungen der Eltern‑Kind‑Interaktion ermöglichen, während im dritten Unterthema („Respekt für Diversität“) beide betonen, wie wichtig es ist, kulturelle Unterschiede nicht zu bewerten, sondern über offene Fragen elterliche Perspektiven als Expertise zu nutzen.
01:08:10–01:14:35 Therapeutische Beziehung als Wirkfaktor und persönliches Lernen
Im dritten Hauptthema („therapeutische Beziehungen empowern Veränderung“) wird beschrieben, dass stabile therapeutische Beziehungen selbst ein Wirkfaktor sind: Kinder erreichen Ziele schneller und Transfer in den Alltag gelingt besser, wenn Kommunikation zwischen Therapeut*innen und Erziehungspersonen gelingt. Gleichzeitig berichten Therapeut*innen, dass sie aus solchen Beziehungen selbst am meisten lernen – von Bewältigungsstrategien bei Krankheit über familiäre Umgangsweisen bis hin zu ganz pragmatischen Dingen des Alltags.
01:14:35–01:16:10 Drei Do’s für die Elternarbeit
Zum Abschluss formuliert Stephanie drei pragmatische Empfehlungen: Erstens Eltern wirklich in die Therapie einladen (nicht nur „zwischen Tür und Angel“), zweitens eine konsequent wertschätzende, nicht-defizitorientierte Haltung einnehmen („sie machen es so gut, wie sie können“), und drittens den eigenen Perfektionsanspruch reduzieren, da Eltern in der Regel interessiert und dankbar, nicht primär kritisch sind. Sara ergänzt, dass es normal ist, sich beobachtet zu fühlen, und dass Transparenz („wir probieren heute etwas aus, vielleicht klappt es, vielleicht nicht“) sowie ein klarer Plan B helfen, Eltern von Anfang an als Partner*innen im Prozess zu erleben.
(Diese Zusammenfassung wurde mit Unterstützung von KI erstellt.)
Sara Mohr [00:00:14] Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Evidenz auf die Ohren, eurem Podcast für evidenzbasierte Praxis in der Ergotherapie. Mein Name ist Sara Mohr und ich freue mich sehr, dass heute hier bei mir im digitalen Podcast-Studio Stephanie Knagge zu Besuch ist. Hallo. Hallo Stephanie. Magst du dich direkt am Anfang einmal kurz vorstellen?
Stephanie Knagge [00:00:48] Ja klar, sehr gerne. Ich bin Ergotherapeutin. Ich war, glaube ich, eine der Ersten, die damals den Studiengang in Söld in den Niederlanden gemacht haben. Cool, das wusste ich gar nicht. Das heißt also schon sehr, sehr lange habe ich da meinen Bachelor. Und genau, ich habe eine Praxis irgendwie im hessischen Nix und arbeite sehr betätigungszentriert, basiert und fokussiert. Und ansonsten bin ich noch Dozentin für Ergotherapie in einer Berufsfachschule. Und ich bin eben auch Koop-Instruktorin. Das heißt, wenn man Koop-Kurse machen möchte in Deutschland, dann könnte es sein, dass man bei mir lag.
Sara Mohr [00:01:36] So bin ich dir auch das erste Mal begegnet tatsächlich bei meinem Koop-Kurs damals in Bonn. Bei dir und Iris Knippschild habe ich damals meinen Koop-Kurs gemacht. So ist es. Die Iris und ich, wir machen das immer zusammen. Das war sehr, das war sehr cool. Ich kann das wirklich, also Koop, ne? Ich habe kurze Werbeeinblendung an dieser Stelle. Ich bin ja immer nur so am Rande in der Pädiatrie unterwegs und eigentlich so eine erwachsene Neurologie-Tante. Und klar ist der Fokus bei Koop auf dem pädiatrischen Aspekt, aber man kann es so gut übertragen auf die erwachsene neurologische Klientel. Es ist so toll.
Stephanie Knagge [00:02:09] Ja, aber vielleicht müsstest du doch nochmal einen CO-OP-Kurs machen, weil der neue CO-OP-Kurs, also vor ein paar Jahren wurde das Format geändert von Frau Polatajko. Und das nennt sich jetzt Across the Lifespan. Und wir haben einen großen Fokus auf der Neurologie mit ganz viel Filmen dazu.
Sara Mohr [00:02:27] Wie cool. Das wusste ich nicht. Ja, siehste mal. Da muss man den Übertrag noch nicht mal selber machen. So ist es. Sehr schön. Ja, super. Mit dem CO-OP-Thema teasern wir auch schon so ein bisschen an, worüber wir heute sprechen. Möchten. Wir wollen nämlich mit euch, die ihr da so lieb zuhört da draußen, über, nennen wir es mal Elternarbeit in der pädiatrischen Ergotherapie reden. Und ich muss kurz einmal anteasern, allein die Recherche zu diesem Thema Elternarbeit hat mich so glücklich gemacht, weil ich selten so viele Studien gefunden habe zu einem Thema. Ja, das war schön. Das war eine richtig schöne Recherche. Bevor wir da reinhüpfen, Stephanie, magst du uns eine Geschichte aus deinem Alltag erzählen?
Stephanie Knagge [00:03:18] Ja, sehr gerne. Also mein Alltag ist gerade ein wenig anstrengend. Es ist in der Praxis viel zu tun. Es ist in der Schule viel zu tun. Es sind unendlich viele Auszubildende im Praktikum, die betreut werden wollen. Und es war Februar und meine Laune wurde schlechter. Und gestern kriegte ich auf Insta dann ein Bild zugespielt von dieser Action for Happiness. Das ist so eine Homepage und die machen so Akzeptanz- und Commitment-Therapie und eben so mit dem Fokus auf Achtsamkeit für Glück. Und das kenne ich auch schon länger. Das drücken wir immer aus. Das ist so für den März. Da kann man dann jeden Tag irgendwie so eine Übung machen. Ach so. Und da fiel mir wieder ein, dass ja die Akzeptanz- und Commitment-Therapie ganz gut funktioniert. Und dann habe ich das. Das ist so blöd, dass man selber irgendwie Ergo ist und dann da steht und seine Emotionen nicht so ganz hinkriegt. [00:04:21] Und dann habe ich ein paar Übungen gemacht und dann wurde es so viel besser.
Sara Mohr [00:04:27] Es wirkt überraschend.
Stephanie Knagge [00:04:28] Ja, und dann denkt man mal, wie blöd ist man eigentlich selber, weißt du? Den ganzen Tag erzählst du es den KlientInnen und dann, naja.
Sara Mohr [00:04:34] Und dann kann man es auch mal auf sie selber anwenden. Ja, voll. Ach, sehr schön. Und dann waren die Katastrophen gleich ein bisschen kleiner.
Stephanie Knagge [00:04:41] Total. Und die Zufriedenheit und mein innerer Glückszustand ist doch wirklich, also das klingt bescheuert, aber der ist angestiegen. Sehr cool. Das freut mich.
Sara Mohr [00:04:53] Ich habe auch eine etwas am Anfang chaotische Geschichte aus dem Alltag dabei heute. Ich habe die ganzen letzten Tage schon überlegt, welche Geschichte erzähle ich denn aus dem Alltag? Ich sage, ach, momentan ist eigentlich gar nicht so viel Spannendes los. Und wenn man so einen Gedanken hat, dann fordert das ja das Schicksal heraus, dass dann irgendwas Anstrengendes passiert. Man sagt ja, momentan ist eigentlich gar nicht so viel. Und ich bin gerade, ich nehme heute auf aus einem Hotelzimmer in Berlin und bin da gestern Abend hingefahren aus München mit dem Zug, weil ich hier heute unter anderem mit ihr Podcast aufnehmen wollte. Und das hatte ich geplant. Und ich habe heute einen Besuch in einem Archiv hier in Berlin für meine Doktorarbeit geplant gehabt und noch so ein paar andere Arbeitssachen geplant gehabt. Und ich stehe in München am Hauptbahnhof und steige in den Zug und gehe nochmal so einen Kopf durch, habe ich alles eingepackt. Und was habe ich vergessen? Mein Laptop-Ladekabel. Oh, ja. Und ich habe so einen Laptop, der ist, also ohne Ladekabel schafft er noch so eine halbe Stunde. [00:06:00] Ja, nicht. Und das Schlimme ist ja, es ist ja noch nicht mal das erste Mal. Also ich habe im Oktober genau die gleiche Geschichte schon mal gehabt. Und habe mir da, weil ich da auch schnell ein neues Kabel brauchte, schon eins bestellt. Das heißt, ich bin schon im Besitz von zwei Laptop-Ladekabeln. Jetzt bin ich seit heute Nachmittag stolze Besitzerin von drei Laptop-Ladekabeln, weil ich natürlich dieses Spiel jetzt nochmal spielen dürfte. Also ich habe dann mit Übernacht-Express und zwei Millionen Euro extra Versand mir ein Laptop-Ladekabel anzutellen liefern lassen. Weil ich auch, ich habe, der Laptop ist alt und der braucht ein bestimmtes Ladekabel, das man auch nicht einfach mal so irgendwo im Supermarkt kriegt. und ja, die Nerven und das Geld, das mich das gekostet hat, waren jetzt die Gerechtstrafe dafür.
Stephanie Knagge [00:06:49] Ich fühle das so.
Sara Mohr [00:06:50] Ja.
Stephanie Knagge [00:06:51] Ich fühle das so, dass das natürlich mir noch nie passiert.
Sara Mohr [00:06:56] Ja, danke.
Stephanie Knagge [00:06:58] Doch, schon sehr, sehr. Also ich vergesse immer mein Handy-Ladekabel. Und immer dann, wenn ich es wirklich brauche, weil mein Navi ausfällt irgendwo im Nichts und jetzt bräuchtest du vielleicht doch noch ein bisschen Akku und das ist jetzt nicht. Also genau dann. Ja, ich verstehe das.
Sara Mohr [00:07:18] Und ich habe alle hier im Hotel nervös gemacht und habe gesagt, da kommt jetzt heute, kommt ein Päckchen und können Sie bitte direkt anrufen, wenn das da ist. Und ich brauche das ganz unbedingt dringend. Und bin dann aber heute tatsächlich ohne Laptop ins Archiv und dachte, na, mache ich das halt ganz altmodisch mit der Hand, wenn es irgendwas mitzuschreiben gibt. Und das hat aber in den Vibe dieses Archives gepasst. Also an dieser Stelle auch einmal kurzer Shoutout an alle super netten und hilfsbereiten Mitarbeitenden im Berliner Archiv für Sozialpsychiatrie. So nette Leute. Aber halt auch, ja. Also man sitzt halt in so einem Kellerraum zwischen verstaubten Aktenordnern und ist vollkommen okay, wenn man sich da Sachen mit Hand mitschreibt oder Sachen mit dem Handy einfach abscannt. Siehste. Das hat gar keinen Laptop gebraucht.
