#34 - Gartentherapie und Mittellinienüberkreuzung in der Ergotherapie
Sara beantwortet zwei Fragen von Hörer*innen zu den Themen Mittellinienüberkreuzung und Gartentherapie in der Ergotherapie.
Geschichten aus dem Alltag: Sara gibt Fortbildungen zu Flow. Schaut doch mal rein 😉
Lust auf mehr Evidenz für dein Team?
Studien zum Thema Mittellinienüberkreuzung
Begum Ali, J., Charman, T., Johnson, M.H. et al. Early Motor Differences in Infants at Elevated Likelihood of Autism Spectrum Disorder and/or Attention Deficit Hyperactivity Disorder. J Autism Dev Disord 50, 4367–4384 (2020).
Carlier, M., Doyen, A.-L. ., & Lamard, C. (2006). Midline crossing: Developmental trend from 3 to 10 years of age in a preferential card-reaching task. Brain and Cognition, 61(3), 255–261.
Cermak, S. A., Quintero, E. J., & Cohen, P. M. (1980). Developmental Age Trends in Crossing the Body Midline in Normal Children. American Journal of Occupational Therapy, 34(5), 313–319.
Firby, H., & Raine, R. (2023). Engaging with nature and the outdoors: A scoping review of therapeutic applications in contemporary occupational therapy. British Journal of Occupational Therapy, 86(2), 101–115.
Kraus, E. (2006). Ist das Überkreuzen der Körpermittellinie ein Indikator für die Handpräferenz bei Kindern? Ergoscience, 01(3), 100–109.
Kraus, E. (2019). Zwischen Links- und Rechtshändigkeit. Springer-Verlag.
Kraus, E. (2021). Links oder rechts? – Händigkeit bei Kindern. Ergopraxis, 14(07/08), 22–27.
Michell, D., & Wood, N. (1999). An Investigation of Midline Crossing in Three-year-old Children. Physiotherapy, 85(11), 607–615.
Saidmamatov, O., Rodrigues, P., & Vasconcelos, O. (2022). Motor Skills Training Program Reinforces Crossing the Body’s Midline in Children with Developmental Coordination Disorder. Symmetry, 14(6), 1259.
Scharoun, S. M., & Bryden, P. J. (2014). Hand preference, performance abilities, and hand selection in children. Frontiers in Psychology, 5(82).
Scharoun Benson, S. M., Williams, N., Tucker, J., & Bryden, P. J. (2021). How far will you go before switching hands? Handedness on the long pegboard across the lifespan. Developmental Psychobiology, 63(5), 1109–1119.
Scharoun, S. M., Scanlan, K. A., & Bryden, P. J. (2016). Hand and Grasp Selection in a Preferential Reaching Task: The Effects of Object Location, Orientation, and Task Intention. Frontiers in Psychology, 7.
Screws, D. P., Eason, B. L., & Surburg, P. R. (1998). Crossing the Midline: A Study of Four-Year-Old Children. Perceptual and Motor Skills, 86(1), 201–203.
Serrien, D. J., & O’Regan, L. (2020). The development of motor planning strategies in children. European Journal of Developmental Psychology, 18(1), 1–17.
Siffredi, V., Preti, M. G., Obertino, S., Leventer, R. J., Wood, A. G., McIlroy, A., Anderson, V., Spencer-Smith, M. M., & Van De Ville, D. (2021). Revisiting brain rewiring and plasticity in children born without corpus callosum. Developmental Science, 24, e13126.
Studien zum Thema natur-basierte Therapie
Bishop, R., Underwood, F., Fraser, F., Burrows, L., & Shawe, J. (2024). Characteristics of natural environment use by occupational therapists working in mental health care: a scoping review. JBI evidence synthesis, 22(12), 2518–2558.
Burke, H. K., Burke, L. M., Hacker, C. G., & Lane, S. J. (2023). Nature-Based Pediatric Occupational Therapy: A Scoping Review. Physical & Occupational Therapy In Pediatrics, 44(1), 96–109.
Firby, H., & Raine, R. (2023). Engaging with nature and the outdoors: A scoping review of therapeutic applications in contemporary occupational therapy. The British journal of occupational therapy, 86(2), 101–115.
Jimenez, M. P., DeVille, N. V., Elliott, E. G., Schiff, J. E., Wilt, G. E., Hart, J. E., & James, P. (2021). Associations between Nature Exposure and Health: A Review of the Evidence. International journal of environmental research and public health, 18(9), 4790.
Weir, K. (2025). Feature: Nurtured by nature. Monitor on Psychology, 51(03).
00:00:14 – Einstieg, Flow & Modelle
Sara Mohr begrüßt die Zuhörer*innen von „Evidenz auf die Ohren“ und erzählt von einem Online-Workshop zu Flow für Ergotherapeut*innen, in dem Betätigungsbalance und Flow-Erfahrungen im eigenen Ergo-Alltag reflektiert werden. Sie lädt zu weiteren Flow-Fortbildungen sowie zu einer dreiteiligen Online-Fortbildung zu Ergotherapiemodellen ein, in der Modelle als „Geländer“ für strukturierte, transparente und klient*innenverständliche Therapieprozesse aufgebaut und in den Alltag übertragen werden.
00:08:36 – Ausgangsfrage: Brain Gym vs. Mittellinienüberkreuzung
Ausgehend von einer Hörerinnenfrage knüpft Sara an Folge 30 an, in der sie Brain Gym als nachweislich unwirksam beschreibt und erklärt, dass für diese Methode sogar Evidenz gegen eine Wirkung vorliegt. Die aktuelle Frage lautet nun, ob es bei Kindern mit Diagnosen wie Autismus, Entwicklungsverzögerung oder UEMF sinnvoll ist, gezielt Überkreuzbewegungen zu üben, wenn im Alltag ein eingeschränktes Überkreuzen der Mittellinie beobachtet wird.
00:10:43 – Grundlagen: Was ist Mittellinienüberkreuzung?
Sara definiert die Mittellinienüberkreuzung als spontane Bewegung einer Extremität in den kontralateralen Raum bei gleichzeitiger Hemmung der ipsilateralen Extremität. Sie erläutert anhand alltagsnaher Beispiele (z. B. Kaffee einschenken, Schreiben), dass Mittellinienüberkreuzung eine komplexe motorisch-kognitive Leistung ist, die eine gefestigte Händigkeit, gute sensomotorische Kontrolle und effiziente Hemmung der Gegenseite erfordert.
00:15:57 – Händigkeit, Entwicklung und Bedeutung
Sara stellt dar, dass Rechtshänder*innen die Mittellinie mit der dominanten Hand häufiger und weiter überkreuzen als Linkshänder*innen – vermutlich, weil Linkshänder*innen oft eine weniger stark ausgeprägte Dominanz haben. Unter Bezug auf Arbeiten von Elke Kraus beschreibt sie die Entwicklung: erste bimanuelle Mittellinienüberkreuzung (mit Rumpfbeteiligung) etwa im 8.–12. Monat, selektive manuelle Überkreuzung ohne Rumpfrotation ab ca. 18 Monaten; insgesamt verbessert sich die Fähigkeit deutlich bis etwa zum 10. Lebensjahr.
00:19:02 – Funktionelle Relevanz und diagnostische Vorsicht
Mittellinienüberkreuzung erweitert den Handlungsraum deutlich, etwa für Schneidersitz, Körperpflege, Ankleiden, Schreiben und fein abgestimmte bimanuelle Koordination. Sara betont, dass reduziertes Überkreuzen Betätigungen umständlicher machen kann, warnt aber vor vorschnellen Schlussfolgerungen: Es gibt nur wenige, teils widersprüchliche Studien mit kleinen Stichproben, sodass weder ein klarer Zusammenhang noch eine Kausalität zwischen Diagnosen (z. B. ADHS, Autismus) und Mittellinienüberkreuzung belegt ist.