Stephanie Knagge [00:08:08] Manchmal geht das auch noch, ne?
Sara Mohr [00:08:10] Genau. Das war schon die erste spannende Schatzsuche heute. Und dann würde ich sagen, begeben wir uns doch jetzt mal auf eine Schatzsuche in die Studien zum Thema Eltern. Und vielleicht bevor wir uns die Studien angucken, die ich mitgebracht habe, als wir das Thema so vorbesprochen hatten und so überlegt haben, was wir machen möchten zu dem Thema, da hattest du ja direkt Leitlinien im Kopf, bei denen ganz klar Elternarbeit auch empfohlen wird.
Stephanie Knagge [00:08:39] Und wo auch genau gesagt wird, wie man diese Elternarbeit machen soll.
Sara Mohr [00:08:43] Magst du da kurz ein bisschen zu erzählen?
Stephanie Knagge [00:08:47] Ach so, ja. Also bei uns in der Praxis arbeiten wir hauptsächlich, also sagen wir mal, in der Pädiatrie viel mit eben natürlich, wegen Koop-Kindern mit OMF, aber eben auch mit Kindern mit Autismus-Spektrum, also aus den Autismus-Spektrum-Störungen und ADHS. Und bei all diesen Leitlinien steht ja ganz klar da drin, dass wir nicht nur die Eltern beteiligen sollen, sondern zum Beispiel bei der Leitlinie von ADHS sagt es ja, dass die Evidenz für das Elterntraining besser ist, und zwar deutlich besser ist, als für die isolierte Therapie am Kind. Und bei den Autismus-Spektrum-Störungen, das sagt das Gleiche. Und die OMF sagt eigentlich mehr, dass mit dem Alltag, [00:09:47] dass man sich darum kümmern soll, aber dass man eben, wenn die Kinder ja so klein sind, dass eben alles den Eltern beibringen soll. Also das sagen die alle. Und als wir dann darüber gesprochen haben, habe ich gedacht, okay, waren mir da nicht noch zwei weitere untergekommen. Und ja, die S2K-Leitlinie zur Intelligenzminderung sagt das auch ganz klar. Und ganz spannend, die ganz neue 2SK-Leitlinie für psychische Störungen im Säuglings-, Kleinkind- und Vorschulalter. Die sagt das auch, ja. Die sagt, die sollen im Rahmen aller Interventionen immer mit dabei sein. Bei jungen Kindern sind Therapien nur erfolgreich, wenn Eltern und Bezugspersonen eng einbezogen sind.
Sara Mohr [00:10:37] Selbst deutlicher kann es eigentlich nicht formuliert sein, ne? //Stephanie Knagge Ja, ich dachte,// also du kannst,
Stephanie Knagge [00:10:42] du weißt das ja besser als ich, aber ich glaube, die Soll-Empfehlung, also was da drüber, gibt es gar nicht, oder?
Sara Mohr [00:10:48] Ja, genau. Und ich fand das so schön, wir haben da so drüber erzählt und du meintest so, ich mache da, glaube ich, mal eine Mindmap oder so zu und gefühlt eine halbe Stunde später hat es die Mindmap geschickt. Die würde ich auch gerne, wenn dir das recht ist, packe ich die in die Shownotes auch rein auf die Homepage. Ja, das kannst du gerne machen.
Stephanie Knagge [00:11:06] Also das war auch übrigens nur gefühlt, also ein bisschen länger habe ich gebraucht.
Sara Mohr [00:11:11] Aber es ging sehr schnell. Ich stelle euch, also ihr findet die Mindmap von Stephanie zur Elternarbeit in aktuellen medizinischen Leitlinien, findet ihr in den Shownotes auf unserer Homepage. Da stehen die Leitlinien dann nochmal dabei und auch die Auszüge daraus, wo genau formuliert wird, wie wichtig Elternarbeit ist, damit die Therapie wirkt am Ende in der Pädiatrie. Jetzt hast du eben schon was ganz Spannendes gemacht. Du hast eben, wir haben, auf der einen Seite sprechen wir über Elternarbeit, dann ist aber auch der Begriff Elterntraining gefallen. Und bevor wir jetzt kopfüber in die Forschung tauchen, will ich mit einer Studie, die ich dazu gefunden habe, einmal so die Begrifflichkeiten klären. Weil Elternarbeit, Elterncoaching, Elternberatung, Begriffe wie familienzentrierte Therapie, kollaborative Therapie, also da schwirrt ganz viel durch den Raum. Und um so ein bisschen Klarheit in dieses Chaos zu bekommen, haben sich 2024 so ein paar australische Forschende in der Ergotherapie genau damit beschäftigt [00:12:12] und haben gesagt, okay, lasst uns doch mal so ein bisschen gucken, dass wir diese Begriffe oder zumindest mal einen Begriff aus diesem Konglomerat mal definieren, damit wir alle wissen, worüber wir reden,
Stephanie Knagge [00:12:21] wenn wir davon reden.
Sara Mohr [00:12:23] Und die haben sich entschieden, den Begriff zu benutzen, Collaborative Practice with Parents, also kollaboratives Arbeiten mit Eltern. Und haben, was sie gemacht haben, sie haben eine Literaturrecherche gemacht und haben gesagt, na, wie beschreiben denn Ergos eigentlich so diesen Begriff? und haben dann eine Definition erstellt und haben die so einem Komitee von erfahrenen ErgotherapeutInnen vorgelegt und dieses Komitee konnte darüber abstimmen und auch Änderungen vorschlagen und so ist dann nach und nach. Hat sich so ein bisschen entwickelt, okay, was meinen wir denn damit, wenn wir sagen, dass wir kollaborativ mit Eltern zusammenarbeiten sollten? Und die sagen, na ja, also da gibt es auf der einen Seite, ist es erstmal grundlegend, um familienzentriert zu arbeiten, muss ich, brauche ich eine solide Partnerschaft zwischen Eltern und TherapeutInnen, sonst bringt es gar nichts. Und Ziel ist es, dass wir gemeinsam die elterlichen Fähigkeiten im Hinblick auf eine optimale [00:13:25] elterliche Selbstwirksamkeit und im Hinblick, das fand ich sehr schön, auf die Alltagskompetenz der Kinder zu stärken. Geht also primär nicht darum, die Alltagskompetenz der Kinder zu stärken, sondern die elterlichen Fähigkeiten im Hinblick auf die Alltagskompetenz der Kinder. Klingt so ein bisschen nach Umweg, ist aber mit dem, was du eben ja auch schon gesagt hast, wenn ich einen Transfer möchte, gerade bei jungen Kindern, in den Alltag, muss ich das über die elterlichen Fähigkeiten machen.
Stephanie Knagge [00:13:55] Kann ich einem Kind rumzoppeln, wie ich will. Ja, das sehe ich ganz genauso, weil ich bringe ja Eltern bei, wie sie das schaffen, dass ihre Kinder diese Alltagsfertigkeiten entweder besser erlernen oder besser ausführen. Das ist ja doch genau das, oder?
Sara Mohr [00:14:14] Ja, und dann sagen sie, also in diesem, in diesem kollaborativen Arbeiten gibt es einmal, es gibt Verpflichtungen, damit dieses kollaborative Arbeiten gelingt und da gibt es zum einen gemeinsame Verpflichtungen von Eltern und TherapeutInnen, die von beiden Seiten so ziemlich das Gleiche fordern. Einmal müssen beide Seiten sich gegenseitig respektieren und vertrauen. Beide Seiten müssen in irgendeiner Form effektiv kommunizieren und beide Seiten tragen gemeinsam die Verantwortung. Das ist die eine Seite und dann sagen sie, es gibt aber auch Verpflichtungen in diesem kollaborativen Arbeiten, die eher die Initiative der TherapeutInnen erfordern. Und zwar müssen TherapeutInnen besonders auf die Werte, Bedürfnisse und Prioritäten der Familie achten und Interventionen darauf genau zuschneiden, auf diese spezielle Familie. und dann ist es vor allem Aufgabe der TherapeutInnen, dass sie das Engagement der Eltern oder der anderen Familienangehörigen, [00:15:15] Familienmitglieder fördern und dass sie so ein Verständnis für die Rollen innerhalb dieser Familie und für die Erwartungen haben. Das ist so ein bisschen mehr die Verantwortung der TherapeutInnen. Sie sagen so, okay, Ziel dieser kollaborativen Elternarbeit ist es dann eben die elterlichen Fähigkeiten auf- und ausbauen und auch Wissensinhalte gut und individuell an die Eltern angepasst vermitteln. Und die sagen so, also nicht jedes Elternteil kann sich alles notwendige Wissen aus einem Infoblatt ziehen. Und das ist eigentlich so ein Punkt, wo es genau die ergotherapeutische Kreativität und Kommunikationsfähigkeit braucht, mit der wir uns so gut rühmen, dass wir auf unterschiedlichsten Niveaus Wissen vermitteln können.
Stephanie Knagge [00:16:01] Ja, also ich kenne seit sehr langer Zeit, es kommt ja aus der Verhaltenstherapie, den Unterschied zwischen Elternberatung und Elterntraining. Und Elternberatung hat deutlich weniger Evidenz als Elterntraining. Und das ist deswegen der Fall, genau das, was du gerade gesagt hast. Weil die Elternberatung ist im Endeffekt, die kriegen dann, weiß ich nicht, so einen Zettel, da steht drauf, wie dir das geht oder wie sie gut mit ihrem Kind umgehen. Das ist eben auch oft, was bei Kinderärzten aufgrund der wenigen Zeit, die die haben, das ist dem geschuldet. Also die kriegen dann oft so, ja, ein Pamphlet oder sowas und sollen das dann selbst umsetzen. Ja, genau sowas. Und das klappt eben nicht. Und da gibt es auch jede Menge Evidenz für.
Sara Mohr [00:16:48] Ganz genau. Und das heißt da, Elternberatung, klar, das kann, glaube ich, ein Bestandteil sein, aber nur Elternberatung ist halt auch nicht das, was weiterbringt.
Stephanie Knagge [00:17:01] Genau, also ich habe das, also wie gesagt, also eben das, das hat damals, ich glaube, die Döpfner und, also um Döpfner laut und Petermann, also die in den, in diesen Verhaltenstherapiesachen, haben das damals so definiert, dass Elterntraining eben, so wie du gerade sagst, dann Elternberatung, plus mehr ist also, dass du das konkret, konkret an ganz konkreten Betätigungsanliegen mit den Eltern, nicht nur besprichst, sondern im Rollenspiel übst und mit den Kindern und, also, und wie du schon sagst, die ergotherapeutische Kreativität, wie können sie sich das zu Hause noch merken, ne, und genau solche Sachen. Also so habe ich das damals gelernt. Ob das noch so haltbar ist in der Definition, keine Ahnung, aber so war das damals.
Sara Mohr [00:17:48] Ja, ich glaube, das passt gut zu der Definition, weil die schreiben hier auch, also Teil dieser Elternarbeit sind eben kollaborative Strategien und dann sagen sie, okay, kollaborative Strategien heißt, die Eltern verstehen durch uns, dadurch, wie wir es vermitteln, worum es in der Therapie geht und sie werden durch uns in die Lage versetzt, ihr Wissen zu vertiefen kollaborativen und informiert Entscheidungen zu treffen und den Alltag zu gestalten. So, und da haben wir ja, einmal sie verstehen, worum es geht, das ist die Beratung und das Training oder auch Elterncoaching, das ist das, was dann in die Lage versetzt, dass ich das Ganze auch im Alltag irgendwie umsetzen kann. So, und jetzt ist ja aber total, also dazu gibt, und dazu gibt es ganz viele Studien zu diesem Bereich, ne. Jetzt schreiben die aber in diesem Artikel zur Definition von diesem kollaborativen Arbeiten, naja, so eine Grundlage für dieses kollaborative Arbeiten ist ja auch, dass die therapeutische Beziehung speziell mit den Eltern [00:18:48] sehr stabil und sehr gut sein muss, damit all das gelingen kann. und wie man diese therapeutische Beziehung gestaltet, speziell zu Eltern oder zu Erziehungspersonen generell, dazu gibt es kaum Studien. Und das fand ich ja mal sehr spannend. Ich finde ja generell therapeutische Beziehung total spannend, aber es wird sich, und es wird sich aber hauptsächlich anguckt, also es gibt ganz viele Studien zu, ne, wie bauen Ergotherapeuten in Beziehung zu Kindern auf, ne, in der Therapie dann und wie werden die Kinder da involviert und so weiter. und das ist ja auch sicher total wichtig, aber eben bisher noch wenig Infos dazu, wie bauen wir denn eigentlich die Beziehung zu den Eltern auf und gestalten die. Und dazu habe ich mir jetzt eine Studie rausgesucht. Die ist auch von 2024. Da haben sich die AutorInnen nämlich genau das gefragt. Die haben gesagt, okay, stabile therapeutische Beziehung zu den Eltern, super wichtig, aber wie geht es eigentlich? Und um das herauszufinden, [00:19:48] haben sie eine Metaethnographie gemacht. Und wir machen jetzt einen ganz kurzen, ganz kurzen, aber ich finde es persönlich so spannend, Ausflug in die Methodik, was denn zur Hölle eine Metaethnographie sein soll. Wir dröseln das Wort auf. Meta steht für eine Studie auf einer Meta-Ebene. Das heißt, es ist eine Studie, die andere Studien zusammenfasst. Es gibt Meta-Analysen, Meta-Synthesen und eben auch Metaethnographien. Was die Forschenden also gemacht haben, die hatten ihre Fragestellung, wie gestalten Ergos eigentlich die Beziehung zu den Eltern in der Therapie? Und dann haben sie zu dieser Fragestellung recherchiert, was gibt es denn da schon für Studien? Und ein paar Studien haben sie gefunden und die haben sie dann systematisch zusammengefasst. Wir haben hier im Podcast schon mal über Meta-Analysen gesprochen. Meta-Analysen fassen quantitative Studien zusammen, also Studien, in denen irgendwas [00:20:49] mit Statistik gerechnet wurde. Zum Beispiel RCTs. Also ich finde zu meiner Fragestellung fünf kleine Studien, die hatten jeweils 20 Teilnehmende, das sind so mittlere Qualität. 20 Leuten, eine Studie machen ist ein bisschen klein. aber in der Meta-Analyse kann ich diese fünf Studien zusammenfassen und habe dann insgesamt 100 Teilnehmende und kann validere Aussagen treffen. Wenn ich jetzt aber zu einem Thema keine quantitativen Studien, sondern qualitative Studien suche und zusammenfasse, kann ich das mit einer Meta-Ethnographie machen. Und wir haben ja hier eine Forschungsfrage zu menschlichen Beziehungen und wie sie gestaltet werden. Das lässt sich relativ schlecht in Zahlenwerten ausdrücken. und deshalb macht es Sinn, hier nach qualitativen Studien zu suchen. Das haben die Forschenden gemacht, haben die Qualität dieser Studien, die sie gefunden haben, kritisch überprüft und haben die Ergebnisse dann zusammengefasst. Also die haben geguckt, wo gibt es jetzt, wo beschreiben diese Studien [00:21:50] gemeinsame Konzepte oder wie widersprechen sich diese Studien vielleicht auch. Und das ist dann eine Meta-Ethnographie. Und was ich so schön fand an dieser Studie, weshalb ich sie ausgesucht habe, jetzt für den Podcast ist, die haben meiner Meinung nach sehr schön gesagt, naja, wenn wir uns diese therapeutische Beziehung in der pädiatrischen Ergotherapie anschauen wollen, dann können wir uns jetzt nicht nur, also Beziehungen sind so komplex, wir können uns nicht nur eine Seite anschauen. Wir wollen Perspektiven von den Kindern, wir wollen Perspektiven von den Eltern oder Erziehungspersonen und wir wollen die Perspektiven von den Ergotherapeutinnen. Also von allen drei Seiten darüber, wie die diese therapeutische Beziehung
Stephanie Knagge [00:22:30] betrachten.
Sara Mohr [00:22:33] Und am Ende haben sie dann in ihrer Recherche 14 passende Studien gefunden zu dieser Frage und haben das alles ausgewertet und es sind drei Themen rausgefallen und da steigen wir jetzt ein, Stephanie. Thema 1 hat den sehr oberflächlichen Titel Es gibt verschiedene Perspektiven, was eine therapeutische Beziehung bedeutet. Die verschiedenen Perspektiven sind die Perspektiven der Kinder, der Eltern und der Ergos und für Kinder, damit fangen wir mal an, das fand ich ganz schön, heißt eine gute therapeutische Beziehung, dass sie gehört werden. Also wenn Kinder gefragt werden, was ist dir denn wichtig, wenn Leute in der Therapie zusammenarbeiten, dann sagen sie, dass es gut ist, wenn den Kindern zugehört wird. Und das bringen sie auch mit dem Thema Respekt in Verbindung und auch gehört werden heißt, ich kann Vertrauen aufbauen und ich darf Entscheidungen treffen. [00:23:35] Das fand ich so als Grundlage schon mal ganz schön.
Stephanie Knagge [00:23:39] Gefällt mir auch. Ne?
Sara Mohr [00:23:42] Dann kommt die Perspektive der Eltern. Die sprechen ganz viel darüber, dass sich die therapeutische Beziehung so über eine längere Zeit entwickelt und diese längere Zeit es aber auch braucht, damit Vertrauen wachsen kann. Sie sagen, also dieses Vertrauen ist die Grundlage, damit ich mich als Elternteil auch traue, meine Meinung zu äußern. Und umgekehrt muss das Vertrauen aber auch von der anderen Seite kommen. Also die Eltern sagen auch, ich möchte auch merken, dass die Therapeutin mir vertrauen. Und das fand ich total spannend, weil ich mir, also jetzt ganz aus meiner persönlichen Erfahrung als Therapeutin, natürlich ist mir das total wichtig, dass meine Klientinnen das Gefühl haben, dass sie mir vertrauen können, dass ich eine zuverlässige Therapeutin bin und immer mein bestmöglichstes versuche. Aber dass es auch wichtig ist, dass meine Klientinnen merken, dass ich ihnen auch vertraue, [00:24:43] das fand ich eine sehr spannende Perspektive.
Stephanie Knagge [00:24:46] Da habe ich auch noch gar nicht so drüber nachgedacht, aber ich glaube, das gefällt mir auch gut, ja.
Sara Mohr [00:24:52] Das ist eigentlich für so eine stabile Beziehung, so ein gegenseitiges Vertrauen, ich weiß, du gibst dein Bestes, du weißt, ich gebe mein Bestes und zusammen kriegen wir das hier hin.
Stephanie Knagge [00:25:01] Also ich bin ja sowieso ein großer Freund davon, Eltern nicht irgendwie das Gefühl zu geben, dass sie defizitär sind, aber ich weiß nicht, ob das jetzt ausreicht, sondern ich finde, Vertrauen ist ja vielleicht sogar noch ein paar Stufen höher.
Sara Mohr [00:25:18] Ja, das ist schon ganz spannend. Und was ich noch spannender fand, war dann jetzt die dritte Perspektive von den ErgotherapeutInnen. Die schreiben, oder in den Studien, die da analysiert wurden, sprechen die nämlich oft davon, dass sie so einen Balanceakt haben, zwischen auf der einen Seite, ich will eine positive Beziehung hier gestalten mit den Eltern und auf der anderen Seite trage ich aber eine professionelle Verantwortung. Also die TherapeutInnen sagen, naja, so ein Beziehungsaufbau ist es mir wichtig, dass ich trotzdem noch eine professionelle Grenze wahre, um für gewisse Dinge auch einfach die Verantwortung tragen zu können. Und sie sagten, dass es vor allem wichtig ist, und da bin ich gespannt, was du dazu sagst, weil da habe ich Gedanken zu. Sie sagen, dass diese Grenze vor allem wichtig ist, damit man auch über negative Dinge sprechen kann. Also zum Beispiel negative Prognosen für das Kind oder total schwierige Situationen, weil sie sagen, [00:26:18] generell ist es für die Beziehung gefährdend, wenn ich über diese negativen Dinge spreche. Was meinst du? Ich weiß, und ich weiß noch nicht, ob ich da so mitgehen kann.
Stephanie Knagge [00:26:30] Naja, also doch schon. Also wir machen das ja auch so, also wir haben ja die Eltern oder einen Elternteil immer mit drin. Und es geht eben tatsächlich viel um die Kompetenzen, also den Kompetenzen beizubringen, zum Beispiel mit dem Störungsbild ihres Kindes umzugehen. Und dann ist es eben manchmal so, dass es da vielleicht Werte gibt oder Überzeugungen, die sie mitbringen, die damit aber nicht einhergehen, also die dem echt konträr gegenüberstehen. Und dann muss ich manchmal schon dann auch versuchen, denen irgendwie beizubringen, dass ich es auf der einen Seite total verstehen kann und das auch akzeptiere und respektiere, diese Werte und Überzeugungen, aber dass die jetzt gerade gar nicht günstig sind. und ich habe das jetzt gerade, da hast du gesehen, ein bisschen vorsichtig gesagt, aber manchmal ist das schon, [00:27:31] wo ich denke, um Gottes Willen, wie bringe ich das denn jetzt rüber? Und da ist es tatsächlich ein wenig besser, finde ich auch, also ein bisschen Distanz zu haben, weil wenn wir uns supi verstehen und wir duzen uns und, ne, also das ist so wie so ein freundschaftliches Kaffee trinken, dann habe ich ernsthaft Schwierigkeiten, das rüber zu bringen, weil dann sind die, glaube ich, deutlich mehr getroffen, weil man das ja unter Freundinnen nicht machen würde so.