00:23:06 – Korrelation vs. Kausalität und Corpus callosum
Anhand des Beispiels „Eis essen und Sonnenbrand im Sommer“ erklärt Sara den Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität und überträgt dies auf Mittellinienüberkreuzung und Entwicklungsstörungen. Sie kritisiert Aussagen wie „Überkreuzübungen vernetzen die Hirnhälften“, weil bei Personen ohne bekannte Balkenfehlbildung (Corpus-callosum-Anomalie) keine neurologische Schädigung unterstellt werden sollte.
00:25:08 – Kann man Mittellinienüberkreuzung trainieren?
Auf die eigentliche Frage antwortet Sara: Mittellinienüberkreuzung lässt sich wahrscheinlich trainieren, wenn sie in alltagsrelevanten Betätigungen gezielt, häufig und regelmäßig geübt wird. Reine „Übungsminuten“ im Stil simpler Überkreuzbewegungen einmal wöchentlich sind dafür kaum ausreichend; stattdessen empfiehlt sie, konkrete Betätigungen zu identifizieren, in denen das Überkreuzen relevant ist, und diese in den Alltag einzubetten.
00:27:11 – Gartentherapie / naturbasierte Therapie
Im zweiten Teil reagiert Sara auf Hörer*innenwünsche zum Thema Gartentherapie und erweitert den Fokus auf „Nature-Based Therapy“, da die internationale Literatur überwiegend englischsprachig und breiter gefasst ist.
Sie fasst zusammen, dass die Forschung relativ einheitlich zeigt: Mindestens zwei Stunden pro Woche in Grün- oder Blauwildräumen (Parks, Wälder, Wiesen, Gewässer) gehen mit reduzierten Stresswerten, niedrigerem Blutdruck, besserer Stimmung, verbesserter Aufmerksamkeit und besserem Schlaf einher, was langfristig Herz-Kreislauf- und psychische Risiken senken kann. Theoretisch stützt sich dies auf die Biophilia-Hypothese, nach der der Mensch evolutionär an Naturumgebungen angepasst ist; Natur kann daher als „Pause“ von zivilisatorischen Überforderungen wirken, ohne dass dafür „Wildnis“ nötig wäre – ein Parkspaziergang genügt.
00:30:13 – Allergien und Natur: Mythos relativiert
Sara greift den verbreiteten Mythos auf, dass Kinder, die viel draußen sind, später weniger Allergien entwickeln, und erklärt, dass bisherige Studien keinen eindeutigen Zusammenhang belegen konnten. Naturaufenthalt bleibt dennoch aus vielen anderen Gründen sinnvoll, sollte aber nicht als gesicherte Allergieprävention verkauft werden.
00:31:13 – Natur als Betätigung: ergotherapeutische Perspektive
Ergotherapeutisch stellt sie die zentrale Frage, ob „in der Natur sein“ tatsächlich Betätigungsanliegen der Klient*innen ist; nur dann sollte es zum Therapiemittelpunkt werden. Beispiele zeigen, dass naturbezogene Aktivitäten (Hundespaziergang, mit dem E-Rolli zum Einkauf, Balkonpflege) an persönliche Bedeutung, Kontext und Ziele angepasst und anschließend als wiederkehrende Betätigungen im Alltag implementiert werden müssen.
00:33:15 – Scoping Review zu naturbasierter Ergotherapie in der Pädiatrie
Ein Scoping Review zu naturbasierter Ergotherapie in der Pädiatrie identifizierte zwölf Texte (zwei Studien, zehn graue Literatur), zeigte aber eine große Begriffsunschärfe: „naturbasiert“ konnte z. B. Gemeindegärten, Wilderness Therapy oder tierbezogene Naturangebote meinen. Diese Heterogenität erschwert es, belastbare Aussagen darüber zu treffen, was naturbasierte Ergotherapie bei Kindern konkret ist und wie sie standardisiert untersucht werden kann.
00:36:19 – Zweites Scoping Review: Wie nutzen Ergos Natur?
Ein weiteres Scoping Review mit 64 Texten untersuchte grundsätzlich, wie Ergotherapeut*innen Natur in Interventionen integrieren, und identifizierte drei Themenbereiche.
- Thema 1: Betätigungsbasierte Anwendung
Naturbasierte, betätigungsbasierte Ergotherapie meint, dass Therapie direkt in der Natur stattfindet, z. B. Gartengruppen in psychiatrischen oder geriatrischen Settings, naturbezogene Aktivitäten nach Schlaganfall oder bei Demenz sowie Spaziergruppen. Auch gemeindenahe Projekte wie inklusiv gestaltete Gemeinschaftsgärten, in denen Klient*innen gärtnern und soziale Teilhabe erleben, gehören dazu.
- Thema 2: Betätigungsfokussierte Anwendung
Hier steht Natur als Betätigungsfokus im Vordergrund, ohne dass jede Intervention draußen stattfinden muss. Zum Beispiel Edukation über gesundheitliche Effekte von Naturaufenthalt gegenüber Klient*innen, Angehörigen und Fachkolleg*innen; oder Umfeldanpassung, damit Menschen Zugang zu Green und Blue Spaces erhalten (z. B. barrierearme Gartengestaltung im Pflegeheim, inklusive Naturspielplätze).
- Thema 3: Ergotherapeutischer Beitrag und Modelle
Die Autor*innen betonen, dass Nature-Based Therapy kein exklusives Ergo-Feld ist, sondern auch Psychologie, Pädagogik u. a. betrifft; ergotherapeutisch wird sie erst durch den Fokus auf Betätigung, Kontext und Partizipation. Das PEO-Modell (Person–Umwelt–Betätigung) sowie MOHO und dessen Assessments werden empfohlen, um naturbasierte Interventionen systematisch betätigungszentriert und klient*innenbeteiligt zu planen, durchzuführen und zu evaluieren.
00:41:22 – Evidenzlage und Bedeutung für die Praxis
Für naturbasierte Ergotherapie existieren bislang vor allem konzeptionelle Arbeiten und Scoping Reviews; belastbare Wirksamkeitsstudien speziell zur ergotherapeutischen Gartentherapie fehlen noch. Sara empfiehlt, das gesicherte Wissen zu Natur und Gesundheit zu nutzen, naturbasierte Betätigungen konsequent am Anliegen der Klient*innen auszurichten und mit ergotherapeutischen Modellen zu strukturieren, ohne Wirkungen zu versprechen, die empirisch (noch) nicht belegt sind.
00:42:23 – Abschluss und Einladung zur Mitgestaltung
Zum Schluss lädt Sara Ergotherapeut*innen erneut ein, Themenwünsche und Fragen einzureichen, um evidenzbasierte Fragestellungen aus der Praxis im Podcast gemeinsam weiterzudenken.
(Diese Zusammenfassung wurde mit Unterstützung von KI generiert.)
Sara Mohr [00:00:14] Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Evidenz auf die Ohren, dem Podcast für evidenzbasierte Praxis in der Ergotherapie. Mein Name ist Sara Mohr und ich sitze heute alleine vor dem Mikro. Nicht ganz alleine, denn ihr seid ja in Gedanken bei mir und was ich hier bei mir habe, sind zwei Themenvorschläge von euch mit Fragen zu evidenzbasierten oder nicht evidenzbasierten Themen in der Ergotherapie, die wir uns gleich anschauen möchten. Wir reden gleich über Mittellinienüberkreuzung und dann reden wir über Gartentherapie. Vorher möchte ich aber euch ein paar kleine Geschichten aus dem Alltag erzählen. Eigentlich habe ich nur eine kleine Geschichte und dann habe ich ein paar Einladungen für euch.