Sara Mohr [00:27:59] Ja, okay, ja, verstehe. Ja, aus der Perspektive kann ich es verstehen. Ich konnte nicht so mitgehen mit dem Gedanken, na, ich kann dann negative Dinge nicht ansprechen, weil es die Beziehung gefährdet. Also ich glaube, das ist ja Aufgabe von uns als Therapeutin, auch, dass wir eben dann so Dinge ansprechen und dass wir die Beziehung so gestalten, dass die trotzdem noch weiter bestehen kann, auch wenn ich über schwierige Situationen spreche oder über wie du sagst, Perspektiven, die sich verändern dürfen, damit die Therapie vorangeht. Das kann, ja, also ich kann nicht im Namen der therapeutischen Beziehung sagen, ah, da rede ich jetzt aber nicht drüber, weil das ist vielleicht zu negativ.
Stephanie Knagge [00:28:38] Nee, das ist nicht hilfreich, weil unser Job ist ja, dass wir genau eben unsere, ja, unseren Job machen, also Therapie. und das, ja, muss man manchmal auch was Negatives rüberbringen können.
Sara Mohr [00:28:55] Ja, genau. Und aber in der Form rüberbringen, wie du sagst, dass eben die Eltern da nicht persönlich mitgetroffen sind und ich weiß, du hast das eben gut ausgedrückt, sehr diplomatisch, aber wir kennen das ja auch alle, die da mehr oder weniger in der Pädiatrie unterwegs sind und das ist auch gar nicht Schuld der Eltern oder so, aber dass da manchmal einfach Vorannahmen bestehen oder das Klassische, ach, das kann das Kind eh nicht, wo wir dann aber denken, ah, das ist jetzt gerade einfach nicht so hilfreich, damit wir hier den nächsten Schritt gehen können. //Stephanie Knagge Also meine,//
Stephanie Knagge [00:29:29] genau, also ich bin da ganz deiner Meinung, das ist auch meine, aus meiner Erfahrung ist es eher so, dass das eben ja Meinungen und Überzeugungen sind, die, wenn man da einen anderen Wissensinput reinmacht, also gibt, dass die sich, dass das Veränder sich verändern kann
Sara Mohr [00:29:46] und dass Eltern dann da stehen, ach so,
Stephanie Knagge [00:29:49] ne? Ja, total. Und der Trick ist eben, das so hinzubekommen und da weiß ich auch gar nicht, wie der Trick eigentlich ist, aber nämlich, dass sie da nicht beleidigt sind und getroffen sind, weil man vielleicht ihre Erziehungskompetenz in Frage stellt, was ich nie tue, aber dass sie vielleicht bislang noch nicht das Wissen haben, was sie brauchen.
Sara Mohr [00:30:13] Ja, ich glaube, und ich glaube, ich weiß da auch nicht, dass das Garantierezept für, aber ich glaube, ein Teil ist ja, immer erst mal zu verstehen, warum handeln die Eltern denn da, so wie sie handeln oder wie ist diese Vorannahme entstanden oder so, das ist ja alles aus einem Grund, warum sie es so machen, wie sie es machen und meistens ist der Grund mit einer guten Absicht irgendwie oder zumindest mit einem positiven Wunsch dahinter und dann, wie du sagst, dann muss ich in der Lage sein, so Wissen zu vermitteln, dass sie aus sich heraus verstehen können, ah, okay, vielleicht wäre es klüger, wenn ich das mal anders ausprobiere und das ist aber was, was Zeit braucht. Ja,
Stephanie Knagge [00:30:53] das tut es und das finde ich, ist auch in Ordnung. Ja. Also, das kann ich auch nicht in der ersten oder zweiten Stunde machen, das darf auch einen Moment dauern und deswegen dieses Vertrauen zueinander, das muss ja erst mal wachsen, dass sie dann vielleicht da einen Input annehmen können, der doch sehr konträr zu dem ist, was ihre ursprüngliche Überzeugung ist oder war.
Sara Mohr [00:31:18] Ja, total spannend. Also, ihr seht schon hier in diesem ersten Thema, es gibt verschiedene Perspektiven auf die therapeutische Beziehung. Geht’s direkt deep hier rein. Wir gucken mal nach Thema zwei. Da haben sie sich angeschaut oder da haben sie identifiziert, in diesen ganzen Studien werden immer von allen drei Beteiligten wieder Komponenten angesprochen, die beeinflussen, wie ich die Beziehung erlebe. Also, was beeinflusst denn jetzt eigentlich, wie die Beziehung erlebt wird und wie sie sich entwickelt. Und der erste Punkt, der da drin vorkommt und den finde ich schon mal direkt total spannend, der heißt Verhandlungen im Machtgefälle. Und in der Therapie haben wir ja immer ein Machtgefälle zwischen uns als Therapeutin und den Klienten. Egal in welchem Setting jetzt und egal mit welcher Klientin. Und den Eltern war es bei diesem Thema total wichtig. Die waren sich, [00:32:18] zumindest die, die da in den Studien befragt wurden, waren sich bewusst, dass es da so Machtgefälle gibt. Und deshalb war es ihnen total wichtig, dass in der therapeutischen Beziehung aber ihre Autonomie und ihre Expertise anerkannt werden. Also, dass sie die Expertise haben für ihren Alltag und auch die Expertise für ihr Kind und für ihr Leben und was da funktionieren kann und was da nicht funktionieren kann. Und dass sie deshalb aktiv in Entscheidungen einbezogen werden wollen. und dass es negativen Einfluss auf die therapeutische Beziehung hat, wenn sie spüren, ah, das hat die Therapeutin jetzt einfach mal so über meinen Kopf hinweg entschieden, wann ich mit meinem Kind Schulbinden übe. Na, herzlichen Dank. Und das ist total nachvollziehbar. Weißt du was? Ich habe ja das, ich habe vorhin was vergessen, als ich mich vorgestellt habe. Sag mal.
Stephanie Knagge [00:33:11] Ja, ich habe ja auch mal ein Masterstudium in Therapiewissenschaften gemacht.
Sara Mohr [00:33:15] Ja.
Stephanie Knagge [00:33:15] Und da habe ich tatsächlich meine Masterforschung zu der Elternarbeit im Koop gemacht. Und da habe ich ganz genau das herausbekommen. Also, was du jetzt gerade sagst, nämlich, dass, ich habe Eltern befragt, die Koop durchlaufen haben und wie es ihnen da so ging. Und spannenderweise fanden die ihre TherapeutInnen ganz toll und haben die über den grünen Klee gelobt. Aber, es gab so ein, zwei kleine Missstände, wollte ich gerade mal sagen. Und da war bei, wenn die TherapeutIn den Hausaufgaben gegeben hat und nicht geklärt hat, ob sie das überhaupt machen können und ob sie die Zeit dafür haben und wann sie das machen, sondern selbstverständlich gesagt hat, machen sie das ein bis zwei Mal. Also, selbst wenn es nur so wenig war. und wenn es aber nicht ging, [00:34:16] entweder aufgrund von Zeit oder weil die Materialien gar nicht da waren und sie mussten nächste Woche wiederkommen und ihr sagen, dass das nicht ging, dann fühlten die sich so schlecht und dann, und sagten, aber sie hat ja auch gar nicht gefragt,
Sara Mohr [00:34:30] ob es geht.
Stephanie Knagge [00:34:31] Also, das fand ich damals ganz spannend und habe das seitdem bei mir als Standard eingebaut, dass ich immer dann frage, ist das überhaupt diese Woche möglich? Wenn ja, wann? Und, ne, wie kann ich unterstützen?
Sara Mohr [00:34:45] Das finde ich einen total relevanten Punkt, weil der so pragmatisch ist in der Praxis-Andag. Und ich habe ja, ich glaube, wenn man selber Kinder hat, ist einem das nochmal viel, viel bewusster. Ich habe keine Kinder, aber ich durfte durch meine Klientin in den letzten Jahren und Jahrzehnten lernen, dass sobald man Kinder hat, Zeit für was zu üben, für die Ergotherapie, der absolute Luxus ist.
Stephanie Knagge [00:35:14] Ist so.
Sara Mohr [00:35:16] Und allein diese Frage, wann könnten sie das denn diese Woche machen? Oder klappt es diese Woche einmal oder klappt es vielleicht sogar zweimal? Wow, super, dann gibt es nächstes Mal die Goldmedaille. //Stephanie Knagge Also,// so allein das mal zu erfragen, wann und wie könnte das in dieser Woche klappen? Und wenn dann Antworten kommen wie, ah ja, wir hätten vielleicht, bevor es morgens im Kindergarten geht, zwei Minuten Zeit, dann nein, dann nicht. Nicht in zwei Minuten morgens vom Kindergarten.
Stephanie Knagge [00:35:42] Genau. Und genau so sage ich das auch. Ich bin ja ein unglaublicher Fan von Müttern, muss ich dir sagen, in der Therapie auch. Und die sind so, und die wollen eigentlich so sehr. Und dann, wenn ich frage, könnten sie das? Ja, natürlich kann ich das. Und wenn ich dann frage, wann denn? Ja, so eigentlich jederzeit. Und ich so, nee, dann lassen sie uns doch mal gucken. Und wenn wir dann spezifisch gucken, dann stellen die nämlich genau das fest, dass es vielleicht nur am Samstag zwischen elf und zwölf geht. und dann sind die manchmal auch selbst erschüttert, wie wenig Möglichkeit sie haben. und ich finde aber, dann sparen ich ihnen diese Peinlichkeit, nächste Woche kommen zu müssen und sagen, ich habe es gar nicht geschafft, weil sie vorher, weil sie so sehr wollen, Illusionen darüber haben, wie häufig sie das überhaupt machen können.