[00:01:17] Zuerst die Geschichte aus dem Alltag. Ich durfte vor ein paar Tagen meinen ersten Online-Workshop zum Thema Flow geben und zwar nicht einfach nur irgendwas mit Flow, sondern Flow für uns Ergos. Flow ist nämlich so als Konzept aus der positiven Psychologie ein ziemlich spannender Einstieg, um sich mal so mit seiner Betätigungsbalance auseinanderzusetzen. Und ich weiß nicht, wie es euch in eurem Ergo-Alltag so geht, aber so ein bisschen Betätigungsbalance, so ein bisschen. Wann habe ich denn eigentlich Phasen, wo anspruchsvolle Dinge passieren? Wo habe ich aber auch Phasen, wo ich mich mal entspannen kann? Und wo habe ich vielleicht auch Phasen, die Potenzial für Flow bieten? Das mal zu betrachten, das durfte ich vor ein paar Tagen mit einer ganz tollen Gruppe Ergos online machen. Und das war sehr, sehr schön, weil es, weil Flow auch so einlädt, sich miteinander auszutauschen, was denn so Betätigungen sind, die in den Flow bringen, wie ich meinen Alltag, meinen
[00:02:21] Ergo-Alltag gestalten kann, um da ein bisschen mehr Flow zu finden. Das war sehr, sehr schön. Und wenn ihr Lust habt, euch mit mir gemeinsam auch auf die Suche nach dem Flow und nach der Betätigungsbalance zu machen, dann habt ihr nächstes Jahr die Chance wieder dafür, nämlich im März. Am 6. 3. mache ich das nochmal. Und wenn ihr jetzt denkt, hey, dieses Flow-Konzept, das klingt nach einer ziemlich schönen Geschichte, vielleicht ist das auch was für meine Klientinnen und Klienten. Oh ja, dann könnt ihr schnell sein und am 14. 11. noch dabei sein. Da gebe ich nämlich eine Fortbildung genau zu dem Thema. Wie kann ich den Flow in der Therapie einsetzen, damit meine Klientinnen davon profitieren? 14. 11. Dieses Jahr und dann haben wir auch noch einen Termin im März nächstes Jahr. Und wo wir jetzt gerade bei Werbung sind, möchte ich mal mit euch noch, ich möchte mit euch noch über so ein Herzensthema von mir sprechen. Ich habe Anfang des Jahres im April zum ersten Mal, weil sich das ganz viele Einzel-Ergos [00:03:23] von mir gewünscht hatten, eine Online-Fortbildung zum Thema Modelle gemacht. Und das war ziemlich cool. Und jetzt möchte ich die, weil das so viel Spaß gemacht und weil das so schön war, im November nochmal anmelden. Und da sind noch ein paar Plätze frei. Und das ist meine nächste Einladung an euch. Wir treffen uns am 28. 11. Und am 29. 11. Jeweils für einen halben Tag. Und dann nochmal im Dezember, am 16. 12. Für zwei Stunden Nachbesprechung. Und ich erzähle euch jetzt einmal die Magic, die an diesen Tagen passiert. Weil ich weiß, eine Fortbildung zu Modellen ist jetzt nicht so das, was vielleicht direkt sexy klingt für euch, okay? Aber ich erzähle euch einmal, was wir machen. Am ersten Tag, an diesem 28. 11. Treffen wir uns online und reden erstmal drüber, warum denn überhaupt, also warum, warum Modelle? Warum brauche ich das? Was soll mir das denn bringen? Und ich erzähle auch so ein bisschen meine Geschichte mit Modellen, weil es ist jetzt nicht
[00:04:26] so, ich bin ja jetzt auch nicht seit gestern Ergotherapeutin schon ein bisschen länger. Und ich persönlich habe in der Ausbildung wenig bis nichts über Modelle gelernt. Ich erinnere mich sehr deutlich, dass ich das Moho, die einzelnen Komponenten, auswendig lernen musste. Und ich glaube, ich habe das sogar im Examen, wurde das abgefragt. Und dann habe ich das auch erfolgreich wieder vergessen. So, und dann waren die Modelle, haben jetzt so erstmal keine Rolle gespielt in meinem Therapiealltag und wurden mir erst wieder so um die Ohren gehauen, als ich mich entschlossen habe, den Bachelor zu machen. Und erstmal war ich davon nicht so sehr begeistert, weil ich dachte, naja, also ich bin jetzt seit ein paar Jahren Praktikerin, ich weiß schon, was ich tue, warum kommt ihr mir jetzt nachträglich mit so Theorien. Und dann, Freunde der Musik, sind Dinge passiert, die tatsächlich mein Arbeiten als Ergotherapeutin nachhaltig verändert haben.
[00:05:28] Und das heißt nicht, dass ich vorher schlechte Ergotherapie gemacht habe oder eine schlechte Therapeutin war, das glaube ich nicht, das will ich einfach nicht glauben. Aber ich mache seitdem meine Therapien anders. Seit ich mich mit den Modellen auseinandergesetzt habe, sind meine Therapien strukturierter und ich kann diese Struktur und meine Vorgehensweisen auch viel besser deutlich machen, meinen Klientinnen und Klienten. Und das Schöne ist, wenn denen das deutlich ist, was denn da so in der Ergotherapie Schritt für Schritt passieren wird, dann arbeiten die auch tatsächlich aktiver mit. Ohne dass ich an den ziehen oder schieben oder schubsen muss, fällt es denen viel leichter, aktiv mitzuarbeiten, wenn die diesen Prozess einmal verstanden haben. Und die Modelle sind seitdem für mich wirklich so ein Handlauf, so ein Geländer, an dem ich mich immer, wenn es mal ein bisschen wackelig wird, festhalten kann. Und das finde ich so toll. Und Modelle machen noch viele andere tolle Dinge. Und das gucken wir uns am Tag 1 an. Wir gucken uns an, wofür brauche ich denn Modelle überhaupt und wann brauche ich sie
[00:06:31] vielleicht auch nicht? Und was sind die Benefits davon? Das ist Tag 1. Und an Tag 2, das ist der Tag, when the magic happens, an Tag 2 baut ihr euch alle, die dann da dabei sind, euer eigenes Ergomodell. Ergomodell, weil, sind wir mal ehrlich, so ein Modell ist eine super Sache, aber ist erstmal eine Theorie, die für möglichst viele Menschen in möglichst vielen Fachbereichen, für möglichst viele KlientInnen gelten soll. Und es ist absolut legitim zu sagen, ich baue mir jetzt mein eigenes Ergomodell, das für mich und meine Klientel und mein Alltag passt und mir dieses Geländer, diesen Handlauf, diese Sicherheit, diese Struktur gibt und all die ganzen Benefits, sodass es für mich gut ist. Und darauf freue ich mich sehr, weil bei dem letzten Mal im April sind schon so tolle Modelle entstanden. Ich bin sehr gespannt auf eure Kreativität, das können wir ergo, wir sind ja kreativ. Und am dritten Tag, den wir uns dann treffen, das sind nur noch so zwei Stündchen am Abend,
[00:07:35] weil der Termin liegt ein bisschen später. Und an diesem Tag schauen wir, wie hat denn jetzt diese Umsetzung von diesen tollen Theorien, mit denen wir uns da zwei Tage beschäftigt haben, im Alltag tatsächlich geklappt. Wir feiern so ein bisschen zusammen Erfolge, wir gucken, was hat sich verändert und was darf sich vielleicht auch noch weiter verändern. Das ist so ein kleiner Re-Evaluationstermin für Ideenaustausch, für nochmal in der Gruppe gemeinsam ein bisschen unterwegs sein. Und das ist diese Online-Fortbildung zu den Modellen, die ich jetzt einmal hier kurz bewerben und euch herzlich dazu einladen würde. Link und alles findet ihr auf der Homepage ergo-unterwegs.de. Da könnt ihr buchen und ich freue mich, euch da zu sehen. Und jetzt holen wir einmal tief Luft und stürzen uns in die Evidenz. Wir haben bei Ergo unterwegs eine E-Mail bekommen von Lena. Und Lena hat die Folge 30 von Evidenz auf die Ohren gehört, das war die Mitmach-Podcast-Folge.
[00:08:36] Da hatte nämlich jemand anders gefragt, wie ist denn das mit Kinesiologie und Brain Gym? Und ihr könnt gerne auch nochmal reinhören in Folge 30, da erzählen wir das alles ausführlicher. Jetzt hier sei nur nochmal kurz gesagt, wir haben grundlegend gesagt, dass es für Brain Gym nicht keine Evidenz gibt, sondern es gibt Evidenz, dass Brain Gym nicht wirkt. Dass es Quatsch ist. Und das ist auch rein neurologisch und nach allem, was wir wissen über das Gehirn, nicht. Wie soll es funktionieren, dass über Kreuzübungen zum Beispiel Konzentration verbessern? Das macht keinen Sinn, da gibt es keinen Erklärungsmechanismus dahinter und das funktioniert so auch nicht. Lena schreibt jetzt aber, naja, sie hat in der Praxis schon öfter Kinder mit spezifischen Diagnosen, zum Beispiel Autismus, aber auch Entwicklungsverzögerungen oder ähnliches, bei denen tatsächlich so ein fehlendes Überkreuzen der Mittellinie zu beobachten ist und zum Beispiel auch noch im Schulalter besteht. Und das dann durchaus bei motorischen Aktivitäten einschränkend ist.
[00:09:40] Weil zum Beispiel viele unnötige Zwischenschritte gemacht werden müssen. Und ob es dann da, das ist dann ihre Frage, auch Quatsch ist, über Kreuzbewegungen gezielt zu üben. Und ich finde das eine sehr spannende Frage, Lena, und deshalb gucken wir uns jetzt einmal die Evidenz dazu an. Und ihr wisst ja, hier spricht jetzt nur Neuroergo ein Stück weit über Pädiatrie, ne? Zum Glück hat dieses ganze Thema Überkreuzung der Mittellinie auch viel mit Gehirnen zu tun. Aber ich möchte deshalb erstmal ganz bei den Basics starten. Und vielleicht sind die Pet-Ergos da draußen jetzt ein bisschen gelangweilt. Es tut mir herzlich leid, ihr wisst das bestimmt alle. Aber ich musste erstmal für mich nochmal klarkriegen, was meinen wir denn eigentlich genau, wenn wir vom Überkreuzen der Mittellinie sprechen. So, und da stellen wir uns eine gedachte Linie vor, die unseren Körper mittig so in eine linke und eine rechte Seite teilt. Und dieses Überkreuzen dieser gedachten Mittellinie passiert dann, wenn jemand, und das ist die Definition,
[00:10:43] spontan mit einer Extremität in den kontralateralen Raum greift und dort agiert. Also diese gedachte Linie überkreuzt. Und ihr habt richtig gehört, in der Definition geht es um eine Extremität. Das heißt, die Mittellinieüberkreuzung findet auch mit den Beinen statt. Das war mir neu und das war nicht sehr spannend. Wir fokussieren uns jetzt hier bei dem, was wir heute besprechen, hauptsächlich auf die Hände. Aber, good to know, theoretisch betrifft das auch die Beine. Das Überkreuzen der Mittellinie wird jetzt nochmal ein bisschen komplizierter, weil es nicht nur heißt, dass eine Hand kontralateral, also auf der anderen Seite agiert, sondern auch, dass die y-laterale Hand, also die Hand auf derselben Seite, nicht agiert, deren Aktivität also gehemmt wird. Wenn ich also jetzt mit meiner rechten Hand links von mir die Dose mit den Lutschbonbons greife, dann muss gleichzeitig meine linke Hand gehemmt werden und nicht da irgendwie zuerst aktiviert werden, um schneller zu greifen, nur weil sie vielleicht näher dran ist.
[00:11:47] Und Theorien zur Bewegungsplanung gehen aktuell davon aus, ihr wisst ja so Gehirn, Theorien dazu, wie Gehirne funktionieren, sind immer sehr schnell in ihrer Veränderung. Aber aktuell gehen gerade so Bewegungsplanungstheorien davon aus, dass unser Gehirn, wenn so eine Bewegung geplant wird, also ich möchte jetzt da die Dose mit den Lutschbonbons greifen, das sind übrigens Lakritz-Lutschbonbons, nur falls ihr euch gefragt habt, diese Dose, ich möchte jetzt mit meiner rechten Hand diese Dose greifen oder ich möchte diese Dose greifen, dann werden mehrere mögliche Bewegungspläne erstellt. Und es wird dann derjenige ausgewählt, der dem Gehirn am effizientesten erscheint, der also das beste Ergebnis beim geringsten Aufwand ermöglicht. Unser Gehirn ist grundlegend so ein bisschen faul. Wenn ich also jetzt zum Beispiel, wir nehmen mal ein anderes Beispiel als die Lakritz-Lutschbonbons, Wenn wir jetzt uns mal vorstellen, ich möchte mir eine Tasse Kaffee einschenken und die Tasse steht links von mir, ich bin Rechtshänderin, dann werde ich dieses Kaffee einschenken mit der rechten Hand tun.
[00:12:50] Dazu muss ich dann zwar die Mittellinie überkreuzen und nach links rübergreifen, weil da die Kaffeetasse steht, aber das ist weniger Aufwand als das Risiko wert ist, Kaffee auf meinem Schreibtisch zu verteilen, was mir mit Sicherheit passieren wird, wenn ich das mit links versuchen würde. Also dann würde mein Gehirn sagen, der Weg ist zwar mit rechts weiter, aber die Bewegung kann sicherer und effizienter gelingen, wenn ich das mit rechts im linken Greifraum mache. Und damit mein Gehirn diese kluge Entscheidung treffen und ich die Mittellinie überkreuzen kann, brauche ich drei Dinge. Ich brauche eine gefestigte Händigkeit. Mein Gehirn muss wissen, welche Hand denn am sichersten Kaffee einschenken kann. Ich brauche eine gute sensomotorische Kontrolle dieser meiner rechten Hand und das passiert natürlich durch die linke Gehirnhälfte. Und ich brauche eine effiziente Hemmung der linken Hand und das passiert durch die rechte Gehirnhälfte. Und da wird deutlich, wie das Überkreuzen der Mittellinie eine ziemlich komplexe Aufgabe ist,
[00:13:51] aber trotzdem bei vielen Betätigungen der effizienteste Weg. Ganz anders sieht das Ganze aus, wenn ich jetzt nicht links von mir eine Kaffeetasse einschenken möchte, sondern sowas wie, ich brauche einen Notizzettel, der links von mir liegt und weil ich mir was notieren will und ich greife da einfach nach links, dann werde ich den wahrscheinlich eher mit links greifen und vor mich legen, um dann drauf zu schreiben, weil das ist eine einfache Aufgabe, die die linke Hand auch wunderbar bewältigen kann. Dann gibt es aber natürlich auch noch spannende Grenzfälle. Also wenn ich jetzt einen Stift zum Notieren brauche, auf diesem Notizzettel, der auch links liegt, könnte ich den theoretisch greifen und rüberholen mit links, weil ich aber mit rechts schreibe, habe ich eher die Tendenz, ihn auch mit rechts zu greifen und ihn dann direkt schon in einer ökonomischen Bewegung richtig in der Hand zu halten, um direkt loszuschreiben, statt ihn von der linken Hand erst in die rechte Hand zu übergeben. Obwohl die linke Hand also vollkommen in der Lage wäre, diesen Stift links adäquat zu greifen und nach rechts rüber zu holen,
[00:14:56] kommt es also auch noch darauf an, wie die Betätigung denn weitergeht, also was mit dem Gegenstand passieren soll, den ich greife. Ihr seht also, das hat nicht nur damit zu tun, wie unser Gehirn verkabelt ist und wie gut es funktioniert, sondern auch damit, wie die Umwelt gestaltet ist und wie die Betätigung gestaltet ist. Übrigens noch ein Fun-Fact am Rande, den ich gelernt habe bei der Recherche zu diesem Thema. RechtshänderInnen überkreuzen die Mittellinie mit ihrer Dominanten, also mit der rechten Hand, viel häufiger, als LinkshänderInnen die Mittellinie mit ihrer linken Hand überkreuzen. Mal kurz, ich sage den Satz nochmal, weil ich habe das Gefühl, mit rechts und links sind wir jetzt alle an diesem Punkt schon durcheinander. RechtshänderInnen überkreuzen die Mittellinie mit ihrer dominanten Hand, viel häufiger als LinkshänderInnen das mit ihrer dominanten Hand tun. Und es wird vermutet, man weiß das nicht genau, aber es wird vermutet, dass das damit zusammenhängt, dass LinkshänderInnen und Linkshänder generell