Sara Mohr [00:36:33] und dieses Gespräch, also es geht ja nicht viel klientenzentrierter und ergotherapeutischer, als den Alltag der Eltern gemeinsam anzugucken und zu gucken, wann haben sie die Ressourcen dafür und wann vielleicht auch nicht. Das ist ja so grundlegend, also, ne, das ist, und das ist nichts, was ich zwischen Tür und Angel mache, sondern was Teil meiner Intervention ist in dem Moment, das mit den Eltern genau zu planen. Wie klappt denn die Umsetzung? Ja,
Stephanie Knagge [00:36:55] also ich höre immer von manchen Ergotherapeutinnen, die sagen, ja, aber die Eltern sind nicht bei mir in Behandlung. Also, das ist nicht mein Klient und naja, du und ich, wir wissen, der erweiterte Klient, natürlich sind sie das und im Koop hat es, also in den letzten zehn Jahren, viel, viel Forschung eben zu Angehörigen auch gegeben und da ist immer wieder das Gleiche rausgekommen, wir müssen sie fragen, ob sie Zeit haben zu unterstützen, aber eben auch, wann genau und eben auch sie darin zu unterstützen, daran zu denken und das hinzubekommen. Und spannend ist, ich weiß nicht, ob du gerade sehr firm bist im aktuellen Heilmittelvertrag von uns, in dem im Rahmenvertrag, da steht tatsächlich das drin, dass, also du weißt ja, unsere KlientInnen, egal welches Alter, sie sollen häusliche Übungen machen, jedes Mal und da steht wirklich drin [00:37:56] und wenn die das nicht schaffen, dann müssen die Ergotherapeutin, die KlientInnen und deren Angehörige, jetzt kommt was Schreckliches, auf sie einwirken, ich finde das ein sehr unhübsches Wort, dass sie das schaffen und da steht aber auch drauf, dass wir sie, warte mal, dann mal ein besseres Wort, also dass wir ihnen helfen, dass sie das umsetzen können. und als das dann auf einmal da stand, dachte ich, oh ha, der Ton verschärft sich, aber es macht ja absolut Sinn, weil wie wollen wir einen Alltagsübertrag hinkriegen und da ist ja egal, ob Kind oder Erwachsener,
Sara Mohr [00:38:38] es muss ankommen zu Hause und das braucht unseren Support und das müssen wir, also an der Stelle nochmal, wir haben ja auch mal eine Podcast-Folge genau zu Transfer und Generalisierung gemacht, wir müssen das aktiv angehen, sonst passiert es nicht, ich gebe dir jetzt zum ersten Mal eine Fortbildung dazu, Leute, wenn ihr da, kurzer Werbeblog, Fortbildung zum Thema Transfer online, guckt ihr auf der Homepage nach, könnt ihr buchen, weil wir müssen das aktiv angehen, sonst passiert es nicht und aktiv angehen heißt nicht, ich gebe dir eine Übung mit und frage dich nächste Woche, ob du es gemacht hast, weil das ist peinlich und wir hatten alle schon mal eine Physiotherapie-Verordnung und haben wir unsere Übung gemacht?
Stephanie Knagge [00:39:16] Nein, haben wir nicht. Und haben wir als gut ausgebildete Ergotherapeutin regelmäßig die Übung mit unseren eigenen Kindern gemacht? Nein. Das ist nicht so einfach. Das ist es nicht. Also deswegen, ich finde das toll, dass du die Fortbildung gibst, jetzt kommt der Werbeblog von mir, geht zu Sarah, es gibt jemanden, der es so schön erzählen kann. Sehr gut. Vielen Dank. Gerne.
Sara Mohr [00:39:46] Sehr schön. Also das war, und wie gesagt, das spiegelt sich hier auch in der Studie, das ist Wunsch der Eltern, dass sie einbezogen werden in diese Therapiemomente. Spannend fand ich, und es gibt so zwei Nebensätze in dieser Studie, wo dann steht, also der Großteil, der überwiegende Mehrheit der Eltern sagen, ja, ich möchte bitte aktiv einbezogen werden in diese Entscheidungen, ich möchte in meiner Autonomie und in meiner Expertise für meinen Familienalltag gesehen werden. Und dann schreiben sie, es gab aber auch ein paar wenige Familien, die sich genau das nicht wünschten, sondern denen es lieber war, wenn die Ergotherapeutin als Expertin einfach alle Entscheidungen trifft. Und ich kann mir vorstellen, also das kennt man ja auch aus anderen Fachbereichen, dass KlientInnen wirklich manchmal mit dieser Einstellung eben auch kommen, das müssen sie doch wissen, sie sind doch die Expertin, sagen sie mir doch, was ich machen soll. Das ist für mich aber kein Argument, dann zu sagen, oh ja gut, super, dann treffe ich halt die Entscheidung. [00:40:48] Sondern das ist für mich ja immer so das Signal, okay, jetzt müssen wir aber mal in der therapeutischen Beziehung darauf hinarbeiten, dass sie ihre Expertise auch sehen und dass sie nach und nach in diese Rolle reinkommen, dass sie nämlich Verantwortung übernehmen für ihre eigenen Entscheidungen,
Stephanie Knagge [00:41:05] oder? Ja, ich bin ganz deiner Meinung. Also ich habe gerade, als du das so erzählt hast, mal so kurz auch an mich selbst gedacht und als ich, als meine Kinder noch sehr klein waren, also Kinder haben ja dann, die haben ja immer irgendwelche Erkrankungen, das ist ja unglaublich. Und manchmal stand dann irgendwelche Ärzte oder Kinderärzte und sagten ja und dann entscheiden sie jetzt und dann dachte ich, äh, aufgrund von was? Und da habe ich immer gedacht, ich brauche mehr Wissen. Und vielleicht, also da habe ich gerade gedacht, also die Eltern, die bei mir sitzen, die Schwierigkeiten mit Entscheidung haben, da gebe ich einfach ein bisschen mehr Wissen rein, weil da gehe ich irgendwie so ganz nach dem kanadischen Modell. Eine Entscheidung muss auch ermöglicht werden von den ErgotherapeutInnen. und aus meiner Erfahrung geht das dann auch.
Sara Mohr [00:41:59] Genau, und ich glaube genau, wenn wir das als Signal sehen für uns, okay, hier muss ich noch ein bisschen mehr Wissen reingeben
Stephanie Knagge [00:42:04] oder hier muss ich nochmal anders kommunizieren, hier muss ich nochmal Sachen anders erklären,
Sara Mohr [00:42:07] das ist das Signal. Das ist nicht das Signal, oh ja, dann treffe ich jetzt alle Entscheidungen.
Stephanie Knagge [00:42:12] Nee, also vielleicht bin ich zu klientenzentriert, aber auf diese Idee wäre ich, würde ich nie kommen.
Sara Mohr [00:42:18] Ich glaube, also ich kam auch noch nicht auf die Idee zu, nur gut, dann treffe ich jetzt alle Entscheidungen, aber was ja passiert, also was bei mir dann passiert in so Therapie-Situationen, dass ich denke, oh shit, jetzt muss ich hier alle Entscheidungen treffen, okay, jetzt muss ich aber mal den Zauberkasten auspacken und überlegen, wie könnte ich jetzt diese Familie retten? So, also das ist ja so ein Druck, der dann ja auch entsteht, oh shit, jetzt trage ich hier die ganze Verantwortung und immer wenn ihr, ich glaube, das ist das Gefühl, was wir Ergos häufiger haben, dass wir dann merken, oh shit, ich muss die jetzt irgendwie entertainen oder ich muss hier jetzt irgendwie was machen, ich muss jetzt diese Therapie reißen, weil ich alleine die Verantwortung trage, das ist immer so ein Signal von hey, kurz mal stopp, kurz mal sortieren, was ist hier eigentlich genau meine Verantwortung, was ist Verantwortung der Klientel und wie kriege ich es im Prozess hin, dass ich diese Verantwortung jetzt mal Stückchen für Stückchen wieder zurückgebe? Ja, und jetzt haben wir, guck mal, jetzt haben wir eben gequatscht schon den zweiten Punkt, in dieser Studie besprochen, die haben, das war jetzt aus Perspektive, [00:43:18] das Machtgefälle aus Perspektive der Eltern und die Ergos sehen dieses Machtgefälle natürlich auch und sagen aber genau das, sie sagen, naja, ich würde das schon gerne reduzieren, dieses Machtgefälle, aber ich komme da an Grenzen, eben wenn so ein Fokus auf meiner Expertise als Ergotherapeut, als Ergotherapeutin liegt und davon ausgegangen wird, dass ich jetzt deshalb einfach die Therapieziele zum Beispiel festlegen kann und das ist manchmal ja vielleicht sogar verlockend und ich bin mir sicher, dass es auch stellenweise genauso praktiziert wird, da kommt ein Kind in die Behandlung, ich mache Assessment XYZ, ich sehe, Defizit ist im Bereich ABC, dann ist Therapie-Zielverbesserung des Defizits im Bereich ABC und dann habe ich ein Ziel festgelegt, so alleine. das hält einen keiner davon ab, das zu tun so.
Stephanie Knagge [00:44:18] Das ist grundsätzlich schon so, aber ja, also, ja, ich würde jetzt persönlich nicht so folgen. Warum denn nicht, Stephanie? So,
Sara Mohr [00:44:31] dann ist doch,
Stephanie Knagge [00:44:31] kann ich das machen? Weil, weil ich, also, diese funktionsbasierten Ziele sind so, also jetzt, ich sage es jetzt einfach, ich sage es jetzt einfach, ich finde die etwas, ich finde die etwas unsinnig, natürlich, weil die meisten Funktionsprobleme, die sind angeboren. Also, bei einer UMF, das ist angeboren.
Sara Mohr [00:44:59] Ihr werdet nicht die UMF heilen, so sehr ihr das auch versucht habt, raus.
Stephanie Knagge [00:45:02] So, weil etwas, was genetisch ist, also auch eine ADHS ist genetisch, ein Autismus Spektrum ist genetisch, so, also es gibt ein paar Sachen, die sind das natürlich nicht, aber auch die ganzen Wahrnehmungsproblematiken sind angeboren. //Stephanie Knagge So,// und jetzt weiß ich nicht so ganz genau, mit welchem Feenstaub ich da schmeißen soll, //Sara Mohr aber das ist,// ja, //Sara Mohr aber das ist ja auch mal so,// deine Augenfarbe und deine Haarfarbe ist auch angeboren. Was willst du denn da machen? Gut, wir können das färben, aber, na so, deswegen bin ich, und das ist jetzt vielleicht ein bisschen platt, aber die Therapieforschung zeigt das ja auch, dass wir, natürlich können wir auf einer Funktionsebene etwas verändern, natürlich, aber das macht nicht, dass es im Alltag oder auf der Betätigungsebene in irgendeiner Form funktioniert. und während, wenn wir auf Betätigungsebene arbeiten und das ermöglichen, dann wird ja auf jeden Fall die Betätigungsebene funktionieren. [00:46:06] Und manchmal ist es eben so, dass wir, wenn schwere Funktionsdefizite da sind, dann müssen wir, um eine Betätigung zu ermöglichen, eben kompensieren. Das war früher ein böses Wort. als ich, als ich in der Ausbildung war, war Kompensation das Schlechteste, was du tun konntest. Echt? Ach, krass. Ja, es hieß, also Kompensation machst du ganz zum Schluss, weil damit gibst du eigentlich zu, dass das nichts mehr wird. Dass du, oh Gott, austherapiert. Ja, tatsächlich. Und, und heutzutage, also wenn man, wenn man sich das O-Tippen anguckt, wenn man sich Entfischer anguckt, denn, die hat ganz klar gesagt, die kompensatorische Intervention ist das, was wir am häufigsten machen. und das macht auch Sinn, weil jetzt kompensieren wir, aber wir arbeiten ja immer noch mit diesem Menschen, dem Körper, der Kognition und können dann eben, ja, ein ganz anderes Trainingslevel erreichen, wodurch wieder die Funktion besser wird. Ja. Aber das Erste,
Sara Mohr [00:47:06] was du hinkriegst, ist eben die Betätigung. Genau. Und es ist, wofür wir hier nicht plädieren, da bin ich mir ganz sicher, dass du das auch nicht so meinst. Also das ist nur, um das mal klar zu kriegen. Wir sagen nicht, guck nur noch auf Betätigung und vergesst alle Funktionen. //Stephanie Knagge Nein, um Gottes Willen.// Das sagen wir auf keinen Fall. Deshalb, also sonst bräuchte man die Hälfte der Ausbildung nicht, wenn Körperfunktionen nicht wichtig wären. //Stephanie Knagge Nein.// Also ich bin ein großer Fan davon.