[00:15:57] meistens eine weniger deutlich ausgeprägte Händigkeit haben und viele Aufgaben mit der rechten und der linken Hand ähnlich gut ausführen können. Also die Hand gar nicht so eine dominante Hand haben, zumindest nicht in einer Stärke der Dominanz, wie das bei RechtshänderInnen ist. Wenn es euch hier übrigens vor allem um dieses Thema Händigkeit und das überkreuzen der Mittellinie geht, wenn ihr das sehr spannend findet, dann möchte ich euch an dieser Stelle ein Buch empfehlen von Elke Kraus, das heißt Zwischen Links- und Rechtshändigkeit. Und das dröselt dieses Thema, ich habe da nur so reingelesen, aber das dröselt dieses Thema aber wirklich ausführlichst auseinander. Da werden, glaube ich, alle Fragen drin beantwortet, die es zur Händigkeit geben kann. Ich habe aber nicht nur in diesem Buch mich eingelesen, sondern ich habe natürlich auch nach Studien geschaut zur Mittellinienüberkreuzung. Und das war ziemlich spannend, weil ich habe wirklich sehr, sehr alte Studien gefunden. Also die ältesten Studien zur Mittellinienüberkreuzung, die mir über den Weg gelaufen sind, sind aus den 50er Jahren.
[00:16:58] Und dann kam noch mal so eine Welle Studien, vor allem so in den 70er, 80er Jahren, im ergotherapeutischen Kontext. Da hat unter anderem unsere gut bekannte Jean Ayres eine Studie zugemacht. Wenn ihr mehr zu Jean Ayres wissen wollt, könnt ihr in Folge 19 noch mal reinhören. Und dann hatte ich so das Gefühl bei der Recherche, naja, da ist aber so nach den 80ern, frühen 90ern nicht mehr viel nachgekommen an Studien. Es gibt so ein paar neuere Studien, die sich vor allem angeguckt haben, wann entwickeln Kinder denn die Fähigkeit, die Mittellinie zu überkreuzen. Und das ist ja auch ganz spannend zu wissen. Also generell ist dieses Mittellinienüberkreuzende Fähigkeit, die sich sehr stark vor allem zwischen dem zweiten und dem zehnten Lebensjahr verstärkt entwickelt. Das heißt, Zehnjährige sind deutlich besser darin, die Mittellinie zu überkreuzen, als Vierjährige oder Fünfjährige. Das entwickelt sich wirklich bis zum zehnten Lebensjahr noch weiter.
[00:18:02] Die Fähigkeit beginnt oder tritt meistens so zum ersten Mal auf, auch schon bei Babys. Die kreuzen auch schon die Mittellinie, zum Beispiel, wenn sie lernen, sich auf den Bauch zu drehen. Oder wenn sie beidhändig nach einem Spielzeug greifen, das auf einer Seite liegt oder über ihnen seitlich hängt. Und Elke Kraus, die viel zur Händigkeit geforscht hat, schreibt in einem Artikel, dass das Überkreuzen der Mittellinie zu beiden Seiten bimanuell, simultan, also zum Beispiel mit beiden Händen nach einem Ball auf der linken Seite greifen und das Greifen alternierend, also mit der rechten Hand nach einem Ball auf der linken Seite greifen, sollte sich zwischen dem achten und zwölften Lebensmonat entwickeln. Dann ist es allerdings noch häufig zusätzlich mit Rumpfrotation verbunden. Also es ist noch keine selektive Bewegung nur von der Hand oder dem Arm, es ist häufig noch der ganze Rumpf involviert. Und so ab dem achtzehnten Lebensmonat sollten Kinder dann in der Lage sein, die Mittellinie zu überkreuzen,
[00:19:02] nur manuell, ohne dass der Rumpf mit rotiert. Hier einmal kurz zusammenfassen, Mittellinie spontan überkreuzen zu können, ist eine ziemlich wichtige Fähigkeit und eine ziemlich komplexe Fähigkeit. Sie erweitert aber den Handlungsraum deutlich. Das merken wir bei super vielen Betätigungen. Fangen wir an bei im Schneidersitz sitzen können, Mittellinieüberkreuzung auch mit den Beinen. Aber auch so Basissachen wie die andere Körper, jeweils andere Körperhälfte waschen oder eincremen, sich anziehen, schreiben, alles Mittellinienüberkreuzung. Diese Erweiterung des Handlungsraums durch das Überkreuzen der Mittellinie wird auch ganz deutlich, wenn wir uns einfach vor Augen halten, es geht einfach darum auch, dass ich in einer Hand einen Gegenstand halten kann oder mich abstützen kann und trotzdem mit der jeweils anderen Hand die Möglichkeit habe, alles Mögliche in allen Bewegungsrichtungen zu tun. Eben nicht nur auf einer Körperseite, sondern in allen Bewegungsrichtungen. Und auch die bimanuelle Koordination
[00:20:03] ist dadurch viel feiner aufeinander abgestimmt. Wenn ich die Mittellinie jetzt schwierig kreuzen kann, es ist ja meistens nicht so, dass diese Kinder das gar nicht können, sondern dass es nur sehr schwer fällt und vielleicht für die anstrengend ist und sie es dadurch sehr selten tun oder es vermeiden, dann sind viele Betätigungen auch einfach umständlicher, weil ich zum Beispiel Gegenstände öfter zwischen den Händen hin und her geben muss und dabei können die mir runterfallen oder die Betätigung ist einfach nicht in der Form möglich, wie es gut wäre. In vielen Bereichen, das habe ich jetzt so bei der Recherche gemerkt, ist dieses ganze Thema Mittellinienüberkreuzung noch mit so einigen Fragezeichen auch besetzt. Also es gibt zum Beispiel Hinweise darauf, dass die Ausprägung der Händigkeit und das Überkreuzen der Mittellinie zusammenhängen. Das heißt, Personen, die eine weniger ausgeprägte Händigkeit haben, überkreuzen auch seltener die Mittellinie und umgekehrt sehen wir, dass Menschen mit einer gefestigten Händigkeit auch häufiger und weiter,
[00:21:04] vor allem mit der dominanten Hand, über die Körpermittellinie greifen. Aber dazu sehen wir nur Hinweise, dass diese beiden Dinge zusammengehören. Und dann scheint es ebenso auch Hinweise zu geben in der Literatur, dass das fehlende oder das verringerte Überkreuzen der Körpermittellinie eben vermehrt, wie Lena das auch bei sich beobachtet hat, bei Kindern mit UEMF oder ADHS oder Autismus oder auch Cerebralparese auftritt. Bei diesem ganzen Themenkomplex müssen wir aber vorsichtig sein, weil es gibt dazu echt nicht viele Studien. Und diese Studien haben häufig auch nur sehr kleine Stichproben, die aufzeigen, okay, es gibt da irgendwie einen Zusammenhang, dass das häufiger auftritt bei Kindern mit entsprechenden Diagnosen. Und es gibt aber auch Studien, die sich das angeguckt haben und die sagen, es gibt keinen Zusammenhang zwischen den Diagnosen und dem Überkreuzen der Mittellinie. Also da stehen sich noch verschiedene Aussagen gegenüber dem Raum. Wir sind nicht in der Forschung so weit, dass wir sagen könnten,
[00:22:04] dass das eine, und das ist ein ganz wichtiger Punkt, das andere auslöst. Also das verringerte oder fehlende Überkreuzen der Mittellinie löst kein ADHS aus. Und wenn ich ADHS habe, löst das auch nicht automatisch fehlendes oder verringertes Überkreuzen der Mittellinie aus. Da sind wir wieder bei dem Thema, ich hoffe, ihr habt alle noch keinen Knoten im Kopf, da sind wir wieder bei den Themen Korrelation und Kausalität. Die sind schon in Folge 13 ganz wichtig geworden, als wir über Reflexintegration gesprochen haben. Deshalb hier noch einmal kurz aufgreifen an einem ganz stupiden Beispiel. Im Sommer essen sehr viele Menschen Eis und im Sommer bekommen sehr viele Menschen Sonnenbrand. Das ist eine Korrelation. Diese beiden Phänomene, Eis essen und Sonnenbrand kriegen, treten gleichzeitig auf. Wir können aber nicht sagen, dass das Eisessen den Sonnenbrand auslöst. Wir haben also keine Kausalität.
[00:23:06] Und damit können wir Menschen auch nicht als Sonnenbrandprävention vorschlagen, dass sie einfach weniger Eis essen. Versteht ihr, wie ich meine? Also die Korrelation heißt, die beiden Phänomene treten gemeinsam auf und das ist erstmal spannend zu beobachten. Das ist ja sehr interessant. Das heißt aber nicht, dass der eine Faktor den anderen auslöst oder verantwortlich dafür wäre. Und genauso können wir eben nicht sagen, dass wir zum Beispiel nur das Überkreuzen der Körpermitte trainieren müssen. Dann werden Symptome von UEMF, ADHS und so weiter weniger, weil dafür bräuchten wir einen kausalen Zusammenhang. So, ihr merkt jetzt, wenn wir so viel über Kontra- und Y-lateral, über links und rechts sprechen, dann klingelt’s. Und wer steht vor der Tür? Richtig, das Corpus callosum, der Balken, der unsere beiden Hirnhemisphären verbindet. Und wenn wir über den Balken sprechen, dann bin ich bei diesem Thema aus folgendem Grund immer so ein bisschen vorsichtig.
[00:24:07] Weil, wenn wir diese Aussage hören, naja, sie müssen über Kreuzübungen machen, damit ihre Hirnhälften wieder besser vernetzt werden, also ihr Balken besser funktioniert, das Corpus callosum gestärkt wird, dann sage ich meinen Klienten auch gleichzeitig, sie haben eine neurologische Schädigung. Ihre Hirnhälften sind nicht miteinander vernetzt oder nicht ausreichend miteinander vernetzt. Denn in einem gesunden Gehirn sind die Hirnhälften über das Corpus callosum ganz wunderbar miteinander verbunden. Und wir haben bisher keine Studien, die zeigen, dass irgendwie, weiß ich nicht, Kinder mit ADHS oder mit UMF oder mit Autismus ein fehlendes Corpus callosum hätten. Es gibt Menschen, die werden ohne oder mit einem wenig ausgeprägten Corpus callosum geboren. Das gibt es als Fehlbildung des Gehirns. Entsprechend haben diese Menschen natürlich unterschiedlichste Symptome, Entwicklungsverzögerungen, es können kognitive Behinderungen auftreten,
[00:25:08] es können andere Symptome auftreten. Aber bei jemandem, der diese Diagnose nicht hat, also der keine diagnostizierte Fehlentwicklung des Corpus callosum hat, wäre ich einfach vorsichtig mit der Aussage, ihre Hirnhälften sind nicht richtig miteinander verbunden. Das nur kurz einmal meine ganz persönliche Einschätzung zu diesem Thema. Nun hat uns ja Lena aber eingangs die Frage gestellt, ob sich das Überkreuzen der Mittellinie beüben und trainieren lässt. Und dazu lautet die Antwort, zumindest basierend auf den Studien, die vorliegen, wahrscheinlich ja. Wie bei allem anderen auch, braucht unser Gehirn aber, damit es die Fähigkeit, egal welche Fähigkeit, aber in diesem Beispiel die Fähigkeit, die Mittellinie zu überkreuzen, damit es diese Fähigkeit lernt, häufige Wiederholungen und regelmäßiges Beüben. Nur dann verbessern sich auch diese Fähigkeiten. Also einmal in der Woche für zwei Minuten mit der linken Hand
[00:26:10] mein rechtes Knie berühren, wird wenig bis gar nichts für die Verbesserung der Mittellinienüberkreuzung tun. Aber genau zu identifizieren, bei welchen Betätigungen das fehlende Überkreuzen der Mittellinie denn schwierig ist und das dann konkret zu beüben und zwar täglich, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass das dann auch in Zukunft besser gelingt. Alle Studien und Infos und Texte zum Thema Mittellinienüberkreuzung, die ich gefunden habe und spannend fand, packe ich euch in die Shownotes rein. Das sind diesmal echt viele. Stöbert da mal durch. Herzliche Einladung. Die Shownotes findet ihr übrigens, ich glaube, das sage ich nicht oft genug. Die Shownotes sind auf ergo-unterwegs.de und wenn ihr da auf Podcast klickt, findet ihr alle Folgen und zu den Folgen gibt es immer ausführliche Shownotes und auch ein Transkript zu jeder Folge, falls ihr nochmal was nachlesen möchtet. Das war es zum Thema Mittellinienüberkreuzung und jetzt wollte ich noch mit euch über Gartentherapie sprechen.
[00:27:11] Bei der letzten Mittwach-Folge hatte sich Paule das Thema Gartentherapie gewünscht und da habe ich das nur so ganz kurz angerissen, hatte aber schon gesehen, da gibt es echt viele Studien zu und dann hat es sich Sarah nochmal gewünscht. Grüße gehen raus an euch alle und dann habe ich gedacht, hopp, komm, dann nehmen wir uns das jetzt nochmal genauer vor. Wenn wir von Gartentherapie sprechen, ich mache hier die Recherchen für den Podcast meistens in englischsprachiger Literatur, weil es da mehr gibt. Da ist der Begriff Nature-Based Therapy, also naturbasierte Therapie und da gucken wir gleich auch nochmal rein. Der ist nämlich nochmal eine Nummer größer, aber erstmal global drauf gucken, weil also das in der Natur sein gesund ist, da ist sich die Forschung sehr einig. Es gibt Empfehlungen, offizielle Empfehlungen, dass man mindestens zwei Stunden wöchentlich draußen im Grünen sein sollte, wenn man positive Konsequenzen für die mentale Gesundheit haben möchte.