Stephanie Knagge [00:47:30] Ich könnte die meisten Betätigungen nicht erreichen, wenn ich nicht mein Wissen über Funktionen hätte. Genau. Genau.
Sara Mohr [00:47:36] Und wir denken die mit, aber das Ziel ist eben nicht die Funktion, sondern das Ziel ist die Teilhabe an den Betätigungen. Und glaubt mir, die Betätigungen fallen viel schneller hinten runter, als dass wir aus Versehen Funktionen vergessen. Das passiert nicht. Das ist so. Und wir brauchen halt auch dieses solide Wissen über, wie du sagst, mit welchem Krankheitsbild arbeite ich denn hier? Also womit habe ich es zu tun? Ich kann die beste Therapeutin der Welt sein. Ich werde kein ADHS heilen. So, Ende, fertig, ab, aus. Wenn ich aber, ich hatte immer häufig, oder ich hatte häufiger Kinder, die zur Ergotherapie kamen aufgrund von Hirnschädigung, ja, wo man dann sagt, okay, da kann ich, wenn ich da jetzt wirklich, da habe ich trotzdem natürlich betätigungsbasiert gearbeitet, aber da stehen die Funktionen noch mal mehr im Vordergrund. Da kann ich mal überlegen, gehe ich hier in Richtung Zimt dran? Da kann ich überlegen, gehe ich hier in Richtung repetitives Training in bestimmten Bereichen ran? Auf jeden Fall. Aber auch nicht, also ich, was vermittle ich denn auch einem Kind, wenn ich sage, naja, du hast jetzt, keine Ahnung, Diagnose XY zu dann und deshalb bist du schlecht bei, [00:48:39] keine Ahnung, dabei dich zu konzentrieren oder bist schlecht darin, deine Hand zu bewegen oder was auch immer. Und du musst das jetzt so lange üben, bis es gut geht.
Stephanie Knagge [00:48:48] Genau, sowas ist schwierig. Auf der anderen Seite, also repetitives Training, natürlich funktioniert das. Und das Interessante ist, dass wir aber diese ganzen Funktionssachen ganz wunderbar in unsere betätigungsfokussiert basierten Therapien einbauen können. Also da wieder, der Werbeblock für Koop. Wir machen mit Koop nichts anderes nach, als ein motorisches Lernen über die Kognition. Und mit dem hohen repetitiven Anteil, aber eben in einer realen Form klienten, selbst erwähnten Betätigung, wo wir ja dann, und nicht irgendwie im freien Fall mit irgendwas. Und das heißt, deswegen, natürlich müssen wir das Wissen über Funktionen haben und es eben auch anwenden,
Sara Mohr [00:49:35] nur vielleicht andersrum. Ja, ich möchte kurz, ich hatte so einen schönen CO-OP-Moment, dem letzten, ich habe lange nicht mehr geco-opt, weil ich auch so selten, ich hatte jetzt selten Klientel in letzter Zeit, wo das ging, wo einfach kognitiv genug Ressourcen da waren, um das mit mir zu machen. Ich hatte ein Kind in der Therapie, das aufgrund von einer neurologischen Erkrankung Probleme hat, beim Winterjackenreißverschluss zu machen. Und Winterjackenreißverschlüsse sind einfach auch ein Arsch. Ja, sind sie.
Stephanie Knagge [00:50:13] Schon allein, weil die Jacken so dick sind. Ja,
Sara Mohr [00:50:15] die sind so dick und dann kannst du dabei nicht richtig stehen und ach je, haben wir gekämpft mit diesen Winterjacken und wir haben meine Winterjacke und die Winterjacke von der Mama und die Winterjacke von dem Kind und alle Reißverschlüsse, die wir irgendwie in der Praxis gefunden haben, haben wir mit rumprobiert und das war wirklich sehr fummelig und schwierig und ich habe zwischendrin an mir und am Koop gezweifelt und ja, sorry, muss ich so sagen, weil ich dachte echt so, keine Ahnung, es war die dritte Einheit mit dem Thema und ich dachte so, ich habe keinen Bock mehr, das Kind hat keinen Bock mehr, wir haben alle keinen Bock mehr auf Reißverschlüsse. Und nicht, dass wir die ganze, wir haben nie 45 Minuten am Stück Reißverschlüsse gemacht, ich habe das schon ein bisschen aufgebrochen, angepasst an die Konzentrationsspanne des Kindes und an meine, aber naja, das Kind kam irgendwann auf die Idee und allein in diesen drei Einheiten war so viel Repetition jetzt nochmal, was Reißverschlüsse angeht, in allen Formen und Farben [00:51:15] und das Kind kam dann auf, also wir haben dann irgendwann festgestellt, naja, irgendwie haben wir nicht klar, welche Hand was macht, weil eine Hand muss ja festhalten und eine Hand muss nach oben ziehen bei einem Reißverschluss und dann, und die eine Hand hat das halt immer vergessen, das Festhalten, das war das Problem, haben wir gehabt, das Kind dann irgendwann, die Hand macht das nicht und dann haben wir überlegt, was die Hand braucht, damit die gut, damit die daran denkt, da festzuhalten und dann kam das Kind auf die Idee, wir könnten einen Sticker machen, wir können einen Sticker an die Jacke machen, damit die Hand weiß, wo sie festhalten muss und dann hatte ich, Entschuldigung, ich muss mich kurz selber loben, ich hatte die geniale Idee, ich dachte, wir haben bestimmt irgendwo Sticker rumfliegen, aber cooler ist es ja jetzt, wenn es irgendwie so ein individualisierter Sticker ist und es sollte halt an der Jacke jetzt auch halten, so normale Sticker fallen halt von der Winterjacke auch wieder ab, und dann habe ich so Silkoplast, diese Tape-Streifen, mit denen man auch Verbände festkleben kann, da haben wir uns ein Stückchen auf eine Klarsichthülle draufgeklebt [00:52:17] und das Kind durfte seinen Sticker selber bemalen mit Dinosauriern, die man im Nachhinein nicht mehr erkennen konnte, weil die Farbe verläuft so ein bisschen auf dem Neukose, egal, es waren Dinosaurier drauf und dann haben wir den Dinosaurier-Sticker an die Jacke geklebt und der konnte dann auch gewechselt werden, also wenn das Kind die Jacke von der Mama zugemacht hat, dann musste zuerst der Sticker wandern an die richtige Stelle und damit die Hand weiß, wo sie festhalten muss und dann bei sich selber und so und wie viel Repetition von diesem Reißverschluss auf und zu machen, wir allein dadurch hatten, dass das Kind ja jetzt testen musste, ob der Sticker jetzt hilft, damit die Hand weiß, wo sie festhalten muss und ich hätte das Kind niemals, ohne diese Prozesse dazu bekommen, 75 Mal diese Kackbewegung zu machen,
Stephanie Knagge [00:53:02] weil es nicht vorher ausgestiegen wäre.
Sara Mohr [00:53:04] Also der Betätigungsbezug sorgt dafür, dass das Kind motiviert auch repetitive Übungen durchführt. Und genau so ist es, ja. Ja, also großes Plädoyer an der Stelle für die Betätigungsbasierung.
Stephanie Knagge [00:53:20] Ja, und wir waren ja eigentlich auch noch in der Elternarbeit, das finden Eltern auch ganz spannend, aber manchmal ist es, also die kommen eben auch mit der Annahme, dass jetzt irgendein Training passiert und brauchen da oft eine ganz gute Erklärung, warum wir so mit den Betätigungen viel mehr Übungen reinkriegen. und ich liebe dein Beispiel, weil genau so ist es. Wenn wir repetitiv da eine Übung gemacht hätten, dann Todsterben und Verderben, um so viel Wiederholung mit einem Kind hinzukriegen. Nein, da habe ich keinen Vorwurf. Während wenn man das in einer echten Betätigung, was vielleicht das Kind auch noch wirklich selber gerne möchte, macht, dann kriegt man das deutlich besser hin.
Sara Mohr [00:54:09] Ja, auf jeden Fall. Sehr gut. Ich versuche gerade, ich suche mich kurz, wo waren wir denn in unserer Studie? Ach so, ja, genau. Das war also, das war quasi das Thema Machtgefälle und beide Seiten sind sich bewusst, dass es dieses Machtgefälle gibt und Eltern wünschen sich, dass sie in ihrer Expertise gesehen werden. Der nächste Punkt unter dem Thema, welche Komponenten sind denn wichtig, damit die Beziehung positiv gestaltet ist, ist einvernehmliche und klare Kommunikation. Und total spannend fand ich hier dieses einvernehmliche Kommunikation, weil vor allem die Eltern haben gesagt, also für eine positive Beziehung braucht es wechselseitige Kommunikation. Also nicht nur der Therapeut informiert die Eltern, sondern wir sprechen gemeinsam über das Thema und jeder kann seine Expertise einbringen. Und das hatten wir jetzt ja auch schon mehrfach so ähnlich oder so oder so ähnlich gesagt und ich finde diesen Punkt aber so wichtig, [00:55:10] aus vielleicht nochmal zusammengefasst, aus zwei Gründen, weil einmal ist es genau der Knackpunkt, mit dem ich so ein Machtgefälle reduzieren kann, weil ich nämlich der Expertise der Eltern Raum gebe und dann ist diese Kommunikationsform, also wir tauschen Informationen aus, das ist ja für meine gesamte Evaluation so immens wichtig. Also in den Eltern stecken ja so viele wichtige Informationen, die ich nur bekommen kann, wenn ich mit denen halt rede. Klar. Ich kann mich ja in den 45 Minuten bei mir im Therapieraum, kann ich mich ja kaputt beobachten und Assessments durchführen. Ich habe trotzdem nur eine Momentaufnahme. Die Eltern sind so eine wichtige Informationsquelle und können mit ihrer Expertise, was da im ganzen Alltag abgeht, so viel beitragen. Wenn ich das nicht nutze, da entgeht mir so viel.