[00:28:12] Wir sehen in Studien, dass dieses mindestens zwei Stunden wöchentlich draußen im Grünen sein den Stress reduziert, den Blutdruck senkt, die Stimmung verbessert, die Aufmerksamkeitsleistung verbessert und auch den Schlaf. Und diese Komponenten, also wenn ich gut schlafe, wenn ich eher so eine positive Grundstimmung habe, wenn ich einen guten Blutdruck habe, das sind natürlich auch Komponenten, die dann langfristig wieder dazu beitragen, dass zum Beispiel mein Immunsystem gut funktioniert, dass mein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sinkt oder auch mein Risiko für psychische Erkrankungen wie Angststörungen oder Depressionen. Ich weiß jetzt nicht, dass ich gar kein Risiko mehr dafür hätte, aber es wird niedriger. Einfach durch mindestens zwei Stunden wöchentlich draußen im Grünen sein. Ist das nicht erstmal so eine schöne Grundinformation? Das Ganze baut auf, also theoretisch, der theoretische Hintergrund dazu, auf der sogenannten Biophilia-Hypothese. Und die besagt,
[00:29:13] dass Menschen sich über Jahrtausende in der Natur und mit der Natur entwickelt haben. Und der Aufenthalt in der Natur ist daher gut für uns, weil er quasi unser ursprünglicher Lebensraum ist. Natur bietet häufig, nicht jede Natur, aber häufig, lasst euch das sagen von jemandem, der drei Jahre in Australien gelebt hat, aber Natur bietet häufig eine Pause von stressigen oder überfordernden Einflüssen der modernen Zivilisation. Und damit ich diese ganzen Benefits vom Draußensein habe, muss ich jetzt nicht in die menschenfernsten Bergregionen gehen, auch wenn wir das vielleicht manchmal wollen. Es reicht tatsächlich schon ein Spaziergang durch den Park. Und die Forschenden reden da von Green and Blue Spaces. Das fand ich ein sehr schönes Konzept, also von blauen und grünen Orten. Und damit sind dann die grünen Orte gemeint, also Orte mit viel Vegetation. Das kann ein Wald sein,
[00:30:13] ein Park, eine Wiese, Felder, aber auch Orte am Wasser. Das sind die Blue Spaces, Bäche, Flüsse oder das Meer. Was die Forschung, das ist wieder so ein Funfact, über den ich gestolpert bin bei der Recherche, obwohl ich die nach ihm gesucht habe. Aber was die Forschung bisher übrigens noch nicht eindeutig nachweisen konnte, ist dieser Urban Myth, dieser Mythos, dass Kinder, die früh viel draußen sind und in der Natur spielen, später weniger Allergien haben. Dieser Zusammenhang konnte bisher nicht eindeutig nachgewiesen werden. Also ich habe das immer so als Fakt gehört, dass wenn jemand Allergien hat, dann hat er als Kind nicht genug im Dreck gespielt. Und es gibt tatsächlich Studien, die sich das angeschaut haben, die das untersucht haben, aber die konnten keine eindeutigen Zusammenhänge nachweisen. Schaden tut es Kindern sicher trotzdem nicht, wenn die Zeit in der Natur verbringen dürfen. Wie genau passt das jetzt alles
[00:31:13] in die Ergotherapie? Soll ich jetzt also alle meine KlientInnen in den Wald schleppen? In dem Kontext drängt sich mir bei sowas natürlich immer die Frage auf, ist denn im Wald sein überhaupt ein Betätigungsanliegen dieser Person? Also wenn das jetzt Frau Meier gerade am wichtigsten ist, dass sie sich in ihrer Küche wieder eigenständig Frühstück zubereiten kann, dann wäre das sicherlich mehr als unpassend, die einfach mit in den Wald zu nehmen, nur weil das vielleicht auch im Nebeneffekt ihre Depression verbessern könnte. Aber natürlich könnte ich im Rahmen der Edukation Frau Meier darüber aufklären, dass häufigere Spaziergänge im Freien eine Betätigung sein könnten, die ihre Stimmung aufhält, wenn sie das als Anliegen äußert und vielleicht auch auf der Suche nach Freizeitaktivitäten ist. Dann müssten wir allerdings immer noch gemeinsam erarbeiten, wie soll denn dieser Aufenthalt im Freien aussehen? Also ich persönlich, wenn man mir sagt, geh mehr raus, bin ich jetzt noch nicht so hoch motiviert, mehr rauszugehen. Aber vielleicht will sie zukünftig
[00:32:15] mit ihrem E-Rolli durch die frische Luft zum Einkaufen fahren. Oder vielleicht will sie mit dem Hund wieder mehr spazieren gehen. Oder vielleicht will sie mit einem Freund walken gehen. Oder vielleicht will sie einfach nur in Ruhe, alleine, die Pflanzen auf ihrem Balkon pflegen. Auch das wäre ein Green Space. Und dann stellt sich wie immer in der Therapie die Frage, okay, jetzt haben wir hier eine Betätigung identifiziert, die im Freien stattfindet, die bedeutungsvoll für sie ist, die sie unterstützt in ihrem Wohlbefinden und in ihrer Lebensqualität. Und wie schaffen wir das, dass sie diese Betätigung dann auch regelmäßig umsetzt. Und ihr seht, da entsteht jetzt ganz schnell ein ganzer Therapieprozess. Wenn sich abzeichnet, dass die Klienten Interesse daran haben, mehr Zeit draußen zu verbringen. Wenn das gerade nicht das Betätigungsanliegen ist, und da sind wir wieder bei meiner persönlichen Meinung, dann geht es erstmal darum, das konkrete Betätigungsanliegen zu bearbeiten, bevor wir Leute ins Grüne schleppen. Jetzt aber nochmal konkret
[00:33:15] zur Forschung. Ich habe drei aktuelle Studien gefunden, die sich unterschiedliche Aspekte von Ergotherapie in der Natur anschauen und die möchte ich euch einmal kurz vorstellen. Die erste Studie ist ein Scoping Review, das sich auf pädiatrische, naturbasierte Ergotherapie konzentriert. Scoping Review heißt, die Forschenden haben nach allen möglichen Studien gesucht, die sich mit diesem Thema Pädiatrie, Ergotherapie und naturbasiert beschäftigen. Und dabei sind sie auf zwölf Artikel gestoßen. Davon waren zwei wissenschaftliche Studien und zehn Artikel waren sogenannte graue Literatur. Ich finde, graue Literatur klingt immer so, als wenn man irgendwelche alten Manuskripte in der Bibliothek versteckt hinterm Schrank gefunden hätte. Graue Literatur meint Artikel, die nicht wie eine Studie in einem wissenschaftlichen, peer-reviewten Journal erschienen sind, sondern auf andere Weise veröffentlicht wurden. Also zum Beispiel als Diskursbeitrag oder als ein Blogbeitrag
[00:34:16] im Internet oder als Vortrag auf einer Konferenz oder irgendein anderes öffentlich zugängliches Textdokument. Das heißt, es waren keine Studien, die wissenschaftlich publiziert wurden, sondern anderweitige Texte. Das heißt aber auch immer, graue Literatur wurde nicht von unabhängigen Personen überprüft, ob das, was da drin steht, guter wissenschaftlicher Praxis entspricht. Trotzdem kann graue Literatur oft wichtige Informationen erhalten, die dann in so ein Scoping Review mit einfließen können. Einfach um so ein umfassendes Bild zu bekommen. Das möchte ich ja mit einem Scoping Review. Das ist ja oft so ein Vorfühlen erstmal. Wie gestaltet sich denn da die Forschungslandschaft? Was haben wir denn da alles so für Informationen, die durch den Raum wabern? Was wird gerade untersucht? Wo sind vielleicht auch Forschungslücken? Und die Forschenden in diesem Scoping Review sind jetzt auf ein ziemlich großes Problem gestoßen, nämlich diese zwölf Studien oder diese zwölf Artikel
[00:35:17] waren sich sehr uneinig, was denn eigentlich naturbasierte Therapie ist. Also was wir eigentlich damit meinen, wenn wir sagen, dass eine Intervention naturbasiert ist. Und es macht es total schwierig, gescheite Studien zu gestalten, wenn ich gar nicht genau weiß, was ich untersuche. Also es gab Texte, in denen ging es um Gartentherapie und damit meinten die zum Beispiel Gemeindegärten, die so angelegt waren, dass möglichst viele Menschen dort gemeinsam gärtnern konnten. Teilweise ging es aber auch um sogenannte Wilderness Therapy, also Therapie, bei der man wirklich draußen in der Natur, in der Wildnis unterwegs ist. Es gab Texte, die haben sich vor allem auf den Aspekt von Tieren in der Natur fokussiert, also auch so ein bisschen Richtung tiergestützte Therapie. Und so konnten die Forschenden jetzt hier für dieses Review echt keinen gemeinsamen Nenner finden, um sagen zu können, in der Ergotherapie kann naturbasierte Therapie in der Pädiatrie so und so aussehen. Das Feld ist einfach noch nicht genau untersucht.