Stephanie Knagge [00:56:01] Ja, absolut. Also das mache ich, glaube ich, die ganze Zeit, dass ich dann frage, wie ist das genau und wie ist das da und was machen sie dann und wer sitzt dann im Raum und also einmal solche Sachen. Aber was ich auch nicht mitbekomme an Informationen ist so die Beziehung zwischen den Eltern und den Kindern. Also wenn die so ein bisschen länger bei der Ergotherapie mitsitzen, dann sieht man ja auch, wie Eltern und Kind aufeinander reagieren. Und also da habe ich gerade eine schöne Geschichte. Ich habe jetzt gerade jemanden in Behandlung gehabt, das ist schon ein bisschen jugendlich, da war, also der hatte schon sehr ordentlich hier geschrien bei einer ADHS. Und das war auch alles wirklich schwierig. Und er war eben auch noch jugendlich, das hilft nicht immer dabei. [00:57:03] Und es war für ihn schwierig, die Sachen alle so anzunehmen. Aber er hatte eine Bombenbeziehung zu seiner Mutter. und hat dann auch, und das sah ich auch, und die hat dann so im Verlauf unserer Arbeit auch festgestellt, gut, also man kann ihm diese ganzen Sachen aktuell nicht auftragen, er schafft es aufgrund vermutlich des Jugendlichseins übrigens gerade, das alles nicht umzusetzen. und dann habe ich sie eben gefragt, ich sage, ich glaube, unsere einzige Möglichkeit ist, dass sie sich dann eben neben ihn setzen und sagen, komm, Hase, jetzt geht’s los. Und habe sie auch gefragt, geht das? Und dann hat sie gesagt, ja. Und durch diesen Prozess ist ihr klar geworden, sie kann nicht einfach das von ihm fordern wie von anderen Jugendlichen. Dem Jungen ist klar geworden, dass sie die einzige Möglichkeit ist, dass er manche Sachen hinkriegt. [00:58:04] Und das war so schön für mich, weil das hatte ich auch am Anfang mir ein bisschen anders überlegt, aber das war im Endeffekt dann so der Turning Point,
Sara Mohr [00:58:13] wie sie das hingekriegt haben. Ja, sehr schön. Ich musste gerade auch daran denken, als du gesagt hast, man beobachtet ja auch, wie ist die Beziehung zwischen Elternteil und Kind. Als ich dich in der Praxis besucht habe damals, ich habe Stefanis Praxis mal gezeigt bekommen, die ist sehr schön. Du kannst gleich mal noch erzählen, wie ihr die Praxis so einrichtet und so. Aber da hast du mir erzählt, dass es ja auch ganz hilfreich ist, wenn so ein Gespräch in einer sehr alltagsnahen Umgebung stattfindet, weil man dann eben auch alltagsnahe Interaktion auch zwischen Eltern und Kind beobachten kann in dem Moment. Das ist auch so.
Stephanie Knagge [00:58:57] Ja, wir haben es uns überall gemütlich gemacht, möchte ich jetzt mal so sagen. Also wir haben an jedem Raum eben auch eine gemütliche Sofa-Ecke, wo wir dann eben auch solche Gespräche machen, wo sich Eltern und Kind oder Mama und Kind oder Papa und Kind, manchmal sind ja Einzeleltern, sich einfach so gemütlich hinsetzen. und das macht ganz viel. Das macht viel. Also das wird lockerer. Die lassen ein bisschen, also die erzählen einem mehr, man kriegt mehr Auswahl, will ich das mal sagen, also mehr Details, weil es ihnen auch emotional, glaube ich, ein bisschen besser geht, weil das nicht so steif ist. und die Kinder, da würden sich ja da eher auch mal so ein bisschen fliezen und das dürfen sie da übrigens auch. Und dann geht es denen auch besser. Also ja, deswegen haben wir das [00:59:57] so ein bisschen gemacht.
Sara Mohr [00:59:58] Ja, das macht was mit diesen Gesprächen. Auf jeden Fall. Sehr schön. Das Thema Kommunikation abschließend an dieser Stelle schreiben Sie in der Studie, naja, es gibt eigentlich zwei Grundregeln. Einmal die Annahme, von der alle Beteiligten ausgehen sollten, dass Eltern ihr Kind am besten kennen. Da liegt die Expertise. Und dann das andere, der Raum für Fragen muss von beiden Seiten offen sein. Also ich muss den Eltern das Gefühl geben, dass sie mich alles fragen können, was da mit meiner therapeutischen Expertise zu tun hat. Und ich muss mich aber auch trauen, die Eltern ganz viel zu fragen zu ihrer Expertise. Der letzte Punkt zum Thema, welche Aspekte beeinflussen denn jetzt eigentlich diese therapeutische Beziehung, heißt Zusammenarbeit mit Respekt für Diversität. Und da haben in den Studien alle drei Gruppen, also Eltern, Kinder und auch die Therapeutin immer wieder betont, dass es für die Zusammenarbeit grundlegend wichtig ist, dass nicht wertend [01:00:59] in die Zusammenarbeit gegangen wird. Also dass unterschiedliche Werte, Persönlichkeiten, kulturelle Hintergründe, was auch immer, akzeptiert werden. Und da fand ich es total spannend, dass vor allem die Therapeutin wieder berichtet haben, dass sie dabei sich selber merken, dass sie auf Barrieren stoßen, wenn sie selber einen anderen kulturellen Hintergrund haben als ihre Klientin und dann eben auch bestimmte Alltagszusammenhänge vielleicht gar nicht gut verstehen können. Und die Therapeutin haben dann gesagt, naja, dann ist es schon meine Aufgabe als Therapeutin, dann erstmal geduldig zu bleiben, mit mir selber auch, und mich aber zu informieren, um eine gute Kommunikation aufbauen zu können. Und da war so einer der wenigen Kritikpunkte in der Studie, dass sie sagen, oft habe ich aber gar nicht die Zeit oder die Ressourcen auch von Arbeitgebenden aus, dass ich mich dann in Ruhe mal mit dem Thema auseinandersetze und mich dazu informiere. Also das ist so ein ausbaufähiger Punkt in dem Moment.
Stephanie Knagge [01:01:59] Es ist ja so, auch für mich so ein bisschen die Frage, in welchem Land sind diese Studien gemacht, weil in den meisten Ländern der Welt gibt es ja eine sehr eingeschränkte Anzahl an Ergotherapiestunden, die bezahlt bekommen. Und wir haben ja hier noch so ein bisschen, ja, ein bisschen mehr Möglichkeiten. Das finde ich immer schön, in Deutschland zu sein. Und ja, aber ich, ich verstehe das. Als Arbeitgeberin verstehe ich auch, dass man sich natürlich dann überlegt, wie viel Zeit gebe ich meinen Mitarbeitenden für so eine Recherche. Ich habe es meistens so gelöst, dass ich die Eltern wieder als Experten genommen habe und gesagt habe, ich weiß zu wenig über ihren Kulturkreis. Vielleicht könnten sie mir einfach mal sagen, [01:02:59] was da so wichtig ist, weil meistens fällt es einem ja auf, wenn etwas, was für mich selbstverständlich wäre und irgendwie hakt ist. Das geht nicht weiter. Die gucken komisch oder die setzen das nicht um. und dann frage ich einfach immer, dann frage ich, also gibt es da, sehen Sie das anders? Also ist das in Ihrem Kulturkreis anders? Und ich benenne es auch als einen Kulturkreis. Also so mache ich das meistens. Da habe ich schon die interessantesten Sachen rausbekommen.
Sara Mohr [01:03:33] Ja, ich glaube, der erste Schritt ist so zu merken, Moment, ich bin da gerade von was ausgegangen, was ja aber eigentlich gar nicht für alle so selbstverständlich sein muss, wie das für mich selbstverständlich ist. Und wenn ich das merke, ist immer ein guter Moment, mal respektvoll nachzufragen. Moment, stimmt das eigentlich, was ich da angenommen habe? Oder darf ich was Neues lernen?
Stephanie Knagge [01:03:52] Genau. Ja, also ich finde, eine Schwierigkeit ist da, dass wir manchmal mit Werten aus unserem Kulturkreis umgehen müssen, wenn es zum Beispiel um Schulthemen geht. Und wenn es um Themen geht, die im häuslichen Bereich sind, dann finde ich immer wichtig, dass ich rauskriege, was da deren kulturelle Annahmen oder auch Bedürfnisse sind, weil das ist ja völlig klar, dass die dann auch erfüllt werden. Und wenn es aber um deutsche Schule sind, du weißt ja, das deutsche Schulsystem, bringt Freude in viele Familien. Und dann muss ich das oft übersetzen, warum das ist so bei uns und wie können wir das denn hinkriegen, ohne dass das für sie ganz schlimm wird.
Sara Mohr [01:04:38] Ja, dass man so einen Mittelweg findet, total. Also das waren so die Bereiche, die jetzt am, die Komponenten, die am stärksten die Beziehung, die therapeutische Beziehung beeinflussen. Einmal dieses Machtgefälle, einmal die Kommunikation, die einvernehmliche von beiden Seiten und dann dieser Respekt für Diversität. Und dann kommen wir schon zum dritten und letzten Thema. Und das heißt, das hat einen wirklich schönen Namen, das heißt nämlich therapeutische Beziehungen empowern Veränderung. Das fand ich sehr schmissig. Es gibt einige Studien, auch außerhalb der Ergotherapie, aber generell zu so Therapieberufen, die nahelegen, dass es nämlich gerade die therapeutische Beziehung ist, die wirkt und gar nicht unbedingt das, was ich therapeutisch mache. Das ist ganz spannend. Es ist sicherlich nicht so zu interpretieren, dass man sagen kann, es ist eigentlich egal, was du in der Ergotherapie machst, solange du eine gute Beziehung [01:05:38] zu den Eltern hast, wird es schon laufen. Das ist wahrscheinlich so überinterpretiert, diese Aussage. Aber so, dass die therapeutische Beziehung auch eine Wirksamkeit hat, finde ich total spannend. Es gibt zum Beispiel Studien, die zeigen, dass Kinder schneller ihre Ziele erreichen, wenn es eine stabile therapeutische Beziehung zwischen allen Beteiligten gibt. Oder auch, dass der Transfer in den Alltag besser gelingt, wenn es eine enge Kommunikation zwischen Eltern und Therapeutinnen gibt. Und umgekehrt berichten auch Therapeutinnen, dass sie aus Therapien, und das finde ich einen total nachvollziehbaren und schönen Punkt, dass die TherapeutInnen aus Therapien, wo es eine gute Beziehung gibt, viel mehr für sich selber auch mitnehmen, viel mehr selbst lernen und ihr therapeutisches Repertoire erweitern. Also durch diese therapeutischen Beziehungen eigentlich zu besseren TherapeutInnen werden. Fand ich total den schönen Gedanken.
Stephanie Knagge [01:06:37] Wird ja auch Sinn machen, weil wenn wir uns miteinander wohlfühlen, sind wir ja offener und dann würde man ja bestimmt auch mehr lernen.
Sara Mohr [01:06:45] Und ich hatte das in jedem Fall schon, dass ich aus Therapien rausgegangen bin und dachte, krass, ich habe, glaube ich, gerade mehr gelernt als die.
Stephanie Knagge [01:06:53] Das kenne ich auch. Also gerade meine erwachsenen KlientInnen sind da irgendwie immer so der Hit.