[00:36:19] Oder noch nicht genau genug. Ist jetzt ein bisschen enttäuschend, kurz, Entschuldigung. Aber ich habe mir noch eine Studie mitgebracht. Die hat sich dieses offensichtlich sehr breite Feld auch genauso breit angeschaut. Ist wieder ein Scoping Review, aber diesmal haben die ein bisschen eine einfachere Frage gestellt, nämlich generell, welche Artikel gibt es, aus denen wir ableiten können, wie ErgotherapeutInnen die Natur in ihre Intervention einbinden. Also die haben sich nicht auf die Pädiatrie fokussiert, sondern allgemein, was machen Ergos, wenn sie sagen, ich mache Nature-Based Therapy. Und dazu haben sie 64 Texte gefunden und das ist schon eine stabile Zahl. Und aus der Analyse dieser Texte sind drei Themen entstanden, um die Themen gucken wir uns an. Thema 1. Betätigungsbasierte Anwendung. Wer jetzt gerade über den Begriff betätigungsbasiert gestolpert ist, herzliche Einladung Folge 5
[00:37:19] nochmal zu hören. Da dröseln wir die Begriffe Betätigungsbasierung, Zentrierung und Fokussierung auf. Naturbasierte, betätigungsbasierte Therapie, ich glaube, das kann man schöner nennen, Natur- und betätigungsbasierte Therapie, heißt in diesem Themenfeld jetzt, dass die Therapie in der Natur stattfindet. Das bedeutet häufig, zum Beispiel jetzt in den Artikeln, die in diesem Review drin waren, häufig im Rahmen von therapeutischen Gruppenangeboten, also zum Beispiel eine Gartengruppe in psychiatrischen Einrichtungen oder auch Gartenbau im Rahmen der Arbeitstherapie, aber auch bei Menschen nach einem Schlaganfall oder mit Demenz in der Natur Therapie zu gestalten. Es gab auch Gruppenangebote wie Spaziergruppen zum Beispiel. Und eine weitere Form unter diesem Thema betätigungsbasierte Anwendung war das Thema Natur im Rahmen der Gemeindenahen, also Community-Based Ergotherapie. Dabei ging es häufig um Projekte, zum Beispiel wie die Gemeindegärten
[00:38:20] mit dem Fokus, dass interessierte KlientInnen in diesem Garten aktiv sind und da auch dann soziale Inklusion ermöglicht wird. Das zu betätigungsbasiert, Thema zwei, man hat es sich fast schon gedacht, ist betätigungsfokussierte Anwendung. Das heißt, die Natur steht zwar im Fokus, ich bin aber nicht unbedingt direkt in der Natur mit den Menschen. Da ging es zunächst darum, Edukation umzusetzen, also edukative Interventionen, KlientInnen, Zugehörigen, aber auch andere Fachpersonen darüber aufzuklären, wie wichtig und gesund Betätigungen in der Natur sein können. Und das dient eben dem Ziel, möglichst vielen Menschen den Zugang zu grünen und blauen Orten zu ermöglichen. Einmal dadurch, dass sie wissen, dass gut für mich sein kann, in der Natur zu sein und diesen Zugang aber auch ermöglichen, indem es zum Beispiel ergotherapeutische Anpassungen gibt, die es den Personen erst ermöglichen,
[00:39:21] in der Natur wirklich zu sein. Also zum Beispiel, wie soll ein Garten in einem Seniorenheim denn gestaltet sein, damit ihn möglichst viele Menschen genießen können? Oder wie sollte ein Naturspielplatz aussehen, damit ihn alle Kinder nutzen können? Und so weiter. Das finde ich einen sehr spannenden Punkt übrigens. Also auch das, auch diese Planung von wie kann denn eine Person Natur erleben, wie muss denn die Umwelt gestaltet sein, damit die Person in dieser Umwelt sein kann? Auch das fällt unter naturbasierte Ergotherapie. Und Thema Nummer drei, das aus der Analyse herausfiel, ist der ergotherapeutische Beitrag. So heißt es. Weil die Forschenden sagen in diesem Artikel, ganz klar, naturbasierte Therapie ist nichts speziell ergotherapeutisches. Also ich kann naturbasierte Therapie zum Beispiel auch in der Psychologie finden oder in der Pädagogik. Das bieten ganz viele Berufsgruppen an. Das ist nichts speziell ergotherapeutisches. Das heißt, unter diesem dritten
[00:40:21] Themenkomplex haben sie vor allem herausgearbeitet, welche ergotherapeutische Brille brauche ich denn, damit ich nicht einfach nur in Anführungszeichen naturbasierte Therapie mache, sondern damit ich naturbasierte Ergotherapie mache. Und sie empfehlen da die ganze Thematik durch das P-OP-Modell zu betrachten, weil sich damit so gut darstellen lässt, wie denn Person, Umwelt und Betätigung zusammenspielen und worauf ich in den verschiedenen Bereichen achten muss, wenn ich Betätigung in grünen und blauen Räumen ermöglichen möchte. Sie sagen auch, dass Moho eignet sich gut, vor allem wenn ich mit Gruppen oder in gemeindenahen Interventionen arbeite, weil mir das hilft, den Prozess zu strukturieren und sicherzustellen, dass die KlientInnen in den Prozess involviert sind. Sie sagen auch, die Moho-Assessments funktionieren auch in diesem Kontext gut. also große Empfehlungen, die singen so ein kleines Loblied auf das Moho hier zwischendrin für die Umsetzung
[00:41:22] von naturnaher, naturbasierter Ergotherapie, die trotzdem noch betätigungsbasiert und betätigungsfokussiert bleibt. Das also zu den Studien zur Gartentherapie oder vielleicht sagen wir besser naturbasierten Therapie. Ihr seht, das waren jetzt zwei Reviews, das heißt wirklich konkrete Studien, die auch die Wirksamkeit von naturbasierter Therapie sich angucken. Gibt es noch nicht, wissen wir noch nicht. Wir sehen Potenzial, weil wir aus anderen Studien außerhalb der Ergotherapie wissen, dass in der Natur sein positiv für die Gesundheit ist, aber speziell für die Ergotherapie hat sich das noch niemand angeschaut. Alle Studien, die ich mir dazu jetzt angeschaut habe, findet ihr auch wieder in den Shownotes. und damit kommen wir jetzt schon zum Ende dieser kleinen Nachhol-Mitmach-Folge. Wenn ihr Themenwünsche, Themenvorschläge habt,
[00:42:23] schreibt einfach eine Nachricht, entweder über das Kontaktformular auf ergo-unterwegs.de oder ihr findet uns auch auf Instagram, da heißen wir ergounterwegs. Da könnt ihr uns auch jederzeit eine Nachricht schreiben und dann machen wir hier den Deckel drauf und hört uns das nächste Mal wieder.
(Dieses Transkript wurde mit Unterstützung von KI generiert.)
Die Studie in Bildern

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