Sara Mohr [01:07:02] Das ist echt. Und ich hatte das auch schon bei Familien, dass ich, ich hatte mal eine Zeit, habe ich in der Praxis gearbeitet, wo relativ viel über Hausbesuche lief, auch bei KlientInnen, wo es einfach Sinn gemacht hat, in den Hausbesuch zu gehen. Gar nicht, weil die nicht mobil genug gewesen wären, sondern weil es einfach Sinn gemacht hat. Das war sehr angenehm, sehr schön. Und da war ich teilweise auch in, ja, in zu Hause bei Leuten, bei Familien, wo ich nachher rausging und dachte, boah, also die, allein diese Familienstruktur hier funktioniert so gut, dass ich wirklich nur Schubser geben muss und dann einfach zugucken kann, wie hier Magic passiert und ich gehe hier raus und bin viel, bin viel positiver gestimmt als meine KlientInnen wahrscheinlich, weil ich so ein Privileg finde, dass ich dabei zugucken darf, wie die ihren Alltag verändern. Also das finde ich, finde ich wirklich faszinierend. Das ist sicherlich nicht bei allen Therapien so.
Stephanie Knagge [01:07:59] Aber, wir kennen ja auch alle die, die, die nicht so gut laufen. Ja. Aber ich finde genau solche Therapien, also die so gut laufen, wo man selbst was lernt, wo das so flutscht, das, ach, das gibt mir dann immer wieder den Auftrieb, immer schön weiterzumachen.
Sara Mohr [01:08:14] Ja. Was hast du schon gelernt von deinen KlientInnen? Fällt dir was ein? Och,
Stephanie Knagge [01:08:19] ganz viel, ganz viel. also, ich weiß jetzt gar nicht, wo ich anfangen oder aufhören soll. Bist du sicher, dass ich die Frage beantworten? Also von, viel auch von Umgangsweisen miteinander, aber auch Umgang mit Störungsbild, mit Leid, mit Alter, mit, ja auch mit Behinderung, auch Behinderung bei Kindern, also die, bis hin zu so ganz pragmatischen Sachen, Kochrezepte, Wohnungseinrichtung, was ist der schönste Stift? Also, ich habe da, glaube ich, ganz viel.
Sara Mohr [01:09:02] Ich durfte auch, ich durfte auch ganz pragmatisch schon lernen, wie man ein richtiges Lauftraining macht. Das ist, wenn man auf die, nur als Empfehlung für euch, tut es nicht, wenn ihr jemanden habt, der sagt, können wir uns bitte mal gemeinsam mein Lauftraining angucken, das ich jeden Montagmorgen um 8 Uhr auf dem Gemeindesportplatz mache, dann sagt nicht ja, weil dann müsst ihr mitmachen, morgens um 8 Uhr auf dem Gemeindesportplatz. //Stephanie Knagge Ich weiß nicht,// wie ein Lauftraining funktioniert.
Stephanie Knagge [01:09:31] Betätigungszentrierte Ergotherapie //Sara Mohr hat auch seine Nachteile.//
Sara Mohr [01:09:36] Stand ich da in meiner Sporthose. Naja. Ja, ich glaube, das ist Hausaufgabe für euch alle. Überlegt euch mal, was ihr schon von euren Klienten gelernt habt. Ich durfte schon einmal von einem Kind tatsächlich in der Therapie, das mir wunderbar spiegeln konnte, wie gerade meine therapeutische Persönlichkeit ist und wie viel Druck ich ihr damit gerade mache. Und dann hat sie mir die Frage gestellt, machst du das bei allen so, die hierher kommen? Und dann habe ich gedacht, oh shit, sie hat mich voll ertappt. Es stimmt. //Stephanie Knagge Und ich durfte lernen,// dass ich Druck rausnehmen darf aus Therapien und das gar nicht immer alles sofort und direkt in dieser Einheit oder bis nächste Woche passiert sein muss, weil sonst passiert irgendwas fürchterliches, ist nämlich gar nicht. Ja, stimmt. Ja.
Stephanie Knagge [01:10:30] Kinder sagen manchmal sowas von die Wahrheit, ne? So gut. Ich weiß, ich finde das auch, ich bin ein großer Fan von diesen anarchistischen Wahrheitssagen von Kindern.
Sara Mohr [01:10:42] Und die Mutter hat in dem Moment interveniert und hat gesagt, so kannst du nicht mit der Sarah reden. Und ich habe gesagt, doch, doch. So kann sie mit der Sarah reden, denn sie spricht die Wahrheit und nichts als die Wahrheit.
Stephanie Knagge [01:10:53] Und das ist alles absolut adäquat.
Sara Mohr [01:10:57] Ach ja, sehr schön. Wir sind am Ende dieser Studiesteinanie, die so jetzt in diesen drei Themen, wie ich finde, einen ganz guten Überblick gegeben hat oder auch so ein Einblick, wie wichtig diese Beziehung zu den Eltern ist. Ich würde gerne jetzt mit dir so zum Abschluss, hätte ich gerne von dir so ganz spontan drei Du’s für gute Elternarbeit in der Ergotherapie. Was kann ich morgen in meinen Therapien machen? Welche drei Dinge, damit meine Elternarbeit besser gelingt?
Stephanie Knagge [01:11:34] Naja, da würde ich ja mal ganz pragmatisch als allererstes sagen, die Eltern mal mit reinzunehmen. Und zwar also richtig, also nicht so zwischen Tür und Angel. Vielleicht muss man nicht am Anfang gleich die ganzen 45 Minuten, aber ihnen einen Platz anzubieten. Und dann wäre meine zweite Empfehlung, den Eltern wirklich positiv und wertschätzend gegenüber die Haltung zu haben. Also wir hatten das, glaube ich, eine der ersten Sachen, die da die Studie gesagt hat, nämlich auch Unterschiede einfach nur wahrzunehmen und nicht zu bewerten. Ich finde, viele ErgotherapeutInnen, mit denen ich mich so auch über Elternarbeit unterhalte, sind sehr schnell mit, ja, aber das ist verkehrt und die machen das nicht gut. Ich finde, eine gute Haltung ist, sie machen es so gut, wie sie können. [01:12:36] und der Rest ist unsere Arbeit. Und ein drittes Du ist, sich nicht so selbst als Ergotherapeutin so unter Druck zu setzen, dass du es jetzt besonders richtig machen musst und dass du in Frage gestellt wirst. weil ich erlebe Eltern hauptsächlich sehr interessiert und sehr dankbar und deutlich weniger kritisch, als man sich das oft immer so in seinen Angstmomenten vorstellt.
Sara Mohr [01:13:08] Ja, das finde ich einen guten Aspekt, dass du das nochmal sagst, weil das geht tatsächlich, also nur mal so für so einen kurzen Realitätsbezug, ich bin jetzt seit über 15 Jahren Ergotherapeutin und auch ich habe manchmal den Gedanken, wenn ich die Eltern dann mit in die Therapie nehme, dass ich denke, oh scheiße, ich würde eigentlich nicht, dass mir jetzt jemand zuguckt. Ich weiß doch noch gar nicht, ob ich das hinkriege mit dem Kind und ob wir so einen Vibe haben und ob wir unsere Ebene finden und was ist, wenn ich jetzt irgendwas anbiete und das Kind findet das scheiße. Und es ist vollkommen normal, diese Gedanken kurz zu haben, weil die Erfahrung zeigt, es hat mir in über 15 Jahren noch kein einziges Mal ein Elternteil mitten in der Therapie gesagt, also hören Sie mal, Frau Mohr, was Sie da machen, ist ja wohl aber totaler Quatsch. Ist noch nie passiert. Eltern sagen Dinge wie, ach, das ist ja eine coole Idee oder, ah, jetzt sehen Sie mal, so macht er zu Hause bei mir auch immer. Genau. Das ist total wertschätzend.
Stephanie Knagge [01:14:02] Ja, ja. Und ich erlebe die Eltern hauptsächlich wirklich super interessiert, dankbar dabei sein zu dürfen und auch was zu lernen oder auch ihr Kind einfach mal anders zu erleben. manchmal besser, manchmal schlechter, also anders heißt ja nicht. Ja, genau, anders. Genau. Und ich erlebe all das nicht, wo, was mir immer so erzählt wird, wo die Menschen so Angst vorhaben, nämlich vor der Bewertung, vor der Kritik. Das erlebe ich nicht so.
Sara Mohr [01:14:34] Ja. Und was mir hilft in so Momenten, wenn ich so diese Gedanken habe, so scheiße, ich weiß jetzt nicht, ob die mich jetzt bewerten und mich dann blöd finden, ich kündige das manchmal anders. dass ich sage, oh, ich habe mir heute vorgenommen, ich würde gern das und das mal ausprobieren. Das habe ich zum Beispiel jetzt in dieser dritten Reißverschlusseinheit habe ich zur Mutter vorher gesagt, weil ich wusste nicht, ob ich das Kind irgendwann in die vollkommene Frustration reinführe. Und mich auch. Habe ich zur Mutter gesagt, wir probieren das heute noch mal mit dem Reißverschluss. Ich habe noch eine Idee, kann sein, das klappt, kann sein, das schief geht. So. Und dann ist das angekündigt und ich habe natürlich mir vorher einen Plan B überlegt, falls da jetzt irgendwie ich merke, das Kind hat gar keinen Bock mehr. Aber das kann man ja so sagen. Also die Eltern wissen ja, die kennen ja ihre Kinder, die wissen, wie ihre Kinder sind. Die wissen auch, und das ist das Schöne, wenn man die Eltern dabei hat, wenn Kinder manchmal einen schlechten Tag hatten und dann können die Eltern nämlich sagen, ja, das ist kein Wunder, dass der heute nicht so gut mit Mathe war, hat der einen super anstrengenden Tag im Kindergarten gehabt und so. Und dann weiß ich Bescheid als Therapeutin und dann kann ich das anpassen, weil das Kind kann es mir [01:15:34] vielleicht selber gar nicht sagen. Das ist gerade so ein anstrengender Tag. Genau so ist es. Sehr schön. Stephanie, hast du noch letzte Worte? Ist dir noch was ganz wichtig, der Ergo-Community da draußen mitzugeben zum Thema Elternarbeit? Ich glaube, wir haben alles gesagt.
Stephanie Knagge [01:15:54] Also ich bin froh, dass ich da sein durfte und was darüber zu erzählen. Und ich glaube, vielleicht gibt ja dieser Podcast so ein bisschen Mut, es ein bisschen mehr auszuprobieren.
Sara Mohr [01:16:06] Das wäre total schön. und ich bin total froh, dass du dabei warst. Vielen lieben Dank dir.
Stephanie Knagge [01:16:11] Ja, gerne.
Sara Mohr [01:16:12] Und dann hören wir uns beim nächsten Mal. Tschüss. Tschüss.
(Dieses Transkript wurde mit Unterstützung von KI generiert.)
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